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Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.

4.2 Die Themen des Films „Choo Choo 2“

Abenteuer Ozean
Nach der geschlossenen und behüteten Umgebung des ersten Films greift Bardin nun die Unermesslichkeit und Willkürlichkeit des Ozeans auf. Das Badezimmer wird zum Heimathafen eines ‚Badewannenbootes’, das bereit ist, die verschiedenen Facetten der maritimen Welt zu erforschen. Das Meer bietet eine Vielzahl an Begegnungen und Abenteuern. Choo Choo und der kleine Junge begegnen bösen Piraten und mutigen Kapitänen, die Heldentaten vollbringen. In der Tiefe des Ozeans streifen Haie und riesige Ungeheuer umher. Es gibt zahlreiche tropische Inseln, die mit Kannibalen oder struppigen Affen bevölkert sind. Doch ist der Ozean vor allem durch seine unbändige Kraft gekennzeichnet. Choo Choo und der kleine Junge erleben die Unvorhersehbarkeit des Meeres und trotzen Sturm, Schiffbruch oder einem Leck im Boot. Bardin macht aus dem Ozean ein extremes und feindliches Element, das für Begegnungen und Abenteuer aller Art geradezu prädestiniert ist.

Thema: Freundschaft und Zusammenhalt
In einer Freundschaft steht man dem anderen bei, unterstützt sich gegenseitig, schenkt dem anderen Vertrauen und ist auch in gefährlichen Situationen für einander da. Die Feindseligkeit des Meeres wird im Film ganz bewusst eingesetzt. Sie ermöglicht Bardin, seine zwei Figuren näher aneinander zu rücken und ihre Beziehung angesichts der Gefahren zu festigen. Choo Choo und der kleine Junge bestehen spannende Abenteuer und Choo Choo rettet nicht nur einmal das Leben des Kindes. Immer wieder geraten die beiden in gefährliche Situationen. Da schießen wilde Kannibalen mit Pfeilen, da zieht ein schlimmes Unwetter mit Blitz und Donner auf. Sie treffen auf Piraten, Haie und Ungeheuer. Zunächst ist Choo Choo immer an Ort und Stelle, um den Jungen zu beschützen. Sie lenkt das Boot durch die Felsen und steuert es an der Kannibaleninsel vorbei, ohne dass ein Pfeil sie trifft. Sie zaubert einen mutigen Kapitän hervor, der Choo Choo von den Piraten befreit, und sie springt ohne zu zögern ins Wasser, als der Junge aus dem Boot fällt, obwohl ein Hai sie verfolgt. Doch sie stößt an ihre Grenzen und stirbt fast dabei. „Choo Choo 2“ ist aber keine Tragödie. Witz und Spaß ziehen sich durch den ganzen Film und lösen dabei alle spannenden und bedrohlichen Situationen auf, z.B. in der Szene mit den Enten. Nach der Rettung Choo Choos tanzen alle zusammen eine lustige Choreografie. Von diesem Moment an ist Choo Choo nicht mehr unverwundbar. Nach dem Angriff des Hais ist sie bewusstlos und auf fremde Hilfe angewiesen. Nun muss der Junge seine Freundschaft beweisen und für Choo Choo da sein. Verzweifelt versucht er sie wieder zum Leben zu erwecken. Plötzlich taucht eine Schar Enten auf, die der kleine Junge sofort zu Hilfe holt. Er beweist damit, dass auch er für seine Freundin da ist und alles versucht um ihr zu helfen, wenn sie in Not ist. Am Ende des Films wird das Vertrauen der beiden noch einmal auf die Probe gestellt. Ein Seeungeheuer taucht auf und verfolgt das kleine Boot. Hier möchte Choo Choo in gewohnter Weise mit ihrer Magie die Situation retten. Doch ihre Zauberkraft versagt. Letztendlich schafft sie es dann doch, den Hubschrauber herbei zu zaubern, der den beiden eine rettende Strickleiter zuwirft. Mühsam steigen sie hinauf, doch kurz bevor der Junge den Hubschrauber erreichen kann, fällt Choo Choo von der Leiter. Der Junge sieht sie in Meer stürzen. Sie aber breitet ihre Arme aus. Er überlegt kurz und springt hinterher. Er lässt sie nicht allein. Er vertraut ihr und weiß, dass ihm bei ihr nichts passieren kann. Auch wenn sie nicht mehr unverwundbar ist und nicht in jeder Situation ihre Zauberkraft einsetzen kann, weiß er instinktiv, dass sie ihn trotzdem behüten und für ihn da sein wird, egal was passiert.

Thema: Verlustangst und Trauer
Hinter jedem Abenteuer versteckt sich aber noch ein weiteres Thema: Die Angst, jemanden zu verlieren, den man liebt. Die Entführung des Jungen durch die Piraten erzeugt zum ersten Mal die Situation, dass beide von einander getrennt sind. Dabei folgt der Film der Erzählstruktur einer klassischen Piratengeschichte. Das Kind wird entführt. Es wird Lösegeld gefordert und der Junge wird an einem großen Mast festgebunden. Deutlich sind die Angst des Kindes und die Sorgen von Choo Choo zu sehen. In einer aufregenden Rettungsaktion wird er befreit und entkommt durch die Hilfe eines mutigen Kapitäns, den Choo Choo in einem imposanten Schiff hervor gezaubert hat. Dieser Episode folgt der Angriff des Hais und auch hier erlebt der Junge für eine kurze Zeit den Verlust seines geliebten Kindermädchens. Während Choo Choo und der Junge eine Angelpartie beginnen, haben sie plötzlich etwas großes am Haken. Einen Hai. Die Szene entwickelt sich plötzlich zu einem Drama. Während der Hai das Boot verfolgt, fällt der Junge ins Wasser. Ohne zu zögern springt Choo Choo hinterher, um ihn zu retten. In letzter Sekunde kann sie den Jungen auf einer Insel in Sicherheit bringen. Doch der Hai erwischt sie am Bein und beißt ein Loch in das Kissen. Sie verliert viele Federn und liegt anschließend bewusstlos am Strand. Der Junge liegt weinend auf dem aufgeschlitzten Körper und macht zum ersten Mal die harte Erfahrung der Trauer. In dieser Szene stellt Bardin den schlimmsten Albtraum einer Kinderseele dar: Der Verlust eines besonders geliebten Menschen. So schnell wie sich die Situation zuspitzt, so schnell entdramatisiert Bardin die Szene auch wieder. Am Höhepunkt der Angst und Trauer des Kindes taucht plötzlich eine Gruppe Gänse wie aus dem Nichts auf, um dem Jungen in seiner Not zu helfen. Durch die Tränen des Kindes im Angesicht der tot geglaubten Freundin erinnert Bardin daran, dass zur Liebe auch das Gefühl von Angst gehört, einen anderen Menschen zu verlieren.

 

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