
Durchblick 8+ – Das große Rennen – André F. Nebe –D, IRL 2009 – 84 min.
Niamh McGirr (als Mary Kensay)
Die 13-jährige „waschechte“ Nordirin Niamh McGirr hatte als Mary in „Das große Rennen“ ihre erste Filmrolle; zuvor stand sie bei Schulaufführungen und regionalen Theateraufführungen aber schon mehrfach auf der Bühne. Sie wurde beim Casting für den Film entdeckt, von dem sie an ihrer Schauspielschule in Omagh gehört hatte. Dort besucht sie neben der Loreto Grammar School seit 2002 auch die Hazel Wand Theatre School. Von der Rolle fühlte sich die jüngste von acht Geschwistern sofort angesprochen und meinte, Mary sei „genauso sportlich und aktiv“ war sie selbst. Neben Gaelic Football spielt Niamh auch Fußball und Tennis und geht gerne Schwimmen. Ihre Schauspielerei sieht sie zunächst vorrangig als Hobby, kann sich aber auch gut vorstellen, damit weiterzumachen oder auch Grundschullehrerin zu werden.
Jonathan Mason (als Tom)
Sein Spielfilmdebüt gab der gegenüber Niamh nur wenige Monate jüngere Jonathan Mason bereits 2005 in „Lassie kehrt zurück“. Seit 2008 ist er zudem der Titelheld der Kinderserie „The Revenge Flies of Alistair Fury“. Neben seinen Film- und Fernsehauftritten war Jonathan auch schon in verschiedenen Werbespots zu sehen. Auch er besucht neben der regulären St. Bedes Grammar School in Bradford zusätzlich noch die Yorkshire School of Performing Arts. Jonathan spielt Cricket und Fußball – und er singt gerne.
Rowan O’Neill (Drehbuch)
Rowan O’Neill ist der Drehbuchautor von „Das große Rennen“. In Irland geboren, lebt er inzwischen in Berlin und ist für die 2005 gemeinsam mit André F. Nebe und Dirk Morgenstern gegründete Firma Tucano Film tätig. Dort betreut er die Entwicklung der englischsprachigen Produktionen und ist für die Suche nach internationalen Produktionspartnern zuständig.
André F. Nebe (Regie)
André F. Nebe, 1973 in Berlin geboren, ist diplomierter Jurist, Regisseur und Autor. Er studierte von 1995 bis 2000 Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach mehreren Auslandsaufenthalten nahm er 2002 in Hamburg ein Regiestudium auf, das er 2004 mit seinem Abschlussfilm „Examen“ und mit Auszeichnung beendete. Bereits 2001 hatte er seinen ersten Kurzfilm „ Sterne“ gedreht, dem bis 2007 weitere Kurz- und Dokumentarfilme folgten. „Kunstgriff“ (2002), „Knockout“ (2003) und „Examen“ (2004) liefen auf zahlreichen internationalen Festivals und gewannen mehrere Preise. Nach dem Abschluss seines Regiestudiums arbeitete Nebe als Autor und Dramaturg an zahlreichen Treatments und Drehbüchern. Im Herbst 2005 gründete er die Produktionsfirma Tucano Film in Berlin und begann mit den Vorbereitungen für sein Langfilmdebüt „Das große Rennen“, dessen Dreharbeiten im Sommer 2008 in Nordirland stattfanden.
Worin unterscheidet sich Ihr Film von anderen aktuellen Kinderfilmen? Was ist das Besondere daran?
„Das Besondere an diesem Film ist die Tatsache, dass er sich sowohl an Kinder als auch an ihre Eltern richtet. Wir versuchen, im besten Sinn Familienfilmunterhaltung zu machen. Wenn ich mich umschaue, was gemacht wird, lässt sich eine Tendenz klar erkennen: Entweder man macht Filme mit Kindern, wo Kinder mitspielen, die aber mehr für Erwachsene sind, oder Filme nur für Kinder, wo sich Erwachsene manchmal sogar peinlich berührt vorkommen, zumindest ratlos sind. Ein Beispiel ist „Die wilden Kerle“, eine tolle Produktion, die bei Kindern super ankommt, aber als Erwachsener ist man mitunter ein bisschen irritiert.“
Wie kam es denn zu dieser Geschichte und zum Film?
