
Die Farbe der Milch
Credits
Preise
Portrait Torun Lian
Portrait der Darsteller
Kritiken: Presse und Kinderjurys
Originaltitel: Ikke naken
Norwegen 2004, 90 Minuten, empfohlen ab 10 Jahren
| Regie: | Torun Lian | |
| Drehbuch: | Torun Lian, nach eigener Vorlage „Ikke naken, ikke kledt“ | |
| Kamera: | John Christian Rosenlund | |
| Schnitt: | Stian Johnson | |
| Musik: | Øyvind Staveland | |
| Besetzung: | Julia Krohn (Selma) Bernhard Naglestad (Andy) Andrine Sæter (Annelise) Reidar Sørensen (Gaston, Selmas Vater) Ane Dahl Torp (Nora) Kim Sørensen (Rikard) Gustaf Skarsgård (der schwedische Fremde) |
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| Produzent: | Cato Bach Christensen | |
| Produktion: | Painswick Film AS, AB Svensk Filmindustri |
2004 -
Nordische Filmtage Lübeck: Kinderfilmpreis der Nordischen Filminstitute
2004 -
Internationales Kinderfilmfest Oulu, Finnland: Preis des Internationalen Kinderfilmzentrums CIFEJ (Centre International du film pour, l'enfance et la jeunesse)
2004 -
Olympia Film Festival: Beste Regie, Bester Spielfilm
2005 -
Europäisches Jugendfilmfest Vlaanderen, Belgien: Bester Spielfilm
2005 -
Internationale Filmfestspiele Berlin, Kinderfilmfest: Lobende Erwähnungen der Jury des Deutschen Kinderhilfswerks und der Jury des Kinderfilmfestes
2005 -
Filmfestival Zlín, Tschechische Republik: Goldener Slipper, Hauptpreis für den besten Kinderspielfilm
2005 -
Internationales Kinderfilmfestival Ale Kino! in Poznan, Polen: The Silver Goat
2005 -
Newport Internationales Filmfestival: Publikumspreis
2005 -
Internationales Filmfestival für Kinder und Jugendliche, Diversionen, Uruguay: Bester Spielfilm, Großer Preis „Guri“, DENI Plan-Preis der Kinderjury
2005 -
Tel Aviv Kinderfilmfestival: Children's Choice Award
2005 -
Black Nights Filmfestival, Tallinn, Estland: Bester Kinderfilm
2006 -
Kinderjurypreis Filmfest LeoLiese, Leipzig
Die norwegische Regisseurin Torun Lian (*1956) ist in ihrem Land auch als Drehbuch- und Kinderbuchautorin bekannt. Ihr Buch „Frida“ erhielt den begehrten „Prix Jeunesse“ und wurde in Deutschland vor allem durch die Verfilmung „Frida – Mit dem Herzen in der Hand“ der Regisseurin Berit Nesheim bekannt. Das Drehbuch dazu schrieb Torun Lian selbst. Ihren internationalen Durchbruch als Regisseurin schaffte sie mit der Verfilmung ihres eigenen Jugendromans „Es sind Wolken, die die Sterne bewegen“. Beide Bücher werden auch in deutscher Sprache verlegt.
Interview mit Torun Lian
(Auszug aus dem Presseheft von Arsenal-Film, Tübingen)
Jan Erik Holst, Leiter der internationalen Abteilung des Norwegischen Filminstituts interviewt die Regisseurin Torun Lian.
Torun Lian, Sie haben einen eigenen Filmstil entwickelt, in dem Sie den manchmal schmerzhaften Übergang junger Mädchen von der Kindheit zur jungen Erwachsenen beschreiben. Woher bekommen Sie ihr Material? Von Freunden oder von Ihnen selbst?
Das Material selbst kommt nicht wirklich von mir. Ich ziehe es an, oder finde es eher, bzw. noch präziser, ich nehme es einfach wahr. Und ich bin nicht die erste. ... Äußerlich entziehe ich die Geschichten dem, was mich umgibt, aber eigentlich lasse ich mich nur auf Archetypen und Mythen ein. Ich nutze sie, oder sie gebrauchen mich, ich denke, dass ist das, was mich zur Schriftstellerin macht.
Sowohl „Frida – Mit dem Herzen in der Hand“ als auch „Die Farbe der Milch“ basieren auf Ihren eigenen Büchern. Warum gehen Sie so vor?
Ich empfinde das als ganz natürlich. Ich bin Schriftstellerin, ich möchte Geschichten schreiben. Wenn sie sich als von so guter Qualität herausstellen, um zu einem Film umgearbeitet zu werden, fange ich wieder von vorne an. Ich „schreibe“ sie nochmals – dieses Mal als Film. Aber beim Schreiben ist mir gar nicht bewusst, dass sie mal Filme werden. Die Farbe der Milch war ursprünglich eine Kurzgeschichte, die im 8. Jahrhundert vor Christus angesiedelt war. Damals wurde jungen Mädchen zu ihrer Hochzeit ein Leichentuch geschenkt, weil so viele von ihnen während der Geburt ihres Kindes starben. Zu lieben hat ihr Leben tatsächlich gefährdet. Ich habe darin ein äußerliches Bild für eine ganz wesentliche Wahrheit über die Menschen gesehen. Eine mythische Wahrheit. Die Wahrheit, die mit der Angst, sich jemandem hinzugeben, zusammenhängt, und mit dem Kummer, der die befällt, die das zu tun versäumen. Ein richtiges Paradox. Ich glaube, Mythen sind auf solchen offensichtlich unlösbaren Widersprüchen aufgebaut. Das ist das Zeug, aus dem man Geschichten schreibt.
