
Durchblick 6+ – König Drosselbart – Sibylle Tafel – D 2008 – 59 min.
Isabella von Geranien ist eine junge und wunderschöne Prinzessin. Doch sie ist stolz, hochmütig und verwöhnt. Noch nie hat es ihr an etwas gefehlt. Sie trägt schöne Kleider, edle Schuhe und die Hofdamen nehmen ihr jegliche Arbeit ab. Zu schätzen weiß sie all das jedoch nicht. Im Gegenteil, wenn ihr etwas nicht passt und ihre Dienstmädchen einen Fehler machen, reagiert sie schnippisch, beschimpft und beleidigt sie. Auf andere Menschen schaut sie herab. Nur ein Mann scheint ihr Herz zu berühren. Ein junger Fremder überrascht sie beim Baden im See und geht der Prinzessin nicht mehr aus dem Kopf. Doch schon am nächsten Tag möchte ihr Vater sie mit einem Mann vermählen und hat dazu alle jungen Prinzen und Edelleute des Landes eingeladen. Nur widerwillig stellt sie sich ihnen vor. Doch an jedem hat sie etwas auszusetzen und sagt dies den Bewerbern sehr deutlich. Sogar der edle Richard von Begonien, den sie insgeheim verehrt, wird von ihr als „König Drosselbart“ verspottet. In der Konsequenz verheiratet sie ihr Vater mit dem erst besten Spielmann, der am nächsten Morgen durch das Schlosstor kommt. Nun muss sie das Schloss verlassen und wie eine einfache Frau leben. Durch die harte Schule des einfachen Lebens wird sich Isabella zunehmend ihrer schlechten Charaktereigenschaften bewusst.
Der König von Geranien ist der Vater von Isabella. Von ihrer schnippischen arroganten Art ist er wenig begeistert. Er liebt zwar seine Tochter, erträgt aber die Situation nicht länger und duldet die Frechheiten seiner Tochter den Bewerbern gegenüber nicht länger. Im Zorn schwört er ihr, sie mit dem erst besten Mann zu verheiraten, der am nächsten Morgen das Schlosstor betritt. Und er bleibt in seiner Entscheidung konsequent. Obwohl Isabella am nächsten Tag alles versucht, sein Gemüt wieder zu beruhigen, lässt er nicht von seiner Entscheidung ab und bleibt hart.
Der edle Prinz Richard ist in Prinzessin Isabella verliebt. Obwohl ihre beiden Königshäuser verfeindet sind, möchte er am nächsten Tag um ihre Hand anhalten. Ein erstes Mal wird seine Vorstellung von einer perfekten Prinzessin gestört, als er unbemerkt mitbekommt, wie sie ihre Hofdamen beschimpft. Doch seine Gefühle sind stärker. Als sie ihn aber wie jeden anderen Bewerber verspottet und ihn als König Drosselbart bezeichnet, trifft ihn das sehr und er fasst einen Entschluss: Er möchte seine Geliebte ändern. Doch schnell muss er erkennen, dass das nicht so einfach ist, wie er es sich vorgestellt hat. Im Gegensatz zum Originaltext der Brüder Grimm wirkt Prinz Richard im Film etwas unbedarft und unsicher. Er ist sehr in die Prinzessin verliebt, wird aber mehr von seinen Emotionen getrieben, als dass er planvoll vorgeht. So trifft er am Ende in seinem Zorn eine harte Entscheidung, die vielleicht ein wenig über sein Ziel hinaus schießt.
In diesem Film hat Prinz Richard eine Schwester. Sie stellt eine weitere emanzipierte Frauenfigur dar, die ihrem Bruder gelegentlich auf die Finger klopft. Im Laufe des Films wird sie zu einer Stimme der Vernunft, ein Gegenpol zu der starken Emotionalität des jungen Prinzen. Sie ist stark und möchte unbedingt der erste weibliche Ritter werden und entspricht damit sogar nicht dem Frauenbild dieser Zeit. Sie trägt Hosen, hat kurze Haare und kann gut mit dem Schwert umgehen. Doch ihr Wunsch wird von Prinz Richard zunächst nicht ernst genommen. Mit ihren Kampf um die Verwirklichung ihres großen Traumes macht sie ihrem Bruder klar, dass man Menschen nicht so einfach nach einem Idealbild verändern kann.