
Durchblick 6+ – König Drosselbart – Sibylle Tafel – D 2008 – 59 min.
Der Märchenfilm „König Drosselbart“ kann ab der ersten Klasse eingesetzt werden. Das heißt, die ganze Schule kann beispielsweise den Film gemeinsam in einer Schulfilmveranstaltung in der Aula bzw. Turnhalle sehen. Je nach Alter der Kinder können die Methoden zur Vor- und Nachbereitung des Films dann variiert werden. Die folgenden Unterrichtsvorschläge basieren auf einem Dreierschritt:
Die Schüler/innen sollen sich mit dem Märchen bekannt machen.
Die Schüler/innen sollen sich mit dem Märchenfilm auseinandersetzen.
Die Kinder sollen kreativ tätig werden.
Die Vorbereitung auf den Film kann je nach Unterrichtsschwerpunkt auch eine intensive Textarbeit mit dem Märchen beinhalten. Auch dazu sind Vorschläge beschrieben.
Die folgenden Vorschläge sollen die Kinder neugierig und bereit machen, sich auf dieses Märchen einzulassen:
Fantasiereise ins Märchenland
In meditativer Form wird eine Märchenatmosphäre aufgebaut (siehe: 2.8 Vorschläge für die außerschulische Arbeit) durch Verdunkeln des Klassenzimmers, einführende Worte der LuL, Vorstellen von Märchenutensilien (z. B. Schere, Nadel und Faden, Glas Pflaumenmus, Seil, großer Stoffgürtel mit der Aufschrift) oder Einspielen einer passenden Musik.
Briefe aus dem Märchenland
Vorlesen einiger selbst erdachten Briefe aus dem Märchenland. Die Kinder müssen erraten, um welche Märchenfigur es sich jeweils handelt.
Beispiel: Prinzessin
Liebe Schülerinnen und Schüler,
schöne Grüße aus dem Ferienschloss. Hier ist es toll. Gestern habe ich ein Mädchen kennen gelernt, das wunderschön ist. Allerdings ist sie zu den anderen immer gemein. Sie schimpft die anderen immer aus und lässt sich auch von den Betreuern nichts sagen. Keiner kann sie so richtig leiden. Gestern haben wir uns überlegt, ob sie zur Strafe mal eine Nacht draußen schlafen muss, damit sie merkt, wie das ist.
Ansonsten geht es mir sehr gut.
Alles Gute eure ???
Märchenrätsel (siehe Arbeitsblatt 6.5 „Märchenrätsel“)
In den Bildern wird der Handlungsrahmen abgesteckt. Die Schüler sollen mit wenigen Worten die Handlung beschreiben. Der ausgewählte Ausschnitt beinhaltet eine markante Stelle im Märchen. In Zusammenhang mit dem Vers, sollte es für die meisten Schüler ausreichen, sich an das Märchen zu erinnern. Der Titel des Märchens wird an die Tafel geschrieben.
Unterrichtseinheit: Arbeit am Märchentext
Nach der Einstimmung kann ein Gespräch über das Märchen folgen, das die Schüler wahrscheinlich nur bruchstückhaft in Erinnerung haben. Können sie das Märchen nacherzählen? An was erinnern sie sich? Anschließend wird das Märchen gemeinsam gelesen. Dem Lesen des Märchentextes folgt ein Gespräch. Dabei können die wichtigen Handlungsstränge auf Wortkarten geschrieben werden.
Stationen:
Im Schloss der Prinzessin
Im ärmlichen Haus des Spielmanns
Im Schloss des Königs Drosselbart
Darauf aufbauend kann die Spannungskurve des Märchens grafisch herausgearbeitet werden, indem die Wortkarten verschoben und durch die Karte „Erlösung“ (Spannungshöhepunkt) ergänzt werden.
Beispiel: Tafelbild
Weitere Gespräche können über das Verhalten und die Charaktereigenschaften der Hauptfiguren geführt werden.
Fragen:
Wie ist die Prinzessin zu Beginn des Märchens?
Hat der Vater überhaupt das Recht, die Tochter mit einem Bettler zu verheiraten?
Warum hat sich der König Drosselbart durch die Prinzessin verletzt gefühlt?
Die Prinzessin hat den König nicht gut behandelt. Warum hat er sie am Ende doch geheiratet?
Warum musste die Prinzessin Arbeiten verrichten, die sie noch nie gemacht hat und die sie noch nicht konnte?
Wenn man einem Menschen einen Fehler vergibt, wie nennt man das?
Was hat die Königstochter aus der Geschichte gelernt?
