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Durchblick 8+ – Azur und Asmar – Michel Ocelot – Frankreich 2006 – 95 min.

2. Beschreibung der Filmkapitel

Kapitel 1: Zwei behütete kleine Jungen
Länge: ca. 7 Min.

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Eine schöne junge Frau, von Aussehen und Kleidung her arabischstämmig wirkend, hält einen kleinen blonden Jungen mit leuchtenden blauen Augen sowie einen dunkel gelockten, braunäugigen Buben auf dem Schoß. Dem hellhäutigen Kind namens Azur versucht sie das Wort „Amme“ beizubringen. Doch er plappert immer „Anne“ nach. Dem anderen, Asmar, spricht sie „Mama“ vor und kriegt zuerst ebenfalls das Wort „Anne“ zurück. In der nächsten Szene können die zwei schon reden und bitten sie, ihnen ein Lied vorzusingen. Zu dritt trällern sie schließlich ein arabisches Lied. Dann bringt die Mutter beziehungsweise Ziehmutter die Kinder ins Bett. Dabei erzählt sie ihnen aus einem Märchen, in dem ein schöner Prinz die Fee der Djinn befreien und die Liebe finden wird. Asmar fragt, was die „Djinn“ seien. Kleine Männchen erklärt sie: „Manchmal sind sie nett und manchmal böse.“ Azur erkundigt sich, ob es die Djinn auch hier bei ihnen gäbe. Sie deckt ihn zu und sagt, dass sie hier Elfen hießen. Als die beiden Jungen schon friedlich allein im dunklen Zimmer schlummern, flattern zwei bunte, spitzhütige Wesen an ihre Betten und pusten Glitzerstaub über sie, während dazu ein arabisches Lied ertönt. Die Untertitel verraten, dass es darin um einen Jungen geht, der erwachsen wird, über das Meer reist und die Fee befreit.


Kapitel 2: Zwei Brüder, die keine sein dürfen
Länge: ca. 8 Min.

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Der Vater von Azur erkundigt sich bei der Amme nach seinem Sohn und wünscht, dass es ihm an nichts fehle. Die Amme teilt sehr gerecht Kuchen an die beiden Buben aus. Sofort streiten sie darüber, wie nur Geschwister streiten können, wer das größere Stück bekommen hat. Sanft aber bestimmt bringt sie die beiden zur Räson und erzählt ihnen wieder von der Fee der Djinn, die in einen Kristallkäfig gesperrt ist und vom Prinzen der Liebe mit Hilfe dreier magischer Schlüssel befreit werden wird. Die Jungen lauschen atemlos. Die Dreieridylle erleidet einen ersten Knacks, als Azurs Vater befiehlt, dass Azur ab jetzt in einem eigenen Zimmer schlafen soll. In dem prachtvollen Raum weint er sich am ersten Abend in den Schlaf. Damit nicht genug: Seinem Vater passt die brüderliche Verbundenheit der Jungen, die miteinander balgen und streiten und sich doch von Herzen zugetan sind, gar nicht. Er will sie aus Standesdünkel heraus auseinander bringen. Azur soll allein tanzen, fechten und reiten lernen. Asmar schaut heimlich zu und wann immer sie können, stecken sie beieinander. Doch schließlich wird Azur von seinem Vater Hals über Kopf in eine Kutsche verfrachtet, um sich bei einem Lehrer in der Stadt weiterbilden zu lassen. Er darf sich noch nicht einmal von seiner Amme verabschieden. Die wirft sein Vater samt Asmar sofort aus dem Haus, ohne Lohn, ohne Dank und ohne ihre besorgten Fragen nach Azur zu beantworten.

 

Kapitel 3: Ein Fremder im Land der Kinderträume
Länge: ca. 5 Min.

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Als junger Mann kehrt Azur zu seinem mittlerweile ergrauten Vater zurück. Als der ihn nach seinen Plänen fragt, antwortet er, dass er übers Meer fahren werde, um die Fee der Djinn zu befreien. Sein Vater regt sich mächtig auf: „Das Gift dieser Sarazenin ist immer noch in deinen Adern.“ Azur, immer noch empört, dass der Vater die Amme damals entlassen hat, lässt sich nicht beirren. Auf einem Sturm umtosten Schiff nähert er sich dem Land seiner Träume. Azur erwacht am Strand, offensichtlich nach einem Schiffbruch an Land gespült. Düster und elend erscheint ihm die Landschaft hier, aber voller Freude vernimmt er die Sprache seiner Kindheit – arabisch. Doch die Menschen gruseln sich vor ihm und jagen ihn fort. Es sind seine blauen Augen, die ihnen Furcht einjagen. Ein Vorurteil hier besagt, dass solche Augen Unglück bringen würden. Einsam, hungrig und verzweifelt sinkt Azur nieder.