„Die Idee stammt von einem Freund von mir, der auch in meiner Firma arbeitet (gemeint ist Drehbuchautor Rowan O’Neill), der aus einem irischen Dorf stammt, sich an seine eigene Kindheit dort erinnerte und eine Geschichte über ein Mädchen schreiben wollte, das gerne Rennfahrerin werden möchte. Für die konservative irische Gesellschaft ist das immer noch ein Novum, dass eine Frau eine Männerdomäne erobern möchte. Ich habe ihn ermuntert, das zu schreiben. Wir sind dann ab der vierten Drehbuchversion, die wir für vorzeigbar hielten, auf Partnersuche gegangen. Insgesamt hat das drei Jahre gedauert.“
Hatten Sie Bedenken, Ihren ersten Kinofilm im Ausland und noch dazu in englischer Sprache und mit Kindern zu drehen?
„Keine Bedenken, sondern den Wunsch! Man könnte daraus ein Politikum machen, denn es wird immer beklagt, Talente im Filmbereich hätten immer die Tendenz abzuwandern, nachdem sie erfolgreiche Produktionen gemacht haben. Ich bin, glaube ich, der erste, der nicht einmal in Deutschland anfängt. Das hatte einen ganz klaren Grund: Wir wollten von Anfang an eine Geschichte erzählen, die man auf der ganzen Welt verstehen kann, auch in sprachlicher Hinsicht, und die einen universellen internationalen Charakter hat. Das war unser Anliegen. Der Autor kommt ohnehin aus Irland und auch in unserer Firma sprechen wir fast nur englisch.“
Das hat doch sicher auch mit den besseren Marktchancen für englischsprachige Filme zu tun?
„Wie gesagt, ein englischer Film kann überall gesehen und verstanden werden. Auch auf den Festivals, wo der Film zurzeit läuft, gibt es keine Probleme. Dagegen ist es schon schwieriger, einen deutschsprachigen Film überhaupt aus dem Land herauszubekommen. Man sieht das auch an den skandinavischen Filmen, dort werden zwar ganz viele Kinderfilme gedreht, aber man bekommt das oft gar nicht richtig mit.“
Die Geschichte könnte aber schon auch in Deutschland spielen.
„Das ist ja das Schöne an einer universellen Geschichte, die man überall platzieren und verstehen kann. Theoretisch hätten wir auch sagen können, wir übersetzen das Buch und drehen in Deutschland. Es war aber nicht unser Plan.“
Nach den Erfahrungen mit diesem Film: Würden Sie wieder in Irland drehen?
„Ja, denn als Regisseur hat man ein recht praktisches Verhältnis zum Filmen. Man arbeitet dort, wo man seine Filme machen kann. In Irland hatte ich ein professionelles Team. Das hängt auch damit zusammen, dass in Irland jedes Jahr ein halbes Dutzend große amerikanische Produktionen entstehen, sodass die dort einen Workflow und einen Erfahrungsschatz haben, der sehr hilfreich sein kann. Ausdrücklich erwähnen möchte ich, dass die Filmindustrie in den angelsächsischen Ländern ihre Leute auch ernähren kann. Wir hatten Leute dabei, die Jacken aus Produktionen wie ‘Harry Potter’ oder ‘James Bond’ trugen. Wenn ich in Deutschland drehe, ist am Set keiner älter als 40 und wenn doch, dann ist es höchstwahrscheinlich ein Schauspieler vor der Kamera. Das liegt daran, dass in Deutschland Dumpingpreise bezahlt werden, von denen niemand eine Familie ernähren kann, und die Leute ab einem bestimmten Alter einfach aus der Branche verschwinden. Das hat zur Folge, dass Wissen nicht tradiert werden kann. Es bleibt immer auf einem Niveau der Leute, die ihre Erfahrung zwischen Mitte 20 und Ende 30 machen und dann verschwinden. Also noch Mal: Gerne drehe ich wieder in einem so hoch professionalisierten Land.“
Wie haben Sie die Hauptdarstellerin gefunden?
