
Durchblick 6+ – Knut und seine Freunde – M. Johnson – D 2008 – 90 min.
– Texte für höhere Jahrgangsstufen –
Knut, Flocke und ihre Artgenossen, die in Tierparks und Zoologischen Gärten aufwachsen, stehen symbolisch für den Erhalt der Natur, den Schutz der Tierwelt und die dazu gehörige Verantwortung des Menschen. Doch der Lebensraum „Zoologischer Garten“ lässt den riesigen Raubtieren, die in freier Wildbahn weite Landstriche durchstreifen, kaum Raum für artgerechtes Leben. Dies ruft Tierschützer auf den Plan, die nicht nur gegen die Vermarktung dieser niedlichen Tierkinder protestieren, sondern die Ausstellung und Aufzucht von Tieren in Zoologischen Gärten generell in Frage stellen.
Anhand des Filmes und der beiden folgenden Texte können Schülerinnen und Schüler im Unterricht der Fächer Deutsch, Sozialkunde / Gesellschaftskunde, Lebenskunde / Religion / Ethik oder Biologie über das Thema diskutieren und die unterschiedlichen Positionen miteinander vergleichen und erörtern.
Kernfragen der Debatte könnten dabei sein:
Für die Debatte können die folgenden Texte als Erörterungsgrundlagen hinzugezogen werden:
Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“
Im Grundgesetz wurde im Jahre 2002 der Schutz von Tieren ausdrücklich verankert. Warum erschien dies notwendig? Welche Verantwortung hat der Mensch gegenüber der Natur und den Tieren? Wie kann er diese Verantwortung wahrnehmen? Wo finden sich hierfür Beispiele?
anlässlich seiner Übernahme der Patenschaft für KNUT
„…Als ich meiner Tochter erzählte, dass ich die Patenschaft des kleinen Eisbären Knut übernehmen würde, wollte sie sofort mit mir tauschen. Glauben Sie mir: Das ist nur selten so. Auch für mich ist das eine ganz besondere Ehre: Wer würde nicht gerne in Berlin Pate von einem Bären werden?
Von einem Eisbären, dessen Aufzucht ein überaus seltener Erfolg ist. Diese Patenschaft bedeutet mir aber vor allem deshalb so viel, weil ich als Umweltminister für den Klimaschutz zuständig bin. Kaum ein anderes Tier symbolisiert die Folgen des Klimawandels so deutlich wie der Eisbär. Ohne Eis kein Eisbär.
Heute leben noch schätzungsweise 20- bis 25.000 Eisbären in der Arktis. Sie sind vom Aussterben bedroht, denn ihre Verbreitungsgebiete und Jagdmöglichkeiten werden durch die globale Erwärmung immer kleiner. In den letzten 100 Jahren erwärmte sich die Lufttemperatur am Nordpolarmeer um ganze fünf Grad Celsius. Die Eisbären bewegen sich buchstäblich auf dünnem Eis: Das Eis ist heute nur noch halb so dick wie vor 20 Jahren. Es schmilzt im Frühling früher und friert im Herbst später ein. Gewicht und Geburtenrate der Bären sind dadurch seit 1980 um rund zehn Prozent gesunken. Wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten, könnte die Arktis bereits 2080 im Sommer eisfrei sein. Dann gäbe es vielleicht schon in gut 70 Jahren keine Eisbären mehr in freier Natur.
Ich verbinde mit dieser Patenschaft für Knut die Pflicht, mich für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik einzusetzen. Eine Klimapolitik, die auch den Lebensraum von Eisbären sichert. Die Bundesregierung hat die Klimaschutzpolitik ganz oben auf ihre Tagesordnung gesetzt. Unser Ziel ist, die weltweite Klimaerwärmung unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten. Bei mehr als zwei Grad droht das gesamte Grönlandeis zu schmelzen.
Unter deutscher Präsidentschaft hat der Europäische Rat erst kürzlich eine historische Entscheidung zu Klimaschutz und Energie verabschiedet. Die Europäische Union will den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Die EU wird also auch in Zukunft eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen. Das ist eine wichtige Grundlage für die internationalen Verhandlungen für ein Klimaschutzabkommen nach 2012. Ich werde mich dafür stark machen, dass der Klimaschutz ganz oben auf der Tagesordnung bleibt und die Eisbären noch lange unbeschwert ihre Beute jagen können.
