
Bundesverband Jugend und Film e.V. – Durchblick 6+ – Thema Märchen
Zielgruppe: 3. - 6. Klasse
Zielsetzung: Die Schüler sollen sich mit dem Thema Märchen und seiner Präsenz in den Medien beschäftigen. Die Schüler sollen Märchen analysieren und „hinterfragen“ lernen. Sie sollen den Produktionsprozess eines Films von der Idee bis zur Präsentation kennen lernen, wobei sie nicht nur technische Fertigkeiten erlangen, sondern sich auch mit dem Schreiben von Texten und schauspielerischen Ausdrucksformen beschäftigen. Darüber hinaus werden im Rahmen der Projektwoche Kompetenzen in den Bereichen Mediennutzung und Mediengestaltung gefördert. Zudem trägt das Projekt dazu bei, soziale, kommunikative und Lernkompetenzen zu fördern.
Einstiegsspiel
Vorbereitung: Es werden genauso viele Stühle aufgestellt wie es SchülerInnen oder TeilnehmerInnen in der Gruppe gibt. Zwischen diesen sollte genügend Platz zum Rennen sein.
Durchführung: Die Gruppe wird in Gruppen zu ca. 3 bis 6 SchülerInnen aufgeteilt, je nachdem, wie viele Hauptfiguren das Märchen hat. Jeder Spieler bekommt dann eine der Hauptfiguren zugeteilt und die Spieler werden auf die Stühle verteilt. Anschließend wird das Märchen vorgelesen. Wird eine der zugeteilten Personen erwähnt, muss der dazugehörige Spieler aufstehen und eine Runde um seinen Stuhl herum rennen.
Abwandlung: Die Gruppenmitglieder stellen die Figuren dar. Sie einigen sich im Vorfeld auf eine bestimmte Gestik und Mimik und müssen diese dann spielen.
Danach: Das Spiel soll zur Vorbereitung und zum Einstieg ins Thema Märchen dienen.
Fragen/Inhalte:
Welche Märchenfiguren kennen und mögen die Schüler?
Aus welchen Medien kennen sie ihre Helden (Buch, Bilderbuch, Hörspiel, Film, Computerspiel)?
„Die Heldenwäscheleine“: Die Kinder malen ihre Märchenhelden, stellen diese vor und begründen ihre Wahl. Die Bilder werden nacheinander an einer Leine aufgehängt. Das entstehende Gespräch hilft, die Fragen aufzuwerfen und zu besprechen.
Was macht einen Märchenhelden aus? Welche Eigenschaften muss dieser besitzen?
In Form von Steckbriefen, werden die Eigenschaften gesammelt. Dazu können die Bilder aus der ersten Stunde genutzt und ergänzt werden. Ein Prinz zum Beispiel braucht doch unbedingt blonde Haare, ein Pferd, einen langen Mantel, Schwert und Krone, Stiefel. Oder? Und eine Prinzessin? Ein König?
Welche besonderen Eigenschaften haben die Märchenhelden, die sich die Kinder ausgesucht haben?
Welche Märchen kennen die Schüler?
Brainstorming: Bekannte Märchen sollen aufgezählt und zusammengestellt werden. Die Kinder können die Märchen nacheinander an die Tafel schreiben.
Was wissen die Kinder über Märchen?
Dazu können verschiedene Märchenrätsel durchgeführt werden, wie z. B. ein Märchenkreuzworträtsel oder ein Suchgitter (siehe Arbeitsblätter 6.7).
Was sind Märchen und welche Merkmale haben sie?
Begriffsbestimmung: Anhand von verschiedenen Hinweisen (Zeit, Ort, Figuren, Mythologie, Erzählperspektive, Volks- oder Kunstmärchen, Schriftsteller etc.) soll der Begriff Märchen gemeinsam erarbeitet werden. Dazu können die Kinder ihre Lieblingsmärchenbücher mitbringen.
Was für Märchen stehen darin (Kunst- oder Volksmärchen)? Wer ist der Autor? Die Kinder können die einzelnen Merkmale in verschiedenen Märchen wieder finden.
Anschließend schauen sich alle Kinder gemeinsam den Film an und bestimmen die typischen Merkmale.
Wie funktioniert ein Aufnahmegerät bzw. eine digitale Kamera?
Einführung in die Aufnahmetechnik (ca. 10 Minuten)
Was gibt es beim Aufnehmen zu beachten?
Welche Fragen können gestellt werden? Welche Frageform ist geeignet? Was sind typische Merkmale der Figur?
Interviewspiel: Die Teilnehmer interviewen sich gegenseitig und schlüpfen dabei in die Rolle einer Märchenfigur. Dazu müssen sich die Kinder paarweise finden und sich zwei oder drei Fragen überlegen. Um die Interviews noch spannender zu machen, muss das Publikum erraten, welche Figur interviewt wird.
Die aufgezeichneten Interviews werden nun gemeinsam angeschaut und ausgewertet.
Wie kann eine Figur im Film charakterisiert werden?
Wie entstehen Klischees (z. B. eitle Prinzessin, schlauer Fuchs) oder Strukturen (gut - böse, arm - reich)?
