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Durchblick 4+ – Von Drachen, Mäusen und Laternen ... – Ausgewählte Filme und Bilderbuchkinos

4. Erntedankfest

Einführung in das Thema

Allgemeines

Das Erntedankfest wird in der Regel Ende September/ Anfang Oktober an einem Sonntag gefeiert. Mit diesem Fest wollen Christen Gott für eine gute Ernte, die Grundlage des Lebens, danken. In vielen Kirchengemeinden ist dieser Gottesdienst auch mit einer Solidaritätsaktion zugunsten hungernder Menschen verbunden. Das christliche Erntedankfest wird mit einem Gottesdienst gefeiert, für den die Kirche besonders geschmückt ist. Ornamente aus Feldfrüchten, Getreide und Obst werden vor den Altar gelegt, auf dem Sträuße aus Blumen stehen. Im katholischen Gottes­dienst werden Feldfrüchte und Obst gesegnet. Nach dem Gottesdienst werden die Früchte an Bedürftige verteilt.

Geschichtliches

Der Ursprung des Erntedankfests reicht bis in die vorchristliche Zeit zurück. In Mittel- und Nordeuropa wurde Erntedank (Haustblot) zur Herbst-Tagundnachtgleiche (23. September) mit einem Dankopfer gefeiert. Ähnliche Riten gab es in Israel, Griechen­land oder im Römischen Reich. Zum Judentum vgl. etwa: Exodus 34,22; Numeri 28, Deuteronomium 16.

In der katholischen Kirche wird das Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert gefeiert. Seit dem Mittelalter kennt man verschiedene Termine für eine Erntedankfeier. Nach der Reformation bürgerte sich in evangelischen Gemeinden der Michaelistag oder ein dem Michaelistag benachbarter Sonntag ein. Das Fest wird in den evangelischen Kirchen Deutschlands gemäß einem königlichen Erlass in Preußen im Jahr 1773 am Sonntag nach Michaelis (29. September) begangen. Die evangelischen Freikirchen feiern wie die römisch-katholische Kirche das Fest in der Regel am ersten Sonntag im Oktober. Im Jahr 1972 wurde dieser Termin von der deutschen Bischofskonferenz festgelegt. Mancherorts sind andere Termine üblich, so begehen etwa die Mosel­gemeinden das Fest nach der Weinlese am zweiten Novembersonntag.

Bräuche

Ausschmücken des Altars in der Kirche

Der Altar wird am Erntedankfest besonders geschmückt mit Früchten und Blumen. Vielfach wird dieser Tag – vor allem - im evangelischen Bereich als Familiengottes­dienst gefeiert, den die Kindergartenkinder mitgestalten.

Erntefeste ...

werden vor allem auf dem Land nach dem Gottesdienst mit reichhaltigen Mahlzeiten und Tanz gefeiert.
Anschließend gibt es oft Umzüge, wobei man u.a. die Erntedankkrone mitführt. In manchen Regionen werden auch Wettbewerbe um die schönste Erntekrone ausge­tragen. Meist darf auch die Erntekönigin nicht fehlen.
In ländlichen Gemeinden gibt es aus diesem Anlass Jahrmärkte (Kirchweih, Kirmes) und es ist auch noch Brauchtum, Strohpuppen auf dem Feld zu verbrennen.

 

Kurzfilm:

4.1. Frederick

Animationsfilm von Giulio Gianini, Italien 1971, 5 Min.

Inhalt

Fünf kleine Feldmäuse bereiten sich auf den Winter vor. Sie sammeln fleißig alle Feldfrüchte. Nur eine, Frederick, hilft nicht mit. Er sitzt auf einem großen Stein und betrachtet die Landschaft. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Als der Winter kommt, leben sie zunächst gut von dem Gesammelten. Aber bald wird die Nahrung knapper. Sie spüren die Dunkelheit und Kälte in der Höhle. Da hilft ihnen Frederick, indem er ihnen von den Strahlen der Sonne erzählt und es wird ihnen wärmer ums Herz.

Der Trickfilm entstand nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Leo Lionni.

