
Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.
Von Ina Hochreuther
Deutschland 2006
Regie: Paul Smaczny
Kamera: Nyika Jancsó, Michael Boomers, Yoram Millo
Schnitt: Steffen Herrmann
Produktion: EuroArts Music International / Barenboim-Said-Stiftung / ZDF / Arte
FSK: ab 6 Jahren
Dokumentarfilm – 115 Min. – Farbe – OmU
Preise (u.a.):
International Emmy Award 2006 / Best Arts Documentary; FIPA D'OR Grand Prize 2007; 2007 Banff World Television Festival / Best Arts Documentary
Zielgruppen:
Sekundarstufe I (ab Klasse 8) und II, Jugendliche in der außerschulischen Bildung, Jugendmusikschulen, Fortbildung
Stichworte:
Israel, Palästina, Konflikte, Frieden. Völkerverständigung, Zivilcourage, Musik, Jugendorchester, Daniel Barenboim, Edward W. Said
BJF-Altersempfehlung:
ab 12 Jahren
„Wir müssen die Mauern in unseren Köpfen brechen und einander verstehen“, sagt ein junges Mädchen aus Ramallah. So ähnlich würde vermutlich auch der politisch engagierte Dirigent Daniel Barenboim sein Ziel beschreiben. Zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said setzt er sich durch gemeinsame Konzerte jüdischer und arabischer Musiker im Rahmen des von den beiden 1999 begründeten „West-Eastern Divan Orchestra“ für eine Annäherung der verfeindeten Volksgruppen im Nahostkonflikt ein. Seit sein enger Freund Said im September 2003 gestorben ist, kämpft er allein dafür weiter. In dem Orchester spielen junge Musiker aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten, Libanon, Ägypten, Syrien und Jordanien zusammen. Nach den jeweiligen Probenphasen und Konzertreisen kehren die Jugendlichen in eine Welt zurück, die geprägt ist von Bombenanschlägen und militärischen Übergriffen und in der die Menschen aus den jeweils anderen Ländern meist als Feinde gelten. Es sind große Spannungen, die sie bei ihrer Arbeit aushalten müssen, denn die politisch verfahrene Situation ist immer präsent und prägt die Diskussionen zwischen und nach den Proben. Aber das gemeinsame Ziel schafft eine ganz eigene Form des Dialogs jenseits aller ideologischen Grenzen. Mittlerweile hat das Orchester in Sevilla seine feste Sommerresidenz gefunden.
Der Dokumentarfilm begleitet das Orchester von seiner Gründungsphase 1999 in Weimar. Er zeigt Auftritte unter anderen in Berlin, Sevilla, Tel Aviv und der marokkanischen Hauptstadt Rabat, am Schluss sogar einen in Ramallah im Jahr 2005. Sehr deutlich wird das verbindende Element der Musik nicht nur in Proben und Auftritten, sondern auch in der gemeinsam verbrachten Freizeit. In Ramallah gründete Barenboim überdies 2004 ein palästinensisches Kinder- und Jugendorchester, denn junge Leute die drei bis vier Mal die Woche Musik machen, hätten wenig Zeit für radikale Gedanken, wie er der israelischen Presse erklärt. In seinem Land eckt Barenboim oft an. Bei der Verleihung des Wolf-Preises an Barenboim in der israelischen Knesset kommt es gar zu einem Eklat. Aber der Weltstar und Weltbürger wird Musik weiter als Mittel der interkulturellen Verständigung einsetzen. Denn: „Musik ist eine Kunst, die alle Grenzen überschreitet.“