 

Kapitel 4: Das Schöne nicht sehen können
Länge: ca. 14 Min.

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Stimmen nähern sich dem Schlafenden. Aus Angst, gleich wieder vertrieben zu werden, hält Azur seine blauen Augen geschlossen und geht nun als Blinder durch das Land, von dem er während seiner Kindheit soviel Wunderbares hörte. Die Menschen, die ihn gefunden haben, weisen ihm den Weg in die Stadt. Ein kurioser kleiner Mann mit undurchsichtiger Brille hat ihn ebenfalls erspäht und schlägt ihm einen Handel vor. Es ist Crapoux, ebenfalls ein Fremder, der auch einst kam, um die Fee der Djinn zu retten, diesen Plan aber längst aufgegeben hat. Azur soll ihn tragen und er wird für ihn sehen. Sie kommen durch lichte Gegenden mit bezaubernden Pflanzen. Doch Crapoux, der ihm alles Mögliche erzählt, gibt nur negative Kommentare dazu ab. Als sie die magische Kapelle erreichen, ertastet Azur hinter einer warmen Kachel den geheimnisvollen „warmen Schlüssel“, nach dem Crapoux früher vergeblich suchte. In der Stadt angelangt, wo sie als Bettler zu etwas Geld kommen wollen, schimpft Crapoux trotz Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen ungeniert weiter. Sie gelangen ins Färberviertel mit den prächtigen bunten Stoffen: „Grau haben die hier nicht“, mosert Carpoux. Am reichhaltigen Gewürzmarkt vermisst er den Senf. Azur erklettert hier die Kapelle des Duftes und findet prompt den „magischen Duftschlüssel“. Crapoux würde den am liebsten verkaufen, denn er traut dem „Blinden“ nicht zu, zur Fee zu gelangen. Doch Azur beweist ihm seine Fähigkeiten: Er hat ohne zu sehen genau gemerkt, dass sein Begleiter sehr gut zu Fuß ist und ihn beim Teilen der Münzen betrogen hat. Plötzlich hört Azur eine vertraute Stimme und stolpert ihr hinterher mit Crapoux im Gefolge. Vor einem herrschaftlichen blauen Haustor bleiben sie stehen.


Kapitel 5: Das Wiedersehen
Länge: ca. 12 Min.

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Crapoux hält ihn für verrückt. Schließlich hatte Azur ihm erzählt, dass seine Amme wahrscheinlich in Frankreich umgekommen ist. Und hier würde die erfolgreiche Geschäftsfrau Jenane leben, in deren Haus man nicht gut auf Ausländer zu sprechen sei. Azur begehrt dennoch Einlass. Zuerst erkennt die schöne, stattliche Frau in ihm nicht mehr den kleinen Jungen, den sie aufgezogen hat. Doch als er es wagt, seine blauen Augen aufzuschlagen und eines ihrer Wiegenlieder auf Arabisch zu singen, schließt sie den wiedergefundenen „Sohn“ überglücklich in die Arme. Sie stört sich nicht an seinen hellen Augen. Da sie zwei Länder, zwei Sprachen und zwei Religionen kennt und sich nicht um blödsinnigen Aberglauben, seien es blaue Augen oder schwarze Katzen (wie zuvor Crapoux) kümmere, sei sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Das faucht sie auch einer ihrer Angestellten hinterher, allerdings nicht auf Arabisch; aber manchmal müsse man eine Sprache nicht verstehen, um zu wissen, was gemeint sei, wie sie Azur erklärt. Jenane lädt ihn in den zauberhaften Innenhof ihres Hauses zum Essen ein. Blumen blühen in allen Farben, Musik spielt und wundervolles Essen wird aufgetischt. Sie erzählt ihm, dass Asmar, der genauso groß und hübsch sei wie er, morgen aufbrechen wolle, um die Fee der Djinn zu befreien, und erkennt im selben Moment, dass auch Azur diesen Wunsch hegt, denn die zwei wollten immer schon dasselbe. Jenane verspricht, ihn genauso wie ihren leiblichen Sohn darin zu unterstützen. Asmar allerdings reagiert alles andere als erfreut auf die Ankunft des „Bruders“. Er hat nicht vergessen, was ihnen in dessen Heimatland angetan wurde, spricht nur arabisch vor ihm und kehrt ihm schließlich den Rücken zu. Dafür meldet eine Dienerin jetzt weiteren Besuch an: es ist Crapoux, der auf Azurs Bitte hin vorgelassen wird, obwohl Jenane genau weiß, wie schlecht er sich oft verhält und auf ihr Land schimpft. Im Gespräch zeigt er den beiden ganz kurz seine ebenfalls blauen Augen, um sie dann schnell wieder hinter der Brille zu verbergen. Aber er verspricht, Azur zu helfen, auf denselben Wissensstand wie Asmar zu kommen, um die Fee der Djinn zu befreien, falls er ihm vertraue.