Das Gedicht, das Frederick seinen Freunden vorträgt lautet:
„Hört zu:
Wer bringt den Schnee?
Wer schmilzt das Eis?
Wer lässt es donnern?
Wer macht es heiß?
Den Glücksklee im Juni –
wer lässt ihn wachsen?
Dass die Sonne verschwindet,
und der Mond aufgeht –
wer ist es, der’s macht?
Sagt es mir – wer?
Es sind vier kleine Mäuse
Wie du und ich.
Die erste ist die Frühlungsmaus,
lässt Sonn’ und Regen lachen.
Die zweite ist die Sommermaus,
die muss die Blumen machen.
Die Herbstmaus bringt den Weizen
und viele schöne Nüsse.
Die Wintermaus zum Schluss,
die sorgt für kalte Füße.
Es sind im Ganzen vier!
Wären es fünf oder nur drei,
dann wär’n wir gar nicht hier!“

Zur Gestaltung des Films

Es handelt sich um einen Phasentrickfilm. Die Tiere und Gegenstände sind aus bemaltem Karton ausgeschnitten. Durch phasengerechte Verschiebung der Einzelelemente während der Filmaufnahmen entsteht der Eindruck der Bewegung. Diese Tricktechnik ist einfach und eindrucksvoll. Sie entspricht dem Stil des Bilderbuches und regt zur Nachahmung an.

Zum Autor des Bilderbuchs

Leo Lionni wurde 1910 in Amsterdam geboren, zog mit seinen Eltern 1925 nach Italien und lebte ab 1939 in den USA. Er arbeitete dort bei verschiedenen Verlagen, bevor er 1962 nach Italien zurückkehrte. Dort starb er im Oktober 1999. Seine Bilderbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. „Frederick“ wurde in die Liste der „schönsten deutschen Bücher“ aufgenommen. Das Schreiben war einfach seine größte Freude.

Sachinformation: Was sind eigentlich Feldmäuse?

Feldmäuse leben auf Wiesen, Feldern, am Waldrand und auf Äckern. Sie bauen sich Gänge in die Erde hinein, um nicht gesehen zu werden und um ihren Nachwuchs zu verstecken. Die Vermehrung der Mäuse geht unglaublich schnell vonstatten: Inner­halb eines Jahres kann ein Paar bis zu 144 Junge bekomme. Daher werden sie von Bauern nicht gerne gesehen, da sie am liebsten Körner und Weizen fressen. Im Verlauf des Jahres legen sie sich Vorratskammern an, in die sie dann im Herbst alles Gesammelte deponieren, um den Winter zu überleben. Menschen sehen Feldmäuse als Schädlinge an, da sie im Winter Wurzeln und Rinden abknabbern.
Feldmäuse haben selbst eine Menge Feinde. Sie werden besonders gerne von Eulen, Füchsen und Katzen gefangen, die sie fressen. Man kann Feldmäuse in der freien Natur kaum erkennen, da sie durch ihr braunes Fell wunderbar getarnt sind. Lediglich in der Bewegung sind sie wahrnehmbar. Wenn sie Gefahr wittern, sausen sie ganz fix in ihren unterirdischen Gang und sind verschwunden.

 

Vorschläge für die Nachbereitung des Films

 

Vorschläge für den Unterricht in der Grundschule

Thema: Ein Außenseiter bleibt nicht allein

Didaktik

Der Film kann zu Fehldeutungen führen. Es gibt Fleißige und Faule, aber auch die Faulen kommen zu Ehren. Aber es geht um etwas Anderes. Als Frederick gefragt wird: „Warum arbeitest du nicht?“, da antwortet er: „Ich arbeite ja, ich sammle Sonnenstrahlen!“ Hier stehen sich also nicht Arbeit und Nichtstun gegenüber, sondern zwei unterschiedliche Arten von Arbeit, bei denen die Arbeit Fredericks von den übrigen Mäusen nur nicht als Arbeit erkannt wird. Dies ist ein bekanntes Phänomen in unserer Gesellschaft. Was ist das Positive an Fredericks Arbeit? Frederick hat den Wert des Augenblicks erkannt („Carpe diem!“): So wie seine Brüder wissen, dass nur jetzt Gelegenheit besteht, Früchte zu sammeln und zu horten, so weiß er, dass nur jetzt Gelegenheit ist, Wärme, Farben und Wörter zu sammeln.
Der Film strebt zum Schluss seinem Höhepunkt entgegen als die Brüder ihm anerkennend zurufen: „Frederick, das hätten wir von dir nicht gedacht!“
In diesen Worten stecken Bewunderung und Erstaunen gleichermaßen wie Anerkenntnis und Akzeptanz. Es geht dabei nicht um die Frage, ob schöne Worte über den Hunger hinweghelfen können, sondern um die Erkenntnis, dass Andersartigkeit von Arbeit nicht Anderswertigkeit ist und dass Menschen leicht in Gefahr geraten, jemanden auszuschließen oder zu entwerten, der ihren eigenen Vorstellungen von Arbeitsnormen nicht entspricht. Wird der Film nicht als Parabel genommen, sondern wie eine Allegorie behandelt, das heißt wird das Filmgeschehen Zug und Zug auf die Wirklichkeit übertragen, dann gewinnen Nebensächlichkeiten eine übertriebene Bedeutung.

