
Durchblick 6+ – Choo Choo 1 - 3 – Garri Bardin – Russland 1997-2005 – 80 min.
1. Vertonung einer Filmsequenz mit Sprache
2. Vertonung einer Filmsequenz mit Sprache und Geräuschen.
3. Vertonung einer Filmsequenz mit einer eigenen Filmmusik
Die Nachvertonung einer Sequenz kann als Übung innerhalb von ein bis zwei Schulstunden durchgeführt werden. Je nach Länge und Komplexität der Filmszene kann daraus ein mehrstündiges Projekt entstehen. Im Folgenden werden drei verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, eine Filmszene zu vertonen. Während es sich z. B im Deutschunterricht anbietet, eine Szene zu synchronisieren, eigene Dialoge zu entwickeln und Geräusche zu erzeugen, könnte im Musikunterricht eine eigene kleine Filmmusik zu einer Szene entstehen. Im Fächerübergreifenden Unterricht wäre eine Kombination von beiden möglich. Die Vertonung einer Filmsequenz ermöglicht einen kreativen und zielgerichteten Umgang mit Sprache, Geräuschen und Klängen. Besonders gut eignet sich diese Arbeit im Rahmen von Projekttagen oder Projektwochen, da die Kinder in der Projektarbeit konzentriert und selbstständig arbeiten können.
Benötigte Materialien
Kassettenrecorder oder digitales Aufnahmegerät
Man kann auch ein Mikrophon an den Computer anschließen, dann wird eine Audiosoftware benötigt, um den Ton im Computer aufzuzeichnen, Bsp.: Audacity, steht kostenlos im Internet zum Download unter audacity.sourceforge.net
Fernseher und DVD – Player
Aufwärm- und Sprechübungen
„Wörter rumgeben“
Alle Kinder stehen in einem Kreis. Der Spielleiter gibt ein Wort in die Runde. Jedes Kind muss das Wort so genau wie möglich weitergeben (Wortlaut, Lautstärke, Geschwindigkeit).
Das Tempo im Kreis kann erhört oder die Laufrichtung durch ein Klatschzeichen gewechselt werden.
„Verschiedene Gefühlslagen“
Ein kurzer Satz wird in verschiedenen Gefühlslagen gesprochen (traurig, fröhlich, verärgert, ...).
Die verschiedenen Gefühlslagen können vorher gemeinsam zusammengetragen und auf Kärtchen geschrieben werden. Mit welcher Gefühlslage der Satz gesprochen werden soll, muss jedes Kind ziehen.
Für kleinere Kinder können auf den Kärtchen verschiedene Gesichter gemalt werden (lachendes Gesicht, weinendes Gesicht, böse blickendes Gesicht).
„Quasselsprache (Gramolot)“
Die Kinder denken sich eine Fantasiesprache ohne Wörter aus. Es wird nur „gequasselt“
(z. B, bla bla bla, bli bli bli, blo blo blo / oder man verwendet nur Vokale). Die Kinder können ruhig ein wenig experimentieren.
Haben sich die Kinder auf eine Sprache geeinigt, kann besprochen und ausprobiert werden, wie man bestimmte Stimmungen (Wut, Freude, Trauer…) erzeugt. Z. B durch die Tonhöhe, die Tongeschwindigkeit oder unterschiedliche Betonung.
Synchronisationsübungen
Zwei Schüler stehen sich gegenüber. Zwei Schüler stehen oder sitzen versteckt im Hintergrund (z. B. auf Stühle ein großes Tuch oder eine Decke legen) und unterhalten sich. Die beiden Schüler im Vordergrund müssen versuchen, sich danach zu bewegen (Mimik, Gestik).
Die Dialoge sollten einfach gehalten sein. Das Thema über das sich unterhalten wird, kann vorher schon verraten werden. Das vereinfacht den Einstieg.
Filmsichtung
Der Trickfilm bzw. die Filmsequenz wird nun ohne Ton angeschaut.
Danach wird mit den Schülern besprochen, welche Synchronisationsform sie ausprobieren wollen.
Mögliche Formen:
1. Eigene Dialoge erfinden
2. Quasselsprache
(Verschiedene Gruppen können unterschiedliche Sprachen ausprobieren).
3. Wenn mehrere Unterrichtsstunden zur Verfügung stehen, können zur Sprache auch noch zusätzlich Geräusche und Musik eingesetzt werden.
Nachvertonen des Films
Je nachdem wie lang und kompliziert der Filmausschnitt ist, kann die Sequenz mehrmals vorgeführt werden.
Arbeitsaufgaben:
Beschreibt was ihr seht!
Wie geht es den Figuren/ Personen?
Woran könnt ihr das erkennen?
Worüber könnten sich die Figuren/ Personen unterhalten?
In den einzelnen Gruppen werden nun die Rollen vergeben, die Quasselsprache geübt oder die Dialoge ausgedacht.
