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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 10+ – Die Mauerbrockenbande – K.H. Lotz – BRD/DDR 1990 – 90 min.

5. Der Film im Unterricht

Eignung

Fächerzuordnung

Themen und Anknüpfungspunkte


Methodische Vorschläge

Vorbemerkung

Beim Einsatz dieses Films – vor allem bei jüngeren Schülerinnen und Schülern – muss davon ausgegangen werden, dass so gut wie kein Kenntnisstand über die Teilung Deutschlands, das totalitäre Staatssystem der DDR, den Bau der Mauer sowie die innerdeutsche Grenze bzw. die Wiedervereinigung vorhanden sind. Dies zeigt z.B. eine im August 2008 veröffentlichte Befragung der Freien Universität Berlin bei der mehr als 5.200 Jugendliche in Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin befragt wurden. Darin bezeichnen die Jugendlichen beispielsweise den ehemaligen Bundeskanzler und SPD-Vorsitzenden Willi Brandt als berühmten DDR-Politiker. Diese Studie bringt aber noch mehr zutage: Die meisten Schüler wussten nicht, wer 1961 die Mauer errichtet hat. Viele tippten auf die Bundesrepublik oder die Alliierten. Fast die Hälfte der ostdeutschen und 66 % der westdeutschen Schüler bejahte die Aussage: „Die DDR war keine Diktatur, die Menschen mussten sich nur, wie überall, anpassen.“ Die Meisten kannten nicht einmal die Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass es zwischen Kenntnisstand und Urteil über die DDR einen Zusammenhang gibt: Wer wenig weiß, beurteilt die DDR positiv. Viele ostdeutsche Schüler lobten die sozialen Aspekte des SED-Staates, ohne jedoch die diktatorischen und repressiven Seiten zu sehen. Westdeutsche Jugendliche lobten – wenn auch in abgeschwächter Form – ebenfalls soziale Dimensionen des Lebens, kritisieren aber mehrheitlich den Charakter einer Diktatur.

Die Forderung der Studienautoren ist eindeutig. Sie forderten die Schulen auf, ihre Lehrpläne stärker auf das Thema DDR einzustellen. Sie wiesen deutlich darauf hin, dass jedoch der beste Unterricht nichts gegen die „Ostalgie“ der Eltern bzw. Großeltern der Schüler und Schülerinnen ausrichten könne. Von daher sei es wichtig, auch diese in den Prozess der Auseinandersetzung mit diesem System einzubeziehen.

Aus dem Geschichtsunterricht können die Schülerinenn und Schüler wissen, was in den letzten Phasen der ostdeutschen Eigenstaatlichkeit geschah: offensichtlicher Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen, die Öffnung des Eisernen Vorhangs in Ungarn, Massenfluchten von DDR-Bürgern, der Zusammenbruch des DDR-Regimes, der Fall der Mauer und die Wegbereitung für die 1990 erfolgende Vereinigung Deutschlands.

Sich das jedoch als Familien- und Kinderalltag von damals lebendig vorzustellen, ist gar nicht so leicht. „Die Mauerbrockenbande“ personalisiert und individualisiert Geschichte, macht historisches Geschehen im Rahmen einer Spielfilmhandlung nicht nur erfahr-, sondern miterlebbar und eröffnet einen Blickwinkel auf Bedingungen und Probleme jener Umbruchszeit, die von Veränderung und Auflösungen, von Unsicherheit und Neuorientierung geprägt war.

Von diesem „Nichtwissen“ ausgehend kann der 1990 entstandene Spielfilm „Die Mauerbrockenbande“ zumindest eine über die Identifikation laufende Auseinandersetzung und damit möglicherweise verbundene Bereitschaft erzeugen, weitere Information zu erhalten über das, was in vier Jahrzehnten getrennter deutscher Geschichte geschehen ist. Es wird vor allen Dingen darauf ankommen, dass der emotionale Bezug in der methodischen Aufarbeitung zum Zuge kommen kann. Der Vorteil dieses Films besteht darin, dass er Informationen wie z.B. über das Thema des Staatsicherheitsdienstes (Stasi) einfach, weil aus der Perspektive des kleinen Jungen Kläusi beim „Familienausflug“ in das „Lindenhotel“ (einem ehemaligen Stasi-Gefängnis) gibt. Denn Kläusi darf als Kind alle Fragen stellen – ohne Rücksicht. Dies gilt gleichermaßen aber auch für die Frage nach Haltungen zu einem totalitären System, die deutlich wird an den Eltern von Marion bzw. der Schulklasse nach der Wende.

 

Methodische Überlegungen zum Einsatz des Films

Um den historischen Gehalt des Films aufzudecken, bedarf „Die Mauerbrockenbande“ für ein junges Publikum sicherlich gründlicherer Erklärungen, als sie der Film selbst bietet und bieten kann. Der Film erhebt nicht den Anspruch, die DDR-Geschichte politisch und historisch aufzuarbeiten, sondern will – wie jeder Spielfilm – in erster Linie Geschichten erzählen. Seine Leistung besteht hauptsächlich darin, das Interesse dafür in Gang zu setzen. Durch die detaillierte Gliederung der Filmkapitel, die als Einzelabruf zur Verfügung stehen, können besonders wichtige – historische – Szenen bei der Aufbereitung nochmals gezeigt werden. Dies trifft z.B. zu auf Kapitel 5:„Die DDR feiert ihren 40. Geburtstag“ (Länge 1 Min.) oder das Thema „Stasigefängnis Lindenhotel“ (Kapitel 14).

