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Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.

6.3 Info-Bogen: Hintergrundinformationen zu den Komponisten, die „Choo Choo 1-3“ zugrunde liegen

1. Glenn Miller und seine Musik
2. Isaak Dunajewski
3. Carmen Suite von Rodion Schtschedrin nach der Oper von Georges Bizet

1. Glenn Miller und seine Musik

Der Swing
Der Swing gilt als die wohl populärste Stilrichtung des Jazz, die gegen Ende der 1920er Jahre entstand und zwischen 1935 und 1955 ihren Höhepunkt fand. Sie wurde ursprünglich von Afroamerikanern entwickelt, jedoch bald von den "Weißen" Amerikanern kopiert, kommerziell vermarktet und zuletzt auch dominiert.

Die Ära des Swing ist untrennbar mit der Entstehung der für den Swing typischen Musikerformation, der Big Band, verbunden. Die Big Band geht in ihrer Besetzung auf die klassische, siebenköpfige New-Orleans-Jazzband zurück, wobei die drei Blasinstrumente der Band (Posaune, Klarinette und Trompete bzw. Kornett) nun mehrfach besetzt wurden.

Die Big Band als Musikerformation hatte ihren Durchbruch Ende der 1920er Jahre. Für den nahezu kometenhaften Aufstieg lässt sich eine einfache Erklärung aus den Bedingtheiten der Zeit finden: Nach der Weltwirtschaftskrise vom Oktober 1929 waren viele kleinere Ensembles zur Auflösung gezwungen. Die nun arbeitslosen Musiker fassten sich zur "wirtschaftlicheren" Big Band zusammen, um überhaupt wieder ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dies war die Geburtsstunde der Bigband.

Die Big Band
Zum Vergrößern bitte anklicken!Die Big Band umfasst in ihrer klassischen Besetzung im Swing 17 Musiker sowie den Bandleader. Charakteristisch ist die interne Einteilung der Band in drei Sektionen bzw. Gruppen:

Erweiterung des Ensembles um Querflöten und Klarinetten.

Die Größe der neuen Formation von immerhin bis zu 17 Musikern zog zwangsläufig eine Veränderung in der Art des Musizierens nach sich. Als Hauptunterschied zur Musik der Dixieland-, New-Orleans- oder auch Chicago-Jazzbands etablierte sich das niedergeschriebene, also in Form einer Partitur vorliegende Arrangement, da auf anderem Wege das Zusammenspiel von einer so großen Anzahl an Musikern nicht mehr unbedingt harmonisch verlief. Daraus ergab sich eine gewisse Einschränkung der individuellen Freiheit der Jazzmusiker, die bisher an das auf einigen festgelegten Harmonien basierende Improvisieren gewöhnt waren. Raum für Improvisation boten jetzt nur noch diverse Soli innerhalb der Nummern. Zudem verlangte das notierte Arrangement Notenkenntnisse von den Musikern. Die nun durcharrangierten Stücke erlaubten einen erheblichen Ausbau der harmonischen Basis, so dass kompliziertere Harmonien und Harmoniefolgen gestaltet werden konnten. Aus den hier genannten Gründen wird ersichtlich, weshalb auch bis heute noch hinter jeder erfolgreichen Big Band ein profilierter Arrangeur steht.

Durch die Aufteilung in verschiedene Sektionen ergaben sich für die Instrumentengruppen unterschiedliche Aufgaben: In der Spielpraxis übernehmen die Saxophone häufig die Melodiestimme. Beliebt ist auch eine Aufteilung der Melodie zwischen Holz- und Blechbläsern. Posaunen bilden die harmonische Basis. Klarinetten und Querflöten fungieren häufig als Soloinstrumente. Eine Aufgabe der Trompeten ist das Einbringen von rhythmischen, kurzen Einwürfen in der jeweiligen Harmonie, die zusammen mit einem fähigen Schlagzeuger einen Teil des Bigbandgrooves ausmachen. Das Klavier hat in der Big Band mehr melodische Aufgaben, als das in der New-Orleans-Jazzband der Fall gewesen war, wo es primär einen harmonischen Klangteppich für die Soli der anderen Instrumente formte.
(wikipedia.org)

Glenn Miller
Zum Vergrößern bitte anklicken!Übermittler dieser Musikrichtung waren hauptsächlich die amerikanischen Truppen in Europa nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Zu erwähnen ist hier Glenn Miller, der 1937 seine Bigband mit dem typischen „Glenn-Miller-Sound" (vier Saxophone und führende Klarinette) gründete und schnell große Popularität genoss. Es entstanden Hits wie In The Mood, oder auch Moonlight Serenade, American Patrol, Chattanooga Choo Choo, Tuxedo Junction oder Little Brown Jug.

