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Durchblick 4+ – Von Drachen, Mäusen und Laternen ... – Ausgewählte Filme und Bilderbuchkinos

5. Sankt Martin / Martin von Tours

Einführung in das Thema

Allgemeines

Um St. Martin rankt sich die Legende, dass er mitten im Winter am Stadttor von Amiens auf einen frierenden Bettler traf. Ohne Zögern soll er seinen Mantel mit dem Schwert geteilt und dem Bettler die Hälfte gegeben haben. Nachts erschien ihm Christus im Traum. Er trug den halben Mantel, denn er hatte Martins Nächstenliebe prüfen wollen. Schon seit dem Mittelalter wird St. Martin auf dem Pferd dargestellt, wie er mit einem Bettler den Mantel teilt.

Geschichtliches

Martin von Tours wurde geboren um 316/317 als Sohn eines römischen Offiziers. Pflichtgemäß wurde er selbst Offizier und trat aus der Armee aus, als er zum Christentum übertrat. Er lebte als Einsiedler, Mönch und Klostergründer, bis er zum Bischof von Tours berufen wurde. Martin erlangte Berühmtheit als Heidenmissionar und Wundertäter. Gestorben am 8. November 397, wird seiner am Beerdigungstag, dem 11. November, gedacht. Im Volksglauben wird er apostelgleich bereits im 5.Jh. als Heiliger angerufen.

Bräuche

Es gibt eine Vielzahl von Bräuchen zu St. Martin.

Martinsumzüge

Der Martinsumzug am Martinsabend kennt eine verkleidete Person, die den hl. Mar­tin auf einem Schimmel darstellt; oft gehört auch ein „Bettler“ dazu. Immer aber eine große Schar von Kindern mit ihren Eltern meist mit Laternen, oft auch mit einer Blas­kapelle. Sie ziehen singend durch den Ort oder Stadtteil. Oft findet der Martinsumzug seinen Abschluss mit dem Martinsfeuer. Martinsumzüge in heutiger Form gibt es erst seit rund 100 Jahren. In Viersen und Dülken treffen wir 1867 auf den ersten dieser modernen Umzüge.

Martinsgans

Weil Martin seiner Bischofswahl entgehen wollte, soll er sich in einem Gänsestall ver­steckt haben. Die schnatternden Gänse verrieten ihn jedoch. Eine andere Legende behauptet, Gänse hätten den Bischof beim Predigen gestört. Zur Strafe seien sie nun die Krönung der Festtafel am Martinstag. Wie dem auch sei, Martinslegenden erklä­ren nur im Nachhinein den Gänsebraten. Sie sind erklärende Sekundärtugenden. Der Bezug der Gänse zu diesem Termin ist älter. Das germanische Erntedankfest, das abgelaufene Pachtjahr (wobei die Gans ein Zahlungsmittel, die „Währung“ war) oder die letzten Tage vor der gallikanischen Fastenzeit boten genügend Anlässe für einen Festschmaus.
Man darf die Bedeutung der Gans als Währung der „kleinen Leute“ gegenüber der Geistlichkeit und dem Adel nicht unterschätzen: Nur die Oberschicht konnte lesen und schreiben und benötigte für letzteres Federkiele, welche die Gänse lieferten. Nur der Adel nutzte Flaum und Daunen für seine Federbetten, während das Volk auf Stroh nächtigte.

Mätesmann

Im Rheinland gibt es zu St. Martin den „Mätesmann“, eine Figur aus einem Hefeteig mit einer weißen Tonpfeife im Arm. Früher war es der gebogene Hirtenstab des Bischofs. Mit der Zeit drehte man ihn um und er wurde zu einer Pfeife.