Kapitel 6: Neue Begegnungen
Länge: ca. 10 Min.

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Jenane gibt Azur Kleidung von Asmar – sie haben dieselbe Größe. Crapoux schlägt vor, dass Azur, das Gesicht unterwegs von einer Kapuze verhüllt, den weisen Yadou und die Prinzessin Chamsous Sabah kennenlernen solle. Yadou beherrscht die Sprache von Azur, da er in dessen Land geboren und aufgewachsen ist, es aber verlassen musste, weil sein Großvater von hier stammte. Auf Azurs Frage hin, ob er hier nicht auch als Fremder betrachtet würde, antwortet er: „Doch, aber man quält mich nicht.“ Er widme sich seinen Studien und würde die Prinzessin, die die Zukunft dieses Landes sei, unterrichten. Yadou gibt Azur Ratschläge, wie er mit dem gefährlichen Löwen und dem Regenbogenvogel umgehen solle und dass es eine Pforte mit zwei Eingängen gäbe, von der die eine in die Finsternis, die andere ins Licht zur Fee führen würde. Crapoux ergänzt, dass manche behaupten, beide Eingänge würden in die Finsternis führen. Anschließend sucht Azur die Prinzessin auf, die sich als kleines, aber überaus kluges und aufgewecktes Mädchen herausstellt. Alle ihre männlichen Verwandten seien ermordet worden, aber da sie ein Mädchen sei, denke niemand daran, ihr etwas anzutun, was ganz praktisch sei, erklärt sie dem jungen Mann. Nur darf sie, weil es die Regeln hier so wollen, nie ihr Schloss verlassen. Nachdem sie Azur einige nützliche Gegenstände wie eine Feder, die allerdings auch davonfliegen könne, überreicht hat, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass auch Asmar von ihr ausgerüstet worden sei, flüstert sie ihm noch heimlich etwas zu. Wieder daheim angelangt, packt Jenane für beide jungen Männer Sachen von Asmar ein. Wie früher mahnt sie klug, als Asmar nicht mit seinem „Bruder“ teilen will.

 

Kapitel 7: Ein besonderer Ort
Länge: ca. 8 Min.

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Abends schleicht Azur nochmals aus dem Haus. Er hat der Prinzessin versprochen, ihr im Schutz der Dunkelheit die Stadt zu zeigen. Die Kleine zwängt sich durch ein Fenstergitter hinunter zu ihm auf die Straße und freut sich an allem, was sie hier sehen und berühren kann. So vieles kannte sie bisher nur theoretisch aus Büchern: wie sich Erde anfühlt, dass eine Katze nicht kratzt sondern schnurrt, wenn man sie streichelt und wie ein großer, nicht im Topf, sondern aus dem Boden wachsender Baum ausschaut. Zusammen klettern sie in dessen Äste hinauf. Chamsous Sabah bewundert die Gebäude ihrer schlafenden Stadt: der Palast von außen, die Moschee, die Kirche, die Synagoge, die Islamschule im Viertel der Buchhändler, wo noch jemand bei Licht lernt, das Krankenhaus sowie das Gebäude, in dem Reisende empfangen werden. Dann allerdings erblicken sie unter sich die Kumpane eines vermögenden Mannes der Stadt, der klugen weiblichen Wesen wie ihr und Jenane alles andere als wohlgesonnen ist. Sie fliehen ins Haus von Jenane. Beiden ist klar, was sie ihr auch sofort sagen, dass die Männer in mörderischer Absicht planen, Azur und Asmar am nächsten Morgen zu verfolgen. Jenane geht es erst einmal darum, die ob ihrer plötzlichen Freiheit kindlich-fröhliche Chamsous Sabah sicher zurück in den Palast zu bringen, damit sie nicht alle in große Schwierigkeiten geraten. Sie denken sich eine List aus. Während Azur vorne an der Haustür so tut, als ob er das Mädchen an der Hand hält, das sich nach drinnen gewandt verabschiedet, bringt Asmar die Kleine durch die Hintertür zurück in ihr Zuhause. Der Plan geht auf. Kaum ist Asmar wieder bei ihnen angelangt, wirft Azur eine Stoffpuppe vor die Tür und verriegelt dieselbe rasch.