Was halten Sie davon, dass Ihre Filme als Kinderfilme bezeichnet werden? Klassifiziert sie das nicht als irgendwie weniger wertvolle Filme?
Das habe ich auch schon beobachtet. Familienfilm könnte eine bessere Beschreibung meiner Filme sein, oder „Entwicklungsfilme“. Ich finde, es sind Filme für jedermann. Ich weiß, dass das in unserer segmentierten Kultur zu vage ist, aber das ist mir egal. Die Abwertung, die man mit einem „Kinderfilm“ erfährt, kümmert mich nicht sonderlich viel. Viele wollen diese Einschätzung beibehalten: Bürokraten, Festivalleute, das Personal der Schulen, Makler... Wahrscheinlich viel mehr Leute, als tatsächlich Kinderfilme machen.
Wahrscheinlich ist am wichtigsten, dass die von uns, die Filme für Kinder und Jugendliche machen, diese Aufgabe ernsthaft ausführen und uns von ihr herausfordern lassen, nicht nur bezüglich kommerzieller Parameter sondern auch künstlerisch gesehen. Nur das wird dazu führen, dass wir den Stellenwert von Kinderfilmen verteidigen und hoffentlich verbessern.
(Auszug aus dem Presseheft von Arsenal-Film, Tübingen)
Julia Krohn als Selma
Julia Krohn war 2003, als der Film gedreht wurde, 13 Jahre alt. Sie lebt in Oslo, Norwegen. Julia Krohn wurde unter mehr als 2.000 Kindern für die Rolle der Selma ausgewählt, weil sie mit ihrer starken Persönlichkeit und ihrem Charisma auffiel. Julia haben die Dreharbeiten sehr viel Freude gemacht, weshalb sie nach der Schule gerne weitermachen will. Derzeit hat sie sogar schon einige Filmangebote.
Bernhard Naglestad als Andy
Der 13-jährige Bernhard Naglestad lebt ebenfalls in Oslo, Norwegen. Vor seiner Rolle als Andy wollte er eigentlich Handballspieler werden. Nun überlegt er sich, ob er wieder drehen will. Derzeit hat er bereits verschiedene Casting-Angebote. Kurz nach der Premiere von "Die Farbe der Milch" wurde er zum Liebling der Mädchen.
Ane Dahl Torp als Nora
Ane Dahl Torp gehört zu den vielversprechendsten Schauspielerinnen der norwegischen Theaterbühnen. Für die Fernsehproduktionen „The Baptism“ (2000) und „Black Business - White Lies“ (2002) spielte sie in den Hauptrollen. Auf der großen Leinwand debütierte sie 2003 mit „The Woman of My Life“ und verhalf „Elling - Nicht ohne meine Mutter“ im selben Jahr zum internationalen Erfolg. Seither gehört sie zu den gefragtesten Schauspielerinnen für Film- und Fernsehproduktionen in Norwegen.
Reidar Sørensen als Gaston
Reidar Sørensen ist ein alter Hase im Geschäft, mit viel Erfahrung sowohl auf der Leinwand als auch auf den großen Bühnen Norwegens. Zu seinen erfolgreichsten Filmen gehört „The Successor“ (Etterfølgeren) (1997), der auf dem Buch von Henning Mankell basiert und "Burnt by Frost" (1997). Sorensen gehört zum Ensemble des Norwegischen Staatstheater.
Gustaf Skarsgård als Der Fremde (Schwede)
Gustaf Skarsgård wurde 1980 in Schweden geboren, hat aber trotz seiner Jugend schon an Dutzenden von Filmen mitgewirkt. Zu seinen Kinofilmen gehören „Coq Rouge“ (1989) und „Evil“ (2003), der auf dem Bestseller von Jan Guillou basiert und im Jahr 2003 für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert war. Gustaf Skarsgård gilt als einer der talentiertesten jungen Schauspieler Schwedens.