„Es gab von der Casting-Agentur eine Vorauswahl aus etwa 300 bis 400 Mädchen. Ich bin erst dazugekommen, als wir eine Endauswahl von circa 30 Personen hatten. Zum Schluss waren es nur noch vier. Ich habe mir sehr viel Zeit gelassen und etliche Kandidaten ein zweites Mal eingeladen. Die Kinder waren ja keine Profis und hatten vielleicht nur einen schlechten Tag. Letztlich war die Entscheidung gefühlsmäßig schon länger klar, denn obwohl Niamh noch nie vor der Kamera gestanden hat, strahlte sie eine große Natürlichkeit aus.“
Eigentlich erzählt der Film mindestens zwei Geschichten, die von Mary und die ihrer Mutter. War diese Parallelgeschichte von Anfang an geplant?
„Ja, beide Figuren gehören unbedingt zusammen. Die Mutter fasst ja erst den Mut, diesen wahnsinnig schwierigen Schritt aus ihrem Dilemma heraus zu tun, nachdem sie gemerkt hat, dass ihre Tochter ganz zielstrebig ihr Ziel verfolgt, nicht aufgibt und sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Das inspiriert sie, letzen Endes lernen Mutter und Tochter voneinander. Die Mutterfigur ist natürlich sehr kontrovers angelegt. Sie ist das Salz in der dramaturgischen Filmsuppe, denn sonst wäre das erstens nicht mehr zeitgemäß und zweitens hätte es mich nicht so herausgefordert. Denn ich fand es besonders spannend, die Mutter so zu inszenieren, dass man sie versteht und mag und dass man auch sieht, wie schwer es ihr fällt, die Familie zu verlassen. Dieses Element war also von Anfang an drin und sollte auch drin bleiben. Natürlich gab es Leute – mit denen wir dann nicht zusammengearbeitet haben – die meinten, die Mutter müsse zurück in die Familie, das ginge so doch nicht. Wir haben es so gemacht und es ging.“
Trotzdem noch konkreter: Warum haben Sie auf ein Happy End verzichtet?
„Man hört und liest viel darüber, dass Eltern nur wegen der Kinder zusammenbleiben, wenn Leidenschaft und Liebe längst vorbei sind. Ich finde diese Verhaltensweise nachvollziehbar und auch nicht zu kritisieren. In unserer Zeit ist sie aber nicht mehr so häufig anzutreffen wie eine Generation früher. Heute neigen die Leute eher dazu, früher die Reißleine zu ziehen, wenn sie merken, das ist nur noch ein Aushalten und kein Leben mehr. Wir wollten diesen Aspekt, den wir in unseren Bekanntenkreisen und in der Gesellschaft insgesamt wahrnehmen, auch drin haben, denn das ist eine Realität, mit der viele Kinder heute zu tun haben. Fast jede zweite Ehe wird geschieden und viele Kinder leben inzwischen in Patchworkfamilien, so ist die Realität.“
Lassen Sie uns noch über die Seifenkisten reden. Sind Sie selbst schon Rennen gefahren?
„Ja, früher in Österreich. Das waren aber keine professionellen selbst gebastelten Geräte, sondern teilweise Leiterwagen, mit denen die Bauern die Milch transportierten. Wir haben uns da raufgeschwungen und uns mit vollkommen ungeeigneten Zieh- und Lenkhebeln waghalsige Abfahrtsrennen geliefert. Auch das Kettcar-Fahren hat mich schon als Kind begeistert. Es gibt Weltmeisterschaften und hier in Berlin haben wir zwei große alte sehr traditionelle Seifenkistenrennen, eines im Wedding, eines am Mehringdamm, das ist natürlich eine Faszination, da ist noch der kleine Junge da.“
Der kleine Junge ist ein gutes Stichwort. Es heißt immer noch, Rennsport sei vorwiegend etwas für das männliche Geschlecht. Wie stehen Sie selbst dazu?
Männerdomäne – Frauendomäne, das ist so eine Geschichte. Ich glaube, es hat nicht nur mit Erziehung zu tun. Es gibt schon eine nachvollziehbare Tendenz, dass sich Mädchen für gewisse Dinge einfach nicht interessieren, aber es gibt Ausnahmen. Diese Ausnahmen haben es heutzutage wesentlich leichter als früher. In traditionellen Ländern – und dazu möchte ich Irland schon zählen, ein sehr konservatives, katholisches durch die Landwirtschaft geprägtes Land – werden solche geschlechtsspezifischen Differenzen noch eher sichtbar als im aufgeklärten säkularen Deutschland. Ich glaube aber, dass auch wir noch ein bisschen mit diesen Vorurteilen zu kämpfen haben. Frauen haben für bestimmte Dinge nicht unbedingt Interesse, aber wenn sie es wollten, könnten sie es tun. Da ein bisschen Mut zu geben, ist auch Absicht des Films.“
Gibt es wirklich die Erfindung von Marys Vater, durch eine Vorrichtung den Schwerpunkt der Seifenkiste verlagern zu können?
