
Durchblick 8+ – Das große Rennen – André F. Nebe –D, IRL 2009 – 84 min.
Charakterisierung der Persönlichkeiten / Vergleiche mit eigenen Erfahrungen im Rahmen der Fächer Deutsch, Sozialkunde / Gemeinschaftskunde, Geografie sowie Religion / Ethik / Lebenskunde
Die Figuren des Films, ihre persönlichen Eigenschaften, vor allem auch ihre Stärken und Schwächen, ihr Umgang miteinander (Kommunikation, Beziehungen) sowie ihre Gefühle in Bezug auf den Verlust familiärer Strukturen, des bisherigen Lebensumfelds (Bauernhof) und emotionaler Geborgenheit in gewachsenen Beziehungsstrukturen (Familie und Freundschaft) lassen sich im Unterricht sehr gut herausarbeiten. Gerade in Klassen, bei denen einige der Schülerinnen und Schüler aus einer Patchwork-Familie stammen oder in denen ein Elternteil auf Dauer abwesend ist, lassen sich persönliche (Verlust-)Erlebnisse und Facetten mit den Wahrnehmungen der Personen im Film und den darin geschilderten Ereignissen in Beziehung setzen.
Mary Kensay
Die elfjährige Mary lebt mit ihren Eltern auf einem Bauernhof, dessen Bewirtschaftung die Familie stark belastet. Täglich muss Mary auf dem Hof mithelfen und die Tiere füttern. Weil sie deshalb häufig Stallgeruch trägt, wird sie von ihren Mitschülern gehänselt und schikaniert. Mit ihrem Freund Tom teilt Mary eine große Leidenschaft: Geschwindigkeit und das Basteln und Fahren von Seifenkisten. Im Gegensatz zu Tom, der diese Aktivitäten nur als Hobby sieht, möchte Mary später auch beruflich mit Rennautos zu tun haben und sie als Ingenieurin selbst konstruieren. Mary leidet sehr unter dem Zerfall ihrer Familie, dem (vorübergehenden) Verlust der Mutter und ihres besten Freundes. Sie findet im Vater allerdings einen starken Verbündeten, der ihr hilft, das große Seifenkistenrennen zu gewinnen. Ihre Teilnahme daran hat nicht nur sportliche Gründe: Sie möchte den anderen beweisen, was in ihr steckt, und anerkannt werden – gerade auch als Mädchen.
Katey Kensay
Katey Kensay ist Marys Mutter, die offenbar aus einer bürgerlichen Familie stammt und sich eigentlich ein komfortableres Leben erhofft hatte. Als sie ihren Mann Frank aus Liebe heiratete, hatte sie zusammen mit ihm noch große Pläne und Hoffnungen, die in zermürbenden 15 Jahren durch die ständigen Belastungen mit dem überschuldeten Bauernhof verloren gegangen sind. Um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und mit dem reichen Mr. Magee vielleicht noch einmal neu anfangen zu können, entscheidet sie sich für eine Trennung von ihrem Mann. Sie liebt und unterstützt ihre Tochter nach Kräften und möchte Mary mit in ihr neues Leben nehmen, akzeptiert dann aber deren Wunsch, beim Vater zu bleiben.
Frank Kensay
Marys Vater führt schon in der dritten Generation den Bauernhof und reagiert mit Starrköpfigkeit auf die wirtschaftliche Zwangslage und die Forderungen der Bank, den überschuldeten Bauernhof womöglich verkaufen zu müssen. Mit großer Verbissenheit und vollem Arbeitseinsatz versucht er den Hof zu retten, entfremdet sich auf diese Weise aber auf Dauer von seiner Frau. Auch für seine Tochter und deren Bedürfnisse hat er kaum noch ein offenes Ohr. Ihrer Begeisterung für Seifenkistenrennen, die er als Junge ebenfalls hatte, ihr gegenüber aber nie erwähnte, steht er anfangs skeptisch gegenüber, was zumindest teilweise von der Sorge um ihr körperliches Wohl getragen ist. Spät erkennt er seinen Fehler und unterstützt Mary bei der Realisierung ihrer Träume so gut er kann.