Märchenmerkmale:
Gemeinsam werden die typischen Merkmale von Märchen erarbeitet. Die Kinder sollen nun das Märchen daraufhin untersuchen (Arbeitsblatt 6.6: Märchenmerkmale). Welche Merkmale sind darin enthalten?
Das Märchen berichtet nicht viel darüber, warum der König Drosselbart sich so viel Mühe gibt, die Prinzessin zu ändern. An dieser Stelle können die Kinder eine Vorgeschichte zum Märchen erfinden. Hat sich der König vielleicht in die Prinzessin verliebt? Haben sich die beiden schon einmal gesehen?
Das Märchen berichtet auch nicht viel darüber, wie sich die Prinzessin in dem Haus des armen Spielmanns fühlt. Wie geht es ihr, als sie zum ersten Mal arbeiten muss?
Die Kinder können einen Brief aus der Sicht der Prinzessin an ihren Vater schreiben, in dem sie von diesen Erlebnissen erzählt.
Das Vorführen des Films sollte zu einem Kinoerlebnis werden, z. B. mit Basteln und Verteilen von Eintrittskarten oder Gestalten eines Filmplakats (siehe: Vorschläge für die außerschulische Arbeit).
Die Filmgeschichte aufarbeiten
Der Märchenfilm kann in allen Grundschulklassen im Unterricht in Deutsch, Religion und Ethik mit Hilfe der Szenenfotos nacherzählt und vertieft werden. Da sich der Film an einigen Stellen durchaus von seiner Vorlage unterscheidet, kann diese Aufgabe auch gestellt werden, wenn das Märchen vorher schon behandelt wurde. Dafür empfiehlt es sich, die Klasse in kleinere Gruppen von etwa vier bis fünf Kindern aufzuteilen, wobei es für die jüngeren Kinder sicher von Vorteil wäre, wenn zwei Lehrer pro Klasse als Ansprechpartner zur Verfügung stünden. Die Bilder lassen sich inhaltlich in folgende Gruppen aufteilen.
Gruppe 1: Bild 1 – 5
Gruppe 2: Bild 6 – 10
Gruppe 3: Bild 11 – 15
Gruppe 4: Bild 16 – 20
Gruppe 5: Bild 21 – 26
In den einzelnen Gruppen müssen zunächst die Bilder in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Die jüngeren Kinder können ihr Nacherzählen der Bilder zum Beispiel mit einem Kassettenrecorder, einem Diktiergerät oder einem digitalen Player aufnehmen, während die älteren Kinder kleine Texte zu den Bildern ihrer Gruppe festhalten können. Die Gruppenarbeiten werden dann wie in einem Filmstreifen zusammengesetzt und z. B. an die Wand gehängt oder auf eine lange Tapetenbahn geklebt.
Erweiterte Variante
Mit älteren Kindern, ab der 3. Jahrgangsstufe kann in diesem Zusammenhang zusätzlich der filmsprachliche Aspekt der Einstellungsgrößen behandelt werden. Dazu kann bereits vor der Filmvorführung eine Unterrichtseinheit zu diesem Thema durchgeführt und der Begriff der Kameraeinstellung ganz praktisch eingeführt werden (siehe Infobogen 6.2 Einstellungsgrößen).
Anschließend wird das Augenmerk auf die Bilder gelenkt. Nach dem Film und in der Arbeit mit den Szenenbildern wird der Aspekt der Einstellungsgrößen wieder aufgegriffen. Als letzter Punkt bei jedem Bild werden Fragen zu den Einstellungsgrößen gestellt.
Welche Einstellungsgröße hat das Bild?
Warum hat sich der Regisseur für diese Einstellungsgröße entschieden?
Was wollte er damit ausdrücken?
Weitere Methoden, den Inhalt des Films zu erschließen, wie das Filmquiz oder das Filmgespräch, sind in den Vorschlägen für die außerschulische Arbeit ausführlich beschrieben.
Vergleich Märchentext und Film (ab 3. Klasse)
Die Adaption des Märchenstoffs orientiert sich zwar in den Grundzügen an der literarische Vorlage, an einigen Stellen erweitert und verändert sie diese aber deutlich.
Gemeinsam mit den Kindern kann nun untersucht werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede Text und Film haben. Hier können einerseits die Märchenmerkmale wiederholt und der Film daraufhin untersucht werden, andererseits sollen die Kinder die Unterschiede im Handlungsablauf und bei den Figuren herausfinden. Dazu kann als Hilfsmittel der Märchentext (2.6) hinzugezogen werden.
