
Einführung und Themen des Films
„Misa Mi“ wirft, verpackt in eine leicht nachvollziehbare und spannende Geschichte, existenzielle Fragen auf. Nicht zuletzt wegen seiner starken und zur Identifikation einladenden Hauptfigur wird sich das junge Publikum gerne darauf einlassen. Misa berührt nicht nur durch ihren sehr nachvollziehbaren Kummer zu Beginn, sondern gewinnt Sympathien genau so durch ihre Charakterstärke und Mut, die sie nicht zuletzt unter Beweis stellt, wenn sie sich bedingungslos für die Wölfe einsetzt und viel riskiert, um die Welpen zu retten.
„Misa Mi“ war in Deutschland zuerst im Programm einiger renommierter Kinderfilmfestivals zu sehen, wie dem Hamburger Kinderfilmfestival, dem Internationalen Filmfestival „Schlingel“ oder dem Internationalen Kinderfilmfestival Lucas in Frankfurt, wo er den Hauptpreis „Lucas“ der paritätisch von Kindern und Erwachsenen besetzten Jury erhielt.
Der schwedische Kinderfilm verbindet zwei zentrale Handlungsstränge und damit Themen: Die Freundschaft zwischen Misa und der Wölfin und der Konflikt um die Wölfe mit den Rentierzüchtern stehen vordergründig im Zentrum der Handlung und bestimmen den spannenden letzten Teil des Films. Der eigentlich zentrale, emotionale, Konflikt der Hauptfigur Misa handelt von ihrem Umgang mit dem Tod der Mutter. Beide Konflikte bettet der Film in seiner erzählerischen und filmischen Ausgestaltung in einen übergeordneten Zusammenhang von der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Durch die Ansiedlung der Geschichte im Lebensumfeld der Sami eröffnet der Film zudem Einblicke in deren Lebensweise. Eine Vertreterin der Kultur der Sami, Gustavs Großmutter Akku, wird für Misa eine besondere Hilfe bei der Bewältigung ihrer existenziellen Erfahrung des Verlustes ihrer Mutter. Wie ihre eigene Großmutter, vertritt auch Akku eine Haltung, die den Tod als zum Leben gehörig und nicht als etwas Endgültiges begreift.
Die verschiedenen thematischen Aspekte sind eng miteinander verwoben und dabei so klar erzählt, dass auch ein kindliches Publikum keine Probleme haben wird, die verschiedenen Ebenen zu verstehen. Es ist zu vermuten, dass die Geschichte um die Wölfe unmittelbar nach dem Filmerleben die Kinder zunächst am meisten bewegen wird, da die in der Realität so unmögliche und fast mythische Beziehung zwischen dem Mädchen und dem Raubtier die Fantasie stimuliert und die Welpen unwiderstehlich sind. Aber den zentralen Aspekt des Umgangs mit dem Tod werden die Kinder ebenfalls sehr sensibel aufnehmen, da sich Kinder mit dem Thema Tod, auch wenn es häufig noch tabuisiert ist, im Laufe ihrer Entwicklung stark beschäftigen und sie zu einer Haltung dazu finden wollen.
Umgang mit dem Tod
Der Film eröffnet mit einer für die Hauptfigur Misa typischen Situation. Es ist Nacht. Die Kamera bahnt sich einen Weg über den Fußboden ihres Kinderzimmers, auf dem verstreut Zeitschriften, Spielkarten und dazwischen ein Buch liegen, in das Misa ein Foto und die Todesanzeige ihrer Mutter eingeklebt hat. Ein erster, beiläufiger Hinweis auf das zentrale Thema. Die Kamera landet auf Misa, die am Fenster sitzt und ein Spiel auf ihrem Handy spielt. Der Film arbeitet durchweg mit einer Voice Over, Misas Erzählerstimme, die uns als Zuschauer einen direkten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt gibt und in der ersten Szene eingeführt wird. Wir erfahren, dass Misa seit dem Tod ihrer Mutter nicht mehr schlafen kann. Ihre Schlaflosigkeit wird zum Sinnbild des Aufruhrs in ihrer Seele und so sehen wir sie auch immer wieder nachts, wenn sie allein und alles um sie herum still ist, über ihren Fragen grübeln. Irgendwann wird sie zumindest nicht mehr allein sein. Ihre Großmutter, die ein waches Gespür für die Nöte ihrer Enkelin hat, wird ihr einfach Gesellschaft leisten, mit ihr Karten spielen oder reden und so dem einsamen Grübeln ein Füreinander-Dasein entgegensetzen. In der letzten Nacht im Film befindet sich Misa schließlich an dem See, wo sie sich Antworten auf ihre Fragen erhofft. Dass sie diese gefunden hat, das zeigt das Schlussbild, wenn Misa in den Armen ihres Vaters schläft, also endlich zu einer inneren Ruhe gefunden hat.