Tom Nesbitt
Wie Mary stammt auch ihr bester und einziger Freund Tom aus einem Bauernhof. Seine Eltern befinden sich in einer ähnlichen finanziellen Zwangslage wie Mary’s Vater, reden aber offenbar nur wenig in Gegenwart ihres Sohnes darüber und verschweigen ihm bis zuletzt den Verkauf des Hofes. Tom wird in der Schule fast noch mehr als Mary schikaniert, kommt mit seinem ungebremsten Optimismus aber problemlos damit zurecht. Auf gute Umgangsformen legt er ohnehin wenig Wert, was sich in seiner schlampigen Schuluniform ausdrückt und in der schlechten Angewohnheit, seine gebrauchten Kaugummis überall hin zu kleben. Auch Mary findet das eklig, kommt mit Ton ansonsten aber bestens zurecht, zumal sie beide voller Begeisterung Seifenkisten fahren. Tom glaubt, der bessere Fahrer zu sein, muss sich aber meistens mit dem zweiten Platz begnügen, was ihrer Freundschaft keinerlei Abbruch tut.
Michael Magee
Als Sohn des in der Gegend reichsten Grundbesitzers ist Michael in der Schule hoch angesehen und ständig darauf bedacht, seiner Herkunft durch wohlerzogene Freundlichkeit und geschliffene Umgangsformen gerecht zu werden. Als er in der Schule das von seinem Vater organisierte Seifenkistenrennen ankündigt, denkt er zwar überhaupt nicht an Mädchen als mögliche Teilnehmende, hat im Gegensatz zu Roy aber auch nichts dagegen einzuwenden. Der etwas schüchterne Junge steht ganz im Schatten seines Vaters und weiß auch nicht, wie er darauf reagieren soll, dass sich sein Vater und Marys Mutter ineinander verliebt haben. Ausgestattet mit Technik vom Feinsten wird er beim Wettrennen zu Marys größtem, immerhin aber fairen Rivalen.
Roy
In der Klasse gibt der hitzköpfige, schnell aufbrausende und aggressive Junge den Ton an. Über seine Herkunft und seine Probleme verrät der Film nichts, nicht einmal seinen Nachnamen. Roy ist der Drahtzieher dafür, dass Mary und Tom so stark schikaniert werden. Er ist zunächst auch gegen Marys Teilnahme am Rennen, doch als sie ihn direkt herausfordert, gibt er klein bei, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Er ist überhaupt ein schlechter Verlierer und versucht seine Minderwertigkeitsgefühle mit Frechheit und Hinterlist zu überspielen. Mit Mary teilt er das Interesse für Rennautos und Geschwindigkeit. Er wird zu ihrem größten Rivalen, weil es auch bei ihm im Rennen um Alles oder Nichts geht. Umso überraschender kommt für ihn am Ende die Versöhnungsgeste von Mary.
Maurice Magee
Michaels Vater ist alleinstehend, selbstbewusst auch gegenüber den „Hütern des Gesetzes“ und vor allem reich. Der Organisator des Wettrennens und Stifter der Preise ist zugleich ein harter Geschäftsmann. Von den durch sinkende Agrarpreise und langfristigen Darlehen hoch verschuldeten Bauern in der Gegend kauft er billig Grund und Boden ab und verstärkt dadurch den Abwärtstrend und die Landflucht. Marys Mutter ist dennoch ganz seinem Charme erlegen und erhofft sich an seiner Seite den sozialen Aufstieg und ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Seinem Sohn Michael gegenüber ist er ein guter Vater, der Zeit für ihn hat, stolz auf ihn ist und ihn nach Kräften unterstützt.
John Derek
Der Profi-Rennfahrer ist Marys großes Vorbild – und offenbar auch das ihres Widersachers Roy. Fotos von ihm hängen in Marys Zimmer und ihr gelingt es nach einem Rennen als einziger aus dem Publikum, ein Autogramm von ihm zu erhalten. Derek erkennt beim Seifenkistenrennen Marys großes Talent und ist bereit, sie weiterhin zu unterstützen.
Steve
Er berichtet als Radioreporter in einer Live-Übertragung über das Seifenkistenrennen und zeigt sich schwer beeindruckt von Marys Fahrkünsten.