
Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.
Zu Barenboim und Said
Barenboim, Daniel: Die Musik – Mein Leben. Autobiografie. Hrsg. von Michael Lewin, überarbeitet von Phillip Huscher. Aus dem Englischen von Michael Lewin und Matthias Arzberger. München: Ullstein 2002.
Diese Autobiografie durchschreitet fünf Jahrzehnte der außergewöhnlichen und erfüllten musikalischen Karriere eines der größten Musiker unserer Zeit. Als brillanter Virtuose, Pianist, Kammermusiker und Dirigent weltbekannter symphonischer Orchester hat Daniel Barenboim mit den berühmtesten Künstlern des 20. Jahrhunderts zusammengearbeitet. „Ich habe versucht zu beschreiben, wie es ist, von der Musik besessen zu sein, und war neugierig darauf, diese Besessenheit auszuloten." Daniel Barenboim.
Barenboim, Daniel: Klang ist Leben. Die Macht der Musik. Unter Mitarbeit von Elena Cheah. Aus dem Englischen v. Michael Müller. München: Siedler Verlag 2008.
Klang und Stille, Rhythmus und Improvisation, pianissimo und forte zwischen diesen Gegensätzen spielen sich nicht nur die Musik, sondern auch unser tägliches Leben und die große Politik ab. Mit „Klang ist Leben“ beschreibt der weltbekannte Dirigent und Pianist Daniel Barenboim eindrucksvoll, was uns die Musik mit all ihrer Emotionalität, aber auch Komplexität über das Leben lehrt. Eine sehr persönliche Reflexion über die Grundfragen unserer Existenz und die Antworten, die wir in der Musik finden können. „Bei Barenboim vermischten sich schon immer Klang und Leben - und Politik. Der Gründer des West-Östlichen Divan Orchesters hat oftmals politisch Stellung bezogen, stets aber war sein musikalisches Schaffen der Resonanzboden für seine Aktivitäten." (Berliner Morgenpost).
Barenboim, Daniel und Edward W. Said: Parallelen und Paradoxien. Über Musik und Gesellschaft. Hrsg. von Ara Guzelimian. Aus dem Englischen von Burkhardt Wolf. Berlin: Berlin Verlag 2004.
Der Musiker Daniel Barenboim und der Kulturwissenschaftler Edward Said diskutieren über die Erforschung der Musik und der Gesellschaft. Ein hochinteressantes und originelles Gespräch zwischen zwei eindrucksvollen Persönlichkeiten.
Said, Edward W.: Am falschen Ort. Autobiografie. Aus dem Englischen von Meinhard Büning. Berlin: Berlin Verlag 2000.
Ein Buch über die Kindheits- und Jugendmemoiren Edward Saids, der 1935 in Jerusalem geboren wurde, einen großen Teil seiner Kindheit jedoch in Kairo und im Libanon verbrachte. Dieses Buch ist ein bewegendes Zeugnis intensiver Erinnerungsarbeit, einer Art emotionaler archäologischer Expedition - zurück in eine unwiederbringlich vergangene Welt: denn Palästina ist heute Israel, der Libanon nach zwanzig Jahren Bürgerkrieg vollkommen verändert und das koloniale, monarchistische Ägypten seit 1952 verschwunden.
Said, Edward W.: Das Ende des Friedensprozesses. Oslo und danach. Aus dem Amerikanischen von Meinhard Büning. Berlin: Berlin Verlag 2002.
Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zählt nun schon seit Jahrzehnten zu den brisantesten Krisenherden der Weltpolitik und scheint heute angesichts der nicht abreißenden Gewalt auf beiden Seiten unlösbarer denn je. Edward W. Said, einer der einflussreichsten Intellektuellen unserer Zeit, der zuletzt mit seiner Autobiografie für Furore sorgte, hat diesen Konflikt auch auf Grund seiner eigenen Herkunft und Geschichte immer wieder kommentiert. Dieses Buch versammelt etliche journalistische Texte, mit denen er den so genannten „Friedensprozess" seit dem Abkommen von Oslo gewohnt kritisch und engagiert begleitet hat. In seinen Augen erweist sich das Oslo-Abkommen nicht als Durchbruch zum Frieden, sondern als gut getarnter Misserfolg, denn darin ist weder von der Selbstbestimmung noch von Souveränität der Palästinenser die Rede, geschweige denn von einem Ende der israelischen Siedlungspolitik. Er spart nicht mit Kritik an Israel, blickt hinter die Mythisierungen und Vereinfachungen der Medien und läuft Sturm gegen das westlich-israelische Vorurteil, jeder Palästinenser sei ein Terrorist, jeder Muslim ein blutrünstiger Fundamentalist. Doch auch die palästinensische Seite verschont er nicht. So kommentiert er scharfzüngig Arafats Führungsstil und wirft ihm vor, der israelischen Gewalt, etwa in Form der illegalen Landenteignungen, tatenlos zuzusehen. Zugleich verurteilt Said den palästinensischen Propaganda- und Zwangsapparat, der jede Regung von Kultur und Wissenschaft im Keim erstickt. Bei aller Ernüchterung bewahrt Edward Said einen Funken Hoffnung, und zusammengenommen enthalten seine Texte wohl durchdachte, überzeugende Vorschläge, wie eine friedliche Schlichtung des israelisch-palästinensischen Konflikts aussehen könnte.
Said, Edward W.: Orientalismus. Aus dem Amerikanischen neu übersetzt von Hans Günter Holl. Frankfurt a. M.: S. Fischer Verlag 2009.
Die Neuausgabe des Klassikers in neuer Übersetzung: In seiner Aufsehen erregenden Studie entlarvt Edward Said das Bild des Westens vom Orient als zutiefst einseitig und als eine Projektion, indem der »Orient« schlicht als »anders als der Okzident« verstanden wurde. Er verfolgt die Tradition dieses Missverständnisses durch die Jahrhunderte, in denen Europa den nahen und mittleren Osten dominierte, und zeigt, wie auch heute noch dieses Bild den Westen beherrscht. Weil es dem Orient dadurch verwehrt wird, sich selbst zu repräsentieren, wird ein wahres Verständnis der Kulturen verhindert. Dreißig Jahre nach seinem ersten Erscheinen hat dieser Klassiker der Kulturgeschichtsschreibung nichts an Aktualität eingebüßt - ganz im Gegenteil.
Zu Palästina und Israel
Avidan, Igal: Israel. Ein Staat sucht sich selbst. Diederichs 2008.
Am 14. Mai 2008 feierte der Staat Israel den 60. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Seitdem befindet sich das Land im ständigen Ausnahmezustand: bedroht von äußeren Feinden, lädiert von ungelösten inneren Konflikten. Grund genug für eine kritische Bestandsaufnahme. Das Jubiläum wird überschattet von Ängsten: Wird Israel bis zum 120. überhaupt noch existieren? Und wenn ja, wird es zu einer Art Masada, einer aufgerüsteten Festung, deren Bewohner keine Hoffnung auf ein normales Leben mehr hegen? Oder zu einem verschlossenen Tora-Staat, der täglich prüft, ob die aktuelle jüdische Mehrheit stabil genug ist und der zugleich die Gastarbeiter, die nichtjüdischen Einwanderer und die Araber unterdrückt? Vielleicht wird Israel aber auch als Staat mit klar definierten geografischen Grenzen neu geboren. Der Autor beschreibt ein Land am Scheideweg und skizziert eine Road Map für Israel.
Bar-On, Dan: Die „Anderen“ in uns. Dialog als Modell der interkulturellen Konfliktbewältigung. Hamburg: Edition Körber-Stiftung 2001.
Forst, Rainer (Hg.): Toleranz. Philosophische Grundlagen und gesellschaftliche Praxis einer umstrittenen Tugend. Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag 2000.
Herrmann, Katja: Palästina in Israel. Selbstorganisation und politische Partizipation der palästinensischen Minderheit in Israel. Schiler Verlag 2008.