Wir machen ein Mäusespiel

Ansehen des Films
Gespräch über den Film – z.B. Auf welche Bilder oder Worte kommt es im Film besonders an?
Spielerische Nachgestaltung des Filmgeschehens, beispielsweise als Schattenspiel mit ausgeschnittenen Pappmäusen an Holzstäbchen, als Stegreifspiel mit verkleideten Kindern (Mäuseköpfe basteln) oder als Puppenspiel mit gebastelten Stoffmäusen hinter einer provisorischen Bühne aus Pappkarton.
Auch das nachfolgend aufgeführte Brettspiel ist für die Aufarbeitung gut geeignet.

 

Vorschläge für Vorschule, Kindertagesstätte etc.

Entspannungsreise

Nach dem Film sind die Eindrücke noch sehr lebendig. Die Kinder spielen die Feld­mäuse, die im warmen Kornfeld wohnen. Sie schließen die Augen und genießen die herrliche Sonne, die warm auf ihr Fell scheint. Ab und zu piekt ein Strohhalm, aber insgesamt ist das Leben friedlich und schön.

Die Kinder können sich ganz entspannt hinlegen, die Strahlen der Sonne auf der Haut spüren und die Insekten um sie herum brummen hören. Sie lauschen und genießen, fühlen die Krabbeltiere auf ihren Armen. Das kitzelt! Daher setzen sie die Insekten wieder ins freie Feld zurück. Auch die Blumen riechen sie, hören das Korn knistern, weil sich die Ähren in der Sonne spreizen. Kamille duftet herrlich, roter Mohn wiegt sich im sanften Wind und die Kornblume leuchtet blau und schön.

Alle genießen die Entspannung, bis Frederick seine Rezitation beginnt. Die Mäuse sagen: „Frederick, du bist ja ein Dichter!“ Darauf antwortet er: „Ich weiß es, ihr lieben Mäusegesichter!“

Dann strecken und recken sich die Kinder, denn ihre Reise ist zu Ende.

Brettspiel zum Film

Benötigt werden

Aus der Geschichte machen wir ein Brettspiel, indem wir die Pappe mit Buntstiften und einen flachen Karton als Behälter für unser Spiel gestalten. Das eine Viertel ist der Frühling, das andere der Sommer, die beiden weiteren Herbst und Winter. Im Frühjahr sieht das Feld braun und das Korn grün aus, im Sommer hat es durch die vielen Blumen bunte Farben und viele Insekten tummeln sich auf ihm. Nur noch wenige Mäuse huschen auf dem herbstlichen Feld herum, das abgemäht ist. Sie nehmen sich in Acht vor den Greifvögeln. Im Winter malen wir die Höhle der Mäuse unter dem Feld, das von Schnee bedeckt ist.

Regeln für das Spiel denken wir uns selbst aus, zum Beispiel: Frederick sammelt keine Vorräte, also drei Schritte zurück, sobald er auf einem bestimmten Feld steht. Oder: Er darf drei Schritte vor, weil er im Winter so tolle eigene Vorräte abgibt. Aus den Walnüssen werden die Mäuse als Spielfiguren gestaltet.

 

Ergänzungen aus der Praxis

Medienwerkstatt Kindergarten

Projekt: „Frederick“

Kinderkonferenz: „Mäuse“

In einer Kinderkonferenz konnten die Kinder ihre Fragen zum Thema äußern. Wir besprachen: Wo leben Mäuse? Was essen sie? Welche Feinde haben sie? Usw.
Dazu haben wir uns Bilder aus Sachbüchern angesehen.

Filmvorführung „Frederick“

Nun durften die Kinder unter ein Tuch schauen, das in der Mitte des Raumes lag. Alle waren ganz gespannt, was hier wohl drunter ist. ES war eine kleine Maus (Filzmaus).
Diese kleine Maus war Frederick und über ihn durften die Kinder einen kurzen Film anschauen (Dauer ca. 4 Min.).
Alle Kinder waren sehr gespannt, was Frederick wohl in dieser Geschichte macht. Die Kinder schauten aufmerksam zu. Nach der Vorführung haben wir zusammen mit den Kindern besprochen, um was es in dem Film ging und welche Rollen alles mitspielten.

