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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.

2. Making Of – Paul Smaczny, Daniel Barenboim, Edward W. Said, Mustafa Barghouthi, Yo-Yo Ma

 

Regisseur Paul Smaczny

Paul Smaczny wurde 1957 in Niederbayern geboren und studierte Jura, Romanistik und Germanistik in Regensburg und Paris. Nach Abschluss des Studiums begann er am Theater zu arbeiten und war von 1986 bis 1989 als Regieassistent und Dramaturg in Frankreich tätig. 1989 wechselte er als Regisseur und Redakteur zu Film und Fernsehen und realisierte in der Folge zahlreiche internationale Dokumentarfilme vor allem im Bereich der klassischen Musik. Zu seinen vielfach preisgekrönten Filmen zählen:

Seit 1995 leitet Paul Smaczny den Produktionsbereich der Firma EuroArts Music und übernahm im Jahre 2000 deren Geschäftsführung. Als Produzent von zahlreichen Dokumentationen, Konzert-, Opern- und Ballettaufzeichnungen in aller Welt, die einige der wichtigsten musikalischen Ereignisse der letzten fünfzehn Jahre dokumentieren, genießt er internationale Anerkennung, was nicht zuletzt mit solch außergewöhnlichen Produktionen wie die Aufzeichnung der Konzerte des West-Eastern Divan Orchestras in Ramallah oder der New York Philharmonic in Pyongyang zusammenhängt.

Paul Smaczny lebt und arbeitet in Leipzig.

 

Musiker Daniel Barenboim

Vorurteile überwinden, Feindbilder abbauen, einander kennen lernen, das Verbindende im Verschiedenen entdecken, zur Versöhnung beitragen: In dem Bemühen, die Welt mit Hilfe der Musik zu einem etwas besseren Ort zu machen, hat sich Daniel Barenboim bislang weder von bürokratischen Hindernissen noch von persönlichen Anfeindungen abschrecken lassen.

Trotz seines politischen Engagements ist dem Sohn russisch-jüdischer Emigranten, der 1942 in Buenos Aires geboren wurde, wichtig, in erster Linie als Künstler wahrgenommen zu werden. Den Grundstein für seinen Welterfolg als Musiker legte er schon sehr früh: In den 1950er Jahren galt er als pianistisches Wunderkind, das erst in Argentinien, dann in Europa für Begeisterung sorgte. Mit gerade mal sieben Jahren gab er sein erstes Klavier-Konzert in Buenos Aires, drei Jahre danach folgten erste Auftritte in Salzburg und Wien. Später begegnete er Edwin Fischer, bei dem er Unterricht nahm, und seinem Idol Wilhelm Furtwängler, der sich von dem jungen Talent angetan zeigte. Doch dabei wollte er es nicht belassen. Schon bald besuchte er Dirigentenkurse bei Igor Markevich, holte sich den letzten Schliff bei Nadia Boulanger und begann seine Laufbahn als Dirigent 1961 zuerst in Israel, später in Österreich.

Seitdem sorgt der Musiker auf beiden Gebieten seines künstlerischen Schaffens für Aufsehen – am Klavier ebenso wie mit dem Taktstock in der Hand. So spielte er 1964 mit dem English Chamber Orchestra zum ersten Mal in London, Paris und New York sämtliche Konzerte für Klavier von Wolfgang Amadeus Mozart. 1973 wurde er Nachfolger von Sir Georg Solti an der Spitze des Orchestre de Paris. Er dirigierte seit dieser Zeit die wichtigsten Orchester der Welt, vor allem in London, wo er seinen ständigen Wohnsitz hatte.

1981 leitete er mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“ seine erste Bayreuther Aufführung. Bemerkenswert auch seine Einspielung der 32 Sonaten und der fünf Konzerte für Klavier Ludwig van Beethovens, einmal als Pianist unter der Leitung von Otto Klemperer, einmal als Dirigent mit Arthur Rubinstein am Flügel. Ob Johann Sebastian Bach, Frédéric Chopin, Johannes Brahms oder zeitgenössische Klavierliteratur: Was immer der gefeierte Pianist anfasst, es scheint ihm mühelos zu gelingen. 1989 legte er die Leitung des Orchestre de Paris nieder, um die der neuen Opéra de Paris zu übernehmen. Aufgrund von Streitigkeiten mit dem Intendanten trat er diese Stelle jedoch niemals an. 1991 übernahm er stattdessen die Leitung des Chicago Symphony Orchestra (bis 2006) und wurde ein Jahr später Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden.

 

Wissenschaftler Edward W. Said

Edward W. Said kam 1935 als Kind einer wohlhabenden protestantischen palästinensischen Familie in Jerusalem zur Welt. Seine Familie wurde 1948 aus Palästina ausgebürgert und siedelte sich in Kairo an. Von dort kam er nach New York. Er studierte in Princeton und Harvard und fand mit seinen Veröffentlichungen über die Frage nach der Selbstbestimmung Palästinas bald ein internationales Publikum. Er schrieb regelmäßig für renommierte Tageszeitungen wie den Londoner Guardian, für Le Monde Diplomatique und für die bedeutendste arabische Tageszeitung Al-Hayat. Der Autor und Kulturwissenschaftler war Professor für Englische Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaften an der New Yorker Columbia University und unterrichtete auch in Harvard und Yale. Mit den weltbekannten Musikern Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma leitete er vom 7. bis zum 17. Juli 1999 den berühmten Workshop mit knapp achtzig jugendlichen Teilnehmern aus Israel, aus arabischen Ländern und aus Weimar, woraus die beiden das West-Eastern Divan Orchestra entwickelten. In Saids Arbeiten spiegeln sich seine eigenen Erfahrungen wider. 2003 erhielt er den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung. Edward W. Said verstarb 2003 nach langer schwerer Krankheit in New York.