Die palästinensische Zivilgesellschaft innerhalb Israels erfährt seit den 1990er Jahren eine deutliche Stärkung. Mit der vermehrten Selbstorganisation in Form von Nichtregierungsorganisationen, politischen Parteien und Initiativen, welche die Interessen der palästinensischen Minderheit vertreten und die als Vermittler kollektiver Identität fungieren, verstärkt sich der Widerstand gegen die strukturelle Diskriminierung der in Israel lebenden palästinensischen Bevölkerung. Basierend auf Gesprächen mit Aktivistinnen und Aktivisten palästinensischer Menschenrechtsgruppen, Flüchtlingsvereine, Forschungs- und Kultureinrichtungen, Frauenorganisationen sowie politischer Parteien analysiert das Buch die Hintergründe dieser Entwicklung und untersucht die Themen und Strategien der unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Akteure. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Rolle und dem Einfluss palästinensischer translokaler und transnationaler Beziehungen.
Huster, Stefan: Toleranz als politisches Problem in der pluralistischen Gesellschaft. In: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie 91 (2005), S.20-35.
Lewis, Bernard: Die Araber. München: dtv 2002.
Fundierte historische Einführung.
Senfft, Alexandra: Fremder Feind, so nah. Begegnungen mit Palästinensern und Israelis. Mit Fotos v. Judah Passow. Hamburg: Edition Körber Stiftung 2009.
Frieden zwischen Palästinensern und Israelis - eine Utopie? Alexandra Senfft zeigt, dass Verständigung möglich ist. An der Basis, fern der offiziellen Politik, gibt es zahlreiche Kontakte zwischen den »Feinden«, die konstruktiv, gleichberechtigt und nicht selten sogar freundschaftlich sind. Die Nahostexpertin nimmt ihre Leser mit auf eine sehr persönliche Reise durch Israel und die palästinensischen Gebiete. Sie stellt Menschen vor, die über innere und äußere Grenzen hinweg Dialoge führen. Der Feind, das wird dabei deutlich, ist gar nicht so fremd. Eine rein politische Lösung kann es im Nahostkonflikt nicht geben, sie würde keine Aussöhnung schaffen - zu tief reicht der Konflikt in die Biografie jedes Einzelnen. Die Verwandtschaft zur Geschichte des Gegners durch das Erzählen der eigenen Lebens- und Familiengeschichte zu erkennen, ist die Basis für eine dauerhafte Verständigung, sagt Alexandra Senfft. Ihre Reise führt sie nicht nur in den Nahen Osten, auch in London und Berlin trifft sie Menschen, die sich für Verständigung engagieren. Durch deren Biografien und Projekte vermittelt Alexandra Senfft zugleich historische und aktuelle Fakten über eine Region, über die wir nur glauben, viel zu wissen.
Shlaim, Avi: The Iron Wall. Israel and the Arab World. New York, London: W.W. Norton & Company 2000.
Wali, Najem: Reise in das Herz des Feindes. Ein Iraker in Israel. Aus d. Arab. v. Imke Ahlf-Wien. München: Hanser 2009.
Israel - das ist für seine arabischen Nachbarn der Feind schlechthin. Als ketzerisch gilt, wer andere Ansichten vertritt oder gar ins "Land des Feindes" reist. Najem Wali wagt es, dieses Tabu zu brechen, und erkundet in einer politisch brisanten Reise die erstaunlichen Gemeinsamkeiten zwischen seinem Heimatland Irak und dem Staat der Juden. Von Jerusalem bis Haifa, von Nazareth bis zum Golan begegnet Wali Dichtern, Intellektuellen und Politikern, aber auch den Menschen auf der Straße. Gemeinsam hoffen sie auf Frieden und Dialog im Nahost-Konflikt. Ein spannendes Dokument arabischer Selbstkritik und ein beherztes Plädoyer für Demokratie und Frieden.
Wasserstein, Bernard: Israel und Palästina. Warum kämpfen sie und wie können sie aufhören? 2., aktualis. Aufl., Beck 2009.