„Das ist eine Erfindung von mir, die ich selbst eingebracht habe. Es ist in der Theorie tatsächlich denkbar. So wie wir das filmisch gemacht haben, ist es nicht ausgereift, aber es lässt sich machen, gerade weil Kinder nicht so schwer sind. Da kann so ein Gewicht, das sich hin und her schieben lässt, schon etwas ausmachen. Vielleicht kommt ja jemand auf die Idee, so etwas weiter zu entwickeln. Die meisten Seifenkistenrennen funktionieren allerdings so, dass eine gerade Strecke heruntergefahren wird, da braucht man so etwas nicht. Die Abfahrtsstrecke im Film dagegen weist Kurven und Hindernisse auf, das ist eher unüblich.“
Es war sicher nicht leicht, das finale Wettrennen zu drehen. Gab es da Komplikationen?
„Das war eine ganz schwierige ‘Kiste’. Wir haben diese Szenen in den ersten beiden Drehwochen gedreht, das waren die anspruchsvollsten Szenen, vor allem mit viel Action. Wir hatten auch große Probleme mit dem Wetter. Es hat zwei Wochen lang ununterbrochen geregnet. Bei Regen draußen in den Bergen, in einer einsamen Bergregion in Nordirland, das war extrem schwierig. Vorher war ich in einem Globetrotter-Laden und habe wahnsinnig viel Geld dort gelassen für Regenkleidung. Ich habe alles gebraucht, wirklich alles angehabt, manchmal acht oder neun Lagen übereinander. Ich bin dadurch aber der einzige im Team gewesen, der trocken geblieben ist, keinen Schnupfen und kein Fieber bekommen hat. Diese ersten beiden Wochen waren schon sehr zehrend, weil sich auch alles verlangsamte, technisches Equipment erst wieder getrocknet werden mussten und so weiter.“
Noch eine letzte Frage zum Inhalt: Das Thema Mobbing spielt in Marys Klasse eine ziemlich große Rolle. Ist das realistisch für die Schulsituation in Nordirland?
„Wir wollten zeigen, dass sich eine Außenseiterin durch ihre Fähigkeiten Respekt verschafft. Der Autor hat mir erzählt, dass das in seiner Kindheit Ende der 80er-Jahre genauso gewesen ist. Bei den landnahen kleineren Städten hat nur die nächstgrößere Stadt eine Schule. Dort mischen sich dann die Stadtkinder und die Landkinder und es kommt zu Reibereien zwischen diesen beiden Gruppen. Ob das heute immer noch in diesem Ausmaß geschieht, kann ich selber gar nicht so genau sagen, obwohl wir Recherchen gemacht haben. Beim Mobbing wird nicht alles bekannt, was geschieht. Ich habe mich hier auf den Autor verlassen, der den Gegensatz zwischen Stadtkindern und Landkindern stark herausgearbeitet wissen wollte. Man kann das auch ganz unterschiedlich sehen und sagen, ach Gott wie schrecklich.Die Art und Weise wie Mary und Tom damit umgehen, hat zwar etwas Resignatives, zugleich ist es eine spielerische Art des Umgangs damit. Sie schließen Wetten ab, wie sie den Spießrutenlauf bestehen werden, und finden einen Weg, damit klar zu kommen. Ich habe trotz alledem nicht das Gefühl, das sei eine Schule, in die sie sich kaum trauen, hineinzugehen. Sie nehmen den Kampf auf, nehmen ihn manchmal auch hin, aber sie geben ihn auf keinen Fall auf.“
Sind heutige Kinderfilme also meistens zu harmlos und gehen an der sozialen Realität von Kindern vorbei?
