
Durchblick 10+ – Die Mauerbrockenbande – K.H. Lotz – BRD/DDR 1990 – 90 min.
19. Januar
Vor dem Thomas-Müntzer-Komitee vertritt Erich Honecker die Auffassung, dass die Mauer „in fünfzig oder auch in hundert Jahren noch bestehen" werde.
6. Februar
Beim Versuch, die Berliner Mauer von Ost nach West zu überwinden wird der 20-jährige Chris Gueffroy von DDR-Grenzsoldaten angeschossen und verblutet (letztes Maueropfer).
8. Februar
Die polnische Regierung nimmt mit dem offiziell noch verbotenen Gewerkschaftsbund Solidarnosc und Kirchenvertretern Gespräche «am runden Tisch» über die Zukunft des Landes auf. Solidarnosc-Chef Lech Walesa sieht gute Chancen auf Einigungen.
21. März
Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow unterzeichnet ein Dekret zur Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte um eine halbe Million Mann bis Ende 1990. Wenige Tage zuvor hatte bereits die CSSR einen Truppenabbau beschlossen. Polen hatte am 4. März mit der angekündigten Truppenreduzierung begonnen.
3. April
Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird ausgesetzt.
2. Mai
Die Volksrepublik Ungarn kündigt den Abbau des „Eisernen Vorhangs“, der Grenzsicherungsanlagen an der Grenze zu Österreich, an und beginnt mit den Arbeiten.
7. Mai
Bei Kommunalwahlen in der DDR kontrollieren Bürgerrechtler die Stimmauszählung und decken massive Wahlfälschungen auf (98,95 Prozent für die Einheitsliste). In Leipzig demonstrieren einen Tag später mehr als 1.000 Menschen gegen die Manipulation der Wahlergebnisse.
8. Mai
Erstmals wird zu einem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche ein Polizeikessel gebildet. Die Friedensgebete, fortan auch Montagsgebete genannt, hatten einen immer größeren Zulauf, unter anderen von Ausreisewilligen, verzeichnet. Am Rande der folgenden Friedensgebete gibt es zunehmend Polizeikontrollen, Übergriffe und Verhaftungen.
4. Juni
Die kommunistische Führung Chinas unterdrückt die Demonstrationen der Studenten für mehr Demokratie auf dem Platz des himmlischen Friedens (Tianan Men) in Peking blutig.
Gleichentags siegt bei den Parlamentswahlen in Polen die Bewegung Solidarnosc unter Lech Walesa.
12. Juni
KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow ist zu einem mehrtägigen Besuch in der Bundesrepublik. In einer gemeinsamen Erklärung versichern beide Staaten, zur Überwindung der Trennung Europas beizutragen.
27. Juni
Die Außenminister Ungarns und Österreichs, Gyula Horn und Alois Mock, zerschneiden den Stacheldraht medienwirksam an der gemeinsamen Grenze. Die Kontrollen jedoch bleiben. Ein verstärkter Urlauber- und Flüchtlingsstrom nach Ungarn beginnt.
5. August
Erstmals nimmt die DDR-Regierung im DDR-Fernsehen Stellung zur Flucht von DDR-Bürgern in die Botschaften der Bundesrepublik in Ost-Berlin, Prag, Warschau und Wien. Die Flüchtlinge werden davor gewarnt, ihre Ausreise auf diese Weise erzwingen zu wollen. Die Bundesrepublik wird am 7. August vom DDR-Außenministerium der Einmischung in „innere Angelegenheiten“ bezichtigt.
8. August
In Ost-Berlin muss die Ständige Vertretung der Bundesrepublik wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen werden.
19. August
„Paneuropäisches Picknick“ der Paneuropa-Union und des Ungarischen Demokratischen Forums bei St. Margarethen an der ungarisch-österreichischen Grenze. DDR-Bürger nutzen die Grenzöffnung, um sich in den Westen abzusetzen.
24. August
In Budapest erhalten 108 Bürger der DDR, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik aufhalten, durch die ungarische Regierung als einmalige humanitäre Aktion die Ausreiseerlaubnis in den Westen.