Lieder

Am bekanntesten ist „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind...“. Weitere Lieder:
„Ein Bettler saß im kalten Schnee“
„Hier wohnt ein reicher Mann...“
„Laterne, Laterne...“ (das eigentlich kein Martinslied ist)

(siehe 5.4 Lieder zu St. Martin)

 

Kurzfilm:

5.1. Juli und Sankt Martin

Animationsfilm von Jutta Bauer, Deutschland 1992, 7 Min.

Inhalt:

Juli ist sauer als er vom Kindergarten nach Hause kommt. „Pöööh, ich mach das nicht!“ sagt er. Er will keine Sachen für die Armen abgeben, keine Spielsachen mitbringen, die auf dem Martinsmarkt verkauft werden sollen. Seine Mutter versucht zu vermitteln und überredet ihn, sein altes Kindertelefon abzugeben, das schon ewig im Keller stehe. Er bekommt noch zwei Mark und geht in den Kindergarten, wo viel los ist. Dort möchte er zwei Funkgeräte von der doofen Juliane kaufen.

Nach dem Mittagessen veranstalten die Kinder zunächst den Flohmarkt und gehen dann zum Martinszug. Alle singen das St.-Martinslied über den Reiter, der heilig und gut war. Auch Juli fühlt sich gut und ist mit der Feier versöhnt. Daheim zeigt er, was er gekauft hat: die Funkgeräte, einen ziemlich grauen Stofflöwen und ... sein altes Telefon, das er zurück gekauft hat. „Ich finde das auch gut, wenn man Flohmarkt macht, dass man den armen Menschen hilft, wie der heilige Martin. Können wir ruhig öfter machen.“

Nach der Ausstrahlung im ZDF erschien das Bilderbuch Juli tut Gutes von Jutta Bauer und Kirsten Boie.

Impulse, die der Film gibt:

Dieser Film eignet sich besonders dazu, die Martinsidee im Kindergarten zu verbrei­ten. Teilen und helfen ist auch für Kinder dieses Alters wichtig. Das Teilen ist vielen Einzelkindern häufig fremd geworden.

Vielleicht ist der Film auch Anregung, einen derartigen Martinsflohmarkt im Kinder­garten oder Jugendzentrum selbst zu veranstalten. Kinderzimmer sind oft angefüllt mit Stofftieren, Spielen und anderen Dingen, von denen sich Kinder nur schwer trennen können. Was wäre, wenn man Abgegebenes plötzlich wieder gebrauchen könnte, wenn man auch lange nicht mehr damit gespielt hat?

Haben sich die Kinder jedoch dazu durchgerungen, Dinge abzugeben, können sie sich auch daran freuen, dass andere ihre Gegenstände nutzen. Eltern können sich z.B. mit Kuchen am Martinsmarkt beteiligen. Vielleicht ist es auch möglich, den Markt für alle Interessierten zu öffnen.

Dazu ein „Best-Practice“-Beispiel: In einem Kindergarten wurde das Geld des Martinsmarktes für eine Notschlafstelle gesammelt. Die Idee kam auf, mit den Kindern selbst einmal dort hinzugehen. Die Kinder waren sehr beeindruckt, dass es Menschen gibt, die keine Wohnung mehr haben und auf der Straße übernachten müssen. Und sie waren überrascht zu hören, wie schnell man in eine solche Lage kommen kann. Durch diverse Schwierigkeiten, z.B. in ihrer Familie, haben die Betroffenen ihren Platz in der Gemeinschaft verloren. Was die Kinder besonders bewegte, war, dass bereits Jugendliche ohne festen Wohnsitz sind.

Zu den Autorinnen Jutta Bauer und Kirsten Boie

Jutta Bauer ist bekannt für ihren besonderen Darstellungsstil. Sie wurde 1955 in Hamburg geboren, studierte an der Fachhochschule für Gestaltung bei Professor Oelke. Sie veröffentlichte Illustrationen zu zahlreichen Kinderbüchern, z.B. in den 90er Jahren zu „Ein und alles“ von Christine Nöstlinger.