Mit einem Mikrofon wird nun jede Gruppe aufgenommen.
Die Gruppe versammelt sich um das Mikro herum. Der Film läuft noch einmal ohne Ton ab. Die Kinder können nun ihre Synchronisation life zum Film sprechen.
Wenn alle Gruppen ihre Version aufgenommen haben, können die Aufnahmen noch einmal mit dem stumm geschalteten Film abgespielt werden.
Die Kinder sollen genau hinschauen und zuhören, die verschiedenen Versionen vergleichen und kritisieren.
Hinweis: Da es keine Dialoge in den Filmen gibt, die die Kinder in ihren Ideen beeinflussen könnten, kann der Film auch am Anfang der Projektarbeit stehen, damit sich die Kinder besser in die Figuren und die Handlung des Films hineinversetzen können.
Ziel: Die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Bilder eines Filmes lenken, sondern auch auf die Töne, die das Geschehene akustisch erfahrbar machen und Gefühle der Trauer, Freude, Angst oder Spannung verstärken.
Nach der gemeinsamen Sichtung der stummen Filmszene, kann die Klasse in Dialoggruppen und Geräuschegruppen unterteilt werden.
Arbeitsaufgaben Dialoggruppen (s. o.)
Arbeitsaufgaben Geräuschegruppen:
Beschreibt was ihr seht.
Welche Geräusche könnten vorkommen?
Woran könnt ihr das erkennen?
Wie und womit lassen sich die Geräusche erzeugen?
Die Geräuscheutensilien werden ausgeteilt. Schüler können nun mit verschiedenen Geräuschen experimentieren. Im Anschluss daran wird die Reihenfolge der Geräusche geprobt.
An welcher Stelle sollen die Geräusche einsetzen? Siehe Infoblatt Musikinstrumente selbst herstellen.
Tipp: Es empfiehlt sich, die Geräuschegruppe während der Experimentierphase und Übungsphase in einem separaten Raum arbeiten zu lassen, um die Dialoggruppe nicht zu stören. Die Dialoggruppe kann auch auf dem Flur arbeiten.
Wenn beide Gruppen ihre Dialoge und Geräusche fertig haben, werden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Runde gegenseitig vorgestellt.
Nun kann der Filmausschnitt noch einmal ohne Ton angeschaut werden.
Zuerst versucht die Dialoggruppe ihre Texte zum Film vorzutragen. In einer zweiten Runde setzen die Geräusche mit ein.
Nach jeder Proberunde wird der Durchlauf besprochen und kritisiert.
In einem letzten Durchlauf vertonen noch einmal alle zusammen den Film.
Tipps: Auch die Probedurchläufe können bereits aufgenommen werden. Manchmal ist eine Probeaufnahme schon so gut, dass sie verwendet werden kann.
Es kann auch mehrere Dialog- und Geräuschegruppen geben. Jeweils eine Geräuschegruppe und eine Dialoggruppe arbeiten dann zusammen. Die unterschiedlichen Versionen können im Anschluss verglichen werden.
Musik gehört für die meisten Kinder wie selbstverständlich zum Alltag. Musik spricht Gefühl und Verstand an, schärft Empfindungen und Denken. Daher ist musische Bildung ein wichtiges Element der Persönlichkeitsbildung. Zudem ist Musik eine Sprache, die überall verstanden werden kann. Durch Radio, CD- oder MP3-player oder durch Fernseher werden die Kinder täglich mit sehr viel Musik konfrontiert, die sie jedoch nicht immer bewusst aufnehmen. Überall dort, wo Musik eingesetzt wird, beeinflusst sie die Wirkung der Filmbilder auf die Rezipienten. Häufig werden Filmszenen erst durch den gezielten Einsatz von Musik wirklich spannend, aufregend oder traurig. Das unbewusste Wahrnehmen von Musik prägt auch die Einstellung der Kinder zu ihr und macht sie dadurch manipulierbar. Nicht immer haben Kinder die Möglichkeit, das Gesehene richtig zu verarbeiten, was sich beispielsweise die Werbung bzw. Webespots zu Nutze machen. Der Musikunterricht in der Grundschule könnte z. B. ansatzweise Verarbeitungsmöglichkeiten schaffen. Dafür muss die Filmmusik deutlicher ins Bewusstsein der Kinder gerückt werden. Sie sollen erleben, wie Filmmusik wirkt, wie sie eingesetzt wird und wie sie funktioniert. In Anbetracht des Medienkonsums sollte mit dem Thema „Musik und Film“ bereits in der Grundschule begonnen werden. Auf den ersten Blick wird das Thema dem Fach Musik zugeordnet, kann aber insgesamt fächerübergreifend bearbeitet werden. Die Produktion einer einfachen Filmmusik setzt kein hohes musikalisches Fachwissen voraus. Es genügt das einfache Orff'sche Instrumentarium der Schule, Körperinstrumente oder selbst gebastelte Klangerzeuger. Um Filmmusik deutlicher ins Bewusstsein der Kinder zu rücken, können Kinder beispielsweise die Möglichkeit erhalten, selbst kleine Filmmusiken zu entwickeln. Durch die eigene Vertonung einer Filmszene oder eines kurzen Films, wird die bewusste Wahrnehmung der Musik im Film gefördert.