Insbesondere mit jüngeren Schülern, d.h. Klasse 7/8 ist die Aufbereitung mancher Situationen und Szenen des Films in Form von Rollenspielen sicher interessant. Dies gilt z.B. für die Mobbing-Erlebnisse von Sibylle, die nach der Wende in ihrer Klasse wegen der SED Parteizugehörigkeit und Linientreue ihres Vaters gemobbt wird. Beleuchtet werden können aber auch die Rollen von Marion und ihren Eltern, in der diese sich gegen den Umzug nach Bayern wehrt.

Friedemann Schuchardt

 

Dokumentarspiel – Zeitgeschichte im Film

„Die Mauerbrockenbande“ lädt dazu ein, bereits im Vorfeld, also vor der eigentlichen Filmsichtung, mit Schülerinnen und Schülern die Entwicklungen der DDR bis hin zum Jahr 1989 zu betrachten. Kenntnisse über die politische und gesellschaftliche Entwicklung verschafft den Schülerinnen und Schülern ein erweitertes Verständnis des Filmes.

Ein alternativer Einstieg in den Film (vor Filmsichtung) kann über das Genre des Dokumentarspiels erfolgen, das Elemente des Spielfilms mit Elementen des Dokumentarfilms kombiniert. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Möglichkeiten und Grenzen der filmischen Formate können erarbeitet und der zeithistorische Anspruch des Dokumentarspiels herausgestellt werden.

Für die Inszenierung historischer Faktizität im Dokumentarspiel sensibilisiert, gilt es für die Schüler während der Filmsichtung von „Die Mauerbrockenbande“ darauf zu achten, mit welch spezifischen Mitteln (Originalquellen in Bild und Ton) historische Faktizität erzeugt wird und welche Ereignisse der „Friedlichen Revolution“, ihre Bedingungen und Umstände, vom Film angesprochen und vermittelt werden.

Eine Orientierung im historischen Raum kann mit Hilfe eines Zeitstrahls erreicht werden. Unter Einbezug von Hintergrundmaterialien und Internetrecherchen zur Chronologie der historischen Ereignisse des Jahres 1989 (www.chronik-der-mauer.de) lassen sich entscheidende Ereignisse herausarbeiten, die zum Fall der Mauer geführt haben.

 

Historische Orte

Besondere Stellung nehmen im Film die Handlungsorte ein, die nicht neutraler Hintergrund sind, sondern in direktem Bezug zur deutsch-deutschen Geschichte stehen, also historisch „aufgeladen“ sind. So können die einprägsam inszenierten Bilder der Berliner Mauer dazu genutzt werden, um sich auf breiter Ebene mit dem Themenfeld Mauerbau – Mauerfall auseinanderzusetzen. Das von Familie Struck besuchte Stasi-Gefängnis in Potsdam hingegen macht auf die Schattenseiten des totalitären DDR-Systems aufmerksam und fordert zur vertiefenden Recherchen über das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, seine Täter und vor allem seine Opfer heraus.

 

Wendejugendliche in Zeiten des Umbruchs

Die Jugendlichen in „Die Mauerbrockenbande“ stehen vor großen Herausforderungen in ihrem Leben. Sie müssen mit den gesellschaftlichen Veränderungen der Wendezeit ganz alleine zurechtkommen und geraten mit den Vorstellungen und Entscheidungen ihrer Eltern zunehmend in Konflikt.
Ein „Meine-Welt-Assoziogramm“ (meine Freunde, meine Familie, meine Schule etc.) erleichtert, dass sich die Jugendlichen mit den Helden identifizieren können, wenn sie feststellen, dass trotz der geographischen, historisch-politischen und zeitlichen Entfernung die Kernwerte der jugendlichen Hauptfiguren des Filmes und ihre eigenen sehr vergleichbar sind.

Das Arbeitsblatt gibt Anregungen zur vertieften Auseinandersetzung mit den jugendlichen Protagonisten, ihrem sozialen Umfeld und ihren individuellen Problemen.

 

Die Elterngeneration in Zeiten des Umbruchs

Die Auseinandersetzung mit den erwachsenen Figuren im Film führt zur Analyse allgemeiner Haltungen gegenüber dem System der DDR. Marions Eltern wenden sich mit ihrer Flucht aus der DDR deutlich gegen ihren Staat, wohingegen sich Familie Struck als mehr oder weniger regimetreue Verfechter der DDR-Diktatur zu erkennen gibt. Gründe für und gegen die Flucht lassen sich mit Hilfe der Figuren erörtern, was zwangsläufig mit einem kritischen Blick auf die politisch-gesellschaftliche Konstitution der DDR verknüpft ist.

Darüber hinaus kann die Situation der Figuren verallgemeinert und globalisiert werden. Die im Film geschilderten Probleme sind keine bloßen Probleme der Vergangenheit, die mit dem Ende der DDR aus der Welt geräumt wurden. Hier lässt sich an gegenwärtige politische Migrationsproblematiken anknüpfen und ein aktueller Bezug herstellen.

 

Bildergalerie

Sowohl zur Einstimmung auf den Film als auch in der Nachbereitung der Filmsichtung kann mit Standbildern gearbeitet werden. Vor dem Film bieten Standbilder die Möglichkeit, über den Inhalt und die Themen des Films zu spekulieren. Nach der Filmsichtung eröffnen die Standbilder die Möglichkeit der Rekonstruktion der im Film angesprochenen Themen und Hintergründe.

 

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