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Durchblick 10+ – Hoppet – Petter Næss – S, N, D 2007 – 82 min.

6. Thema: In der Fremde

 

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Hoppet bedeutet sowohl „Hoffnung“ als auch „Sprung“. Ganz aus der Perspektive des zwölfjährigen Azad erzählt, der mit seinem Bruder Tigris fern der Heimat in Schweden strandet, lässt sich der Film als modernes Märchen begreifen, das einem jungen Publikum ein Migrantenschicksal anschaulich vor Augen führt, Empathie und Verständnis ermöglicht. Hoppet macht „kindgerecht“ begreiflich, warum manche Menschen aus ihrem Heimatland fliehen und in der Fremde eine neue Heimat suchen, die ihnen oft genug verwehrt wird. Zugleich handelt der Film in einer auf die Lebenswelt von europäischen Jugendlichen übertragbaren Weise davon, wie betroffene Kinder eine solche Situation erleben, wie sie damit umgehen, was ihnen dabei hilfreich sein kann. Durch Azads Perspektive lädt der Film zur Identifikation vor allem für Jungen ein, obwohl beziehungsweise gerade weil es darin auch starke Mädchenfiguren gibt.

 

Ein Migrantenschicksal

Konsequent vermeidet es Hoppet, konkrete Hinweise auf die Herkunft von Azad und seinem Bruder zu geben – oder wie es Raman im Film zum Schutz seiner Familie ausdrückt: „Woher wir sind, geht hier niemanden etwas an.“ Kleidung, Namen, Sitten und Gebräuche der Dorfbewohner zu Beginn des Films, vor allem aber die Nachstellungen des Militärs und die Bombardierung des Dorfes im Jahr 2000, als auch Kajsa Bergqvist weltweit im Fernsehen zu sehen war (selbst wenn der im Film gezeigte Ausschnitt aus dem Jahr 2003 stammt und eindeutig ihren Wettkampf in Eberstadt zeigt), legen nahe, dass es sich um Kurden aus dem Gebiet des nördlichen Irak an der Grenze zur Türkei handelt. Die Mitarbeit des engagierten kurdischen Musikers Nizamettin Ariç am Soundtrack zum Film, der auch gleich im Vorspann zu hören ist, untermauert diesen Eindruck. Zum Verständnis der Handlung sind diese Informationen aber nicht notwendig und für die Erlebniswelt von Azad und Tigris sind sie sogar unwichtig. Der Film handelt von ihrem Schicksal und nur am Rande von dem der Eltern. Ginge es um letztere, wäre eine ausführliche Darstellung des gesellschaftlichen Hintergrunds unumgänglich und damit auch eine wie auch immer geartete Parteinahme des Regisseurs zu den verschiedenen Aspekten der Kurdenproblematik. Zum Verständnis der und zur Identifikation mit den Hauptfiguren im Film ist es sogar von Vorteil, nur deren Gefühle der permanenten Unsicherheit, Unfreiheit und konkreten Bedrohung zu zeigen. Ohne selbst die politischen Zusammenhänge im Detail zu verstehen, erfahren die Brüder, dass die Eltern um jeden Preis das Land verlassen wollen, in der Heimat Willkür und Krieg herrschen, die Erwachsenen ohne Schuld einfach ins Gefängnis geworfen oder gar gefoltert werden können wie etwa der Vater von Sara, Azads Klassenkameradin in Schweden.

