
Durchblick 8+ – Azur und Asmar – Michel Ocelot – Frankreich 2006 – 95 min.
Geboren an der Côte d'Azur, verbrachte Michel Ocelot seine Kindheit in Guinea, die Jugendzeit in Anjou. Heute lebt er in Paris. Nach einem Kunststudium widmete er sich ausschließlich dem Animationsfilm. Von Anfang an basierten all sein Arbeiten auf eigenen Drehbüchern und selbst entwickelten künstlerischen Designs. Er führte bei einer Reihe von Animationsfilmserien und kurzen Trickfilmen Regie und wurde so auf Festivals und in professionellen Kreisen bekannt. Beispielsweise amtierte Ocelot sechs Jahre lang als Präsident der renommierten ASIFA (Association Internationale du Film d'Animation).
Mit seinem ersten Langfilm, „Kiriku und die Zauberin“, in Koregie mit Bénédicte Galup realisiert, erreichte er 1998 ein größeres Publikum. In der Kinder- und Jugendfilmkorrespondenz stand als Festivalberichterstattung damals zu lesen:
„Das westafrikanische Märchen, auf dem Michel Ocelots Animationsfilm basiert, war für alle Beteiligten eine fantastische Inspiration. Hintergründe, Farben, Figuren, Pflanzen, Tiere – alles strahlt Wärme und Vitalität aus. Das Leben der Menschen ist vom Rhythmus der Natur bestimmt wie von den Launen der Zauberin. Und wie jedes aufgeweckte neugierige Kind findet auch Kiriku sich nicht ab mit dem Vorgegebenen, ein kleiner Rebell, dem es auf originelle Weise gelingt, die Geschicke seines Dorfes zum Guten zu wenden. Jede Szene bezaubert durch ihre künstlerische Gestaltung, durch die Choreographie, durch Leichtigkeit und Witz in den Dialogen, durch die westafrikanischen Klänge des Musikers Youssou N'Dour. Ein herausragender Zeichentrickfilm, der Erwachsene wie Kinder begeistert.“
(KJK 79-3 / 1999, von Gudrun Lukasz-Aden u. Christel Strobel)
Aus einem Interview in derselben Ausgabe:
KJK: Worauf beruht Ihre Liebe zu Afrika?
Michel Ocelot: „Afrika ist ein fantastischer Kontinent, aber wir haben leider die Tendenz, ihn ständig zu vergessen. Man macht schon seit 70 Jahren Zeichentrickfilme mit Menschen, aber noch nie einen Film über Afrikaner. 'Kiriku' ist der erste. Als Künstler hatte ich wirklich Lust, das zu machen, auch als Afrikaner, weil ich in Westafrika meine Kindheit verbrachte. Meine Eltern waren Lehrer, sehr intelligente Menschen, auch sehr katholisch. Guinea gehörte damals noch zu Frankreich. Normalerweise haben die Weißen ihre Kinder in weiße Schulen geschickt. Meine Eltern arbeiteten an einer weißen Schule, wollten aber, dass ihr Kind in eine ganz normale afrikanische Schule geht. Es war alles sehr natürlich zwischen Schwarzen und Weißen. Es hat auch an den Lehrern gelegen.“
KJK: Wann sind Sie mit afrikanischen Märchen in Berührung gekommen, in der Schule, zu Hause?