Fragen zum Handlungsablauf:
Welche Unterschiede zum Märchentext sind euch aufgefallen?
Gibt es Episoden im Film, die es im Text nicht gibt? Erzähle die Geschichten.
Wie beginnt der Märchentext? Wie beginnt der Film?
Erzähle die Geschichte, wie sich Prinz und Prinzessin kennen gelernt haben.
Wie stehen die beiden Königreiche zueinander?
Ist darüber auch etwas im Märchentext zu lesen?
Im Märchen muss die Prinzessin im Haus des Spielmanns Arbeiten verrichten. Was muss sie machen?
Welche Arbeiten muss sie im Film übernehmen?
Nur schwer kann sich die Prinzessin an das einfache Leben gewöhnen. Die Gefühle der Prinzessin und ihre Versuche sich trotzdem durchzusetzen, werden im Film viel ausführlicher dargestellt.
Nenne Beispiele aus dem Film, wo sie versucht, Prinzessin zu bleiben.
Nenne Beispiele aus dem Film, wo du gemerkt hast, dass sich die Prinzessin verändert.
Warum schickt der Bettelmann im Film die Prinzessin auf dem Markt? Steht dazu auch etwas im Märchentext?
Als der Prinzessin alle Tonwaren auf dem Markt zerstört wurden, geht sie in die Schlossküche, um dort zu arbeiten. Welche Unterschiede zwischen Film und Märchentext kannst du erkennen?
Wie endet das Märchen im Text und im Film? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es da zu entdecken?
Die Schwester des Prinzen gibt es im Märchen nicht. Welche Rolle spielt sie im Film?
Warum haben die Filmemacher diese Figur noch dazu erfunden?
Habt ihr noch andere Figuren entdeckt, die nicht im Märchentext vorkommen (z. B. die Hofdame der Prinzessin oder die Marktfrau, die ihr am Haus Stoffe verkaufen will)?
Was denkst du? Warum haben die Filmemacher Geschichten und Figuren dazugedichtet?
Was hat dir besser gefallen, der Text oder Film? Begründe deine Entscheidung.
Exemplarisch kann der Beginn des Märchens und des Films genau untersucht werden. Zunächst sollen die Kinder die Textstellen im Märchen heraussuchen und vorlesen. Siehe Märchentext (2.6).
Anschließend sollen sie in wenigen Sätzen das Gelesene zusammenfassen und ihre Sätze auf rote Kärtchen schreiben und diese der Reihe nach anordnen (z.B. an der Tafel). Nun wird die Filmszene angeschaut. Je nach Fragestellung kann der Ausschnitt mehrfach gezeigt werden. Die Kinder sollen genau beobachten, was im Film anders ist. Auch hier wird nun die Handlung in einfachen Sätzen nacherzählt, auf blaue Kärtchen geschrieben und in Reihenfolge gebracht.
Wie viele rote und blaue Kärtchen haben die Kinder geschrieben?
Gibt es blaue Kärtchen, die mit den roten übereinstimmen?
Den Kindern soll auf diese Weise verdeutlicht werden, dass die grundsätzliche Handlung dieselbe ist, im Film aber Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen wurden.
Alternativ kann das Arbeitsblatt 6.4 „Text-Film-Vergleich“ verwendet werden.
Nun kann mit den Kindern darüber diskutiert werden, wieso die Filmemacher so viele Veränderungen vorgenommen haben.
Ergänzend dazu können sich auch noch die Kapitel 4 und 6 näher angeschaut werden.
Was passiert in diesen Kapiteln?
Wird davon überhaupt etwas im Märchen berichtet?
Was habt ihr in diesen beiden Kapiteln über die Prinzessin erfahren?
Warum haben wohl die Filmemacher diese beiden Geschichten dazu erfunden?
Kreative und produktive Arbeit mit dem Märchen
Nachdem sich die Kinder mit Inhalt und Form des Märchenfilms auseinandergesetzt haben, sollte sich nun eine kreative und produktive Phase anschließen.
Die Kinder können nun in die Fußstapfen der Filmemacher treten und selber das Märchen verändern oder modernisieren. So kann ein anderer Schluss, eine Fortsetzung oder sogar ein eigenes Märchen erfunden werden.
Die Ideen können in Bildergeschichten, eigenen Texten, Hörspielen oder Spielszenen oder Märchenfilmen umgesetzt werden.
Anregungen für den kreativen Umgang mit dem Märchen sind in den Vorschlägen für die außerschulische Arbeit sowie unter „Märchenhafte Spielideen und Rezepte“ oder den Projektvorschlägen zu finden.