Die Ausreise aus der Heimat ohne die Eltern kommt für Azad und Tigris wie aus heiterem Himmel. Sie müssen alles aufgeben und sind nach dem schmerzvollen Abschied von den Eltern weitgehend auf sich allein gestellt. Sie wissen im Gegensatz zum Publikum noch nicht einmal, dass sie im Gepäck ein Manuskript des Vaters mit sich führen, mit dem dieser später in Deutschland leichter eine Aufenthaltsgenehmigung als politischer Flüchtling zu erhalten hofft. Am Flughafen wird ihnen alles Persönliche von den Schleppern abgenommen, selbst ihre einzige verbliebene Verbindung zu den Eltern, das Handy, wird ihnen genommen. Für die Brüder ist das ein Schock und reine Willkür, eine ausführliche Erklärung wird es von den Schleppern nicht geben, die immerhin erwähnen, dass die beiden andernfalls sofort nach Hause zurückgeschickt werden. Die Schlepper alleine wissen zu diesem Zeitpunkt, dass Azad und Tigris keinen Weiterflug nach Deutschland haben. In Schweden werden Jugendliche unter 18 Jahren nur dann nicht in ihre Heimat zurückgeschickt, wenn weder die Eltern noch Angehörige ausfindig gemacht werden können. Später, als die Konflikte in Ramans Familie schier unerträglich werden, wollen sie sich ausweisen lassen, was ihnen nach Überprüfung ihrer familiären Angaben sicher geglückt wäre. Aber dann wäre auch der ganze Schwindel aufgeflogen und Raman, der als nicht offensichtlich politisch Verfolgter ohnehin einen schweren Stand mit seinem Asylantrag hat, wäre mit seiner Familie, vor allem mit Såma gleich mit ausgewiesen worden. Azad muss mit diesem Dilemma alleine zurechtkommen. Sein persönliches Migrantenschicksal ist in der beschriebenen Konstellation sicher nicht alltäglich, aber trifft das nicht auf jedes Schicksal zu?

 

Das Leben in der Fremde

Anschaulich schildert der Film die Eingewöhnungszeit der Emigranten in die fremde Umgebung, die durch die Begegnung mit einer anderen Kultur und gleichermaßen durch den psychischen Druck geprägt ist, ob es für sie eine Zukunft in diesem Land geben wird. Azad und Tigris hoffen vor allem auf ein Wiedersehen mit ihren Eltern, Raman und seine Familie auf eine Aufenthaltsgenehmigung und auf eine Arbeitserlaubnis. Wie so oft, sind die Vorstellungen über das fremde Land zunächst durch falsche Erwartungen geprägt, die der Wirklichkeit nur selten standhalten. Als Dingo, Ramans jüngerer Sohn, einen der Schlepper befragt, was sie denn in Schweden erwarte und ob es dort genauso schön wie in Deutschland sei, antwortet dieser: „In Schweden ist es viel besser. Da braucht man nicht mal zu arbeiten, wenn man nicht will. Und man bekommt vom Staat Geld, wenn man Kinder hat, für alle.“ Solche vereinfachenden Klischeevorstellungen existieren selbstverständlich auch in den Köpfen mancher „Einheimischer“, wenn sie beklagen, die Migranten würden das Sozialsystem des Gastgeberlandes nur ausnützen und nicht arbeiten wollen. Unspektakulär, aber effizient setzt der Film solchen Vorstellungen die soziale Isolation und die wachsenden Spannungen in Ramans Familie entgegen. Raman selbst würde viel lieber arbeiten, als die Kinder zur Schule zu bringen und untätig monatelang auf eine Aufenthaltsgenehmigung zu warten.

Das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen und Verhaltensregeln zeigt Hoppet exemplarisch anhand der Verfügbarkeit und des Umgangs mit Lebensmitteln. In Schweden herrscht zwar ein Überangebot an Lebensmitteln, doch die Tomaten „riechen nach gar nichts“ und die Kochsendungen im Fernsehen haben weder mit dem zu tun, was in Ramans Familie auf den Tisch kommt, noch was sie besonders gerne essen. Ausführlich wird das Thema Schweinefleisch behandelt, das die Betreffenden in persönliche Konflikte stürzt. Während für Azads Klassenkameradin Sara der Genuss von Schweinefleisch unweigerlich in die Hölle führt, wie sie die Mutter mit einer brennenden Kerze drastisch spüren lässt, entgegnet eine schwedische Mitschülerin, dass demzufolge die meisten Schweden in die Hölle kommen müssten, nur weil sie gerne Schweinefleisch essen. Azad wird sich seine eigene Meinung bilden, denn auch der kurdische Hot-Dog-Mann verkauft Würstchen mit Schweinefleisch, ohne deshalb ein schlechtes Gewissen zu haben. Angesichts der religiös motivierten, aber nicht rational begründbaren Debatte gewinnt am Ende der Ausspruch von Anton, dem Freund von Markus, eine zusätzliche Bedeutung, als dieser bei der Hilfeleistung für Azad und dem Zusammenhalt unter Freunden stolz erklärt: „Klar, Schwein muss man haben“.

