
Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.
Definition von Filmmusik
Filmmusik ist keine eigene Gattung oder Stilrichtung in der Musik, denn jede Musik, die man zu einem Film arrangiert, wird zu Filmmusik. Überwiegend ist Filmmusik aber doch schon speziell für einen Film komponierte Musik, welche oft an ihrem illustrativen Charakter zu erkennen ist. Zu manchen Filmen wird jedoch auch bestehende Musik verwendet.
Filmmusik begleitet die Bilder und ist so gestaltet, dass sie meistens das, was der Film zeigen möchte, unterstützt. Sie kann zur Definition der Grundstimmung beitragen, Stimmungen erzeugen und Gefühle wecken, Handlungsabläufe und -sprünge verbinden. Bis heute gab es schon alle erdenklichen Arten von Musik in Filmen. Pop, Rock, Rap, Weltmusik, Klassik, Volksmusik, Jazz.
Beim Einsatz von Filmmusik kann unterschieden werden zwischen der Musik, die in der filmischen Realität stattfindet (z.B. ein Schauspieler spielt ein Instrument; On-Musik genannt) und der Filmmusik, die nicht in der filmischen Realität vorkommt (Off-Musik).
Dabei ist Filmmusik so alt wie das Medium Film selbst - in der Zeit des Stummfilms wurde die Musik noch live von einem Klavierspieler bzw. einem Orchester eingespielt. Diese Musik war entweder extra für den Film komponiert (originale Filmmusik), improvisiert oder man spielte Musik aus einer Kinothek (Eine Kinothek - Kunstwort aus Kino und Bibliothek - ist eine Einrichtung, die der frühen Stummfilmmusik entstammt und ihren Anfang um 1910 hat. In ihr wurde Notenmaterial nach Kriterien des Musikcharakters sortiert aufbewahrt. Falls keine Musik vorgegeben war, erhielten die Musiker so genannte Cue Sheets auf denen sich die jeweilig zu vermittelnde Stimmung befand (etwa "spannend", "melodramatisch" oder "grün") und dazu wurde dann entsprechende Musik improvisiert. Pragmatischer Grund für dieses schon frühe Einsetzen der Filmmusik war ursprünglich das Übertönen der lauten Geräusche des Filmprojektors, der damals noch nicht in einem separaten Raum – getrennt vom Kinosaal – stand. Man stellte aber rasch fest, dass die Musik die Stimmung eines Films maßgeblich lenken konnte.
Funktion der Filmmusik
Filmmusik soll Stimmungen und Emotionen erzeugen und die Handlung unterstützen oder vorantreiben. Eine normale Filmszene (z.B. Ansicht einer Stadt) kann durch unterschiedliche Filmmusik verschieden gewichtet werden, das heißt, dem Zuschauer wird allein durch die Musik eine bestimmte Deutung vorgegeben.
Außerordentlich beliebt in der Filmmusik ist die Wiederholung eingängiger Melodien im selben Film. Dieses aus der Oper bekannte Verfahren nennt sich Leitmotiv und hat zur Aufgabe, dass Personen, Sachverhalte, Emotionen, etc., die im Film eine zentrale Rolle einnehmen, auch musikalisch unterstrichen werden. Bekannteste Beispiele hierzu sind die Star Wars-Filme, die mittlerweile nun über ein Dutzend verschiedener Motive aufweisen.
Filmmusik kann aber auch gerade im Kontrast zum Bild eingesetzt werden (Kontrapunktion).
Von ernsthaften Komponisten wird ein so genanntes "Mickey-Mousing" vermieden, dass z.B. im Extremfall jeden Schritt auf einer Treppenstufe akustisch zusätzlich untermalt (häufig in Zeichentrickfilmen zu finden).
Filmmusik hat in den letzten Jahren zunehmend auch eine Marketingfunktion, d.h. über die Filme wird versucht, die Musik zu verkaufen oder über die Musik wird versucht, die Filme zu promoten, oft erscheinen auch Alben mit Filmmusik, die im Film selbst nicht auftaucht.
Geschichte der Filmmusik
I. Stummfilmzeit (1895 bis ca. 1930)
Die Filmgeschichte beginnt mit der Erfindung des Kinetoskops von Thomas A. Edison und des Cinématographen der Gebrüder Lumière. Bereits 1895 führten die Lumières in Paris erstmals kurze Filme vor, die von einem Pianisten live untermalt wurden. Bei anderen Vorführungen gesellte sich noch ein Geiger hinzu, der insbesondere für gefühlsbetonte Musik zuständig war („schluchzende Violine“).
Diese frühen Filme werden als Stummfilme bezeichnet, da man noch keine Möglichkeit kannte, Tonaufnahmen für Filme zu machen. Die Gründe, warum man überhaupt begann, Filme mit Musik zu unterlegen, sind historisch eindeutig belegt:
Als Musik wurden anfangs bereits bekannte Musikstücke aus Opern und Operetten verwendet.