 

Kapitel 8: Abenteuer und Zusammenhalt
Länge: ca. 12 Min.

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Der Morgen schimmert golden, als sich Azur und Asmar, von Jenane gleichberechtigt ausgerüstet, auf die Reise machen. Sie drängt ihnen noch eine Voliere mit Brieftauben auf, die ihr von der jeweiligen Situation der beiden jungen Männer künden sollen. Kaum sind sie unterwegs, schon heften sich Verfolger an ihre Fersen. Im Wald können sie diese mit einem Nebelzauber kurzfristig abschütteln. Als sie ins Gebirge gelangen, möchte Asmar, dass sie getrennt weiterreiten. Kurz darauf vernehmen Azur und Crapoux, der bei ihm ist, Waffengeklirr: Asmar ist in Not. Crapoux steht der Sinn danach, dies als Schicksal hinzunehmen, das ihnen den Rivalen aus dem Weg räumt, doch Azur eilt zu Hilfe. An der Seite von Asmar kämpft er gegen die vermummten Gestalten. Sie schlagen sie in die Flucht, aber Azur wird am Arm verletzt. Als er stürzt, reißt er die Voliere mit sich, woraufhin alle Tauben auffliegen. Asmar verbindet ihn. Dann trennen sie sich wieder. Daheim nimmt Jenane entsetzt die Tauben in Empfang. Eine davon hat einen Blutfleck. Auf die Frage ihrer Dienerin, von wem es stamme, schreit sie heraus: „Woher soll ich das wissen? Die Farbe ihres Blutes ist gleich!“ Währenddessen schleppen Azur und Crapoux schwere Fleischstücke das Gebirge hinauf, um entweder den gefährlichen scharlachroten Löwen oder den regenbogenfarbigen nicht minder bedrohlichen Riesenvogel damit zu besänftigen. Es ist das Mähnentier, das ihren Weg kreuzt. Crapoux versucht vergeblich, Azur zum Umkehren zu überreden und bleibt schließlich zurück, während der blonde junge Bursche auf dem Rücken des mächtigen Tieres rasch vorankommt. In den Lüften über ihm schwebt bald darauf sein dunkelhaariger Gefährte im Gefieder des Vogels. Beiden Abenteurern gelang es offensichtlich parallel, sich die vermeintlichen Ungeheuer zu Helfern zu machen. Vor einer steilen Wand setzt der Löwe Azur ab und entschwindet. Der junge Mann quetscht sich durch einen Spalt, krabbelt einen Gang entlang und erreicht schließlich eine Festung. Er sieht nicht die Häscher oberhalb, die ein Netz nach ihm auswerfen, doch der Ruf Asmars „Azur, über dir“ – zum ersten Mal nicht auf Arabisch – warnt ihn rechtzeitig. Mit einem Sprung rettet er sich auf den nächsten Felsen und ruft: „Asmar, du sprichst ja meine Sprache!“ „Natürlich“, entgegnet der, „es ist ja auch meine Sprache. Ich habe sie mit dir zusammen gelernt!“ Asmar ist in die Hände der Banditen geraten. Nun stürmen sie Azur hinterher. Asmar weiß um eine Geheimtür und schreit die Information dem Gefährten in ihrer gemeinsamen Sprache zu. Es gelingt Azur, den Verletzten hinter dem zuklappenden runden Felsentor in Sicherheit zu bringen. Da sitzen sie nun schwer atmend. Jetzt ist es an Azur, den anderen zu verbinden und er erschrickt ob der Schwere der Wunden. Asmar weiß, dass er den Weg zur Fee nicht schaffen kann und will, dass Azur allein weitergeht, damit er gewinnt und nicht einer ihrer Verfolger.

 

Kapitel 9: Brüderliche Liebe
Länge ca. 4 Min.