Rollenspiel: Zunächst sollen die Kinder verschiedene Märchenfiguren mit Hilfe von Beispielen aus Literatur und Film charakterisieren und ihre Erfahrungen im Spiel be- und verarbeiten. Sie können beispielsweise bekannte Szenen aus Märchenbüchern oder Filmen nachspielen. Anschließend suchen sich die Kinder eine gleichgeschlechtliche Märchenfigur aus und charakterisieren diese mit drei Stichworten. Die Zettel werden eingesammelt und der Lehrer/die Lehrerin zieht zwei. Die beiden Kinder, die die gezogenen Zettel geschrieben haben, erhalten eine Tätigkeitskarte und sollen innerhalb ihrer Rolle agieren und das Ziel auf der Tätigkeitskarte erreichen. Gleichzeitig werden diese Rollenspiele mit der Kamera festgehalten und anschließend gemeinsam angesehen und ausgewertet.
Wie ist ein Märchen aufgebaut? Wie wird ein Märchen geschrieben?
Wiederholung der Märchenmerkmale in Form eines Rätsels.
Dreiecksgeschichte: In Dreiergruppen beginnt jeder an einer Seite eines Papierdreiecks eine Geschichte, wenn möglich ein Märchen, zu verfassen. Nach drei Minuten wird das Blatt gedreht und die Geschichte des Vorgängers wird weiterentwickelt etc. Am Ende tragen die einzelnen Gruppen ihre Geschichten vor und diskutieren sie. Gibt es unter den Geschichten ein oder zwei Märchen, die die Klasse verfilmen will?
Alternative: Die Kinder entwickeln in Gruppenarbeit eigene Märchen.
Die Geschichten werden dann in ein Storyboard (siehe Arbeitsblatt 6.3) eingetragen.
Wie kann ein Märchen besonders spannend, gruselig oder märchenhaft umgesetzt werden?
Arbeit am Film: Die Schülerinnen und Schüler sollen verschiedene mediale und künstlerisch-ästhetische Gestaltungsmittel kennen lernen wie Einstellungsgrößen, Licht, Geräusche, Musik, Schnitt etc. Dazu können ausgewählte Szenen aus dem Film angeschaut und besprochen werden. Zu den Einstellungsgrößen kann das Arbeitsblatt 6.2 „Einstellungsgrößen“ genutzt werden.
Welche Gegenstände erzeugen welche Geräusche? Woran erinnern die Geräusche? Welche Gefühle wecken sie?
Geräuschememory: Die Kinder erstellen ein Geräuschememory aus unterschiedlichen Materialien. Dazu wird die Klasse in 3 bis 4 Gruppen unterteilt. Die Schüler sollen nun kleine Dosen paarweise mit verschiedenen Gegenständen füllen. Nun wandern die Memorys reihum. Die Kinder sollen nun gleiche Geräusche zuordnen. In einem zweiten Schritt können die Gegenstände erraten werden. Dabei soll die unterschiedliche Wahrnehmung der Schüler diskutiert werden.
Wie kann eine Textvorlage/Storyboard akustisch/filmisch umgesetzt werden? Was gibt es dabei zu beachten?
Vorbereitung der Aufnahmearbeiten: Die Kinder arbeiten unter Anleitung selbstständig. Die Funktionen (Regie, Schauspieler, Kamera, Ton, Schnittliste, Klappe) können besprochen und die ersten (Probe-)Aufnahmen gemacht werden. Die Kinder können sich in der Ausübung der verschiedenen Rollen abwechseln. Außerdem wird nach einer passenden Musik gesucht, die den Film unterstützt.
Aufnahmearbeiten: Die Aufnahmearbeiten beginnen oder werden fortgesetzt.
Wie wird das aufgenommene Material geschnitten? Was gibt es dabei zu beachten?
Schnitt/Postproduktion: Zuerst wird das aufgenommene Material eingespielt. Der Schnitt wird erklärt. Unter Anleitung schneiden die Kinder je nach Altersstufe ihren Film selbstständig und unterlegen ihn mit der von ihnen ausgewählten Musik.
Präsentation/Auswertung/Reflexion
Die Filme werden nun präsentiert und im Anschluss daran ausgewertet.
Z.B. Ampelkärtchen: Anhand von Ampelkärtchen schreiben die Kinder auf, was ihnen gut (grün) und nicht (rot) gefallen hat. Außerdem können sie Wünsche, Anregungen oder Ideen (gelb) festhalten.
Zum Abschluss kann der komplette Märchen-Film angeschaut werden.
Was ist ein Märchen (Wiederholung/Reflexion) Welche Märchenfiguren gibt es in diesem Film? Wie werden sie dargestellt? Welche Wirkung entsteht dabei? Hat der Film eine Botschaft? Wie lautet diese?
Filmanalyse des Films: Die Kinder haben den gesamten Film gesehen, analysieren, diskutieren und hinterfragen ihn. Dabei werden unterschiedliche Aspekte untersucht (z.B. Aufbau, Dramaturgie, Figuren, filmische Gestaltungsmittel, Erzählperspektiven, Einsatz von Geräuschen/Musik, Schnitt).