In den Jahrzehnten nach der Erfindung der Lumières entwickelte sich der Film zweigleisig. Zunächst war er ein billiges Massenvergnügen auf Jahrmärkten. Filmkünstlerisch ist der Zweig der Massenunterhaltung bestimmt nicht unwesentlich, wichtiger aber ist, dass man seit etwa 1910 versuchte, den Film auch für das finanzkräftigere Publikum attraktiv zu machen. Um dies zu erreichen mussten zwei Voraussetzungen erfüllt werden:
Diese Grundlagen waren auch ausschlaggebend für den Aufbau und die Entwicklung einer Filmindustrie. Einhergehend mit der Verlängerung der Filmdauer einer 35-mm-Filmrolle (ca. 10 Minuten, mehr passte nicht in die Kamera) zu mehreren Rollen (Spielfilm), wurde es auch erforderlich, die Handlungsstränge nicht nur durch Untertitel/Zwischentitel zu erklären, sondern auch die Stille während der längeren Vorführdauer wenigstens durch Musik mehr dem normalen Bühnen-Theater anzupassen.
Auswirkung auf die Filmmusik
Zu Beginn begleiteten nur Pianisten, Geiger und/oder Flötisten die Stummfilme, doch die Möglichkeit in großen Sälen zu spielen bot mehr Platz für Musiker. Als Folge wurde die Musik immer aufwändiger. Sie musste jetzt die Erweiterung des realen Raumes durch dichter instrumentierte Werke füllen. Es gab eigene Kinoorgeln, die neben zahlreichen Klangfarben auch über Geräuscheffekte (Pferdegetrappel, Wind,...) verfügten. In den großen Kinosälen der Metropolen begleiteten hauseigene Symphonieorchester mit bis zu 80 Spielern einen Film.
II. Der frühe Tonfilm (ca. 1930 bis ca. 1950)
Obwohl die technischen Voraussetzungen für eine synchrone Koppelung von Film und Musik bereits Anfang der 1920er Jahre entwickelt wurden, etablierte sich der Tonfilm erst später.
Dass sich der Tonfilm nicht schon früher gegen den Stummfilm durchsetzte, hatte mannigfache Gründe:
Die Einführung des Tones bezeichneten deshalb viele Künstler als „den Tod des Films“. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass durch diesen Fortschritt nicht nur viele Kino-Begleitmusiker um ihren Job fürchten mussten. Einige Stummfilmschauspieler konnten nun auch nicht mehr eingesetzt werden, weil sie einen Akzent, sonstige Sprachfehler oder einfach keine Sprechstimme hatten.
Großen Aufschwung erhielt der Tonfilm durch das Lichttonverfahren, das bis zum heutigen Tage geblieben ist. Der Ton wird bei dieser Technik als zusätzlicher optischer „Zick-Zack-Streifen“ oder als Sprossenschrift-Streifen (laut – leise) am Rande des Filmes zusammen mit dem Bild kopiert. Es besitzt den Vorteil, dass bei der Vervielfältigung des Filmes auch der komplette Ton mit kopiert werden kann und bei einem Filmriss dieser trotzdem – nach dem Zusammenkleben – weiter synchron wiedergegeben wird.
Bis heute wird fast immer zunächst der ganze Film gedreht und anschließend die Filmmusik geschrieben bzw. ausgewählt. Die Filmmusik wird heute international auf Drittelsekunden genau mit dem Film synchronisiert. Das erlaubt genaue Abstimmungen zwischen Bild, Text und Musik. Die Komponisten saßen bei der Einspielung ihrer Musik früher mit der Stopp-Uhr im Studio, um die Musik passgenau aufzunehmen.
Heutzutage werden bei der Produktion eines Filmes Original-Geräusche, der gesprochene Text und die Musik auf jeweils getrennten Spuren aufgezeichnet. Zu Beginn der Tonfilmzeit hingegen war dass noch nicht der Fall. Das hatte zur Folge, dass bei der Synchronisierung die Musik verloren ging. Daher ist bei deutschen Fassungen von Tonfilmen der 1930er oft ganz andere Musik unterlegt als bei original-sprachlichen Fassungen.
Der Tonfilm verbreitete sich sehr rasch. Dadurch gewann die Elektro-Industrie in den USA großen Einfluss, da sie die Patente für die Tontechnik besaß. 1935 war nahezu die gesamte Filmindustrie in den Händen der Elektrokonzerne, die in Hollywood produzierten. Diese Umstände erklären, warum die meisten Filme von dort stammen.
Auswirkungen auf die Filmmusik
Filmmusik wurde nun in der Regel von einem einzigen Komponisten komponiert. In der Zeit des frühen Tonfilmes wurden auch Begriffe wie Main Title (oft am Anfang des Filmes, soll auf seinen Charakter einstimmen, ähnlich wie Ouvertüre) oder Leitmotivtechnik geprägt.
Der Stil der Filmmusik orientierte sich an der Orchestermusik des ausgehenden 19. Jahrhunderts und war geprägt durch den typischen Hollywoodsound:
Funktion der Filmmusik im frühen Tonfilm
Die Frage nach der Funktion der musikalischen Untermalung zu Anfang des Tonfilms stellte sich neu, da nun anders als beim Stummfilm die Musik nicht mehr pausenlos durchlaufen muss. Das heißt, dass Musik nun von Fall zu Fall gezielt eingesetzt werden konnte.