Knut wünsche ich auch weiterhin einen Bärenhunger (nur nicht, wenn ich gleich in sein Gehege gehe), den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier im Zoologischen Garten in Berlin eine weiterhin erfolgreiche Aufzucht dieses Bären und aller Zootiere. Auf dass auch aus Knut ein 'König der Kälte' werde – in einer Welt, in der auch die Arktis kalt bleibt.
Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zoologischen Gartens für ihr unermüdliches Engagement zum Schutz der Tiere.“
Wofür steht die Patenschaft des Umweltministers für KNUT? Welche Botschaft wird über KNUT verbreitet? Wie sehen die Schülerinnen und Schüler diese Verbindung von Umweltpolitik und der Aufzucht eines Eisbären im Zoo? Was ist mittlerweile aus dem Eisbärenjungen geworden? Steht es immer noch für den Schutz und Erhalt der natürlichen Umwelt oder widerspricht das Leben im Zoologischen Garten den ursprünglichen Ideen, KNUT zum „Botschafter“ für seine Artgenossen zu machen?
Bärin soll ihre Jungen gefressen haben – Tierschützer: Ethische Pflichten vernachlässigt
Nürnberg (AP) - Der Tod zweier Eisbärenbabys, die im Nürnberger Zoo vermutlich von ihrer Mutter aufgefressen wurden, hat die Diskussion um Sinn und Unsinn der Aufzucht von Wildtieren neu entfacht.
Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte die Leitung des Nürnberger Tiergartens nach dem Tod der beiden Eisbärenbabys. "Der Zoo hätte früher eingreifen müssen", sagte Verbands-Geschäftsführer Thomas Schröder. "Grundsätzlich lehnen wir die Haltung und Nachzucht von Eisbären in Gefangenschaft strikt ab." Doch mit der Aufzucht von Eisbären übernehme der Zoo eine ethische Verpflichtung, erklärte Schröder. "Und die heißt: Jedes Tier hat ein Recht auf Leben." Der Nürnberger Tiergarten hätte besser prüfen müssen, ob die Eisbärin mit ihrem Nachwuchs zurechtkomme, und die Babys notfalls ähnlich wie damals Knut mit der Hand aufziehen müssen.
Der weltberühmt gewordene Berliner Eisbär war von seiner Mutter nicht angenommen worden und von dem Tierpfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgezogen worden. Der Tiergartenleitung in Nürnberg sei es offensichtlich wichtiger gewesen, das Image des Zoos im Sinne des europäischen Zuchtprogramms zu erhalten, als sich um das Leben der Tiere zu kümmern, kritisierte Schmid den Nürnberger Zoo.
Dessen Leiter Dag Encke wies die Vorwürfe der Tierschützer als "völligen Quatsch" zurück. Die aktuelle Empfehlung des Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramms (EEP) laute, den Stall frühestens sechs Wochen nach der Geburt zu kontrollieren. "Wir bleiben bei dem, was wir bisher gemacht haben." Das gelte auch für die Eisbärin Vera, die Mitte Dezember ebenfalls Nachwuchs bekommen hat.
Ausgelöst wurde die neuerliche Diskussion um die Haltung von Zootieren, als bei einer Kontrolle des Stalls von Eisbärenweibchen Vilma keines ihrer vermuteten zwei Babys gefunden wurde. "Es war kein lebender Eisbär mehr zu sehen", sagte Encke. "Wir vermuten, dass sie sie aufgefressen hat." Vermutlich seien die Bären krank oder sogar schon tot gewesen, als Vilma sie gefressen habe. "Raubtiere sind bekannt dafür, dass sie ihren Nachwuchs töten, wenn die Jungtiere nicht gut entwickelt sind oder die Umstände der Mutter eine erfolgreiche Aufzucht unwahrscheinlich machen." Von den Babys seien bereits einige Tage keine Schreie mehr zu hören gewesen, was aber als Zeichen gewertet worden sei, dass sie gut versorgt werden. Erst als sich Vilma am Montag erstmals seit der Geburt Ende November nervös verhalten habe, habe ein Pfleger den Stall umgehend, aber erfolglos nach den Jungtieren durchsucht. Heute wollen Pfleger die Eisbärin aus der Wurfbox locken und diese durchsuchen.