Ich bin der Meinung, wenn man Kinder ernst nehmen will – und das muss man, wenn man Filme für Kinder drehen will – heißt das nicht notwendigerweise, dass daraus ein ernster Film wird. Wenn Kinder ins Kino gehen, sagen sie immer dasselbe: Der Film muss lustig und spannend sein. Das hört sich wie ein nivellierendes Unterhaltungsdiktat an, ist es aber nicht. Wenn man diese Erwartungshaltung berücksichtigt, kann man alle möglichen Themen im Film aufgreifen, Themen, die die Kinder in ihrem Alltag beschäftigen. Aber man kann auch einen anderen Ansatz fahren und sagen, das wollen sie vielleicht nicht auch noch im Kino sehen. Ich finde beide Ansätze legitim. Heutige Kinderfilme in Deutschland weisen manchmal die Tendenz auf, dass sie ein bisschen zu harmlos sind. Einen frechen Kinderfilm zu machen, in dem auch einmal unkorrekte Dinge passieren, mit Charakteren wie im wirklichen Leben, die nicht immer nur gut oder nur schlecht sind, das ist eine Sache, die ich tatsächlich ein bisschen vermisse. Ich sehe mich allerdings auch nicht im Sozialproblemfilm, sondern möchte Geschichten erzählen für Menschen, die sich freuen, eine solche Geschichte zu hören, die durch eine schöne Geschichte – so meine naive Vorstellung – vielleicht auch zu besseren Menschen werden. Sie haben zumindest eine Alternative bekommen, wie man sich verhalten kann, wie man leben, seine Probleme meistern und Haltung einnehmen kann. Das ist eine schwierige Kiste, denn in Deutschland sind vor allem Adaptionen erfolgreich. Bei Finanzierungsgesprächen ist immer wieder als Vorwurf oder als Erfordernis zu hören, es müsse eine Buchadaption sein. Das ist aber nur in Deutschland so. In Skandinavien oder in Dänemark gibt es hin und wieder eine Buchadaption, aber meistens sind das Originalstoffe. Es ist immer auch die Haltung, die man dazu einnimmt. Es gibt harmlose Filme und Filme eher für Erwachsene, es fehlt aber an Filmen, die ein bisschen unkorrekt, auch politisch unkorrekt sind. Es fehlt auch ein bisschen an Filmen, die einfach nur Spaß machen, die Kindern zwei Stunden richtig Freude bereiten. Allerdings ist es so schlimm auch wieder nicht. Wir können froh sein, dass wir in Deutschland im Jahr zwei bis vier Kinderfilme oder noch mehr haben, die von der Qualität her vergleichsweise alle gut sind, das ist auch eine Geschmacksfrage.“
Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft des Kinderfilms?
„Ich würde mir wünschen, dass angesichts des derzeitigen Booms an Kinderfilmen – sie zählen zu den erfolgreichsten Filmen, die derzeit in Deutschland hergestellt werden – sich ein paar Leute von der Filmförderungsanstalt ein Beispiel nehmen und den Mut aufbringen, diese Richtung weiter zu fördern und höhere Budgets einzuräumen. Ein Kinderfilm dauert immer länger, denn Kinder dürfen arbeitszeitmäßig nur begrenzt eingesetzt werden. Ich wünsche mir auch frechere Stoffe und mehr internationale Koproduktionen. Ich vermisse auch die Fortsetzung der Tradition des DEFA-Kinderfilms. In der damaligen DDR wurden jedes Jahr ein halbes Dutzend Kinderfilme hergestellt, Filme, die man heute noch gut anschauen kann. Da ist ein bisschen an Tradition und Wissen verloren gegangen, das ist schade.“
Wird auch Ihr nächster Film ein Kinder- oder Jugendfilm sein?
„Ich hoffe das. Ich habe inzwischen eine Kinderbuchreihe geschrieben, ‘Die Geisterreiter’, eine Mischung aus ‘Bullerbü’ und ‘Indiana Jones’, die wohl 2010 herauskommt. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß und es erinnert mich auch an meine eigene Kindheit. Das gibt es auch nicht so oft, denn viele Kollegen machen Kinderfilme nur dann, wenn sich nichts anderes bietet. Ich hoffe, dass das nächste Projekt auch wieder ein Kinderfilm wird, vielleicht auch einer, der noch ein bisschen schneller ist, noch mehr Abenteuer und Action hat, darauf hätte ich Lust.“
Das Interview wurde am 27. August 2009 von Holger Twele geführt und ist in Teilen auch in der Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz erschienen.
Siehe auch DVD-Extra: Interview mit dem Produzenten