
Die Farbe der Milch
Selma reagiert zunehmend genervt auf ihre Familie. Auch wenn sie oft die zärtliche Nähe zu ihrem Vater sucht, stößt sie ihn doch wieder abrupt zurück. Sie wehrt ihn körperlich ab, mal hat er zu lange Haare, mal ist er ihr zu dick. Sie hat das Gefühl, von ihren Eltern nicht verstanden zu werden. In diesen Situationen zieht sie sich an ihre Lieblingsplätze zurück und wünscht sich, mit ihrer richtigen Mutter über ihre Gedanken und Gefühle sprechen zu können. Im Film weiß man dann oft nicht, richtet Selma ihre inneren Monologe an sich selbst oder an ihre Mutter. Einmal beschreibt sie genau, was sie empfindet, wenn sie so genervt war: „Es war gerade so, als würde sich vor mir was auftürmen. Und Lust zum Sterben hatte ich eigentlich gar nicht. Natürlich nicht. Es gibt doch mehr Tote auf der Welt als Lebende. Aber so schlecht kann es auch nicht sein – im Vergleich zum Leben.“
Wie ist es bei Euch? Kennt ihr solche Gefühle? Wie lässt sich dieser Zustand, den die Erwachsenen „Pubertät“ nennen, beschreiben? Warum unterscheiden sich die Gefühle von Jungs von denen der Mädchen?
Auf dem Arbeitsblatt findet ihr Aussagen von Jugendlichen, mit denen sie Gefühle beschreiben, die sie in der Pubertät hatten oder dafür typische Situationen.
Lest Euch gemeinsam die Zitate vor (in Arbeitsgruppen) und findet selbst heraus, ob die Zitate von einem Jungen oder einem Mädchen stammen.
Diskutiert über die Aussagen: Kennt Ihr auch solche Erfahrungen? Wie habt ihr Euch gefühlt? Was hättet Ihr Euch von den anderen gewünscht? Was könnte man Eltern denn in solchen Situationen raten?
Nehmt Euch ein Zitat heraus, das Euch besonders passend erscheint und überlegt Euch eine Situation, zu der eine solche Aussage passen könnte. Legt die Rollen fest und spielt die Situation nach. Anschließend könnt ihr das Verhalten der Mitspieler beurteilen: Was hätte passieren können, damit die Situation anders verläuft, oder damit sich das Mädchen oder der Junge vielleicht hätte besser fühlen können?
Was meint ihr: Spricht hier ein Junge oder ein Mädchen? In welchem Alter?
(1) „Ich verstehe unter Pubertät, dass die meisten Mädels dann immer zickig sind oder dass sie einfach Launen haben. Oder sie kriegen andere Interessen als in der Kindheit und wissen oft nicht: Bin ich jetzt eine Frau oder bin ich´s eigentlich nicht? Irgendwie bin ich so ein Mischmasch, eigentlich bin ich ja gar nichts. Und dann ärgert man sich über sich selber, dass man so hässlich ist, dass man so fett ist, und im Grunde genommen müssen die Eltern einen doch wieder trösten, und sagen: ‚Nein’, du bist ein ganz normaler Mensch.“
(2) "Und ich finde, Pubertät ist ein ganz bescheuertes Wort. Das benutzen manche so abwertend, so jetzt zum Beispiel meine Eltern oder auch Björn. Was man so mit Pubertät meint, ist doch ein Lebensabschnitt, in dem man sich total verändert und wo ich an mir feststelle, dass ich innerhalb kürzester Zeit total andere Interessen habe. Also Pubertät ist auch eine Art Ausprobierphase, in der man praktisch für sein späteres Leben in einer gewissen Art und Weise nachforscht, was man machen will.“
(3) „Man wird größer, alles verändert sich, es ist auch so ein Hormondings. Man hat öfter Streit mit seinen Eltern, Meinungsverschiedenheiten. Und man will weg. Man will einfach nur weg von seinen Eltern. Party machen. Erste Liebe, wahre Liebe ...“
(4) „Die Definition haben wir in Ethik durchgenommen. Einer hatte so ein wunderschönes Wort dafür: ‚Alles wächst’. Ich merke die Pubertät daran, dass ich nicht mehr ganz so in meiner kleinen Welt drinnen bin, sondern mich mehr für meine Freunde interessiere. Und dass es mit Mama ... es ist nicht schlimm, aber es ist manchmal schwierig.“
(1) „Eigentlich war das (Jungsgeschichten) schon schön. Aber ich hab dann irgendwie Angst bekommen und dann Schluss gemacht. Der hat mir zu viel gekuschelt. Da hab ich ein schlechtes Gewissen gehabt.“
(2) „Ich wollte mit ihr Schluss machen, aber sie ist weggerannt. Das ist nur irgendwie eine Scheiß Situation. Sie müsste ja eigentlich wieder ankommen, weil sie weggelaufen ist. Wir haben es ja noch nicht einmal in der Beziehung geschafft, so richtig miteinander zu reden. Sie hatte immer so wenig Zeit. Ich denke viel über sie nach und warum das so kommen musste. Ich weiß nicht ... da war schon was. Wir waren drei Monate zusammen und sie war einmal bei mir, das geht nicht.“
(3) „Das Problem mit meinen Eltern ist hauptsächlich mein Zimmer. Da schaut es normalerweise aus, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hat, und da heißt es immer: ‚In diesem Haushalt muss eine gewisse Ordnung sein’, und ich sage dann: ‚Das ist mein Zimmer! Schaut doch mal euer Wohnzimmer an, das schaut auch nicht viel anders aus.’ Und da krachen wir so alle zwei Tage zusammen.“
(4) „Es gibt da irgendwas, das mich total schlecht draufkommen lässt. Wenn die Dinge nicht gut laufen und zuviel aufeinander kommt, fühle ich mich tagelang nur schlecht. Es gibt Momente, in denen ich mich einsam fühle. Da denke ich so: `Ja, ich will mich verabreden, aber gar keiner hat Zeit. Vielleicht mache ich was für die Schule. Nee eigentlich hab ich keine Lust.’ Dann steigere ich mich immer in irgendwelche schlechten Launen rein ...“
* Alle Zitate aus dem Buch: Becker, Susanne (Hrsg.), Zeit der Wunder. Wenn Kinder in die Pubertät kommen, München 2006.
Auswahl 1:
1: Mädchen, 12 Jahre;
2: Junge, 14 Jahre;
3: Junge, 12 Jahre;
4: Mädchen, 12 Jahre.
Auswahl 2:
1: Mädchen, 12 Jahre;
2: Junge, 14 Jahre;
3: Mädchen, 13 Jahre;
4: Junge, 14 Jahre.