Von den Erwachsenen hat Misa den Ausdruck gehört, „ihre Mutter sei auf die andere Seite gegangen“, aber niemand kann ihr sagen, was das eigentlich bedeutet. In ihren Gedanken ist sie mit der Frage beschäftigt, wo ihre Mutter jetzt ist, und tief in ihrem Inneren empfindet sie deren Tod als Verrat und fühlt sich von ihr im Stich gelassen. Misas Entwicklungsaufgabe ist klar: Sie muss zu einem Verhältnis zum Tod gelangen, um den Verlust ihrer Mutter bewältigen zu können. Die Exposition macht sehr deutlich, dass ihr das zuhause bei ihrem Vater nicht gelingen wird, auch wenn die beiden ein liebevolles Verhältnis haben. Misas Vater, berichtet uns die Tochter, hat während der Krankheit der Mutter jeden Tag geweint. Auch er hat um seine Frau getrauert, doch jetzt hat er sich neu verliebt und möchte nach vorne schauen. Dazu ist Misa emotional noch nicht in der Lage und deshalb ist es sehr nachvollziehbar, dass sie den gemeinsamen Urlaub mit der neuen Freundin nicht will und sich auch von ihrem Vater verraten fühlt. Der ist überrascht über Misas Entscheidung, zur Großmutter zu fahren, offenbar ist das Verhältnis nicht das engste, aber Misas instinktiv getroffene Wahl ergibt viel Sinn, mag sie doch unbewusst spüren, dass sie bei der Mutter ihrer Mutter der Verstorbenen in ihren Gedanken viel näher sein kann.
Der Film legt durch seine Bildsprache und die Wahl der Handlungsorte aber noch einen weiteren Grund nahe, warum Misa mit ihren Fragen bei der Großmutter besser aufgehoben ist. Die einzige gemeinsame Expositionsszene von Vater und Tochter spielt in einer Bowlingbahn, ein geschlossener Raum, von buntem Kunstlicht erleuchtet und lauter Musik erfüllt, sicher kein Ort für die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des Lebens. Nachdem Misa hier ihre unumstößliche Entscheidung verkündet hat, folgt ein harter Schnitt auf stark kontrastierende Bilder: zuerst ein Wolfsgesicht als Ankündigung auf den Handlungsstrang um die Wölfe, dann Naturaufnahmen Nordschwedens, wohin Misas Reise führen wird und wo sie Antworten auf ihre Fragen finden wird. Auf diese Weise verknüpft der Film bereits in der Exposition die zentralen Themen des Umgangs mit dem Tod und der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
Vor allem drei Erzählmomente helfen Misa zunächst bei der Verarbeitung des Tods: der Umgang ihrer Großmutter mit ihr und deren Haltung zum Tod, ihre Begegnung mit Gustavs Großmutter, der Sami Akku, sowie ihr Erlebnis mit den Wölfen.
