
Durchblick 6+ – Dornröschen – Arend Agthe – D/A 2008 – 80 min.
Der Film „Dornröschen“ von Arend Agthe ist sehr vielseitig in der pädagogischen Arbeit im Kinderkino und in der Schule einsetzbar: Zum einen basiert er auf dem Original des Märchens der Brüder Grimm, zum anderen bietet er das Märchen in modernisierter Form an, indem er den Hauptdarstellern Prinzessin Rosa und Prinz Frederik einen ganz eigenen Charakter gibt und einen Kunstgriff verwendet, der das Märchen von Dornröschen im 18. Jahrhundert beginnen und im 19. Jahrhundert enden lässt. Besonders Frederiks und Rosas Interesse an Erfindungen wie „Fotoapparat“, „Fluggeräte“, „Gase“ etc. greifen den Wissensdurst von Kindern auf, die im Alter von etwa 8 bis 12 Jahren oft großes Interesse an solchen Sachthemen haben und gerne experimentieren. Darüber hinaus bietet die DVD durch das Zusatz-Material, das der Regisseur Arend Agthe zur Verfügung gestellt hat, viele Möglichkeiten hinter das Medium Film zu blicken und zu erfahren, wie zum Beispiel ein Frosch aus einem Brunnen sprechen kann, wie sich Speere in Schlangen verwandeln und wie einen Dornenranken verfolgen können. Welche Probenarbeit für eine kleine Tanzszene im Film notwendig ist, wird durch die auf der Videoebene abrufbare Sequenz deutlich. Darüber hinaus lernen die Kinder auch eine Menge über die Erzählweise von Märchen und erhalten Anregungen für eine eigene sprachliche und künstlerisch-gestalterische Umsetzung des Märchens „Dornröschen“.
Eine Ergänzung hierzu und völlig andere Erfahrung, wie ein Märchen filmisch umgesetzt werden kann, bietet der Silhouettenfilm von Lotte Reiniger an.
Für Märchenprojekte in der Grundschule eignet sich der Film „Dornröschen“ besonders gut, da hier der „45 Minuten-Takt“ der Schulstunden nicht eingehalten werden muss und der Film ohne Unterbrechung gesehen und fächerübergreifend behandelt werden kann.
In beiden Lernfeldern für Kinder, dem schulischen und dem außerschulischen, beginnt die pädagogische Arbeit mit einer Einstimmung auf den Film, die erlebnis- oder themenorientiert sein kann, geht weiter mit der Unterstützung der gezielten Wahrnehmung bestimmter Filminhalte oder filmischer Gestaltungsmittel und endet mit einer Nachbereitung des gesehenen Films.
Der Film „Dornröschen“ kann von der ersten bis vierten Klasse eingesetzt werden. Das heißt, die ganze Schule kann beispielsweise den Film gemeinsam in einer Schulfilmveranstaltung in der Aula bzw. Turnhalle sehen. Je nach Alter der Kinder können die Methoden zur Vor- und Nachbereitung des Films dann variiert werden. In den folgenden Vorschlägen wird jeweils auf die Bildungsstandards und Lernziele in den einzelnen Fächern Bezug genommen werden. Dies kann inhaltlich-thematisch, aber auch auf die Stilmittel des Films bezogen oder in Kombination von beidem geschehen. Am sinnvollsten ist es dabei, den Film in eine Projektwoche einzubinden, da hier das Thema „Märchen“ umfassend, alle Fächer betreffend, anhand des Film „Dornröschen“ von Arendt Agthe aufgegriffen werden kann, wobei auch der Silhouetten-Film von Lotte Reiniger im Vergleich dazu eingesetzt werden kann.
Bevor die Kinder den Film sehen, kann bei ihren Vorerfahrungen zum Thema „Märchen“ angesetzt werden.
Hinführung zur Thematik Märchen
Viele Grundschulkinder kennen zwar Märchen, aber oftmals nicht mehr durch das Vorlesen von Eltern oder Großeltern oder durch das Ansehen von Märchenbüchern, sondern in erster Linie aus dem Fernsehen, zum Beispiel durch die Zeichentrickserie „Simsalagrimm“ sowie durch CDs.
Die Kinder sollten zu Beginn des Projektes ermuntert werden, von ihren Erfahrungen und Kenntnissen zu berichten. Die Kinder können auch von zu Hause Medien speziell zu Dornröschen mitbringen (Bildungsinhalt: Sprechen und Gespräche führen).
Danach können die Lehrerinnen oder Lehrer die Kinder anhand der Bildergalerie über die Zeit, in der die Brüder Grimm lebten, informieren. Den größeren Kindern können hierzu auch Arbeitsaufträge gegeben werden, wie: Informiert euch über die Zeit der Romantik in der Musik oder in der Literatur, über Erfindungen zur Zeit der Brüder Grimm oder über das Leben der beiden Brüder.
