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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 12+ – Knowledge is the Beginning – P. Smaczny – D 2006 – 115 min.

6.16 Infobogen: Texte zur Toleranzdiskussion I

Definitionen des Begriffs Toleranz

Von der komplexen und reichhaltigen Geschichte des Begriffs einmal abgesehen [...], trifft man in der Gegenwart auf eine verwirrende Vielzahl von Verständnissen und Bewertungen des Begriffs Toleranz. In einer losen Folge genannt, findet man die Auffassungen, Toleranz sei:

Tritt man von diesem Gewirr von Positionen einmal zurück und sucht nach einer Basisdefinition, so wird man zwar keine so klare wie die der Techniker finden, wohl aber kann man einige zentrale Charakteristika des Begriffs der Toleranz unter Menschen identifizieren, wie unterschiedlich diese Merkmale auch interpretiert werden.

Erstens sind die tolerierenden und tolerierten Subjekte und ihre Beziehung zueinander zu beachten: Wird Toleranz von Individuen, Gruppen oder Institutionen ausgeübt; bezieht sie sich auf Überzeugungen, Werte, Lehren, Handlungen oder Praktiken; handelt es sich um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Angehörigen verschiedener Religionen, Staatsbürgern oder „Weltbürgern“?

Zweitens schließt Toleranz die Haltungen von Indifferenz oder Bejahung aus: Zu ihr gehört stets eine normative Verurteilung und Ablehnung der tolerierten Überzeugungen oder Praktiken.

Drittens gehört zur Toleranz, dass der Ablehnung eine qualifizierte Akzeptanz der besagten Überzeugungen oder Praktiken gegenübersteht. Sie hebt die negative Bewertung zwar nicht auf, führt aber positive Gründe für die Duldung bzw. die Respektierung der Toleranzobjekte an.

Viertens gehört zum Begriff der Toleranz die Angabe ihrer jeweiligen Grenze, an der die Gründe der Ablehnung gegenüber denen der Anerkennung überwiegen.

Fünftens darf die Ausübung von Toleranz nicht erzwungen sein, sondern muss freiwillig geschehen.

Sechstens schließlich ist es wichtig zu sehen, dass Toleranz sowohl eine rechtlich-politische Praxis als auch eine individuelle Haltung und Tugend bezeichnen kann und das eine vom anderen relativ unabhängig ist.

 

Quelle: Forst, Rainer (Hg.): Toleranz. Philosophische Grundlagen und gesellschaftliche Praxis einer umstrittenen Tugend. Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag 2000, Einleitung, S. 8f.

 

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