Der praktischen Arbeit kann eine Unterrichtseinheit zum Thema Filmmusik vorausgehen, in der das Zusatzmaterial der DVD eingesetzt wird (siehe Info-Bogen: Nutzung des Zusatzmaterials auf der DVD und Info-Bogen: Filmmusik). Die Vertonung einer Filmsequenz kann als ein weiterführendes Projekt nach der Filmsichtung durchgeführt werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, ein längerfristiges Projekt „Filmmusik“ (z. B in einer Projektwoche) anzubieten. Dabei kann die Rezeption des gesamten Films auch am Ende stehen, um die Kinder nicht durch die Originalmusik zu beeinflussen.
Erfinden von "heiteren", „traurigen“ und "unheimlichen Klängen":
Zunächst werden die Instrumente ausprobiert. Wie klingen sie? Welche klingen heiter? Welche klingen unheimlich oder traurig? Nach einer Phase des Experimentierens werden die Klänge aufgenommen, gemeinsam abgehört und besprochen.
Filmsichtung
Nach der gemeinsamen Sichtung der stummen Filmszene werden folgende Aufgaben gestellt:
Beschreibt was in der Szene passiert!
Wie ist die Stimmung in dieser Szene? Woran könnt ihr das erkennen?
Die Vertonung
Der Klasse erfährt nun, dass sie zu dieser Filmszene eine eigene Musik komponieren soll. Die Instrumente werden ausgeteilt und die Schüler können erst einmal experimentieren. Im Anschluss daran wird entschieden, welche Instrumente eingesetzt und wie sie gespielt werden.
An welche Stelle setzen sie ein?
In welcher Lautstärke sollen sie gespielt werden?
Tipp: Geht das Projekt über mehrere Stunden ist es empfehlenswert, dass die Filmszene vorher aufgeschrieben wird. Wie in einer kleinen Partitur können dann die Instrumente an die passenden Stellen eingetragen werden, damit die Kinder auch eine Woche später noch wissen, was sie bereits erarbeitet haben (siehe: Vorlage Storyboard Klanggeschichte).
Nach einer Experimentierphase folgt die Probephase. Die Kinder schauen sich die Filmsequenz mehrmals an und versuchen mit ihren Instrumenten dazu zu spielen. Direkt im Anschluss wird jeder Versuch ausgewertet.
Was war gut?
Was muss noch verbessert oder verändert werden?
Wenn sich alle sicher sind, dass die Musik gut ist, kann die Aufzeichnung beginnen. Anschließend wird die Aufnahme parallel zum Film abgespielt und besprochen.
Abschließend kann der gesamte Film mit der Originalmusik angehört werden.
Tipps:
Variante: Es können verschiedene Musikversionen produziert werden.
Beispiel:
1. Eine heitere und fröhliche Musik
2. Eine unheimliche und gruselige Musik
3. Eine aufregende und spannende Musik
Anschließend kann die Wirkung der verschiedenen Versionen auf die Filmbilder verglichen werden.
Kooperation mit Musikschulen
Besonders für Ganztagsschulen ist ein solches Projekt gut geeignet. Als Arbeitsgemeinschaft im Laufe eines Schulhalbjahres könnten Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema Filmmusik auseinandersetzen und verschiedene Arten der Vertonung ausprobieren. Die drei Filme „Choo Choo 1-3“ bieten eine Fülle an Möglichkeiten. Aber auch Projektwochen bieten sich hierfür gut an.
Um sich für ein Projekt „Filmmusik“ Unterstützung zu holen, ist es auch denkbar, mit einer Musikschule Kontakt aufzunehmen. Möglicherweise lässt sich ein gemeinsames Projekt organisieren und qualifizierte Partner finden.
Der Internetauftritt des Verbands deutscher Musikschulen (VdM) informiert über Kooperationsmöglichkeiten zwischen Musikschule, Kindertagesstätte und Grundschule. Informationsmaterialien der VdM-Bundesgeschäftsstelle, Positionspapiere und Arbeitshilfen, Rahmenvereinbarungen und Richtlinien der Länder sowie zahlreiche Beispielprojekte sind auf den Seiten des VdM zu finden.
www.musikschulen.de
Mögliche Angebote der Musikschulen für Grundschulen sind u.a.:
(www.musikschulen.de/kooperationen/die-grundschule)