Akku ist dargestellt als eine Frau, die verwurzelt ist in die alten samischen Traditionen und deren Weisheit sich aus dem Jahrtausende alten überlieferten Wissen ihres Volkes speist (s. auch Hintergrundinformationen „Sami“). Sie kleidet sich traditionell, spricht Samisch – heutzutage durchaus keine Selbstverständlichkeit mehr – und versteht sich auf althergebrachte natürliche Heilmethoden. Als sie Gustav beruhigt, der fürchtet, sein Rentier sei vom Wolf gerissen worden, benutzt sie die Worte, die Misa so beschäftigen und sagt: Es sei nicht auf die andere Seite gegangen. Von Gustav erfährt Misa mehr. Die Alten würden glauben, dass die Toten weiterleben, und Akku behaupte, sie könne sie in dem See am Fuße des höchsten Berges der Gegend sogar sehen. Zuerst weist Misa diese Vorstellungen brüsk von sich. Ihre Erfahrung ist eine andere, ihre Mutter ist einfach weg. Ihre Frage an Gustav wenig später, ob er schon einmal an dem See war, offenbart jedoch, dass sie sich weiter damit beschäftigt. Misas eigene Großmutter erzählt ihr etwas Ähnliches. Sie behauptet nicht, dass sie die Toten sehe könne, aber sie sagt, dass sie in dem alten Haus, in dem sie viele Sommer mit ihnen verbracht habe, die Nähe ihres verstorbenen Mannes und ihrer Tochter, Misas Mutter, spüre. Auch für ihre Großmutter ist mit dem Tod also nicht alles vorbei, sondern die Toten leben weiter, zumindest in der eigenen Erinnerung und Wahrnehmung.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass Misas Ratgeber in diesen Fragen Frauen der Großelterngeneration sind. Sie haben sich im Verlauf ihres langen Lebens zwangsläufig mit dem Tod auseinandersetzen müssen und stehen ihm in ihrem eigenen Lebenszyklus nah. Misas Vater – als Vertreter der Elterngeneration – will sich dagegen wieder ganz dem Leben zuwenden und eine neue Familie gründen.
Das Schicksal der ihrer Mutter beraubten Wölfe empfindet Misa als Parallele zu ihrem eigenen und übernimmt auch deshalb die Verantwortung für sie. Zugleich verhilft der Tod der Wölfin Misa zu einer wichtigen Erkenntnis: Genau so wenig, wie die Wölfin ihre Jungen freiwillig zurückließ, hat ihre Mutter sie aus freien Stücken verlassen. Misa kann die Wut auf ihre Mutter überwinden und damit einen wichtigen Schritt der Verarbeitung tun. Jetzt kann sie sich auf den Weg zum See machen. Primär ist es ihr Ziel, die Wolfsjungen zu retten, die nach dem Verlust der Mutter nicht mehr essen. Misa erhofft sich dort Hilfe, vielleicht taucht die Wölfin wirklich auf? Und insgeheim – selbst wenn es nie ausgesprochen wird – trägt Misa die Hoffnung in sich, vielleicht ihre Mutter noch einmal zu sehen.
Die Szene am See ist die Klimax des Films; der Konflikt um die Wölfe wird zu einem Ende gebracht, indem eine Lösung für die Welpen gefunden wird, und Misa findet zu einer inneren Ruhe, indem sie den Tod ihrer Mutter akzeptieren kann. Die filmische Gestaltung dieser Szene verknüpft wiederum diese beiden Lösungen mit der umfassenden Sicht vom Menschen als Bestandteil der Natur, die der Film vor allem durch seine Bildsprache aufgebaut hat. Ein auffälliges Element von „Misa Mi“ sind die beeindruckenden Naturaufnahmen, die als Zwischenbilder immer wieder auftauchen und die Geschichte mit strukturieren. Sie transportieren eine Haltung vom Menschen als eingebettet in einen großen Zusammenhang und Kreislauf der Natur. In dieser unfassbaren Weite zwischen Himmel und Erde ist mehr möglich, als eine rein rationale Weltsicht erklären könnte. Das betrifft auch die Frage nach dem Werden und Vergehen und damit dem Jenseits. Davon erzählen die einmontierten Bilder des Sees, immer wenn von ihm die Rede ist. Der Wind, eine Naturgewalt, bringt seine Oberfläche in Bewegung und man hört eine Frauenstimme raunen: „Misa Mi, ich hab’ dich lieb, Misa Mi.“ Offen lässt der Film, wie man sich diese spirituelle Dimension vorzustellen hat: Vielleicht leben die Toten in einer Parallelwelt weiter, wie die Sami glauben, vielleicht leben sie einfach in unserer Erinnerung fort, wie Misas Großmutter es empfindet. Entscheidend ist der eigene Glaube. Er hat die Macht, unsere Sichtweise auf die Welt zu verändern.