Seine Kindheit verbrachte Miller in Nebraska, Oklahoma und Colorado. Im Hochschulorchester von Fort Morgan spielte er Zugposaune, womit er zwei Jahre des Studiums finanzierte. Nach einem Abstecher in die Universität von Colorado trat er 1926 der „Ben Pollack Band“ bei, die er zwei Jahre später wieder verließ. Von 1929 bis 1937 spielte er als unabhängiger Posaunist bei Red Nichols, Benny Goodman, Ray Nobles American Band und den Dorsey Brothers. Mit seiner ersten eigenen Band machte Miller 1937 einige Aufnahmen bei Brunswick Records und Decca Records, aber noch im selben Jahr ging die Gruppe auseinander.

Anfangs arbeitete Miller als Arrangeur, bis er im Frühjahr 1938 seinen Durchbruch einleitete. Ende 1939 wurde er für das Jubiläumskonzert der ASCAP in der New Yorker Carnegie Hall eingeladen. Die Eigenkomposition Moonlight Serenade wurde Millers erster Hit. Insbesondere mit Moonlight Serenade und In the Mood wird er bis heute identifiziert. Wenig bekannt ist, dass die Glenn Miller Band ein breites Spektrum an Instrumental- und Gesangsmelodien formte und auch klassische Akzente setzte. 1941 wurden Klassiker wie Chattanooga-Choo-Choo und String of Pearls veröffentlicht. Glenn Miller komponierte außer Moonlight Serenade keinen seiner Hits selber; einer seiner größten Erfolge, In the Mood, stammt von dem Komponisten Joe Garland. Seine erste Schallplatte wurde kaum verkauft, da er dort dieselben Musikstücke aufgenommen hatte wie Swing-König Benny Goodman.

Am 10. Februar 1942 erhielt Glenn Miller die erste goldene Schallplatte der Musikgeschichte für das Lied Chattanooga Choo Choo. Im September 1942 verließ Miller trotz der bis dahin steilen Karriere sein Orchester und ging aus Patriotismus zur US-Luftwaffe, denn er war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus. Dort leitete er das „Army Air Force Orchestra“.

Nachdem Paris durch die Alliierten befreit war, sollte im Dezember 1944 das „Army Air Force Orchestra" dort im Olympia auftreten. Glenn Miller starb aber vorher unter bis heute nicht genau geklärten Umständen. Es wird angenommen, dass das Flugzeug, mit dem er nach Frankreich unterwegs war, über dem Ärmelkanal von Bomben britischer Flugzeuge getroffen wurde, die dort wegen dichten Nebels ihre restliche Bombenlast abwarfen, oder dass das Flugzeug wegen Tragflächenvereisung abstürzte. Es gibt auch andere Todestheorien. So soll Glenn Miller angeblich nicht bei einem Flugzeugabsturz gestorben sein, sondern an Lungenkrebs. Nach Millers Tod wurde das „Army Air Force Orchestra" bis zu seiner Auflösung von Arrangeur Jerry Gray weitergeleitet.
(wikipedia.org)

Das Glenn Miller Orchester
Das musikalische Erbe Glenn Millers dauert bis heute an. Im Jahre 1978 begann der Orchesterleiter Wil Salden mit seinen Glenn-Miller-Studien. Er übernahm das Patentrezept von Glenn Miller beim Aufbau seines Orchesters. Der typische Sound basiert auf zwei Altsaxophonen, zwei Tenorsaxophonen und einer Klarinette. Dem Gerücht nach soll der Miller-Sound per Zufall entstanden sein. Während eines Auftritts soll sich der erste Trompeter an der Lippe verletzt haben, so dass die Klarinette die Trompetenstimme übernehmen musste – der Miller-Sound war geboren. Wil Saldens Orchester wurde langsam aufgebaut und ist durch viele Tourneen, Rundfunk- und Fernsehverpflichtungen eines der weltweit gefragtesten Orchester. Besonders gepflegt wird die Präsentation des Repertoires auf der Bühne. Hier sollen die 1940er Jahre wieder aufleben.

