
Durchblick 8+ – Azur und Asmar – Michel Ocelot – Frankreich 2006 – 95 min.
Originaltitel: Azur et Asmar
Originalfassung: französisch, arabisch, arabisch m. franz. UT
Animationsfilm – 95 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Frankreich 2006
Regie, Buch und Realisation: Michel Ocelot.
Schnitt: Michèle Peju
Musik: Gabriel Yared
Stimmen im Original: Cyril Mourali, Karim M'Ribah, Hiam Abbass, Patrick Timsit u.a.
Produktion: Nord-Ouest production, Rhone Alpes Cinéma u.a.
Deutsche Fassung: deutsch, arabisch, arabisch mit dt. UT
Cannes 2006 (ausgewählt zur Quinzaine des Réalisateurs), Publikumspreis beim London Children's Film Festival 2006, Ale Kino Poznan/Polen 2006 (Preis für den besten Animationsfilm), Sprockets Toronto/Kanada 2007 (Publikumspreis für den besten Animationsfilm), Internationales Trickfilmfestival Stuttgart 2007 (Preis für den besten langen Animationsfilm), Kinderfilmfest München 2007 (Publikumspreis), Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Nuevamirada Buenos Aires/Argentinien.
Als kleine Buben wissen Azur und Asmar noch nichts von Fremdheit oder von verschiedenen Kulturen. Dieselbe Brust nährt sie, nämlich die der arabischen Mutter des dunkeläugigen Asmar. Aber auch für den blonden, blauäugigen Azur ist diese Frau, seine Amme, eine liebevolle Mutter. Wie Brüder verbringen sie ihre Kindheit. Von Anfang an spielen märchenhafte Elemente hinein, wenn die Mutter nicht nur aus ihrer fernen, schönen Heimat erzählt, wo die Fee der Djinns auf ihre Befreiung wartet, sondern solche elfenartigen Wesen auch nachts den Schlaf der Jungen bewachen. Es ist ein mittelalterlich anmutendes Frankreich, in dem die Geschichte beginnt. Die Jungen werden größer und Azurs Vater schickt seinen Sohn zum Lernen weg in die Stadt. Damit hat sich die Arbeit der Amme aus seiner Sicht erledigt. Hartherzig jagt er sie samt ihrem Sohn aus dem Haus. Doch Azur vergisst weder die Wärme noch die Träume seiner Kindertage und beschließt als junger Mann, übers Meer zu ziehen in das Land, aus dem seine Ziehmutter kam. Das empfängt ihn unwirtlich: nach einem Schiffbruch an Land gespült, trifft er auf Menschen, die sich vor seinen blauen Augen gruseln, weil der Volksglaube hier sagt, solche Augen würden Unglück bringen. Azur schließt die seinen und wandert fortan als Blinder durch das fremde Land, dessen Sprache ihm als Kind geläufig war, die er aber fast vergessen hat. Von dem orientalischen Zauber des Landes bekommt er so erst einmal wenig mit. Aber da wir uns in einem Märchen befinden, geschieht ein Wunder: Azur findet seine Ziehmutter wieder, die sich hier zu einer wohlhabenden einflussreichen Frau gewandelt hat. Dank ihr kann er seine Augen wieder öffnen. Denn sie, die „zwei Länder, zwei Sprachen, zwei Religionen“ kennt, hält gar nichts von abergläubischen Vorurteilen. Sein Bruder Asmar sieht zuerst nur den Rivalen in ihm. Beide wollen sie die verwunschene Fee erlösen, von der sie als Kinder so viel hörten. Doch je gefährlicher ihre Abenteuer auf dem Weg dorthin werden, desto stärker stellt sich ihre frühere Verbundenheit wieder ein.
»Ausgesprochen liebevoll, mit viel Poesie und immer wieder aufblitzendem Witz plädiert Michel Ocelot in „Azur et Asmar“ für ein tolerantes Miteinander von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Große Hoffnung setzt er dabei auf die weibliche Hälfte der Menschheit, die hier meist warmherziger, sensibler und klüger gezeichnet wird als ihr männliches Gegenstück. Doch auch die beiden Helden Azur und Asmar lernen, ihr unterschiedliches Wissen zusammenbringen, um gemeinsam die Fee befreien zu können. Und genauso ergänzen die Kulturen einander. Das ist die zentrale Botschaft des Animationsfilms. Die Szenen in Frankreich werden jenseits der sturen Vaterfigur nicht negativ gezeigt. Auch hier gibt es fröhliche üppige Blumenwiesen und häusliche Geborgenheit. Das maghrebinische Land erweist sich anfangs als düster, um dann in immer leuchtendere Farben getaucht zu werden in den Szenen auf dem Markt oder im paradiesischen Innenhof der Mutter.«
aus: Kinder und Jugendfilmkorrespondenz, Nr. 111-3 / 2007, von Ina Hochreuther
| Zielgruppen: | ab der 3. Grundschulklasse, Sekundarstufe I, Ganztagsschulen/ Nachmittagsbereich, außerschulische Bildungsarbeit |
| Stichworte: | Fremdsein, Vorurteile, Toleranz, Märchen, Maghreb, Animationsfilm |
| BJF-Altersempfehlung: | ab 8 Jahren |
| Fächerübergreifend: | Vorurteile, Ausgrenzungen, Integration; Anderssein; Träume und Wünsche; Kinderfilme und ihre Erzählweise; Animationsfilmtechniken |
| Deutsch: | Inhaltliche Auseinandersetzung mit der Handlung des Films; Filmthemen; Sprache, Fremdsprache, Kommunikation; Erzählform; Märchen |
| Ethik/Religion: | Vorurteile, Ausgrenzungen, Integration; Träume, Wünsche, Hoffnungen; den anderen annehmen; andere Menschen – Fremde Menschen; Glaube – Aberglaube; verschiedene Religionen |
| Französisch: | Interkulturelle Landeskunde; Sehen – hören – verstehen; Experimentieren und sprechen |
| Kunsterziehung: | Was ist ein Animationsfilm? Animationsfilmtechniken; Farben, Formen |
| Sachkunde: | Nordafrika, Maghreb; Animationsfilm |