4. September
Im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche kommt es zur ersten Montags-Demonstration von DDR-Bürgerrechtlern in Leipzig. Rund 1.000 Menschen fordern Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit. Anschließend Gründung von Bürgerrechtsgruppen wie das „Neue Forum“.
11. September
Ungarn gestattet allen DDR-Fluchtwilligen ohne weitere Formalitäten und ohne Absprache mit Ost-Berlin den Grenzübertritt nach Österreich. Die offizielle Grenzöffnung hat die Flucht tausender DDR-Bürger zur Folge. Bis Ende September kommen über 25.000 Übersiedler auf diesem Weg in die Bundesrepublik.
30. September
Der westdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet in der völlig überfüllten Prager Botschaft den DDR-Flüchtlingen, dass ihnen die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland erlaubt wird. In den nächsten Tagen fahren mehrfach Züge mit insgesamt 17.000 Flüchtlingen von Prag über die DDR in die Bundesrepublik, da die Botschaft mehrmals neu“besetzt“ wird. Am 4. Oktober kommt es bei der Durchfahrt durch den Dresdner Hauptbahnhof zu Ausschreitungen, als tausende Dresdner versuchen, in die Züge zu gelangen.
2. Oktober
In Leipzig demonstrieren 20.000 Menschen für Reformen in der DDR. Die Sicherheitsorgane nehmen zahlreiche Demonstranten fest.
3. Oktober
Die DDR-Regierung setzt den visafreien Reiseverkehr in die Tschechoslowakei aus.
4. - 8. Oktober
In Dresden werden bei Auseinandersetzungen zwischen Ausreisewilligen, Demonstranten und Sicherheitskräften über 1.300 Personen festgenommen.
6. - 7. Oktober
40. Jahrestag der Gründung der DDR. Der sowjetische Parteichef Gorbatschow warnt die SED-Führung anlässlich des 40. Gründungstages sinngemäß: «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben». Neben den offiziellen Feiern mit Militärparaden und Aufmärschen brodelt es hinter der Fassade. Es kommt zu großen Demonstrationen für Reformen mit riesigem Polizeiaufgebot, Verhaftungen und massiver Gewalt.
9. Oktober
Über 70.000 Menschen ziehen in der bislang größten Montagsdemonstration durch die Leipziger Innenstadt und fordern eine demokratische Erneuerung des Landes. Erstmals greifen die Sicherheitskräfte nicht ein, wohl auch wegen der großen Zahl der Demonstranten kommt es nicht zur befürchteten blutigen Niederschlagung durch das Militär. Mit dem Ruf «Wir sind das Volk» leiten die Demonstranten endgültig das Ende der DDR ein. Am darauffolgenden Montag, dem 16. Oktober, sind es bereits 100.000 Teilnehmer. Am Samstag, dem 21. Oktober, finden zahlreiche Demonstrationen in der ganzen DDR statt.
18. Oktober
DDR-Parteichef Erich Honecker muss unter dem Druck der Auswanderungswelle und der Proteste alle Ämter „auf eigenen Wunsch“ niederlegen, Egon Krenz wird neuer Generalsekretär der SED. Krenz räumt ein, dass die SED in den letzten Monaten die reale Lage verkannt habe. Nun sei aber die "Wende eingeleitet".
23. Oktober
Aus der „Volksrepublik Ungarn“ wird die „Republik Ungarn“.
4. November
Im Rahmen einer „genehmigten“ Großveranstaltung demonstrieren auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz mehr als 500.000 Menschen für Demokratie in der DDR. Bei der größten Massendemonstration in der Geschichte der DDR werden Reformen, freie Wahlen und Meinungsfreiheit gefordert.
7. November
Die DDR-Regierung unter Willi Stoph tritt geschlossen zurück, tags darauf folgt der Rücktritt des SED-Politbüros.