Edward W. Saids bekanntestes Werk ist das 1978 erschienene Buch Orientalismus, in dem er den Beweis zu erbringen versucht, dass die abendländische Welt seit jeher dazu tendiere, den Orient als statisches und falsch repräsentiertes Konstrukt zu konzipieren. Das Werk stellt nicht zuletzt eine Abrechnung mit der britischen und französischen Wissenschaft der Orientalistik dar. Deren Vertreter würden oftmals ein ideologisch vorgegebenes Ziel – die politische Unterwerfung der studierten Völker – verfolgen; ein „aufgeklärter Westen“ wolle einen „mysteriösen Orient“ beherrschen. Bereits die Vorstellung einer grundsätzlichen Dichotomie von Abendland und Morgenland führe in die Irre. Seine Ideen entwickelte Said mit Foucaults Konzept der Diskursanalyse. 2009 hat es der Fischer-Verlag, neu übersetzt, wieder aufgelegt.

Publikationsauswahl:

 

Politiker Mustafa Barghouthi

Mustafa Barghouthi, 1954 in Jerusalem geboren, ist ein palästinensischer Politiker, Arzt und Bürgerrechtler, der im Vorstand zahlreicher Organisationen aktiv ist. 2005 erreichte er bei den Wahlen für das Amt des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde den zweiten Platz nach Mahmoud Abbas.

Barghouthi studierte Medizin an der Russischen Universität der Völkerfreundschaft in der damaligen Sowjetunion. Es folgte ein Post-Graduate-Training in Jerusalem. Später erwarb er einen Master of Science in Business Administration und Management in Stanford.

Barghouthi engagierte sich schon immer stark gesellschaftlich. 1979 etwa gründete er die „Union of Palestinian Medical Relief Committees“ (UPMRC), eine Nichtregierungsorganisation, die Lücken im Gesundheitswesen der Palästinensischen Autonomiebehörde ergänzen sollte. Unter dem Namen „Palestinian Medical Relief Society“ (PMRS) betreibt die Vereinigung bis heute mobile Kliniken und Gesundheitszentren in den Palästinensischen Gebieten und widmet sich neben der Versorgung Kranker speziell der Vorsorge und Aufklärung. 2002 gründete er gemeinsam mit dem Arzt Haidar Abdel-Shafi, Ibrahim Dakkak, einem Berater in Menschenrechtsfragen für die Palästinensische Autonomiebehörde, und dem Literaturwissenschaftler Edward W. Said die „Palästinensische Nationale Initiative“. Das Ziel war, eine reformistische, umfassende, säkulare und demokratische Alternative zu den bestehenden Parteien zu bilden. Die Bewegung versteht sich als „dritter Weg“ neben den großen Machtblöcken von Hamas und Fatah. Barghouthi ist bis heute Generalsekretär dieser Organisation.

Er war Informationsminister in der kurzlebigen palästinensischen Einheitsregierung von März bis Juni 2007, an deren Zustandekommen er maßgeblich beteiligt war. Nach Auflösung der Einheitsregierung durch Präsident Abbas im Juni 2007 lehnte Barghouthi das Angebot ab, als Minister der Notstandsregierung bzw. der Übergangsregierung unter Salam Fayyad anzugehören. Er wies dabei auf das Fehlen einer legalen Basis dieser Regierung hin.

Mustafa Barghuthi hat zahlreiche Schriften zu Zivilgesellschaft, Demokratiethemen und der politischen Situation in Palästina veröffentlicht. Zudem war er Ko-Autor diverser Bücher und Studien zur Entwicklung des Gesundheitswesens. Als Vorstandsmitglied zahlreicher palästinensischer Institutionen ist er besonders innerhalb der palästinensischen Bevölkerung sehr bekannt. Durch seine hohe Präsenz in internationalen Medien steigt seine Bekanntheit im Ausland stetig an. Er ist häufig Gast bei Veranstaltungen zum Nahostkonflikt, insbesondere zur Lage in den Palästinensischen Gebieten. Barghouthi lebt in Ramallah.

 

Cellist Yo-Yo Ma

Als Mitspieler unterstützt hat der berühmte chinesisch-amerikanische Cellist Yo-Yo Ma das West-Eastern Divan Orchestra bei der Gründung 1999 in Weimar (vgl. Filmkapitel 2).

Yo-Yo Ma wurde 1955 als Sohn einer Hong-Konger Sängerin und eines Dirigenten in Paris geboren. Als Vierjähriger begann er Cello zu spielen. Er zählte sieben Jahre, als seine Familie nach New York umzog und mit acht Jahren trat er bereits mit Leonard Bernstein im US-amerikanischen Fernsehen auf. Bernstein vermittelte ihn auch zur Juilliard School, wo er Schüler von Leonard Rose wurde. Mittlerweile wurden Yo-Yo Ma mit seinen 50 Alben 16 Grammys verliehen; 1999 erhielt er den Glenn-Gould-Preis. Neben klassischer Musik veröffentlichte er auch Alben mit Bobby McFerrin und ein Album mit Tango-Stücken von Astor Piazzolla. Am 20. Januar 2009 begleitete er die Inaugurationsfeier von Barack Obama mit einem Quartett und einem von John Williams komponierten Stück, das Kompositionen von Aaron Copland enthielt. Am 29. August 2009 spielte er zu Ehren des verstorbenen Senators Edward Kennedy im Gottesdienst in Boston.

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