Im Fach Deutsch kann dann noch verstärkt auf die besonderen Merkmale von Märchen hingewiesen werden und das Märchen im Originaltext gelesen werden.
Das Arbeitsblatt Märchenfragen kann diese Hinführung zum Verständnis von Märchen abschließen. Wer auch das Fach Mathematik nicht außer Acht lassen will, kann die Kinder auch Sachaufgaben zu „Dornröschen“ lösen oder selbst eigene Aufgaben erfinden lassen (vgl. Arbeitsblatt Märchen-Mathematik).
Hinführung zum Film „Dornröschen“
Bevor der Film Dornröschen von Arend Agthe gezeigt wird, können die Kinder zunächst mit verschiedenen Dornröschen-Darstellungen bekannt gemacht werden und darüber informiert werden, dass es bereits einige Dornröschen-Filme gibt.
Hier kann auch der Lotte Reiniger Film gezeigt werden (Bildungsinhalt: Medien als Fenster zur Welt: Medien einsetzen und vergleichen).
Die Kinder können ihre Kenntnis über das Märchen vertiefen, in dem sie den Lückentext zu Dornröschen ausfüllen (Arbeitsblatt: Kennst Du Dornröschen?), ein Märchenwörterbuch zu „Dornröschen“ zusammenstellen (Arbeitsblatt Märchenwörterbuch), Reime aus der Schatztruhe zu „Dornröschen“ erfinden (Arbeitsblatt Schatztruhe) oder die Strophen aus der Moritat aus dem Film „Dornröschen“ von Arend Agthe ausschneiden und unter die Bilder der Moritat kleben. Das kann durch farbiges Ausdrucken der Bilder und Kopien des Textes in Großschrift ohne Bildhinweise auch in Gruppenarbeit geschehen. (Arbeitsblatt Lied des Minnesängers). Die Bilder können dann im Klassenraum mit den Texten als Bildergeschichte ausgehängt werden.
Als Einführung zu Arend Agthes Verfilmung von „Dornröschen“ können auch 3 - 4 Szenenfotos (Vgl. Videoebene) gezeigt werden, zu denen sich die Kinder frei äußern können oder die Einstellungsgrößen der Kamera (Info Einstellungsgrößen) erklärt werden.
Für die Nachbereitung des Films gibt es viele kreative Möglichkeiten. Auf der ROM-Ebene der DVD sind hierfür Materialien zusammengestellt, aus denen die Lehrerinnen und Lehrer je nach Bedarf auswählen können.
Nacherzählung mit den Szenenphotos
Die Kinder werden in Gruppen aufgeteilt, die bestimmte Filmkapitel bearbeiten sollen und bekommen pro Gruppe 8 Szenenphotos, die sie beschreiben sollen.
Anhand des Arbeitsblattes „Wie geht Rosas und Frederiks Geschichte weiter?“ können die Kinder die Märchenverfilmung auch weiterspinnen.
Geräuscherätsel
Das Arbeitsblatt „Das Schloss erwacht“ kann die Kinder dazu ermuntern, auf Geräusche zu achten und diese nachzuahmen. Ein Kind darf ein Geräusch nachmachen, das im Schloss zu hören ist und die anderen Kinder müssen es erraten. Danach werden die Geräusche in kurzen Sätzen zusammengetragen.
Kreisspiel
Das Kreisspiellied „Dornröschen war ein schönes Kind“ kann als Bewegungseinheit in der Klasse durchgeführt werden.
Kreatives Gestalten
Die Märchenfiguren aus Dornröschen können in Kunst oder Werken und Gestalten als Kochlöffelfiguren oder aus Wäscheklammern gebastelt werden oder es können einfache Scherenschnittfiguren hergestellt werden, mit denen das Märchen als Schattentheater nachgespielt wird. In Werken und Textiles Gestalten kann auch das Thema „Spindel“ und „Spinnrad“ aufgegriffen werden und die Kinder können eventuell ein Museum besuchen oder selbst Handspindeln ausprobieren. Ist noch mehr Zeit zur Verfügung können die Kinder im Anschluss an den Film ein eigenes Theaterstück zu Dornröschen planen oder eventuell für die Schulgemeinschaft ein Singspiel zu Dornröschen gestalten. Selbstverständlich greifen hier die Fächer Deutsch, Musik, Kunst und Werken und Gestalten ineinander.
Anregungen hierzu unter:
www.gsberner.musin.de/Unterricht/...
www.gymnasium-korschenbroich.hsnr.de/...