Kein anderer Konflikt der Gegenwart erscheint so ausweglos wie der zwischen Israelis und Palästinensern. Bernard Wasserstein schildert in diesem Buch die Ursachen des Konflikts, und er zeigt Perspektiven für seine Lösung auf. Dabei geht er über die konventionelle Sichtweise hinaus, die den Kampf um Palästina nur als irrationales Ringen nationalistischer und religiöser Ideologien begreift. Stattdessen stellt Wasserstein heraus, dass auch Faktoren wie die Bevölkerungsentwicklung, Arbeit oder soziale Fragen eine wichtige Rolle spielen. Wassersteins Buch ist ein konzises Porträt der "siamesischen Zwillingsgesellschaften" in Israel und Palästina und zugleich eine sachkundige Einführung in einen der schwierigsten politischen Konflikte unserer Zeit.
Literatur für Jugendliche
Ellis, Deborah: Wenn ich einen Wunsch frei hätte. Kinder aus Israel und Palästina erzählen. Frankfurt/New York: Campus Verlag 2008.
Die Kinder des Heiligen Landes, ob Israelis oder Palästinenser, sind gezeichnet vom jahrzehntelangen Krieg in ihrer Heimat. So sehr Herkunft und Erziehung, Religion und Kultur sie trennen, so verbindet sie auf der anderen Seite das gemeinsame Leid, die Hilflosigkeit und der Wunsch, dass alles ein Ende haben möge. Deborah Ellis lässt die Kinder zwischen den Fronten zu Wort kommen. Offen und authentisch, anrührend und brutal schildern diese Kinder ihren Alltag, ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen für ihr Leben und ihr zerrissenes Land.
Flug, Noah & Schäuble, Martin: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser. Wien: Carl Hanser Verlag 2007.
Sachbuch für Jugendliche, in vereinfachter Sprache geschrieben, mit kommentierten Medientipps zu jedem einzelnen Geschichts-Kapitel, enthält eine Vielfalt von Informationen, die auf Grund der Komplexität des Themas vermutlich nicht allein von jedem Jugendlichen zu bewältigen ist.
Rifa’i, Amal und Ainbinder, Odelia mit Sylke Tempel: Wir wollen beide hier leben. Eine schwierige Freundschaft in Jerusalem. Berlin: Rowohlt 2003.
Ausgezeichnet mit dem Quadriga-Preis 2003 und auf der Kinder- und Jugendbuchliste SR, WDR, Radio Bremen, Frühjahr 2003.
Jerusalem 2002: Die 17jährige Palästinenserin Amal Rifa'i und die gleichaltrige Odelia Ainbinder leben in derselben Stadt, aber Welten voneinander entfernt. Vor drei Jahren begegneten sie sich auf einer Reise in die Schweiz, die von der Friedensorganisation "Peace Child Israel" initiiert wurde. Die Mädchen fanden sich sympathisch, doch kulturelle Missverständnisse und der erneute Ausbruch der Intifada verhinderten, dass zwischen ihnen eine Freundschaft entstand. Beide Mädchen sind froh, als die Journalistin Sylke Tempel den Kontakt zwischen ihnen wieder herstellt. Bei gemeinsamen Unternehmungen, in langen Gesprächen und in Briefen und E-Mails kommen sie einander näher und erkunden sehr vorsichtig, was sie trotz aller Gegensätze miteinander verbindet. Eine Freundschaft entwickelt sich, die nicht einfach ist: Es gilt, das gegenseitige Misstrauen zu überwinden und aufeinander zuzugehen. Jede versucht, der anderen die eigene Position anhand des erlebten Alltags begreiflich zu machen. Beide wollen wissen, warum das Volk der anderen dem eigenen Volk solches Leid antut. Und beide möchten herausfinden, ob eine gemeinsame Zukunft in Frieden für sie möglich ist.
Zenatti, Valérie: Leihst du mir deinen Blick. Eine Freundschaft zwischen Jerusalem und Gaza. Hamburg: Dressler 2006.
Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Kategorie Preis der Jugendlichen.
Tal ist Jüdin und lebt in Jerusalem. Als in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Attentat geschieht, stellt sie Fragen, die sie sich selbst nicht beantworten kann: Wie lebt ein Gleichaltriger im Gazastreifen? Hassen alle Palästinenser Israelis? Und vor allem: Wie kommt man dem Frieden ein Stück näher? Sie beginnt über den Umweg einer Flaschenpost einen E-Mail-Austausch mit dem unbekannten Palästinenser Gazaman, aus der sich wider Erwarten und trotz schwerer Erschütterungen eine zaghafte Freundschaft entwickelt. Dieses Buch geht einen wichtigen Schritt in Richtung Frieden. Es beleuchtet anrührend und intensiv das Leben zweier Jugendlicher im Nahen Osten jenseits der täglichen Nachrichten. Fast eine moderne „Romeo und Julia“- Geschichte.
Dokumentarfilm
Lisa Grözinger / Kerstin Henning: Vom Dokumentarfilm zu hybriden Formaten. Die Auflösung von Genregrenzen im Fernsehen. Diplomarbeit an der Hochschule der Medien Stuttgart. Studiengang Medienwirtschaft 2005.
Knut Hickethier: Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart / Weimar: J.B. Metzler 1993.
Peter Zimmermann (Hg.): Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland, hrsg. im Auftrag des Hauses des Dokumentarfilms Stuttgart, 3 Bände. Reclam 2005.
Zu Barenboim und Said
Daniel Barenboim & The West-Eastern Divan Orchestra (CD+DVD), Label: Warner, 59 Min., 2005.
Aufnahme mit Werken von Tschaikowsky, Verdi und Sibelius beim Ramallah-Konzert am 21. August 2005.
Zu Palästina und Israel
Auf der Suche nach Heimat
Dokumentarfilm von Angelika Reicherter. Deutschland 2003, 32 Min., f., empfohlen ab 14 Jahren
Drei Frauen in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Libanon. Ein Beispiel: Khawla ist Palästinenserin. Ihre Eltern sind 1948 von Palästina in den Libanon geflohen. Obwohl Khawla im Libanon geboren ist, sehnt sie sich nach ihrer "Heimat" Palästina. Ihre Eltern haben sich im Libanon eine neue Existenz aufgebaut, nun hat aber der Libanon die Gesetze geändert, sie dürfen ihr Haus nicht an ihre Kinder vererben. Kann ein Flüchtlingslager Heimat werden? Der Film sucht nach Orten der Heimat für ein Volk, das keine Heimat mehr hat.
Fatima und Sumaya - Freundschaft zwischen den Religionen
Dokumentarfilm von Uwe Dieckhoff. Deutschland 2007, 26 Min., f., empfohlen ab 14 Jahren.
Fatima, Tochter eines berühmten Beduinenscheichs, und Sumaya, Bauerntochter aus Ramallah im Westjordanland, sind seit 50 Jahren eng miteinander befreundet. Beide sind auf die evangelische Schule Talitha Kumi gegangen - eine Schule, die Christen und Muslime gemeinsam unterrichtet und gegenseitigen Respekt und Toleranz gegenüber Andersgläubigen vermittelt. Der Film zeigt die unterschiedlichen Lebensgeschichten der beiden Frauen: Während die Muslimin Fatima noch vor dem Abitur von der Schule genommen und mit einem Cousin verheiratet wurde, machte Sumaya nach dem erfolgreichen Schulabschluss und dem Studium in Deutschland Karriere. Sumaya ist als Buchautorin, Dozentin und Friedensaktivistin für ihre klaren Meinungsäußerungen bekannt. In verschiedenen Projekten motiviert sie Frauen, eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts herbeizuführen. Fatimas Lebensbedingungen in der Wüste hingegen waren unvorstellbar schwer: Durch das Heiraten im engen Familienclan wurde ihre Tochter Magdolin mit schwersten Behinderungen geboren. Sumaya unterstützt Fatima und Fatima hilft heute auch anderen Familien mit behinderten Kindern: Während ihren Besuchen in den entlegensten Dörfern ist sie Sozialarbeiterin, Krankenschwester und Beraterin in einer Person. Außerdem bieten beide Frauen nun in Talitha Kumi gemeinsame Seminare an.