Diese Offenheit ist einerseits eine große Stärke des Films, andererseits bringt sie auf der Ebene der Handlungslogik ein Problem mit sich: Wenn die Wölfin nicht physisch zurückkehren kann, wie können dann die Welpen überleben? Der Film behilft sich, indem am Ende der Wolfsvater eingeführt wird, der sich um die Jungen kümmern wird. Dieses Motiv verbindet sich schön mit der Versöhnung Misas mit ihrem Vater am Ende, trotzdem wirkt es ein wenig wie eine Deus-ex-Machina-Lösung, da der Wolfsvater zuvor keine Rolle gespielt hat. Misa sieht, als sie endlich nach erfolgreich überstandener Verfolgungsjagd am Fuße des höchsten Berges angekommen ist, zuerst nur einen ganz normalen See. Niemand ist da, niemand erscheint ihr. Misa will alle Hoffnung aufgeben. Da taucht, wie aus dem Nichts, Akku auf. Ihr Dialog in dieser Szene transportiert eine der Schlüsselbotschaften des Films: „Alles ist möglich, man muss nur daran glauben. Es ist wie mit dem Wind. Man sieht ihn nicht und trotzdem hat er Kraft.“ Misa ist aber mit ganz Sichtbarem beschäftigt. Was ist mit den Wolfsjungen? Sie werden sterben! Akku antwortet, dass sie zu ihrem Vater müssen. In diesem Moment kommt ein Wind auf – die unsichtbaren Kräfte der Natur regen sich – und bringt die Oberfläche des Sees in Bewegung, ein Bild, das wir als Zuschauer bereits kennen. Misa blickt sich erstaunt und bewegt um. Die Frauenstimme ist jetzt nicht zu hören, stattdessen wird das Bild immer heller, wir sehen für einige Sekunden eine Weißblende, dann steht auf einmal der Wolfsvater da und nimmt seine Jungen in Empfang, die damit gerettet sind.
Was genau Misa in diesem Moment sieht oder erlebt, erfahren wir nicht. Die Weißblende belässt den Raum für eigene Assoziationen. Aber Misa kann jetzt den Tod ihrer Mutter wie auch der Wölfin annehmen und hat für sich zu einer Vorstellung vom Tod, von der anderen Seite, gefunden. Dadurch ist sie auch in der Lage, sich mit ihrem Vater zu versöhnen. Das Schlussbild zeigt sie – endlich zur Ruhe gekommen und schlafend – in seinen Armen.