Fast immer versucht der Film, unterschwellige Klischeevorstellungen sichtbar zu machen und damit aufzubrechen, beispielsweise auch, wenn die älteren Kinder Tara, die Jüngste, beim Einkauf im Supermarkt vor den freizügigen Coverfotos der Illustrierten „beschützen“ wollen und diese so unbefangen wie respektlos gegenüber ihrer Mutter Naza äußert: „Kuck doch mal! Der Busen hier sieht genau so aus wie deiner! Aber deiner hängt irgendwie mehr runter.“ Sei es in der Absicht, die Nordeuropäer nicht in ein allzu verklärtes Licht zu tauchen, oder um die an sich ernste Handlung durch humorvolle Einlagen aufzulockern, werden einige Szenen allerdings selbst zum Klischee. Da wird ein Besoffener, der das bekannte Pippi-Langstrumpf-Lied in aller Öffentlichkeit grölt, als „echter Schwede“ bezeichnet, und ein deutscher Zollbeamter wird als engstirniger und humorloser, aber wenigstens fußballbegeisterter Mensch charakterisiert. Selbst solche Szenen bieten aber Ansatzpunkte zur Diskussion über Vorurteile und Klischees.

 

Verlustängste

Das größte Problem für Azad und seinen Bruder liegt nicht in den Widrigkeiten der Flucht selbst, nicht einmal im Verlust der gewohnten Umgebung und ihrer Heimat. Besonders schlimm für sie ist, dass sie diese Situation ohne die Hilfe ihrer Eltern bewältigen müssen. Es sind existenzielle Verlustängste, die in abgeschwächter Form wohl jedes Kind einmal hat, die gerade deshalb aber überall auf der Welt von Kindern verstanden und nachempfunden werden können.

Noch zu Beginn des Films erklärt Azad im Off, er habe „die beste Mama, die es gibt. Sie ist immer da, wenn man sie braucht.“ Beim Abschied versprechen die Eltern den Kindern, sie würden sich bald wieder sehen und könnten ihnen vertrauen. Umso größer ist die Enttäuschung, als dieses Wiedersehen ohne nachvollziehbaren Grund ausbleibt und die Eltern später auch telefonisch nicht zu erreichen sind. Wie sollten die Brüder auch wissen, dass die Eltern ins Gefängnis gesteckt wurden? So wächst ihr Groll, bis Azad seiner maßlosen Enttäuschung Luft macht: „Dass sie uns allein weggeschickt haben, werde ich ihnen nie verzeihen. Niemals!“ Als Tigris dann auch noch das im Koffer versteckte Manuskript findet, liegt für Azad der Schluss nahe, dass sie nur deshalb so schnell von zu Hause weg mussten, „damit Papa sein Manuskript aus dem Land schmuggeln konnte“. Sie sind schließlich sogar davon überzeugt, dass ihm seine Arbeit wichtiger als seine Kinder gewesen sei. Kein Wunder also, dass die Brüder sich verraten und vergessen fühlen und Azad zunächst etwas reserviert wirkt, als er seinen Eltern später wieder begegnet.

 

Bruderliebe

Auf Rückhalt und gegenseitiges Vertrauen können Azad und Tigris zu Beginn ihrer Reise nur untereinander zählen. Seit früher Kindheit sind die beiden unzertrennlich und das Band ihrer Bruderliebe so eng, dass es ihnen sogar egal ist, von den anderen verachtet zu werden, weil sie sich für den „Mädchensport“ Hochsprung interessieren. Tigris war immer für seinen kleinen Bruder da, übte mit ihm, noch höher springen und seinen Traum von Fliegen realisieren zu können, und besorgte ihm mit Hilfe des Onkels aus Deutschland ein Plakat seines Idols. Wenn Tigris seinem Bruder den Rat gibt, sich vor einem Sprung „genau wie Kajsa Bergqvist auf die Beine“ zu schlagen, verbessert das vermutlich kaum Azads Leistung, drückt aber wunderbar sein Verhältnis zum Bruder aus. Die Bruderliebe durchzieht den Film wie ein roter Faden und spiegelt sich in ihrem Wahlspruch wider: „Zusammen sind wir stark, und uns zu schlagen, wird niemand auf der Welt je wagen. Wir fliegen hoch, wir fliegen weit. Wir sind die Besten weit und breit.“

