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Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.

6. Hintergrundinformationen

6.1 Info-Bogen: Der Puppentrickfilm und die Entwicklung der Trickfilmproduktion in Russland

Die drei russischen Kurzfilme von Choo Choo und dem kleinen Jungen sind Puppenanimationen. Im Folgenden werden kurz das Prinzip und die Entstehung dieser Animationsart vorgestellt sowie ein Einblick in die Entwicklung der Trickfilmproduktion in Russland gegeben.

Entstehung
Der Puppentrickfilm ist eine der ältesten Kinoerfindungen. Sein erster Meister war der Pole Wladislaw Alexandrowitsch Starewitsch (1882–1965), der seit 1910 in Russland und ab 1920 in Frankreich arbeitete und dessen Animation von einer heute noch immer unerreichten Perfektion und Flüssigkeit ist. In Deutschland etablierten sich auf diesem Feld die Brüder Ferdinand (1901–1992) und Hermann Diehl (1906–1983), u. a. mit „Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ nach den Brüdern Grimm (1938/39) sowie „Der Wolf und die sieben Geißlein“ (1939) und „Der Gestiefelte Kater“ (1940). Mit „Die sieben Raben“ (1937) schufen sie den ersten abendfüllenden Puppentrickfilm Deutschlands. In den 1950er Jahren entstanden die „Mecki“-Kinderkurzfilme. In den 1970ern und 1980ern entstanden einige Puppentrickserien für Kinder wie z. B. „Die Mumins“. In den 1990ern waren Wallace & Gromit die bekanntesten Vertreter dieses Genres. Puppentrickfilm fristet heutzutage ein Nischendasein im Kinderprogramm, auch wenn Tim Burtons „The Nightmare Before Christmas“ 1993 überdurchschnittlich erfolgreich war. In neuester Zeit wird die Puppentrickfilm-Ästhetik in reinen computeranimierten Filmen wiederbelebt (der erste vollständig computeranimierte Trickfilm war „Toy Story“).
(de.wikipedia.org)

 

Das Prinzip Puppentrickfilm
Ein Puppentrickfilm ist ein Film, für den Puppen in Einzelbildern aufgenommen werden. Von Bild zu Bild werden winzige Veränderungen vorgenommen, damit sich die Puppen im fertigen Film flüssig bewegen (Stopptrick). Üblicherweise handelt es sich um Puppen mit Drahtskelett oder um Knetfiguren. So behalten die Puppen die Position.

Ein Beispiel, wie das Innenleben einer Trickfilmpuppe aussieht, ist auf der Internetseite ‚mediamanual.at’ zu finden.
Die Größe des Szenenbildes orientiert sich im Maßstab an den Puppen. Puppentrickfilme sind nicht zu verwechseln mit Marionettenfilmen. Hier agiert der Puppenspieler in „Echtzeit“ oder kann sogar im Bild zu sehen sein.

Digitale Kameras und Computer erlauben heute die einfache Erstellung von Stop-Motion-Filmen. Besonders für Schulprojekte im Bereich Kunst oder Medien eignet sich die Stopptrick -Technik gut. Als Material werden häufig Papierfiguren, Knetmasse und Lego- oder Playmobilfiguren eingesetzt (siehe: Infobogen: Trickfilm selbst gemacht).

 

Die Entwicklung des Trickfilms in Russland
Russland zählt zu den Ländern, in denen die Kunst des Trickfilms besonders gepflegt wurde. Die Tradition reicht von den frühen Anfängen eines Wladyslaw Starewicz, dem Vater des Puppentrickfilms, über das damals nach Walt Disney zweitgrößte Studio von Fyodor Khitruk "Soyuzmultfilm" bis zu den heutigen kleinen unabhängigen Studios. Großer Beliebtheit erfreu(t)en sich - wie generell in der russischen Filmgeschichte - russische Märchen, aber auch Literaturverfilmungen.

Die Geschichte des russischen Zeichentrickfilms ist ein sehr umfangreiches, aber auch ein fast unerforschtes Feld für die westliche Filmwissenschaft. Weil der größte Teil der russischen Trickfilmproduktion für das Kino und Fernsehen während der Sowjetzeit entstanden ist, kann auch von der Geschichte des sowjetischen Zeichentrickfilms gesprochen werden. 1912 war der erste Puppentrickfilm zu sehen: "Die schöne Ljukanida", ein Trickfilm mit Insektenpuppen von Wladyslaw Starewicz, dem Vater des Puppentrickfilms. Die Entwicklung des Trickfilms in Russland begann aber erst so richtig Mitte der 1920er Jahre. Eine kleine Gruppe von Künstlern wandte sich der Animation zu, oder auch „Kunst der belebten Zeichnung“ genannt.

Dabei konnten die ersten Pioniere, die zugleich Zeichner, Regisseure und Produzenten auf einmal waren, mit ihrer Ausrüstung sowie mit ihrer Ästhetik experimentieren. Künstler wie Ivan Ivanov-Vano oder Nikolay Khodatayev machten ihre ersten Filme auf eine sehr frische und interessante Weise, die sich von den amerikanischen Trickfilmmachern sehr unterschied.