Hass und Hoffnung - Kinder im Nahostkonflikt (Promises)
Dokumentarfilm von Justine Shapiro, B.Z. Goldberg & Carlos Bolado. USA / Israel 2001, 85 Min., f., FSK: o.A., empfohlen ab 14 Jahren.
Wie leben die palästinensischen und jüdischen Kinder mit den Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen ihren Völkern? Was halten sie voneinander? Was wissen sie übereinander? Was trennt sie und was könnte sie wieder vereinigen? Diesen Fragen gehen die Autoren in ihrem Porträt von sieben Kindern nach, die vom Konflikt im Nahen Osten betroffen sind: Die israelischen Zwillinge Daniel und Yarko leben in Jerusalem in einem eher intellektuellen Milieu, spielen gerne Volleyball, haben Angst vor Omnibus-Attentaten, aber auch vor den Orthodoxen. Der frühreif wirkende Rabbinersohn Shlomo verbringt einen 12-Stunden-Tag mit religiösen Studien. Das Siedlerkind Moishe aus Beit El im West-Jordanland wohnt hinter einem schützenden Drahtzaun, bewacht von der israelischen Armee. Von den Palästinenserkindern lebt Mahmoud in Ostjerusalem, geht dort zur Schule und zur Al Aksa Moschee zum Beten. Faraj und das Mädchen Sanabel sind im Flüchtlingslager Deheische zu Hause. Beide sind bewusste Palästinenser. - Ein Zusammentreffen der Zwillinge aus Jerusalem mit den beiden palästinensischen Kindern aus dem Flüchtlingslager, das der Filmemacher B.Z. Goldberg vorbereitet, verändert ihre Sicht auf "die" Juden ebenso wie die der Zwillinge auf "die" Palästinenser. - Der Originaltitel "Promises" steht für das gelobte Land und den daraus folgenden Konflikt, der den ganzen Film durchzieht.
Kriegskinder in Israel
Dokumentarfilm von Susan & Alan Raymond. Deutschland 2000, Hg.: FWU, 26 Min., f., FSK: 12, empfohlen ab 14 Jahren.
In den letzten zehn Jahren haben zwei Millionen Kinder in den Kriegen dieser Welt das Leben verloren. Und die Überlebenden werden ein Leben lang versuchen müssen, zu verarbeiten, was sie während des Krieges erlebt haben. Die Kinder in Israel haben ein Leben ohne Krieg nie kennen gelernt. Der Film zeigt die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Palästinensern, die sich über Jahrzehnte hinziehen. Er zeigt, wie Gewalt und Unterdrückung immer neue Gegengewalt erzeugt, was Eltern, Geschwister und Freunde empfinden, wenn Kinder Opfer von Granaten und Sprengstoffattentaten werden. Lassen Trauer und Hass einen Weg aus der Gewaltspirale zu? Zwar gab es immer wieder Hoffnung auf Frieden und Ausgleich, doch die Terrorakte auf beiden Seiten machten sie schnell zunichte, und seit der Regierungszeit Sharons ist der Kampf wieder voll entbrannt.
Palästina - Auf der Suche nach Frieden
Dokumentarfilm von Johannes Gulde & Stefanie Landgraf, Deutschland 2008, Hg.: FWU, 24 Min., f., empfohlen ab 14 Jahren.