Zumindest von Vera, der zweiten Eisbärin im Nürnberger Zoo, und ihrem Baby gibt es gute Nachrichten. Das Kleine erfreue sich offenbar bester Gesundheit, sagte Encke. Einem Besucher des Tiergartens sei es am Sonntag gelungen, das Baby mit seiner Mutter am Eingang zur Höhle zu fotografieren. Encke wollte auch nicht ausschließen, dass Vera in ihrer Höhle noch ein weiteres Jungtier versteckt hält.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 08.01.2008
„Anlässlich des ersten öffentlichen Auftritts des Eisbären-Babys „Flocke“, am 9. April im Tiergarten Nürnberg, spricht sich die Tierschutzstiftung VIER PFOTEN gegen die Haltung und Zucht von Eisbären in Zoos aus. Die Vermehrung der Tiere und die drastische Vermarktung der Jungen trägt in keiner Weise zum Schutz der Art und ihrer bedrohten Lebensräume bei. Vielmehr wird auch Publikumsliebling „Flocke“ zukünftig unter den reizarmen und beengten Bedingungen im Zoo leiden.
Als hoch spezialisierte Jäger sind Eisbären perfekt an das arktische Klima angepasst und leben in riesigen Streifgebieten, die leicht die Größe Islands überschreiten. „Diese Bedingungen können in Gefangenschaft nicht annährend nachgebildet werden“, erklärt Wildtierexperte Thomas Pietsch. „VIER PFOTEN fordert, die Zucht von Eisbären in Zoos endlich einzustellen.“ Auch in größeren Anlagen wie Nürnberg haben die Langstreckenläufer nicht die Möglichkeit ihr natürliches Verhalten auszuleben. In vielen Zoos werden die Tiere auf sterilen Betonplateaus präsentiert. Rückzugsbereiche fehlen oft gänzlich.
Auf Grundlage des so genannten Säugetiergutachtens von 1996 darf ein Eisbärenpaar in Deutschland auf gerade mal 200 Quadratmetern gehalten werden. Dies ist deutlich weniger Fläche als ein Tennisplatz.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass Eisbären für ein Leben in Gefangenschaft ungeeignet sind. Eine Untersuchung aus dem Jahre 2006 ermittelte, knapp 95 Prozent von 33 untersuchten Zoo-Eisbären weisen Stereotypien auf. „Dies ist ein erschreckend hohes Maß an Verhaltenstörungen“, sagt Pietsch. „Bei Eisbären, die wie Flocke mit der Hand aufgezogen werden, sind Verhaltensstörungen vorprogrammiert. Sie leiden unter einer Fehlprägung auf den Menschen, und ihnen fehlen grundlegende soziale Erfahrungen mit Artgenossen. Jungbär Knut aus Berlin dient bereits als trauriges Beispiel: Bei der Suche nach Kontakt zu Menschen schreit er immer wieder kläglich in seinem Gehege.
Zur Arterhaltung wird auch Flocke nicht beitragen. Im Zoo geborene Eisbären können nicht ausgewildert werden, ihnen fehlen überlebenswichtige Verhaltensweisen. Schmilzt ihr Lebensraum, sind die größten Landraubtiere der Erde zum Aussterben verurteilt, und die Eisbären in den Zoos haben lediglich Museumscharakter.“
Autor: Thomas Pietsch, Dipl.-Biol./bmu, erschienen am 6. April 2008 auf www.umweltruf.de/news
Welche Anstrengungen werden in Zoologischen Gärten unternommen, Tiergeburten zu erreichen und Jungtiere zu züchten (Beispiel: Großer Panda)? Welche Erfahrungen gibt es mit der Auswilderung von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren? Wie ist die Aufzucht von KNUT oder FLOCKE in diesem Zusammenhang zu sehen? Wie sollte man mit Jungtieren umgehen, die von ihrer Mutter nicht angenommen werden?