Dass die Kinder den Inhalt des Films besser begreifen können, haben wir uns zwei Tage später noch das Bilderbuch von Frederick angesehen. So konnten die Kinder die Geschichte nochmals vertiefen. Außerdem mögen Kinder gerne Wiederholungen, auch um das Geschehen zu begreifen.

Reihenfolge der Geschichte

Hier durften die Kinder die Bilder zum Film in eine Reihenfolge legen. Zuvor wurden die einzelnen Bildszenen ausgedruckt und einlaminiert. Die Kinder haben zusammen im Stuhlkreis diskutiert und sich für die richtige Reihenfolge entschieden.
So konnte man nachvollziehen, ob die Kinder den Film bzw. die Geschichte richtig wiedergeben konnten.

Wir malen die einzelnen Szenen zur Geschichte

Alle Kinder suchten sich eine andere Bildszene aus (z.B. Frederick sammelt Farben) und malten diese mit Wasserfarben auf.

Brettspiel „Frederick“

Die Maxikinder durften sich ein Brettspiel zur Geschichte von Frederick überlegen. Sie gestalteten ein Spielbrett und stellten aus Walnussschalen Mäuse als Spielfiguren her.
Sie hatten sehr viele Ideen und Freude daran, vor allem das Spiel am Ende selbst auszuprobieren.

Bewegungsangebot „Frederick sammelt Vorräte“

Zur Einstimmung in die Mäusestunde bekamen alle Kinder (die, die es wollten) eine Mäusenase und Barthaare aufgemalt. Nun waren wir richtige Mäuse wie Frederick, und die Turnstunde konnte beginnen.

Frederick sammelte Farben, Sonnenstrahlen und Wörter.
Natürlich musste er auch die Vorräte sicher in seine Höhle bringen. Aber nur durch das Balancieren über viele Baumstämme gelang er dort hin. Die Kinder wurden durch das Bewegungsangebot direkt angesprochen und aufgefordert, diese Geschichte zu erleben. Alle hatten viel Spaß und jeder machte mit viel Ausdauer mit.

Fingerspiel „Die Mäusefamilie“

Daumen:

 

Das ist Papa-Maus
Sieht wie alle Mäuse aus,
hat große Ohren,
eine spitze Nase,
ein glattes Fell
und einen Schwanz, der ist – sooo lang!

Zeigefinger:  

Das ist Mama-Maus

Mittelfinger:  

Das ist Bruder-Maus

Ringfinger:  

Das ist Schwester-Maus

Kleiner Finger:  

Das ist Baby-Maus
Sieht nicht wie alle Mäuse aus,
hat kleine Ohren,
eine platte Nase,
ein strubbliges Fell
und einen Schwanz, der ist – sooo lang!

Aktentaschentheater „Frederick“

Die Maxikinder durften nun die Geschichte von Frederick auf dem Overheadprojektor selbst nachspielen.
‚Als Erstes haben wir besprochen, welche Figuren dafür notwendig sind, und diese dann aus Karton hergestellt.
Die Kulissen wurden auf mehrere Overheadfolien aufgemalt.
Das Geschehen veränderte sich, indem die Figuren bewegt wurden, neue hinzukamen oder auch andere Objekte aufgelegt wurden. Dazu wurden Dialoge erfunden.
Den Kindern machte dies sehr viel Spaß, und sie entwickelten tolle Szenen.

 

Text: Friedemann Schuchardt, basierend auf den Ergebnissen einer Praxisfortbildung für Erzieherinnen in Laichingen/Schwäbische Alb.

 

Gedicht zum Film

Frederick, der Dichter, wohnt im schönen Feld.
Er genießt die Sonne und genießt die Welt.
Bunte Blumen, dicke Hummeln, die erfreuen ihn,
doch der kalte Winter kommt in seinen Sinn.

Er beginnt zu sammeln, sammelt Wort um Wort,
Farben, warme Strahlen, am geheimen Ort.
Will ganz heimlich dichten, Träume gelb und blau,
fleißig alles richten, früh im Morgengrau.

Und dann kommt der Winter, weiß und kalt aufs Feld.
Alle Mäuse fressen, frieren in der Welt.
Frederick, der Dichter, teilt nun seinen Schatz,
seine Mäusefreunde sind mit ihm am Platz.

Sie genießen leise einfach jedes Wort,
Frederick, der Dichter, fährt mit dem Dichten fort.
Warm und schön, grün und blau, liegt das Mäusenest,
Unter brauner Erde und vom Schnee, dem Rest.

 

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