1934 sandte Walt Disney eine Filmrolle mit einigen Kurzfilmen von Mickymaus zu den Moskauer Filmfestspielen. Fyodor Khitruk, ein Trickfilmzeichner, war absolut überwältigt von der Flüssigkeit der Filmbilder und begeistert von den neuen Möglichkeiten für den Zeichentrickfilm, die ihnen Disney scheinbar anbot. Auch die höheren Funktionäre der Regierung teilten diesen Eindruck und so wurde 1936 das Soyuzdetmultfilm -Studio (ab 1937 „Soyuzmultfilm“) gegründet, um sich auf die Entwicklung von „Disney ähnlichen“ Trickfilmen zu konzentrieren. Von nun an verschwanden die Experimente von der Tagesordnung. „Soyuzmultfilm“ entwickelte sich zum wichtigsten Trickfilmstudio in der Sowjetunion, welches eine hohe Zahl an pädagogischen Kurztrickfilmen und Kurzfilmen für Kinder produzierte.

Mit der Gründung von „Soyuzdetmultfilm“ wurden die bisher separat arbeitenden kleinen Gruppen von Trickfilmern in einem großen Studiosystem zusammengeschlossen. Direktor wurde Fyodor Khitruk, der für seine Arbeit mit einem Orden für verdiente Künstler des russischen Volkes ausgezeichnet wurde. Er gilt als Vater des russischen Trickfilms und machte diesen populär bis in die Spitzen der Staatsführung. Viele Künstler machten jedoch diese Veränderungen nicht mit und verließen die Trickfilmindustrie. Für fast zwei Jahrzehnte beschränkte man sich im Studio vorwiegend auf nüchterne Anpassungen von kommunistischen Märchen und Mythen. Dennoch schufen Regisseure wie Ivan Ivano Vano oder Lev Atamanov, der z. B. „Die Schneekönigin“ produzierte, Meisterwerke ihres Genres, die auf Festivals in der ganzen Welt Preise erhielten und dauerhaft in die Geschichte des Trickfilms eingingen.

Während der Stalin-Zeit kam der Puppentrickfilm fast zum Stillstand. Nur bei „Soyuzmultfilm“ wurde 1953 eine kleine Puppenabteilung gegründet, in der junge Trickfilmer versuchten, die verloren gegangenen Kenntnisse wieder zu erlangen. Eine Generation später begann Stanislav Sokolov Filme zu machen, mit denen er der Kunst des Puppentrickfilms einen neuen Höhepunkt verschaffte. Sein Ansatz zeichnete sich durch eine komplexe Animation und vielseitige Spezialeffekte aus.

1986 führte das Studio Swerdlowsk Film die Farbe-auf-Glas-Animation1 ein und setzte damit ein komplett neues Maß an Qualität. Zudem entstanden zunehmend Trickfilme, die sich auch mit dem politischen Geschehen der Zeit auseinandersetzten.

 

Der russische Trickfilm heute
Nach dem Ende der Sowjetunion hat sich die Situation für russische Animationsfilmer dramatisch verändert. Staatliche Subventionen nahmen auf der einen Seite ab, auf der anderen Seite stieg die Zahl der konkurrierenden Studios, die diese Gelder benötigten. Die meisten der Studios in den 1990er Jahren lebten von Animation für die Werbung und machten Auftragsarbeiten für große Studios aus Amerika und anderswo. Dennoch gab es ein paar sehr erfolgreiche internationale Co-Produktionen, z. B. Alexander Petrovs Oscar-Gewinner „Der alte Mann und das Meer“ (1999, nach Ernest Hemingways Roman).

„Soyuzmultfilm“, das über 400 Trickfilmer und andere Mitarbeiter beschäftigte, wurde von korrupten Administratoren übernommen. Für viele Mitarbeiter wurde die Situation im Studio immer unerträglicher. Viele hatten Angst, dass ihr Büro aufgebrochen würde und sämtliche Unterlagen verschwinden könnten. Schließlich wurde Skulyabin, Direktor der Puppentrickabteilung, entlassen und für „Soyuzmultfilm“ begann eine langsame Zeit der Erholung.

Trotz der Schwierigkeiten gewannen russische Trickfilme etwa doppelt so viele renommierte, internationale Auszeichnungen in den 1990er Jahren wie andere russische Filme. Als sich die wirtschaftliche Situation in Russland verbesserte, stabilisierte sich auch der Markt für den Trickfilm und es entstand eine Reihe von langen Animationsfilmen aus den russischen Studios. Der russische Trickfilm eroberte sich seinen Platz in der Filmindustrie langsam zurück.

Verwendete Quellen:
Wikipedia: en.wikipedia.org
Rolf Giesen: Lexikon des Trick- und Animationsfilms, Berlin 2003, S. 388-389

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1 Farbe auf Glas Animation: Es wird auf einem Leuchttisch gearbeitet. Mit Ölfarbe wird direkt auf das Glas gemalt. Die Farbe bleibt lange weich, kann weggewischt, übermalt und mit Werkzeugen bearbeitet werden. Die Ergebnisse stehen in ihrer Farbwirkung echten Ölbildern kaum nach.

 

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