
Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.
Aufgaben:
Daniel Barenboim und Edward W. Said: Parallelen und Paradoxien
„Die Musik ist deshalb für mich so ungemein wichtig und interessant, weil sie zugleich alles und nichts ist. Wenn man erfahren will, wie man in einer demokratischen Gesellschaft leben soll, dann tut man gut daran, in einem Orchester zu spielen; dort kann man lernen, wann man die Führung übernehmen und wann man ihr folgen sollte. Man lässt anderen genügend Raum, wird aber nicht daran gehindert, einen Platz für sich selbst zu beanspruchen. Trotzdem, oder gerade deshalb, eröffnet die Musik die Möglichkeit, den Problemen des menschlichen Daseins zu entfliehen.
Von Ferrucio Busoni stammt die, meiner Meinung nach, einzig klare Definition der Musik „Musik ist tönende Luft.“ Alles andere, was sonst über Musik gesagt wird, bezieht sich auf die unterschiedlichen Reaktionen, die sie bei Menschen hervorruft. Manchmal empfindet man sie als poetisch, manchmal als sinnlich, spirituell oder emotional. Manchmal fasziniert ihre Form; es gibt unzählige Arten, auf Musik zu reagieren. Da Musik zugleich alles und nichts ist, kann sie leicht missbraucht werden, wie es im Nationalsozialismus der Fall war. Während eines Seminars unter dem Motto West-Östlicher Diwan kamen in Weimar Musiker aus Israel und den arabischen Ländern zusammen und bewiesen, dass eine freundschaftliche Annäherung, die man bis dahin für unvorstellbar hielt, durch die Musik möglich ist. Natürlich heißt das nicht, dass Musik die Probleme des Nahen Ostens lösen kann. Musik ist die beste Schule für das Leben, aber auch der schnellste Weg, ihm zu entkommen.“
Quelle: Barenboim, Daniel und Edward W. Said: Parallelen und Paradoxien. Über Musik und Gesellschaft. Hrsg. von Ara Guzelimian. Aus dem Englischen von Burkhardt Wolf. Berlin: Berlin Verlag 2004, S. 232f.