9. November
Auf einer vom Fernsehen direkt übertragenen internationalen Pressekonferenz verkündet das Mitglied des SED-Politbüros Günter Schabowski beiläufig das sofortige Inkrafttreten neuer Reisebestimmungen für DDR-Bürger. Demnach soll die Ausreise in die Bundesrepublik und nach West-Berlin jederzeit gestattet sein. Visa sollen kurzfristig und ohne Voraussetzungen erteilt werden. Auf Nachfrage erklärt er zögernd, dies gelte offenbar ab sofort. Daraufhin drängen noch am selben Abend tausende Ost-Berliner nach West-Berlin. Kurz vor Mitternacht öffnen sich die ersten Schlagbäume an der Mauer. Viele Menschen sind völlig überrascht, als sich am 9. November die Grenzen öffnen und können es nicht glauben. „Wahnsinn“ ist das Wort der Stunde, denn niemand kann fassen, was da passiert. Die Mauer ist gefallen.
11. November
In der Bernauer Straße beginnt unter dem Jubel der Menschen der Abriss der Berliner Mauer.
13. November
Der Reformpolitiker Hans Modrow wird zum DDR-Regierungschef gewählt.
17. November
Der neue DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (SED) schlägt eine „Verantwortungsgemeinschaft beider deutscher Staaten durch eine Vertragsgemeinschaft“ vor.
27. November
Leipziger Montagsdemonstration mit 150.000 Teilnehmern, erste Sprechchöre „Deutschland einig Vaterland“.
28. November
Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) legt einen "Zehn-Punkte-Plan" zur Wiedererlangung der Deutschen Einheit vor.
4. Dezember
In Erfurt und einigen anderen Städten werden die ersten Stasi-Dienststellen von Bürgerrechtlern besetzt. Am 14. Dezember beginnen Haftentlassungen nach einem Amnestiebeschluss des Staatsrates. Ausgenommen sind Kapitalverbrechen und andere schwere Delikte.
21. Dezember
Der Schießbefehl an der DDR-Westgrenze wird offiziell aufgehoben.
22. Dezember
DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (SED-PDS) und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) eröffnen unter dem Jubel von rund 100.000 Menschen den Grenzübergang am Brandenburger Tor, das erstmals seit 1961 wieder durchschritten werden kann.
31. Dezember 1989
Ost- und West-Berliner feiern rund um das Brandenburger Tor den ersten gemeinsamen Jahreswechsel.
30. Januar
DDR-Ministerpräsident Hans Modrow auf Staatsbesuch in Moskau. Nach einem Gespräch mit Michail Gorbatschow spricht sich Modrow für die deutsche Einheit aus.
18. März
Erste freie Volkskammerwahlen. CDU wird stärkste Kraft.
5. Mai
Beginn der „Zwei-plus-Vier-Gespräche“ der Außenminister der vier Siegermächte und beider deutscher Staaten über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit in Bonn.
13. Juni
Die DDR-Grenztruppen beginnen mit dem Abriss der Berliner Mauer.
1. Juli
Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Damit wird die D-Mark zum alleinigen Zahlungsmittel in der DDR.
14. - 16. Juli
Besuch von Bundeskanzler Kohl in Moskau und im Kaukasus. Mit Gorbatschows Zustimmung zur NATO-Mitgliedschaft eines vereinten Deutschland fällt das letzte Hindernis auf dem Weg zur deutschen Einheit.
12. September
Die Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und der Bundesrepublik sowie der DDR-Ministerpräsident unterzeichnen in Moskau einen „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland", mit dem das vereinte Deutschland die volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten erhält („Zwei-plus-vier-Vertrag").
3. Oktober 1990, 0.00 Uhr
Die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen treten der Bundesrepublik Deutschland und dem Geltungsbereich des Grundgesetzes (Artikel 23 Grundgesetz) bei. Die DDR gibt es damit nicht mehr.
Quellen:
www.mdr.de/damals-in-der-ddr/chronik/1690828.html
www.reporter89.de/chronik/index.html
www.stiftung-aufarbeitung.de/20_Jahre/chronik.php