Nach dem traumatischen Erlebnis bei der Bombardierung kehren sich die Rollen um. Nun ist es Azad, der sich liebevoll um seinen Bruder kümmert und ihm später in Schweden verspricht, ihn aus Ramans Familie wegzubringen. Vom Vater noch vor der Abreise ermahnt, auf jeden Fall zusammenzubleiben, da „ein Mann ohne Bruder nur ein halber Mann“ sei, ist es für Azad eine Selbstverständlichkeit, Tigris wegen seiner Sprachbehinderung zu unterstützen. Tigris träumt davon, aus Azad einen Weltmeister zu machen, Azad hingegen will vor allem, dass sein Bruder wieder sprechen kann. Umso dramatischer entwickelt sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen den beiden, in der Azad Tigris vorwirft, dieser sei an allem schuld und die Eltern hätten beide nur deswegen weggeschickt, weil Tigris nicht normal und ein „Psycho“ sei. Kaum ausgesprochen, bereut Azad schon seine Worte und entschuldigt sich, doch Tigris hat er damit schwer getroffen. Dramaturgisch dient diese Szene dazu, den psychischen Druck und die Verzweiflung von Azad zu vermitteln, gerade weil er sonst an Mut und Nervenstärke seinem Bruder weit überlegen scheint.

 

Freundschaft und Solidarität

Was in Azad wirklich vor sich geht, erfährt das Publikum anhand seiner Off-Kommentare und der Besuche beim Hot-Dog-Mann, der ihm zu einem väterlichen Freund und Mentor wird und „immer Zeit“ für ihn hat, wenn er vorbeikommt. Weitaus schwieriger gestaltet sich die Freundschaft zu Gleichaltrigen. Diese Schwierigkeiten hängen weniger mit seiner kulturellen Identität zusammen, denn Schweden wird unverkennbar als multikulturelles Land präsentiert. Nicht einmal die Sprachschwierigkeiten sind daran schuld, zumal Azad besonders bereit und fähig ist, sich die Landessprache schnell anzueignen. Große Probleme bereitet es ihm hingegen, wegen der falschen Altersangabe von Raman als Zwölfjähriger in eine Klasse für Neun- und Zehnjährige gesteckt zu werden. Seine neue Klassenkameradin Sara, ebenfalls eine Kurdin, interessiert sich zwar zunächst für ihn, setzt sich dann aber von ihm weg, als sie ihn für einen Lügner hält und deshalb nichts mit ihm zu tun haben möchte. Markus ist anfangs ebenfalls der Meinung, Azad wolle sich mit seinen Hochsprunggeschichten nur wichtig machen. Das Eis zwischen den beiden bricht erst nach einem gemeinsamen Wettessen und einer gegenseitigen Mutprobe in der Stadt. Azads Fähigkeiten im Hochsprung geben ein Übriges, zumal Markus, der allein bei seinem Vater Bosse aufwächst, genau weiß, wie wichtig diesem als Trainer einer Leichtathletik-Mannschaft ein fähiger Hochspringer und ein Sieg im Wettkampf wäre. Azad öffnet sich Markus und dessen Freund Anton, der auch in Bosses Team ist, erst, als er schon alles und sogar seinen Bruder verloren glaubt – und findet in beiden unerwartet Freunde: „Wir müssen nur zusammenhalten. Stimmt’s, Anton?“ Ohne diese Freundschaft wäre es Azad und Tigris nicht geglückt, nach Berlin zu reisen. Anton verzichtet dafür auf seine eigene Teilnahme. Markus, die anderen Jungen in der Mannschaft und vor allem Bosse als verantwortliche Begleitperson gehen mit ihrer Hilfe bei der illegalen Einreise der Brüder nach Deutschland auch ein nicht unerhebliches Risiko ein.