Presse:
„Dass sich solch ‚philosophische’ Weisheit so spielerisch, verständlich und auch Kindern angemessen vermittelt, ist das allergrößte Verdienst dieses schönen, im Kern gar nicht so kindlichen Kinderfilms, der sich formal ganz ambitioniert ‚erwachsen’ gibt und viel Wert auf Ausstattung, Komposition und sorgfältige Kameragestaltung legt." (Filmdienst 2/2007)
„Wir haben beschlossen, uns ab jetzt für Jungs zu interessieren.“ Eine Entscheidung, die drei norwegische Mädchen ins Gefühlschaos treibt, allen voran die zwölfjährige Selma mit ihrer heimlichen Liebe zu einem erwachsenen Milchmann. Humorvoll, aber fernab jeden Klamauks verarbeitet der Film die Freuden und Probleme Heranwachsender – mit Schauspielern, deren Charme man einfach erliegen muss.“ (Cinema 2/2007 )
Angst vor der ersten Liebe:
Die Farbe der Milch schildert die Probleme eines Teenagers mit der Pubertät
Regisseurin Torun Lian hat einen charmant-erfrischenden Teenagerfilm inszeniert, der vor allem mit einer herrlich halsstarrigen Protagonistin aufwartet. Wann immer die träumerische, aus dem Off erzählende Selma einen emotionalen Offenbarungseid leisten könnte, taucht sie ab in die unromantische Welt der Wissenschaft. Äußerungen wie „Hast Du Lust, über den Urknall zu reden?“ berühren und amüsieren zugleich. Man kann sich schließlich nur allzu gut daran erinnern, wie schwer es war, damals, in der Pubertät. Doch natürlich muss Selma nicht dauerhaft den ewig zweifelnden Teenager geben. Am Ende bleibt ihr die erlösende Erkenntnis: „Es ist vielleicht nicht die Geburt und nicht der Tod, die das Wichtigste im Leben eines Menschen sind. Von allen Naturkatastrophen ist die Liebe die größte und die beste." (Kulturzeit 3sat, 05.02.2007)
Kinderjurys:
Aus der Kritik der Kinderjury beim 17. Internationalen Kinderfilmfestival 2005 Wien:
Im Film sind die Frauen- und Männer-Rollen praktisch umgekehrt, denn Selma interessiert sich sehr für Naturwissenschaften und möchte einmal den Nobelpreis gewinnen. Andy meint daraufhin, dass man als Nobelpreisgewinnerin bestimmt gut verdient und er dann bei den Kindern zu Hause bleiben wird.
Eigentlich ziemlich gemein ist Selma immer dann, wenn sie ihren Vater beschimpft, wegen seines Haarschnitts oder weil er zugenommen hat. Unsere Eltern wären da (und auch sonst) wahrscheinlich strenger, so gesehen finden wir die Film-Eltern ein bisschen unrealistisch. Die Rolle des Schweden war für uns ein wenig komisch, denn wir wussten nie, was er selber denkt. Er ist jedenfalls der erste Mann, den Selma nackt sieht und in den sie sich auch ein wenig verliebt. Die Szene, in der sie sich vor ihm im Kühlschrank versteckt, war sehr lustig. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen haben sehr gut und sehr natürlich gespielt. Die stolze und trotzige Haltung von Selma hat die Darstellerin über ihre Körpersprache ganz wunderbar ausgedrückt.
Die Kamera hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Besonders gelungen fanden wir sie in der Unterwasser-Szene und beim Wettschwimmen. Bei der Unterwasser-Szene war auch der Einsatz des Lichtes ganz hervorragend. Die Musik war ebenfalls sehr gut. Sie wird eher sparsam eingesetzt, das hat gut zum Film gepasst und über die Musik werden vor allem die Gefühle der Figuren sehr schön ausgedrückt, z.B. gab es die fast opernhafte Musik immer in ganz bedeutsamen Momenten.
Wir konnten uns gut in die Figuren hineinversetzen und daher auch gut ’mitleben’.
Zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass wir die norwegische Landschaft mit ihren Dünen, Gras und Meer ganz toll ins Bild gesetzt fanden!
Jury des Internationalen Kinderfilmfestivals CIFEJ, Oulu, Finnland:
Die Jury vergibt ihren Preis für das tiefe und sensible Porträt eines 12-jährigen Mädchens. Der Film erzählt eine universale Geschichte vom Übergang der Kindheit ins Erwachsenwerden/Frausein. Im Mittelpunkt des Films stehen die Kinder, ihre Welt und ihre Beziehungen. Der Film gibt den Kindern eine Stimme, so dass wir uns mit ihnen identifizieren können.
Zusätzlich möchten wir das intensive Schauspiel der beiden HauptdarstellerInnen loben. Ihre dreidimensionalen Charaktere sind glaubhaft. Der Film vermittelt eine positive Botschaft von der Freude des Lebens und der Kraft der Liebe.
Jury des Deutschen Kinderhilfswerks, Kinderfilmfest Filmfestspiele Berlin:
Im Leben müssen wir manchmal Antworten auf schwierige Fragen finden, besonders, wenn es um Sinnlichkeit geht. Auf solche Fragen haben wir in einem wunderschönen und handwerklich vollendeten Film kluge und humorvolle Antworten erhalten.
Jury des Kinderfilmfestes, Filmfestspiele Berlin:
In diesem Film überzeugte eine witzige Familie mit speziellem Humor. Es geht darum, erwachsen zu werden und doch ein Kind zu bleiben. Die jungen Schauspieler haben
dies mit Herz dargestellt.