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Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.

6.18 Arbeitsbogen: Begriffe verstehen und erklären

Aufgaben:

  1. Teilen Sie sich in drei Gruppen auf. Jede Gruppe arbeitet mit einem der drei hier vorgestellten Begriffe: Vorurteil, Diskriminierung, Ignoranz.
  2. Lesen Sie die Texte durch, erklären und diskutieren Sie diese untereinander, so dass Sie dann von Ihnen in eigenen Worten zusammengefasst werden können.
  3. Anschließend tragen Sie Ihre Texte der ganzen Klasse vor.
  4. Dann sammeln Sie an der Tafel oder am Flipchart Beispiele aus dem Plenum, die den anderen zu dem jeweiligen Begriff einfallen.

 

Vorurteil

Ein Vorurteil ist eine sachliche Begründung bzw. nicht durch Erfahrung erworbene Einstellung gegenüber Dingen oder Menschen, besonders auch gegenüber der eigenen Gruppe und Fremdgruppen, durch die ihnen positive oder negative Eigenschaften zugesprochen werden. Vorurteile sind bequemer als die kritische und rationale Sicht und sie ersparen das eigene Nachdenken. Sie sind grundsätzlich übernommen und auch durch entgegengesetzte Erfahrungen nur schwer zu korrigieren.

Vorurteile können harmlos sein, solange sie zur Erheiterung dienen. Franzosen werden etwa als gute Liebhaber und Italiener als die besten Köche bezeichnet. Wenn aber Türken als Drogendealer oder Rumänen als Diebe hingestellt werden, wirken Vorurteile verletzend, ausgrenzend und fremdenfeindlich. Und trotzdem halten sie sich hartnäckig. Schon der deutsch-amerikanische Physiker Albert Einstein (1879-1955) meinte einst: „Es ist leichter ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil“. Ein altes Feindbild wird immer wieder in ein neues Gewand gesteckt, ohne dem eigentlichen Vorurteil auf die Spur zu kommen. Das ist ja auch einfacher, als sich selbst eine kritische und rationale Meinung zu bilden. Man könnte daraus schließen, dass nur uneinsichtige Menschen Vorurteile haben. Vorurteile treten oft bei Diskussionen in fröhlicher Runde auf, es wird mit ihnen argumentiert, verleugnet oder auch beschönigt. In Vorurteilen ist immer ein Sündenbock bzw. ein Stereotyp anzutreffen, der für alles gerade steht. (Dabei können auch weitere Vorurteile entstehen.) Weitergesponnene Vorurteile können leicht zu Spekulationen und zu darauf gegründeten einseitigen oder falschen Geschichtsbildern führen. Daraus wiederum können wirkungsvolle Propagandathesen entstehen, die in den falschen Händen schlimme Folgen auslösen können.

Und jeder hat Vorurteile, davon kann sich keiner freisprechen. So manches Mal weiß man gar nicht, dass man sich ständig mit Vorurteilen abgibt und mit ihnen argumentiert. Tatsache ist aber, dass wir Vorurteile oder zumindest Voraus-Urteile für unsere Orientierung im Leben brauchen. Die Ereignisse, die wir erleben, würden uns in ihrer Vielzahl überschwemmen, wenn wir sie einzeln analysieren würden. Selbst wenn wir einen Menschen wahrnehmen und über ihn nachdenken, bilden wir uns eine bestimmte Meinung. Wir neigen dann dazu, diesen Menschen zu bewerten und ihm angeblich typische Merkmale zuzuordnen. Diese sind uns vielleicht bei Menschen der gleichen Staatsangehörigkeit oder ähnlichem auch schon mal zufällig begegnet. So bildet sich schnell ein Vorurteil gegen die ganze Bevölkerungsgruppe und so heißt es dann plötzlich „blasierte“ Engländer, „unordentliche“ Franzosen oder „unkultivierte“ Amerikaner. Vorurteile entstehen also dadurch, dass wir in unserer Wahrnehmung darauf angewiesen sind, bestimmte Sachverhalte dadurch zu vereinfachen, dass wir sie zu Stereotypen zusammenfassen, sie also in bestimmte Kategorien einordnen. Schnell werden dann auch Menschen aufgrund ihrer andersartig erscheinenden Kultur oder Religion in bestimmte Schubladen gesteckt. Man spricht zum Beispiel allgemein von „den Ausländern’’ und vergisst, dass es auch hier einige wesentliche Unterschiede gibt. Vorurteile sind sehr komplex und vielfältig und daher schwer zu bekämpfen. Verständnis und Toleranz sind gefragt um trennende Barrieren zu beseitigen und Integration zu schaffen, damit klar wird, das Menschen anderer Länder vielleicht nicht unbedingt anders denken und fühlen als wir.