 

2. Isaak Dunajewski

Zum Vergrößern bitte anklicken!Biografie Isaak Ossipowitsch Dunajewski
sowjetischer Komponist
Geb. 30. Januar 1900 in Lokhvitsa, Ukraine
Gestorben. 25. Juli 1955 in Moskau, Russland

Dunajewski gewann durch seine Filmmusik in den 1930er und 1940er Jahren große Popularität. In dieser Zeit lebte er im damaligen Leningrad. Er schrieb auch von westlichen Einflüssen (Foxtrott und Jazz) durchzogene Schlager, die ihn besonders unter Jugendlichen populär machten. Mit Kriegsbeginn begann sein Stern zu sinken - an Stelle der harmlos-fröhlichen Lieder waren heroische Kampflieder gefragt. Das war weniger Dunajewskis Fall. Dann machte dem gläubigen Kommunisten und Stalinpreisträger (1941) der Antisemitismus der späten 1940er Jahre zu schaffen. Seine letzten Lebensjahre waren bestimmt von den vergeblichen Versuchen, an die einstigen Erfolge anzuknüpfen. 1955 verstarb er an einem Herzinfarkt.

Auszüge aus seinen Werken

(wikipedia.org)

 

„Deti Kapitana Granta“
In „Choo Choo 2“ greift Bardin auf eine Komposition von Isaak Dunajewski zurück. Die Zusammenarbeit mit ihm schenkt einer alten Filmmusik neues Leben. Dunajewski schrieb sie zum Film „Deti Kapitana Granta“ von Wladimir Wainstock (1936), die erste Tonverfilmung des Romans „Die Kinder des Kapitän Grant“ (Jules Verne). Es gilt als eines der größten Werke Dunajewskis.

Der Roman Jules Vernes berichtet von schrecklichen Katastrophen, überraschenden Wendungen und wunderbaren Rettungen. Er ist wegen der vielen Schauplätze und Figuren farbiger als manch anderer Roman von ihm. Im ersten Band haben sich die Protagonisten hauptsächlich mit Widrigkeiten der Natur wie Erdbeben, wilden Tieren und Überschwemmungen auseinanderzusetzen. In den beiden anderen Bänden haben sie es mit Menschen, Sträflingen und Kannibalen zu tun. Auch in „Choo Choo 2“ werden diese Elemente aufgegriffen. Die Protagonisten erleben ähnliche Abendeuer auf dem Ozean, begegnen Kannibalen, Piraten und wilden Tieren und sind den Naturgewalten ausgesetzt.

 

3. Carmen Suite von Rodion Schtschedrin nach der Oper von Georges Bizet

Biografie Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin
Zum Vergrößern bitte anklicken!Schtschedrin wurde 1932 als Sohn eines Komponisten und Musiklehrers in Moskau geboren. Er besuchte die Moskauer Chorschule und studierte später am Moskauer Konservatorium Komposition und Klavier. 1964 wurde er zum Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium, 1973 zum Präsidenten des russischen Komponistenverbandes ernannt. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes erhielt er den Russischen Staatspreis und im Dezember 2007 den Dmitri-Schostakowitsch-Preis. Er wurde mit dem Orden für Verdienste um das Vaterland zweiter Klasse ausgezeichnet. Seit 1976 ist Rodion Schtschedrin Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, seit 1989 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Heute lebt er abwechselnd in München und Moskau.
Schtschedrin ist auch ein virtuoser Pianist und hat oftmals seine eigenen Werke aufgeführt, darunter fünf Klavierkonzerte, Sonaten und 24 Präludien und Fugen für Klavier. Mit seiner Oper "Die toten Seelen" (nach Gogol) und den Balletten "Anna Karenina" (nach Tolstoi), "Die Möwe" und "Dame mit Hündchen" (beide nach Tschechow) brachte Schtschedrin Klassiker der russischen Literatur auf die Musiktheaterbühne. Alle diese Werke wurden am Bolschoi-Theater uraufgeführt. In dessen 200jähriger Geschichte ist Schtschedrin damit der erste Komponist, von dem dort gleich sieben Werke aufgeführt wurden, darunter auch das weltbekannte Ballett "Carmen-Suite".
(shchedrin.de)

