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Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.

6.6 Infobogen: Das maurische Spanien

Sie gilt als kulturelle Blütezeit, die Herrschaft der Araber in Spanien während des Mittelalters. Im 8. Jahrhundert kamen sie aus Nordafrika und eroberten fast die gesamte Iberische Halbinsel. Knapp 800 Jahre lang, bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, konnten sie sich halten. Vor allem im heutigen Andalusien trifft man noch auf Hinterlassenschaften der maurischen Kultur, wie die Alhambra in Granada oder die Mezquita in Cordoba.

 

Die maurische Invasion

Die spanischen Muslime werden im allgemeinen Sprachgebrauch als Mauren bezeichnet, abgeleitet von der römischen Provinz Mauretanien beziehungsweise dem Königreich Mauretanien. Doch damit ist keine homogene Volksgruppe gemeint. Die Truppen, die als erste auf das europäische Festland vordrangen, bestanden nur zur Minderheit aus arabischen Muslimen. Der größte Teil bestand aus Berbern, die aus dem Atlas-Gebirge im heutigen Marokko stammten. 711 schließlich drangen die Mauren unter ihrem Anführer Tariq ibn-Ziyad über Gibraltar in das christliche Spanien ein. Die dort herrschenden Westgoten waren durch innere Konflikte stark ausgelaugt und konnten dem Ansturm der Mauren nicht viel entgegensetzen. Zudem bot der unter den Westgoten teilweise unterdrückte jüdische Bevölkerungsanteil den einrückenden Mauren Unterstützung.

 

Ein goldenes Zeitalter

Als die Mauren nach Andalusien kamen, fanden sie das, was ihnen in der nordafrikanischen Wüste fehlte: ausreichend Wasser. Die Zeit unter maurischer Herrschaft war geprägt von einer großen Toleranz gegenüber der christlichen und jüdischen Bevölkerung. Für die damalige Zeit entstand eine nahezu pluralistische Gesellschaft, denn die Kalifen sahen sich als Herrscher dreier Religionen. Von Juden oder Christen erwartete der Koran keine Bekehrung, allerdings Unterwerfung – ein Modell, das im heutigen Sinne sicherlich nicht als Rechtsstaat zu bezeichnen ist, für die damalige Zeit aber recht gut funktionierte, denn auch die Muslime zeigten sich kompromissbereit: So wurde zum Beispiel das muslimische Alkoholverbot recht großzügig ausgelegt und der Weinbau konnte weiter betrieben werden. Im Laufe der Jahrhunderte nahm die Zahl der auf der Iberischen Halbinsel geborenen Muslime zu. Unter der Herrschaft der Mauren erlebte Andalusien ein goldenes Zeitalter. Zunächst war es Cordoba, das zur Hauptstadt der Mauren aufstieg. Die Kalifen Andalusiens konkurrierten mit Bagdad und Damaskus um Reichtum und Fortschritt. Durch den Handel mit Gold, Silber, Leder, Seide, Parfüm und Gewürzen erlangte die Stadt ihren Reichtum und avancierte zum Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Ausgeklügelte Bewässerungssysteme ermöglichten einen Zuwachs an landwirtschaftlich genutzter Fläche. Außerdem entstanden unzählige Gartenanlagen. 756 begann man mit dem Bau der Mezquita, der Großen Moschee.


Reconquista - die Christen schlagen zurück

Die christliche Rückeroberung, die sogenannte „Reconquista“ des spanischen Nordens begann auf der Stelle, schon im 8. Jahrhundert. Stück für Stück drängten die spanischen Christen - denen sich auch französische Christen, verschiedene Ritterorden und später sogar der Papst anschlossen - die Muslime wieder zurück. Voraussetzung dafür war, dass sich zunächst die christlichen Reiche des spanischen Nordens, also Asturien, Kastilien und Leon, zusammenschlossen. Erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts allerdings bekamen die Beziehungen zwischen Christen und Mauren die Unerbittlichkeit eines "Heiligen Krieges" zu spüren. Die christliche Kirche wurde stärker und kämpfte gegen Andersgläubige, auch gegen die in Andalusien lebende Minderheit der Juden. Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung besiegelte nicht selten das Schicksal der Andersgläubigen. Das Jahr 1212 war ein entscheidender Wendepunkt in der europäischen Geschichte: In der Schlacht von Las Navas de Tolosa schlugen die christlichen Truppen von Kastilien und Aragon die Almohaden, die damaligen maurischen Herrscher. Der christliche König Ferdinand III. nahm 1236 den Mauren Cordoba ab, 1248 eroberte er mit seinen Truppen auch Sevilla. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts bildete Granada mit der Alhambra die letzte Bastion der Mauren auf dem spanischen Festland. Schließlich übergab König Boabdil 1492 die Schlüssel der Alhambra an das katholische Königspaar Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Mehr als 700 Jahre maurischer Herrschaft fanden ihr Ende.

 

Das maurische Erbe

Als Mitteleuropa ein noch wenig zivilisiertes Gebiet war, bescherte das maurische Spanien dem Abendland die Schriften arabischer Gelehrter und antiker griechischer Philosophen. Aristoteles beispielsweise wurde zunächst ins Arabische und dann ins Lateinische übersetzt. Egal, ob Mathematik, Geografie, Medizin oder Astronomie und Poesie – Arabisch lautete die Sprache der Wissenschaften. Viele Schulen und Bibliotheken entstanden. Aber auch die sinnlichen Genüsse spielten eine große Rolle: Man baute zahlreiche Badeanstalten, Gärten mit Springbrunnen und blumengeschmückte Innenhöfe, Patios, wurden angelegt. Und auch die Kochkunst erfuhr eine Verfeinerung. Das Erbe der Mauren wurde in die christliche Kultur Spaniens integriert. Berühmte Bauwerke geben nach wie vor Zeugnis dieser einmaligen Kultur. Auch etwa 20 Prozent des spanischen Wortschatzes gehen auf das Arabische zurück. Die ausgefeilten Bewässerungssysteme der Mauren finden bis heute Anwendung. Auf den bewässerten Terrassen wuchsen Mandeln und Granatäpfel, Obst und Zitrusfrüchte oder Maulbeerbäume für die Produktion von Seidenraupen. Heute noch werden Wein, Oliven, Weizen und Baumwolle auf Parzellen angepflanzt, die schon von den Mauren kultiviert wurden. Von der arabischen Küche blieben Süßspeisen, Konfekt und Gebäck, Letzteres gerne auf Mandelbasis, erhalten. Besonders beliebt ist zum Beispiel der Flan, ein Karamellpudding, der auch in ganz Nordafrika verbreitet ist. Auch die berühmten arabischen Hengste wurden von den Arabern auf die Iberische Halbinsel exportiert. Am augenfälligsten ist jedoch die erhalten gebliebene lebendige Architektur.


Quelle: www.planet-wissen.de, ein Angebot von WDR, SWR und BR-alpha

 

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