 

Diskriminierung

Diskriminieren (lat.: diskriminare) steht für "trennen", "Unterscheidungen treffen", "aussondern". Unter sozialer Diskriminierung wird die Benachteiligung von Menschen aufgrund gruppenspezifischer Merkmale wie ethnische oder nationale Herkunft, Hautfarbe, Sprache, politische oder religiöse Überzeugungen, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Alter oder Behinderung verstanden. Ausgangspunkt jeder Diskriminierung ist die Konstruktion von Differenz. Jeder Form sozialer Diskriminierung liegt eine Unterscheidung und Bewertung durch eine Mehrheit zugrunde, wie ein Mensch zu sein hat bzw. was als gesellschaftliche Norm zu gelten hat (z.B. weiß, deutsch, männlich, heterosexuell, gesund, leistungsfähig, christlich etc.). Von Diskriminierung betroffen sind damit Gruppen, die den dominanten Normen nicht entsprechen. Dabei handelt es sich zumeist auch um zahlenmäßige Minderheiten. Wie das Beispiel der Diskriminierung von Frauen zeigt, muss dies aber nicht auf eine quantitative Minderheit beschränkt sein.

Soziale Diskriminierung kann ganz unterschiedliche Formen annehmen: Sie reicht von der unbedachten, aber kränkenden Äußerung über die bewusste Ignorierung und Willkür bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Sie umfasst sowohl Verhaltensweisen von Individuen wie auch Formen der Benachteiligung ganzer Bevölkerungsgruppen durch gesellschaftliche Organisationen und staatliche Stellen. Benachteiligung kann durch Ungleichbehandlung von Gleichen (z.B. Frauen und Männern) zustande kommen, aber auch durch Gleichbehandlung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen (z.B. Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrende). Diskriminierung kann zudem in den unterschiedlichsten Lebensbereichen zum Ausdruck kommen: Im Alltag und in der Sprache, beim Zugang zu Bildung und Ausbildung, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Gesundheits- und Versicherungswesen, in der politischen Partizipation oder in der Medienpräsentation.

Der Schutz vor Diskriminierung ist ein Strukturprinzip der Menschenrechte. Die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und der Schutz vor Diskriminierung ist ein allgemeines Menschenrecht, das in zahlreichen Erklärungen und Konventionen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene anerkannt wurde. So heißt es in Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948:

"Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand."

 

Ignoranz

Ignoranz (Unwissenheit, Beschränktheit) meint, dass jemand etwas – möglicherweise absichtlich – nicht kennt, nicht wissen will oder nicht beachtet. Das Wort Ignoranz ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht etymologisch auf das lateinische Substantiv „ignorantia“ = „Unwissenheit“ zurück.

Das Verb „ignorieren“ bezeichnet sowohl das bewusste wie das unbewusste nicht zur Kenntnis nehmen eines Sachverhaltes, eines Vorgangs oder einer Person. Im Gebrauch hat das Verb keine zwingend negative Konnotation. Möglicherweise hat eine Person, die etwas ignoriert, dafür gute und nachvollziehbare Gründe.

Bei sogenannter rationaler Ignoranz verzichtet jemand bewusst darauf, sich mit einem Thema auseinander zu setzen, und verpflichtet jemand anderen, sich damit zu befassen. Es ist der Verzicht auf die Einmischung in einzelne, etwa politische Geschäfte in einem Gremium, weil es für Einzelne gar nicht möglich ist, sich mit jedem Geschäft vertieft auseinander zu setzen. Rationale Ignoranz ist eine Form freiwilliger Ungewissheit.

Ignoranz wird heute im Deutschen oft als ein Vorwurf an eine Person verwendet, der Desinteresse und Unwissenheit bis hin zur Dummheit unterstellt wird. Als Gegensatz zur Toleranz gilt die Ignoranz auch als die Unfähigkeit oder den Unwillen, Akzeptanz zu äußern.

Unter den französischen Existentialisten galt die Ignoranz als die Weigerung, sich durch das Sein betroffen zu fühlen, Wissen und Bildung wurde als Ausweg gesehen.

In einer Informationsgesellschaft gewinnt der Begriff Ignoranz eine neue Bedeutung, indem er den Bereich des Nichtwissens umfassend kennzeichnet und dem Bereich des Wissens gegenüber gestellt wird. Dadurch löst sich die bisherige Auffassung der Ignoranz von einzelnen Personen. Die aktuelle Entwicklung kann in Richtung eines kollektiven Begriffs gehen. In diesem Kontext unterscheidet Hans Rott, Philosoph an der Universität Regensburg, zwei Formen:

 

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