 

Glaube und Hoffnung

Die alles überragende Botschaft von Hoppet klingt bereits im Titel an. „Nichts ist unmöglich – Zusammen sind wir stark“, lautet die Devise der Brüder, die allen Widrigkeiten zum Trotz am Ende erleben, dass ihre Träume in Erfüllung gehen können, wenn sie nur fest genug daran glauben und nie aufgeben. Schon als kleiner Junge wollte Azad alles erreichen und alles können, „sogar fliegen wie ein Vogel“. In den schwierigen Zeiten mit seinem Bruder in der Fremde vergewissert sich Azad immer wieder aufs Neue dieser Lebensdevise: „Wenn wir es so weit geschafft haben, schaffen wir auch den Rest. Wir müssen nur fest an uns glauben.“

Nun gibt es tatsächlich genug Praxisbeispiele und wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Menschen in Extremsituationen nur durch ihren unerschütterlichen Glauben überlebt haben, während andere nur deshalb scheiterten, weil sie in der gleichen Situation die Hoffnung aufgaben. So gesehen ist es doppelt wichtig, Kindern und Jugendlichen diese wichtige Überlebensstrategie auch in Filmen zu vermitteln und zugleich ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Das Bedürfnis von jüngeren Kindern nach einem Happy End im Film spielt gleichfalls eine Rolle und lässt sich nicht nur mit den Sehgewohnheiten des Mainstreams erklären.

Hoppet erfüllt beide Erwartungen, auch wenn nicht von der Hand zu weisen ist, dass am Ende im Berliner Stadion gar zu viele Handlungsstränge gleichzeitig eine positive Wendung nehmen. So hätte Azad seinem Sportidol Kajsa nicht erst in Berlin begegnen müssen, und wenn Tigris beim Anfeuern seines Bruders plötzlich wieder sprechen kann, wirkt das psychologisch weniger stimmig und überzeugend als wenn er die Sprache in dem Moment zurück gewonnen hätte, als er sein Trauma in der Holzkiste in abgeschwächter Form noch einmal erlebt. Hingegen ist die Anwesenheit der Eltern im Berliner Stadion quasi „hinter den Kulissen“ für die Zuschauenden dramaturgisch stimmig vorbereitet. Unkommentierte und eher heruntergespielte Szenen – denn sie entsprechen nicht Azads Perspektive! – zeigen die Entlassung der Eltern aus dem Gefängnis und ihre Flucht ins Ausland mit Hilfe von Freunden. Kurze Zeit später haben sie offenbar den Aufenthaltsort ihrer Kinder herausgefunden und rufen bei Raman an. So erfahren sie später auch, dass Azad und Tigris unterwegs nach Deutschland sind, nachdem Såma ihren Eltern gebeichtet hat, was Azad vorhat. Von liebenden und fürsorglichen Eltern wie Alan und Kajal darf man nach diesem Kenntnisstand erwarten, dass sie sich schnellstmöglich auf den Weg nach Berlin gemacht haben, in der vagen Hoffnung, dort ihre Söhne zu finden.

Bedeutsamer, für die Glaubwürdigkeit des Films entscheidend und für eine Nachbereitung des Films im Unterricht wichtig ist, dass das Happy End dem jungen Zielpublikum nicht als einfaches Ursache-Wirkungsschema präsentiert wird. Eine Botschaft, Glaube und Hoffnung allein würden genügen, damit alles ein gutes Ende nimmt, wäre nicht nur trügerisch, sondern verlogen. Hoppet macht deutlich, dass die Brüder eine ganze Menge zu ertragen und zu erdulden haben und Azad selbst etwas für die Erfüllung seiner Träume tun muss. Dagegen wehrt er sich in der Szene mit den Vögeln am Ufer zunächst vehement: „Du musst losfliegen und meine Eltern suchen. Du musst die beiden finden. Flieg doch! Flieg schon, du blöder Vogel! Flieg! Flieg! Alles muss man selber machen. Das ist unfair, ich hab’s satt!“ Sein außerordentliches Talent als Hochspringer ist bereits in seinem Heimatdorf anerkannt, man sieht ihn später in Schweden auch ganz alleine in der Turnhalle üben, bis ihn der Hausmeister wegschickt. Aber selbst das reicht nicht zum Erfolg. Die entscheidenden Ratschläge erteilt ihm der Hot-Dog-Mann. Azad soll für seine Umwelt offen sein, auf Entdeckungsreise gehen, seine Angst überwinden, genügend Mut aufbringen und die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellen. Erst als Azad diese Lektionen gelernt hat und ein Stück erwachsener und selbstbewusster geworden ist, wiederholt er am Ende das, was er zu Beginn des Film nur behaupten konnte: „Ich habe gelernt, dass nichts unmöglich ist. Wenn man etwas will, muss man nur fest daran glauben und darf nie aufgeben.“


Fragestellungen zu den Themen des Films

 

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