Der Umgang mit den Wölfen
„Misa Mi“ stellt auch an dem Konflikt um die Wölfe die Frage nach der Beziehung und dem Umgang des Menschen mit der Natur, gibt auf das praktische Problem, wie Hirten bzw. Züchter und Raubtiere sich den gleichen Lebensraum bestmöglich teilen sollten, aber keine konkreten, in direkte Handlungsanteilungen für die Realität übertragbaren Antworten. Misas Freundschaft mit dem Wolf gehört ganz klar in den Bereich der Fiktion und hat eine fast mystische Dimension, ebenso wie die Lösung des Konfliktes, wenn die Welpen Schutz bei ihrem plötzlich auftauchenden Wolfsvater finden. Über die verschiedenen Haltungen der Figuren zu dem Konflikt trägt der Film dessen Komplexität jedoch in gewissem Maße Rechnung. Es ist einerseits verständlich, dass die Rentierzüchter den Wolf als Bedrohung für ihre Tiere betrachten, die ihre Existenzgrundlage bilden. Ihre Strategie, den Wolf einfach zu erschießen, ist andererseits zu verurteilen. Misas Großmutter ist sich dieser Ambivalenz sehr bewusst. Sie weiß zudem, dass die Jagd auf Wölfe gesetzlich verboten ist, denn wie in den meisten europäischen Ländern hat auch in Schweden der Mensch die Wölfe fast ausgerottet, so dass sie mittlerweile unter Naturschutz stehen. Trotzdem besitzt sie ein Gewehr. Wölfe sind Raubtiere und könnten in seltenen Ausnahmefällen – wenn sie verletzt sind oder ihre Jungen beschützen – auch für den Menschen gefährlich werden. Misas Großmutter versucht auf die Rentierzüchter einzuwirken, damit sie die Wilderer stoppen, aber ohne Erfolg. Misa steht von Anfang an ganz auf der Seite der Wölfe, die ja nicht böswillig handeln, sondern einfach ihrer Natur folgen. Die Geschichte sucht nicht nach weiteren Argumenten oder Strategien, wie man sie in der öffentlichen Diskussion des Problems in Deutschland oder auch anderen europäischen Ländern findet. Da geht es etwa um Maßnahmen wie speziellen Zäunen oder entsprechend abgerichteten Hunden zum Schutz von Herden oder um den Beitrag des Wolfs zum natürlichen Gleichgewicht seines Lebensraums, wenn er vor allem kranke und alte Tiere reißt. Aber der Film spricht sich ganz klar für den Schutz und respektvollen Umgang mit der Natur aus. Einen entsprechenden Entwicklungsprozess vollziehen die beiden Sami-Jungen Gustav und Nijla. Gustav entdeckt, nachdem die Wölfin erschossen wurde, den Bau mit den Welpen und möchte seinen Vater informieren. Darüber geraten er und Misa in Streit. Gustav hat Recht, wenn er sagt, dass die Wölfe zu einem Problem für die Rentierhirten werden, wenn sie herangewachsen sind. Trotzdem findet er es wenig später nicht in Ordnung, als die Wilderer auch auf die Welpen angesetzt werden, und entscheidet sich, Misa bei ihrer Rettung zu helfen. Nijla hat sich sogar den Wilderern bei der Jagd auf die Welpen angeschlossen. Als er jedoch miterlebt, wie einer von ihnen aus reiner Lust am Töten einen Vogel sinnlos abschießt und seine Leiche achtlos wegwirft, distanziert er sich von ihnen und verrät Misa nicht an sie, als er sie in einer Felshöhle entdeckt.
Es mag eine Überinterpretation sein, aber man könnte diese beiden Entwicklungsprozesse so lesen, dass die junge Generation der Sami durch dieses Erlebnis zu einem respektvolleren Umgang mit der Wildnis zurückgefunden hat. Traditionell gelten die Sami als Volk, das im Einklang mit der Natur sein Überleben zu sichern suchte. Jahrhunderte der Kolonisation und Unterdrückung haben viel von der Sami-Kultur ausgelöscht und nur die Rentier-Samen konnten Teile der traditionellen Lebensweise bewahren. Dabei zeigt der Film aber auch, wie technische Entwicklungen aufgegriffen werden und zu Veränderungen führen, wenn die Herden heute etwa mit Motorrädern und Hubschraubern zusammengetrieben werden. Technische Hilfsmittel erleichtern sicherlich die Arbeit, erhöhen aber auch Kosten und damit den Druck auf Produktivität und Rentabilität. Manche Rentierzüchter sprechen sich auch gegen die Stressbelastung der Tiere durch den Krach der Motoren aus und bevorzugen traditionelle Mittel wie Pferde für das Zusammentreiben. Es gibt eben auch innerhalb der Rentier-Sami vielfältige Stimmen. Der Film eröffnet einen kleinen Einblick in diese Kultur und macht neugierig, mehr über die Lebensweise eines der wenigen indigenen Völker zu erfahren, die in Europa überlebt haben.