Kirsten Boie, im Jahre 1950 ebenfalls in der Hamburg geboren, studierte Literaturwissenschaften und Anglistik in Hamburg und in Southhampton. Bis 1983 war sie Lehrerin. Seit 1985 schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, von denen einige auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis kamen.

Der Film „Juli und St. Martin“ entstand für die Reihe „Siebenstein“ des ZDF.

 

Vorschläge zur Aufarbeitung des Films

Schattenspiel

Die vorliegende Geschichte kann auch sehr gut als Schattenspiel dargestellt werden. Im hellen Lichtschein, hinter einem aufgespannten Betttuch, agieren die Kinder. Sie zeigen die Spielsachen, die sie verkaufen wollen, während die Kinder vor der Lein­wand die Gegenstände erraten. Das macht die Sache spannend.

Dia-Schau

Benötigt werden:

Auf einzelne Diarähmchen malen die Kinder mit Filzstiften die Geschichte auf, die anschließend im verdunkelten Raum mit dem Projektor angeschaut wird. Dazu können die Kinder ihr Bild erläutern und dazu etwas erzählen. Zum Malen eignen sich besonders Permanent-Stifte.

Fensterbilder

Benötigt werden:

Mit Seiden- oder Drachenpapier kann ein ganzes Fenster mit dieser Geschichte geschmückt werden. Eine Gruppe kümmert sich um die Szene mit St. Martin und dem Bettler, eine andere um den Laternenzug. Die Figuren werden auf das Papier gemalt und dann ausgeschnitten. Die Grundfarbe sollte hell sein, so dass durch aufgeklebte, andersfarbige Schnipsel, interessante, neue Farbeffekte entstehen. Mit Kleister aufgeklebt, lassen sich die Bilder am Ende wieder im Ganzen gut entfernen.

 

Laternenspiel

Benötigt werden:

Große Laternen werden auf Tonpapier in vielen Farben aufgezeichnet. Diese können nun in vier Teile geteilt und ausgeschnitten werden. Bunt durcheinander gemischt, werden die Teile von den Kindern sodann wieder korrekt zusammengesetzt: Farbe zu Farbe und Schnitt zu Schnitt, so dass sie zueinander passen.

 

Schachtel-Laterne

Benötigt werden:

Mit einem Faden wird der Umriss der Käseschachtel gemessen – so viel Papier +2 Zentimeter müssen nun abgeschnitten werden, so dass das Papier um die Schachtel passt.

Viele herbstliche Motive werden dann aus den Papierresten ausgeschnitten und auf das Seidenpapier geklebt. Sollte das Papier nicht weiß sein, entstehen interessante Mischfarben. Die Motive können mit den Finelinern auch verändert werden, die sehr zart auf dem Papier durchscheinen.

Wenn alles getrocknet ist, wird das fertig geklebte Bild oben und unten an der Käse­schachtel mit Klebstoff befestigt. Zuvor wurde der Boden des Deckels heraus gelöst, so dass nur ein Ring übrig blieb. Auf dem unteren Boden steht das Teelicht, das die Laterne nun wunderbar beleuchtet.

Diese Laternen können auf der Fensterbank stehen oder zum Martinszug mitgenom­men werden.

Dosen-Laterne

Benötigt werden:

Als erstes wird die Dose mit Wasser gefüllt und in den Gefrierschrank gestellt, bis das Wasser zu Eis erstarrt ist. Nun wird die Dose in den Schraubstock einer Werk­bank gespannt und mit Hammer und Nagel so bearbeitet, dass verschiedene Muster entstehen. Diese hat man am besten zuvor mit einem Permanentstift aufgemalt. Schön sehen zum Beispiel Sterne, Sonne oder/und Sterne aus. Man muss zügig arbeiten, weil das Eis fix schmilzt. Zwei Löcher am Rand halten den Blumendraht fest; das Teelicht in der Dose lässt die Laterne im Dunkeln leuchten.

 

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