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Azur denkt gar nicht daran, den „Bruder“ zurück zu lassen, auch wenn der meint, er müsse sowieso sterben. Er schleppt ihn auf dem Rücken weiter. Sie kommen an drei Tore. Obwohl er so geschwächt ist, dass er kaum noch reden kann, weiß Asmar sofort, sie müssen da hindurch gehen, wo die Fledermäuse ein- und ausfliegen. Eine geborstene Brücke scheint das Ende zu bedeuten, doch Azur nimmt Anlauf und springt mit dem Bruder auf den Schultern hinüber. Dann geht es ganz schnell. Sie treffen auf das Feuertor sowie auf das der stinkenden Gase. Zu beiden besitzt Azur die Schlüssel, den „warmen“ und den „duftenden“. Erst am ohrenbetäubend klirrenden Eisentor muss er kapitulieren. Doch hierfür trägt Asmar den „schneidenden Schlüssel“ mit sich. Und da stehen sie auch schon vor den Zwillingstoren, werden entweder gleich in den Saal des Lichts oder in den der Finsternis gelangen. Azur hat gehört, dass das rechte Tor das Richtige sein. Sein „Bruder“, ganz Sohn der Mutter, hält das für ähnlich abergläubisch wie die Geschichte mit den Unglück bringenden blauen Augen. Sie nehmen das linke Tor – und stehen in vollkommener Finsternis. „Alles war umsonst“, stellt Azur fest.


Kapitel 10: Eine glückliche Gemeinschaft
Länge: ca. 10 Min.

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„Du hast gewonnen“, sagt da eine sanfte Frauenstimme und allmählich erglühen ringsum Lichter und vertreiben die Dunkelheit. Kristall klirrt und die wunderschöne, dunkeläugige, braunhäutige Fee der Djinn steht befreit auf einer Treppe. Sie heißt Azur als Sieger willkommen. Asmar gratuliert ihm still und schließt die Augen, um zu sterben. „Nein“, schreit Azur da, „es ist mein Bruder, der gewonnen hat! Er hat sich für mich geopfert, aber er ist hier, er hat den letzten Schlüssel gehabt und das richtige Tor ausgewählt. Er liegt im Sterben, rettet ihn!“ Filigrane Wesen, die Djinns, wie anfangs in den Träumen der kleinen Buben, zaubern Asmar mit ihrem Glitzerstaub gesund. Die Fee klärt sie auf, dass beide Türen in den Saal des Lichts führen, aber sie entscheiden wollte, wann das Licht anginge und der richtige Prinz sie erretten dürfe. Nun sollen sich die beiden jungen Männer darüber klar werden, wer von ihnen sie befreit hat. Wechselseitig sprechen sie den Erfolg jeweils dem anderen zu. Dabei wird klar, sie brauchen Entscheidungshilfe. Daraufhin lässt die Fee mit ihrem Regenbogenvogel Jenane einfliegen, die gesteht, dass die beiden nur Söhne einer Kauffrau seien, wobei die Fee das weiß, aber betont, dass es sich in ihrem Sinne durchaus um Prinzen handle. Entscheiden mag Jenane nichts. Jetzt wird Chamsous Sabah geholt, die sich genauso übers Wiedersehen freut, aber ebenso wenig weiß wie Yadou, wen die Fee zum Mann nehmen soll. Der sorgt dafür, dass nun der etwas anders tickende Crapoux zu ihnen stößt; doch noch immer zeichnet sich keine Lösung ab, wenn auch dessen Bemerkung, „die ganze kleine Familie“ sei hier ja schon versammelt, etwas sehr Berührendes hat. Nun lässt die Fee ihre weißblonde, hellhäutige Kusine, die Elfenkönigin aus dem Norden, herbeibringen und Chamsous Sabah schlägt einen Tanz vor, um alles entspannt anzugehen. Sie tanzt mit Yadou, Crapoux mit Jenane, die Feenkönigin mit Asmar und die Elfenkönigin mit Azur. Beide Damen flüstern den Partnern ihre Wertschätzung zu, aber dass sie jeweils lieber mit dem anderen zusammen wären. Das sagen die Brüder daraufhin zueinander und beide fühlen sich sehr zufrieden. „Es ist sogar besser so“, stellt Jenane angesichts der nun gemischten Paare fest. „Eine zukunftsweisende Lösung“, stimmt Crapoux zu, um sofort mit ihr zu flirten. Das geht im Gelächter von Chamsous Sabah unter und im fröhlichen Tanz aller, die nun eine wunderbar bunt gemischte und feste Gemeinschaft bilden, die allen Grund hat, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

 

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