Erfindungen
Im Film kommen einige Erfindungen aus früheren Jahrhunderten vor. Anhand des ROM-Teils auf der vorliegenden DVD können die Kinder über erste Fluggeräte, Laterna Magica und Fotoapparate Informationen sammeln und selbst ähnliche Gerätschaften basteln (vgl. 8.3., 8.4., 8.6.). Das Arbeitsblatt zum Traum vom Fliegen kann auch zur Lernzielkontrolle verwendet werden.
Filmtricks und Vorarbeiten zum Film
Eine Blue-Box, bzw. „Blue-Screen“ kennen bereits viele Kinder. Aber wie funktioniert das eigentlich? Und wie geht das mit der 3D-Animation? Anhand des Zusatzmaterials auf dieser DVD (Drehbuch, Handgezeichnetes Storyboard, Trickstoryboard und einiger Fotos von den Dreharbeiten, siehe 8.1. „Szenen im Vergleich“) kann den Kindern verständlich erklärt werden wie:
Auch die Vorarbeiten für den Film wie das Proben der Tanzszene (Menuett) und die Flugübungen Frederiks, die auf der Videoebene als Zusatzmaterial vorliegen, können den Kindern zeigen, wie viel Arbeit es ist, bis ein Film im Kino oder im Fernsehen zu sehen ist.
Nach diesen Informationen können die Kinder versuchen, einzelne Szenen nachzuspielen und mit der Videokamera festzuhalten.
Um den Charakter einer Märchenverfilmung räumlich und gestalterisch spürbar zu machen, bietet es sich an, den Vorführraum märchenhaft auszugestalten und auch die Eintrittskarten darauf abzustimmen. Das kann folgendermaßen geschehen:
Die Kinder bekommen zu jeder Eintrittskarte eine kleine Rose aus Krepppapier, die mit einer Sicherheitsnadel an der Kleidung befestigt werden kann. Das zeigt ihre Zugehörigkeit zum „Hofstaat“ (zum Basteln von Blumen aus Krepppapier: www.basteln-gestalten.de/servietten-rose).
Idee 1:
Aus dem Kinoraum ertönt barocke Musik und auf der Leinwand ist ein Scherenschnitt-Schloss zu sehen (Scherenschnittvorlage auf einen Overheadprojektortisch legen und an die Wand projizieren).
Wenn alle Kinder da sind, wird die Menuett-Musik (im Video-Teil unter Extras / Lieder) aus dem Film abgespielt und die Kinder schreiten paarweise mit den Betreuern vorneweg nach der Musik in den Kinoraum und nehmen Platz.
Musik anhören:
Sie bekommen dann die Aufgabe, genau aufzupassen, wann im Film später diese Musik kommt.
Idee 2:
Vor dem Kinoeingang steht ein Gestell, das normalerweise als Ständer für Hemden dient. Auf diesem Ständer wird eine Tapetenrolle, am besten in grün (Dornenhecke) so befestigt, dass immer wieder ein Stück abgerollt werden kann. Dieser Ständer wird mit Steinen beschwert. An der Seite des Ständers stehen zwei Betreuer. Die Kinder müssen sich mit einem Holzschwert Eintritt verschaffen, indem sie das Tapetenstück mit einem Holzschwert durchtrennen und dann durch das aufgerissene Papier in den Kinosaal gelangen.
Idee 3:
Durch den Kinoraum wird eine Schnur gespannt, an der folgende Sachen hängen:
Wenn alle Kinder da sind, setzen sie sich vor die Leinwand im Kreis auf den Boden. Die Kinder bekommen die Fotos und die Gegenstände in die Hand.
Dann bekommen sie die Aufgabe, sich zu überlegen, wie diese Gegenstände zusammenhängen könnten und was daraus für eine Geschichte entstehen könnte.
Wichtig dabei ist es, vorher herauszufinden, ob ein Kind den Film vorher schon gesehen hat.
Nachdem die Kinder ihre Geschichte erzählt haben, wird der Film gezeigt.
Nach dem Film kann in einem Filmgespräch die eigene Geschichte der Kinder mit der Filmgeschichte verglichen werden.
Idee 4:
Vor der Leinwand im Kinoraum liegen sieben Schachteln mit sieben Gegenständen, die alle abgedeckt sind. Sieben deshalb, weil dies eine Märchenzahl ist. Bei den Schachteln liegen sieben Zahlen.
