
Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.
Choo Choo – Das magische Kindermädchen
Die zentrale Figur in allen drei Filmen ist Choo Choo, das imaginierte Kindermädchen. Sie dient als eine Art Bindeglied zwischen der Erwachsenenwelt und der Welt des Kindes. Die verschiedenen Gegenstände, aus der sie zusammengesetzt ist, symbolisieren ihre unterschiedlichen Rollen. So ist Choo Choo einerseits eine unermüdliche Spielpartnerin, die auf Rollschuhen fährt und andererseits eine beschützende und beruhigende Figur mit einer imposanten aus einem Kopfkissen gemachten Brust, an die sich das Kind jederzeit anlehnen kann. Sie ist mit Zauberkräften ausgestattet, mit denen sie die Träume des Kindes mit einem einfachen Schnipsen der Finger realisiert. Sie benutzt ihre Zauberei aber auch, um in den spannendsten Momenten die Situation zum Guten zu wenden und das Kind zu beschützen. Choo Choo ist wie eine riesige Zärtlichkeitskugel, die nur zu existieren scheint, um das Kind und den Zuschauer mit ihrer Freude und Heiterkeit zu überhäufen.
Choo Choo ist aus folgenden Gegenständen zusammengesetzt:
Körper: Kissen, Hosenträger, Schal
Hände: Lederhandschuhe,
Kopf: Boxhandschuh
Schuhe: Rollschuhe
Augen: Knöpfe
Haare: Kassettenband
Brille, Mütze, Schürze. Große goldene Ohrringe
Der kleine Junge
Im Gegensatz zu Choo Choo erhält der kleine Junge keinen Namen. Er symbolisiert einen typischen Jungen, wie jeder es sein könnte und stellt damit eine Identifikationsfigur für alle Kinder dar. Der kleine Junge wächst in der behüteten Umgebung eines großen bürgerlichen Hauses auf. Man sieht ihn beim Aufstehen, beim Baden, Spielen und wieder Zubettgehen. Es sind die typischen Rituale der Kindheit, die in den drei Filmen ausführlich beschrieben werden und die jedes Kind kennt. Mit seinem blonden, fast engelgleichen Haar, seinen blauen Augen und zarten Gesichtszügen wirkt er besonders im ersten Film so unschuldig und rein, dass man mit ihm mitfühlen muss. Während der drei Filme lernt der Zuschauer aber auch andere Seiten des Kindes kennen und erlebt, wie er sich entwickelt und sich auch die Beziehung zu Choo Choo verändert. In „Choo Choo 2“ muss der Junge seinen Mut und seine Hilfsbereitschaft unter Beweis stellen. Immer wieder wird die Beziehung zwischen beiden auf die Probe gestellt, z.B. durch die bedrohliche See oder die Eingeborenen der Insel. Der Junge erlebt zum ersten Mal Verlustängste und muss lernen damit umzugehen. Der dritte Film greift das Thema Eifersucht auf. Der kleine Junge versucht alles, um Choo Choo für sich alleine zu haben, erlebt aber auch die Folgen seiner Taten und erkennt am Ende, dass es wichtig ist, andere zu akzeptieren und teilen zu können.
Die Eltern
Obwohl sich Bardin auf den Jungen konzentriert, tauchen vor allem im ersten Film auch Erwachsene auf. Hier stellt er das Missverhältnis zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Erwachsenen dar. Immer wieder schicken die Eltern ihren Sohn weg und schimpfen mit ihm. Sie wollen den Abend lieber mit ihren Freunden verbringen und schicken ihr Kind in sein Zimmer. Am Ende des ersten Teils werden die Eltern jedoch durch Choo Choo in ihre eigene Kindheit zurück versetzt und erkennen, wie sich ihr Sohn fühlt. Außer im ersten Film nehmen die Eltern nur eine sekundäre Rolle ein. Während sich die Eltern im zweiten Teil noch von ihrem Sohn verabschieden und davonfahren, tauchen sie im dritten Teil gar nicht mehr auf.
Der Hund
Im dritten Teil führt Bardin eine Figur ein, die die Beziehung zwischen Choo Choo und den Jungen verändert. Es ist ein kleiner Welpe, ein Bild von Unschuld und Treue. Verängstigt und hilflos sitzt er vor der Tür und wedelt mit seinem Schwanz. Auch er möchte die Aufmerksamkeit von Choo Choo gewinnen. Im Gegensatz zu dem Jungen kann er jedoch keine Eifersucht empfinden. Auf Anweisung von Choo Choo versucht sich der Junge dem Hund anzunähern und mit ihm zu spielen. Schließlich hilft der ihm am Ende, den Kampf mit der Kuh zu bestehen. Dies führt dazu dass der Junge Zuneigung und Aufmerksamkeit von Choo Choo nicht mehr allein für sich haben muss.