
Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.
Aus dem französischen Presseheft (La Nounou 3 – La famille s’agrandit), Gebeka Films

Quelle: www.bardin.ru
In diesem dritten Film führen Sie neue Figuren ein: einen Welpen und eine Kuh. War Ihnen die Konstellation bestehend aus einem Kind und einem Kindermädchen zu langweilig?
Die Dramaturgie des Films verlangte die Einführung des Hundes. Ich wollte, dass die Liebe zwischen Choo Choo und dem kleinen Jungen mittels Eifersucht auf die Probe gestellt wird. Im Allgemeinen sind Kinder auf ihre Geschwister eifersüchtig, aber ich wollte kein weiteres Kind in den Film einbauen. Also drängte sich die Figur des Hundes auf. Bezüglich der Kuh – die Rolle kommt vom Stierkampf (siehe Carmen) – da ein Zeichentrickfilm das Paradoxe erlaubt, habe ich keinen Stier, sondern eine Kuh gewählt. Sie macht weniger Angst! „Carmen“ hat viele Filmemacher inspiriert.
Warum haben Sie die Musik von Bizet für den Film ausgewählt?
Als ich die Dreiecksliebesbeziehung festgelegt hatte, verlangte die so hergestellte Eifersucht eine zugehörige Musik. Ich kenne keine schönere Musik als die aus Carmen von Bizet. Die Carmen Suite von Bizet, inszeniert von Rodion Schtschedrin und dirigiert von Spivakov, ist in einer so rhythmischen und leidenschaftlichen Art und Weise interpretiert. Die Gefühle, die der kleine Junge empfindet müssen mit dieser Musik übereinstimmen. Meine jungen Zuschauer werden so die Gelegenheit haben, diese geistreiche Musik zu entdecken, während die Erwachsenen das Vergnügen haben werden, sie erneut zu hören. Jede Bewegung der Figuren und der Kamera ist dem Tempo der Musik nachempfunden.
Ihr Storyboard muss wahrscheinlich von großer Genauigkeit sein...
Wie bereiten sie ihre Arbeit vor?
Ich habe zwei Monate mit der Musik verbracht, indem ich jeden Satz des Stückes angehört habe. Manchmal kam es vor, dass ich ein und denselben Satz 40 bis 50 Mal gehört habe, bis die passende Bewegung erschien, die einzige, die zu diesem Satz passte. Es war nötig, den ganzen Film mit allen Figuren zu spielen und die musikalische Betonung zu berücksichtigen. Die Musik ließ mich nicht los, sie verfolgte mich Tag und Nacht. Am Anfang arbeitete ich nach Episode, dann nach Szene. Ich ließ mich von der Musik leiten, während ich das Storyboard entwarf, auf welchem dann der künstlerische Leiter Arkady Malik-Sarkisyan aufbaute.
Er war es, der vor Drehbeginn die Skizzen des Films und der Figuren bereitstellte. Nach seinen Entwürfen fertigten die Animatoren die Puppen an. So kannten diese schon vor dem Beginn der Dreharbeiten die Möglichkeiten der Puppen, die sie selbst hergestellt hatten. Ich hatte den schwierigsten Job, da ich den Film von Anfang bis Ende schon im Kopf haben musste. Es blieb mir nichts anderes übrig, als Schritt für Schritt dem Ablauf des Films zu folgen und von den Animatoren zu verlangen, meiner Vorstellungskraft zu vertrauen. Dafür war viel Geduld und Teamgeist nötig!
Der Film dauert knapp 30 Minuten; wie lange dauerte es, die Bilder zu drehen?
Die Dreharbeiten haben lange gedauert, mehr als zwei Jahre. Die von mir ausgewählte Musik zwang uns, sehr genau mit den Bewegungen zu sein. Die Arbeit der Zeichner war daher nicht einfach.
Jede Szene verlangte viel Aufmerksamkeit. Darüber hinaus gibt es im Film viele Objekte und verschiedene Räume. Der Aufbau des Modells hat länger gedauert als andere Kulissen. Da ich keinen Assistenten hatte, musste ich jede Szene mit dem Animator entwickeln und dort wie ein Schauspieler agieren.
Das war wohl nicht sehr schwer für einen ehemaligen Schauspieler wie sie!
Das ist wahr. Man verfeinert die kleinste Betonung, die kleinste Bewegung der Kamera bevor man die die Szene ernsthaft dreht.
Wie viele Personen haben an der Produktion des Films mitgearbeitet?
Zwei Kameramänner und ein Assistent, ein künstlerischer Leiter, ein Maler und sein Assistent, drei Zeichner, ein Toningenieur und ein Monteur haben ohne Pause am Film gearbeitet. Da das Team nicht sehr groß war, wurden alle sehr vielseitig eingesetzt und erfüllten gleichzeitig mehrere Funktionen. Die Animatoren waren auch Requisiteure, der Kameramann stellte selbst die Beleuchtung ein, einer der Animatoren arbeitete an der Montage sowie als kaufmännischer Leiter und Buchhalter.
Ich meinerseits nahm manchmal an der Bildaufnahme teil, ich arbeitete an den Requisiten, ich klebte, wenn es nötig war, ich half an der Kamera ...
Welche Schwierigkeiten sind ihnen während der Produktion begegnet?
Wie für jeden Filmproduzenten in Russland stellt das Geld das größte Problem dar und bereitet wahres Kopfzerbrechen! Das Budget wird normalerweise durch die Einnahmen des letzten Films bestimmt, zu denen glücklicherweise eine finanzielle Hilfe des Ministeriums für Kultur hinzukommt. Ich leite mein eigenes Studio seit 13 Jahren und jedes Mal am Ende des Monats grüble ich über eine Möglichkeit, meine Mitarbeiter zu bezahlen. Aber ich will mich nicht beklagen, das ist der Preis für die Freiheit! Es ist ein privates und kein staatliches Studio. Im Prinzip müsste man Geld durch den Vertrieb verdienen aber der Verleih von Animationsfilmen läuft zurzeit nicht sehr gut; die Kinobesitzer zeigen lieber irgendeinen amerikanischen Film als die russischen Filme ...
Nach dem Winter in „Choo Choo 1" und dem Sommer in „Choo Choo 2" spielt „Choo Choo 3" im Herbst, wo sich die Familie vergrößert. Können wir zuallerletzt auf „Choo Choo 4" hoffen, der im Frühling spielen wird?
Ich glaube, es wird ihn nicht geben. Zurzeit habe ich jedenfalls andere Projekte und arbeite gerade an einem neuen Film.
Übersetzung aus dem Französischen: Marie Steinbach