Zahl 7: Schwert
Zahl 13: Fee (Barbiepuppe)
Zahl 3: Prinzenrolle
Zahl 100: Rose
Zahl 1000: Kleine Playmobilburg
Zahl 12: goldener Teller
Zahl 5: Plastikfrosch
Die Gegenstände dürfen von den Kindern befühlt werden und sollen danach erraten werden. Sie werden dann aufgedeckt. Die Kinder bekommen die Aufgabe, sich die entsprechenden Zahlen dazu zu merken. Danach werden die Schachteln raus getragen und die Kinder bekommen die Zahlen 7, 13, 3, 100, 1000, 12 und 5 genannt. Sie sollen dann sagen, welcher Gegenstand sich hinter der Zahl verbirgt. Wird richtig geraten, wird der Gegenstand wieder hereingebracht. Sind die sieben Gegenstände wieder da, versuchen die Kinder sie inhaltlich miteinander zu einem Märchen zu verbinden. Danach wird der Film gezeigt.
Der Film „Dornröschen“ kann spielerisch-erlebnisorientiert, sprachlich und die Medienkompetenz fördernd nachbereitet werden.
Idee 1:
Die Kinder werden in zwei Gruppen in zwei Räume aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt eine Kopie des Drehbuchauszuges zur Ballonfahrt (vgl. 1.7., Drehbuch S. 113, 114) und Standfotos von der Ballonfahrt. Jede Gruppe erhält dazu eine große Umzugskiste, eine sehr große Pappe oder einen Tapetenrest, so wie ein paar Gummistiefel und einige künstliche Efeu- oder Blumenranken und eine Videokamera.
Die Umzugskiste lehnt an einer weißen Wand und dient als Korb des Ballons. Dahinter wird aus der Pappe ein Ballon ausgeschnitten, der hinter der Kiste an die Wand geklebt wird. Zwei Kinder spielen Prinz Frederik und Prätorius, als beide mit dem Gasballon unterwegs sind und Frederiks Stiefel von einer Ranke abgezogen wird.
Die anderen Kinder sind Regisseur, Kameramann und das „Volk“. Die Kinder lesen die Szenen aus dem Drehbuch und versuchen diese nachzuspielen und zu verfilmen. Dabei bekommen die Kinder verschiedene Aufgaben „am Set“ zugewiesen.
Nachdem beide Gruppen ihre Szene „im Kasten“ haben, treffen sich alle wieder und führen sich gegenseitig ihre Version vor.
Idee 2:
Anhand der Standbilder von Frederik und Rosa, die in der Bildergalerie auf der Videoebene vorhanden sind, findet nach dem Film ein Gespräch über das Märchen Dornröschen statt. Dabei können die Kinder dazu angeregt werden, die Rollen Dornröschens und Frederiks im Original mit den Hauptdarstellern im Film zu vergleichen.
Folgende Fragen sind hierzu hilfreich:
Zum Abschluss der Veranstaltung bekommt jedes Kind einen mit Gas gefüllten Luftballon und kann seinen eigenen Wunsch für die Zukunft auf einen kleinen Zettel malen oder schreiben und in eine Streichholzschachtel legen. Diese Streichholzschachtel wird als eine Art „Korb“ am Ballon befestigt. Dann gehen alle Kinder nach draußen und lassen ihre Wünsche steigen.
Idee 3:
Nach dem Film kommt jemand, der noch ein altes Spinnrad zu Hause hat, und erklärt dieses den Kindern. Eventuell können Handspindeln besorgt werden, die die Kinder selbst ausprobieren können. Links hierzu:
www.handspinngilde.org/...
www.lahottee.info/...
Idee 4:
Nach dem Film „Heißluftballons“ selbst basteln (vgl. 8.3. und 8.6.) und dabei über Frederiks Traum vom Fliegen philosophieren.
Idee 5:
Das alte Lied „Dornröschen war ein schönes Kind“ (siehe Videoebene) ist ein Kreisspiel, das sich gut dazu eignet, den Bewegungsdrang jüngerer Kinder nach dem Film aufzugreifen.
Die Kinder fassen sich an den Händen und machen einen großen Kreis. Ein Kind ist Dornröschen, eines der Prinz und eines die böse Fee. Dornröschen sitzt in der Mitte des Kreises und die anderen Kinder tanzen während des Singens um es herum. Zu jeder Strophe gibt es andere Tätigkeiten. Die böse Fee tritt in die Mitte und verwünscht Dornröschen. Dann fällt Dornröschen in den Schlaf und die anderen Kinder bilden mit ihren Armen die Dornenhecke. Da kommt der Königssohn in die Mitte durch die Arme der Kinder hindurch und küsst das Dornröschen wach. Im Anschluss tanzen Dornröschen und der Prinz im inneren Kreis. Am Schluss nimmt sich jeder einen Partner und tanzt zum Hochzeitsfest.
Das Kreisspiel kann ein paar Mal mit wechselnden Kindern wiederholt werden.
(Siehe Audiodatei und Liedtext.)
Weitere Ideen in: Magie der Märchenfilme, Sonderdruck der Kinder- und Jugendfilmkorrespondenz 2009, S. 36