 

Die Carmen-Suite
Rodion Schtschedrin komponierte die Carmen-Suite auf Wunsch seiner Frau Maja Plisetskaya, einer Primaballerina am Moskauer Bolschoi-Theater. Sie war von der Gestalt der Carmen fasziniert, und es war ihr Traum, diese Rolle zu tanzen. Das 1967 entstandene Ballett "Carmen-Suite" ist eine geniale Adaption der Opern-Vorlage von Georges Bizet in 13 Sätzen. Schtschedrin fügte die bekannten, mitreißenden Melodien zu einem völlig neuartigen Klangwerk zusammen, in dem Rhythmus und Percussioneffekte eine wichtige Rolle spielen. Die für ein groß besetztes Streichorchester, Pauken und vier Schlagzeug-Gruppen eingerichtete, farbig und frisch klingende Musik ist einfallsreich und raffiniert gemacht. Die Uraufführung des Balletts im Bolschoi 1967 stieß wegen Verunglimpfung des Meisterwerkes von Bizet auf Ablehnung. Bereits die zweite
Vorstellung wurde abgesetzt und durch den »Nussknacker“ ersetzt. Heute gehört die „Carmen-Suite“ zu den meistaufgeführten Ballettmusiken des 20. Jahrhunderts.

I. Introduktion
II. Tanz
III. Erstes Intermezzo
IV. Wachablösung
V. Carmens Auftritt und Habanera
VI. Szene
VII. Zweites Intermezzo
VIII. Bolero
IX. Torero
X. Torero und Carmen
XI. Adagio
XII. Wahrsagung
XIII. Finale

Instrumente:
Streicher und Pauken
Schlagwerk: u a. kleine Trommel, große Trommel, Tamburin, Tom-Toms,Triangel, Glockenspiel, Röhrenglocken, Kuhglocken, Kastagnetten, Holzblöcke, Maracas, Peitsche, Schüttelrohr, Zimbeln, Becken …
(dresdnerphilharmonie.de (pdf))

 

Georges Bizets Oper „Carmen”
Carmen ist eine der beliebtesten und meist aufgeführten Opern. Ihr Komponist Georges Bizet hat die Uraufführung, die damals ein Misserfolg war, selbst nicht mehr erlebt. Die Oper setzte sich jedoch rasch an den großen Bühnen der Welt durch und zog unzählige Bearbeitungen besonders schöner Musiknummern nach sich.

Der Inhalt der Oper in wenigen Sätzen
Die Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik von Sevilla flanieren auf der Straße und flirten mit den Soldaten. Die Zigeunerin Carmen, eine der Arbeiterinnen, hat ein Auge auf den jungen, hübschen Soldaten Jose geworfen. Kurze Zeit später flammt unter den Mädchen ein Streit auf und Carmen verletzt eine der Arbeiterinnen mit einem Messer. Jose muss sie verhaften. Sie überredet ihn, sie laufen zu lassen, worauf hin er selbst verhaftet wird. Einige Tage später wartet Carmen in einem Schmugglerversteck auf die Rückkehr von Jose. Endlich kommt er, die beiden sind glücklich, bis der Zapfenstreich ertönt und Jose in die Kaserne zurück muss. Darüber ist Carmen empört und wirft ihm vor, dass er sie nicht wirklich liebt, wenn ihm seine Pflicht wichtiger ist. In diesem Moment erscheint Joses Vorgesetzter und macht Carmen schöne Augen. Jose packt die Eifersucht. Er verletzt ihn mit seinem Schwert. Nun muss Jose fliehen und sich verstecken. Er kommt bei den Schmugglern und Zigeunern unter. Doch jetzt, da Jose bei ihr ist, verliert Carmen das Interesse an ihm. Bei ihr stand nur die Eroberung im Mittelpunkt. Sie wendet sich dem strahlenden Torero Escamillo zu. Daraufhin schwört Jose Rache. Carmen will zum Stierkampf. Auf dem Weg zur Arena zu Sevilla taucht Jose auf und gesteht ihr noch einmal seine Liebe. Sie aber lacht ihn nur aus. Vor lauter Wut ersticht Jose die Zigeunerin und bricht dann über ihr zusammen.


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Bildquellen: wikipedia.org (PD), shchedrin.de

 

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