Der Nahe Osten macht immer wieder Schlagzeilen als Region der Kriege, Terrorakte und Flüchtlingsschicksale. Bemühungen um ein friedliches Nebeneinander von Israel und Palästina sind bis heute nicht erfolgreich. Vertriebene Palästinenser leben bis heute in Lagern vor allem im Libanon. Die Filmautoren Landgraf und Gulde, die 1981 das Schicksal eines palästinensischen Mädchens in einem Waisenhaus in Beirut dokumentiert haben, begeben sich 2008 erneut auf Spurensuche. In Ramallah treffen sie das Mädchen von damals wieder: Wie sieht sie, wie sehen die Palästinenser ihre Situation heute? Was hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert? Wie kann man der Hoffnung auf Frieden näher kommen? Wie kann man in einem Krisengebiet leben und überleben? Der Film konfrontiert Schülerinnen und Schüler mit einer auf die Palästinenser fokussierten Perspektive des Nahostkonflikts und fordert dadurch zu Reflexion und Diskussion heraus.
SchussWechsel - Fotografen in einem zerrissenen Land
Dokumentarfilm von Sacha Mirzoeff & Bettina Borgfeld. Deutschland 2005, 45 Min., f., empfohlen ab 16 Jahren.
Nur zwei Wochen wollte Reinhard in Israel bleiben, um einen Kollegen bei Reuter zu vertreten. Da beginnt die zweite Intifada. Die ganze Welt schaut auf Israel und Reinhard bleibt. Plötzlich sind die palästinensischen Gebiete abgeriegelt und das Land von Grenzlinien und Kontrollpunkten überzogen. Reinhard Krause, Chef des Fotodienstes der Nachrichtenagentur Reuters in Jerusalem, krempelt die Berichterstattung um. Er baut je ein Team von palästinensischen und israelischen Fotografen auf, die jeweils ihre Sicht auf das Geschehen fotografieren. "SchussWechsel" ist ein Film über die Allgegenwart von Gewalt. Bei einem israelischen Angriff entrinnt der palästinensische Fotograf Ahmed Jadallah nur knapp dem Tod. Schon schwer verletzt am Boden liegend "schießt" er mit letzter Kraft ein Foto - es wird den World Press Award 2003 gewinnen. Und Nir Elias, ein israelischer Kollege, fotografiert einen Angriff von Palästinensern auf eine jüdische Siedlung. Seinen Kollegen neben ihm trifft eine Kugel. Dennoch haben diese Fotografen wenig gemein mit dem Mythos des Kriegsfotografen. Der Film erzählt vom Leben jenseits der wohlbekannten Bilder. Eine Gratwanderung zwischen emotionaler Nähe und professioneller Distanz.
Wir weigern uns, Feinde zu sein
Dokumentarfilm von Angelika Reicherter. Deutschland / Israel / Portugal 2006, 82 Min., f., empfohlen ab 14 Jahren.
Wie der Friedensprozess im Nahen Osten aussehen könnte, das hatte Sabine Lichtenfels als Leiterin eines Friedensforschungsprojekts in Portugal in einer Meditation in fünf Bildern erschaut. Und um diese Bilder umzusetzen, lud sie eine internationale Gruppe ein zur Pilgerreise - zu Fuß, mit Rucksack, Isomatte, Tüchern und Klangschalen. "Bewusst naiv" wollten die Pilger sein, und in der Krisenregion die Mauern und die verhärteten Fronten aufweichen. Im November 2005 macht sich die Gruppe auf den Weg durch das Heilige Land. 15 Tage durch Israel und 10 Tage durch die Westbank. Eine Reise zwischen Himmel und Hölle. Im geteilten Heiligen Land ist der Dialog zwischen Israelis und Palästinensern abgebrochen. Die Mauer im Land zieht sich als Mauer durch jeden einzelnen, die Feindbilder in den Köpfen führen zu Katastrophen im Alltag. Die Pilgerreise ist ein Versuch, den Dialog wieder herzustellen. Die Kamera begleitet die inneren und äußeren Prozesse der Teilnehmer. Was heißt es beispielsweise für einen Israeli, als Zivilperson und nicht als Soldat in die Westbank zu gehen, auf Augenhöhe Palästinensern zu begegnen, denen durch die repressive Politik Israels kaum noch Luft zum Atmen bleibt?
(Stand: Februar 2010)
Zu Barenboim und Said
Musik
Zu Palästina und Israel
Dokumentarfilm