Michel Ocelot: „Die eigentlichen Geschichten habe ich erst als Erwachsener entdeckt, trotzdem spiegeln sich viele Kindheitserinnerungen in meinem Film wider. In den meisten mündlich überlieferten Versionen des Märchens tötet das Kleine die Hexe. Das wollte ich nicht. Ganz typisch auch der weise alte Großvater, der in jedes Märchen gehört, und der Termitenhügel, durch den man gehen muss.“
(das gesamte Interview)
Der internationale Erfolg von „Kiriku“ half Ocelot, seinen Film „Prinz und Prinzessin“ zu realisieren, der 2001 ebenfalls in deutschen Kinos startete. Dabei handelt es sich um sechs Trickfilmepisoden, die sich quer durch die Weltgeschichte ziehen, im Stil des alten fernöstlichen Schattentheaters. Anschließend versuchte Ocelot mit „Kiriku und die wilden Tiere“ an den Erfolg des ersten Teils anzuknüpfen. Dabei handelt es sich um keine Fortsetzung im eigentlichen Sinne. Vielmehr geht es um fünf von Kirikus Großvater erzählte Kurzgeschichten aus der Zeit vor Kirikus Reise zur Zauberin. 2006 feierte der Animationsfilm in Deutschland Kinopremiere. Im selben Jahr wurde in Cannes „Azur und Asmar“ uraufgeführt. Obwohl der Film bei Kritikern wie beim Publikum gleichermaßen hervorragend ankam, fand sich kein deutscher Kinoverleih dafür.
Et des informations en français:
Né sur la côte d’azur, Michel Ocelot a vécu son enfance en Guinée, et son adolescence en Anjou.
Après des études d’art, il s’initie seul, chez lui, au cinéma d’animation, s’essayant à toutes les techniques. Il réalise la série animée Les Aventures de Gédéon (1976) d’après Benjamin Rabier puis utilise des personnages et des décors faits de dentelles de papier dans son premier court métrage professionnel, Les Trois Inventeurs (1979). Ce travail très original est récompensé par un BAFTA, à Londres. A partir de ce film, Michel Ocelot signe les scénarios et les graphismes de toutes ses créations. Suivent les courts-métrages Les filles de l’égalité (1981) qui reçoit le prix Spécial du Jury au Festival d’Albi, Beyond Oil (1982) et La légende du pauvre bossu (1982 - César du meilleur film d’animation). Michel Ocelot revient à la série télévisée avec La princesse insensible (1986) composée de 13 épisodes de 4 min et réalise le court-métrage Les quatre voeux (1987). Sa troisième série, Ciné Si, (1989 – huit épisodes de 12 minutes) est animée selon le principe du théâtre d’ombres: il s’agit de silhouettes de papier noir, finement découpées. Plusieurs de ces segments figureront dans Princes et Princesses (2000).
Il signe le programme de 26 minutes Les Contes de la nuit (1992), constitué de trois histoires, puis se lance dans l’aventure de son premier long métrage. C’est en 1998 que le grand public découvre Michel Ocelot, grâce à l’immense succès public et critique de Kirikou et la sorcière. L’engouement pour le film est tel qu’il incite Michel Ocelot à raconter d’autres aventures de son petit héros dans Kirikou et les bêtes sauvages (2005) co-réalisé avec Bénédicte Galup. Azur et Asmar, préparé avec minutie à partir de 2001, est le projet de toutes les nouveautés: Michel Ocelot collabore avec un producteur de prises de vues réelles (Christophe Rossignon, de Nord Ouest). Utilise une nouvelle langue: l’Arabe. Choisit de mêler 3D et 2D, et réunit son équipe de production et d’animation à Paris, ville dans laquelle il vit. Contrairement à la plupart des autres productions d’animation françaises, Azur et Asmar a été entièrement fabriqué à Paris.
Michel Ocelot a également présidé l’ASIFA (Association Internationale du Film d’Animation) de 1994 à 2000.
Longs Métrages / Langfilme
2006 Azur et Asmar
2005 Kiriku et les Bêtes Sauvages
2000 Princes et Princesses
1998 Kiriku et la Sorcière (30 prix internationaux)
Court Métrages / Kurzfilme
1987 Les 4 Voeux
1982 La Legende du Pauvre Bossu (César)
1981 Les Filles de l’Egalité
1979 Les 3 Inventeures (BAFTA - British Academy of Film and Television Award)
Séries TV / Fernsehserien
1992 Les Contes de la Nuit
1989 Cine Si
1986 La Princesse Insensible
1976 Gedeon