Musik wird dort als zusätzliche Informationsquelle eingesetzt z.B.
III. Der Film im Zeitalter des Fernsehens (ab ca. 1950)
Die Technik der Tonaufzeichnung änderte sich erneut. Nach dem 2. Weltkrieg wurde neben dem Lichtton- auch das Magnettonverfahren verwendet, bei dem auf dem Filmstreifen ein zusätzliches Magnetband angebracht ist. Der Frequenzumfang wurde dadurch deutlich verbessert. Auch wurde damit zum ersten Mal hochwertiger Stereo-Tonfilm ermöglicht.
Während der Nachkriegszeit traten die Elemente des Hollywood Sounds allmählich zugunsten neuer Einflüsse aus den Bereichen Jazz und Unterhaltungsmusik zurück. Um 1950, in Europa teils später, setzte in der Filmindustrie eine Publikumskrise ein, wegen des aufkommenden Fernsehens. Als Reaktion musste sich die Filmindustrie eine neue zahlungsfähige Zielgruppe suchen, die Jugendlichen. Davor nämlich bestand die Zielgruppe der Filmindustrie vornehmlich aus Menschen der älteren Generation. Viele Filme richteten sich nun an junge Leute, durch Verwendung junger Schauspieler und Inhalte, mit denen sie sich identifizieren konnten. Diese Anpassung wirkte sich natürlich auch auf die Filmmusik aus.
Damit sich der Filmton vom Fernsehton unterscheidet, wurde in den Kinos mehr Wert auf Klangqualität und Effekte gelegt. In den 1980er Jahren entstand der Surround Klang, der weiterentwickelt wurde zum Dolby Surround und Dolby Digital Sound.
Auswirkung auf die Musik
Weil die Jugendlichen zur neuen Zielgruppe Hollywoods wurden, hatte das auch Einfluss auf den Stil der Filmmusik. Rock, Pop und Jazz wurden im großen Umfang verwendet und verdrängten die sinfonische Filmmusik. Der „Hollywood-Sound“ wurde nur noch selten angewandt, vornehmlich in Monumentalfilmen. Beispiele für die „Neue Welle“ sind: „Easy Rider" (1969) mit Steppenwolf, die Beatles-Filme oder die Filme mit Elvis Presley als singendem Schauspieler.
Der Jazz im Film diente anfangs mehr als Pseudonym für die sozialen Probleme der Schwarzen in Amerika. Überwiegend wurde der Jazz allerdings verwendet, weil er wegen der kleineren Anzahl von Musikern kostengünstiger zu produzieren war und das oft nur magere Film-Budget nicht zusätzlich belastete. Dennoch gelang es verschiedenen Komponisten auch eindrucksvolle Jazz-Musik zu schreiben.
Ab den 1970er Jahren wird in Hollywood wieder verstärkt mit großen Sinfonie-Orchestern und Leitmotivtechnik gearbeitet, ausgelöst durch die Musik zum Film „Star Wars" (1977) von John Williams.
(lexikon.calsky.com/de/)
IV. Bekannte Filmkomponisten
Für den Film komponierten seit der Stummfilmära zahlreiche Komponisten. Eine der ersten Originalmusiken für das junge Lichtspiel (ohne Verwendung von Fremdmusik) schrieb der berühmte französische Komponist Camille Saint-Saëns für einen sog. „Kunstfilm“ der Film d´Art-Gesellschaft 1907. Die Besetzung für den etwa 12-minütigen Film „Die Ermordung des Herzogs von Guise“ ähnelt jener des damaligen Salonorchesters. Vor allem in der Frühzeit des Tonfilms mit seinen noch nicht standardisierten Produktionsbedingungen gab es neben der dominierenden Mitarbeit von Operetten- und Schlagerkomponisten sowie ehemaligen Kinokapellmeistern (wie z. B. Giuseppe Becce) auch unter den klassisch ausgebildeten jungen Komponisten ein großes Interesse an den neuen künstlerischen Möglichkeiten dieses modernen Mediums. In Frankreich waren es Mitglieder der Gruppe Le Six wie Auric, Milhaud oder Honegger, die künstlerisch anspruchsvolle Partituren für den Film schrieben. In Deutschland wären vor 1933 Musiker wie Karol Rathaus, Walter Gronostay, Paul Dessau und Hanns Eisler zu nennen. Für die sowjetischen Komponisten empfahl sich der Film als ein Medium, Musik für die Massen zu schreiben und so deren Kunstgeschmack zu verbessern. Neben Branchenspezialisten (wie z. B.: Nikolaj Krjukow) waren nahezu alle klassischen Musiker, die vor allem Opern, Sinfonien oder Ballette schrieben, auch als Filmkomponisten tätig. Sergei Prokofiev (Alexander Newski) oder Dmitri Schostakowitsch (Hamlet, King Lear) waren hierbei die prominentesten Vertreter.