Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 14+ – One Way Ticket to Mombasa – Hannu Tuomainen – FIN 2002

Pete, Jusa und Kata – Beziehungen zwischen Krankheit, Ängsten und Sehnsüchten

Die Jugendlichen unternehmen gemeinsam eine Reise, die alle drei verändern wird. Es ist eine Reise, auf der Pete und Jusa lernen, dass die Krankheit nun Teil ihres Lebens ist. Kata hilft ihnen dabei, obwohl sie sich eigentlich zurückziehen wollte, um über ihre Zukunft nachzudenken. Alle drei verbindet die Sehnsucht nach Liebe, Freundschaft und danach, ihre Träume zu verwirklichen. Sie sind in dieser ganz speziellen einzigartigen Lebenssituation zwischen Jugend und Erwachsenenleben, in der es so wichtig ist, herauszufinden, was Sehnsucht bedeuten kann.

Pete

Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!

Pete ist die tragende Figur in der Dreierkonstellation. Anhand seines Charakters empfindet der Zuschauer den Hauptkonflikt der Geschichte nach, den Einbruch einer tödlichen Krankheit in die Normalität. Pete ist auch derjenige, der die Handlung immer wieder voranbringt und die Figuren miteinander verbindet. Zu Beginn des Films befindet er sich an einer Wende. Zum ersten Mal kann und muss er selbst entscheiden, wie sein Leben weiter gehen soll. Bald hat er den Schulabschluss in der Tasche. Sein Traum ist es, Musiker zu werden und auf der Bühne zu stehen. Bisher lebte er in einem behüteten Umfeld. Er hat verständnisvolle Eltern. Sein Vater war selbst einmal Musiker, rät ihm aber, zuerst eine sichere Basis für sein Leben zu schaffen. In der Schule leitet er als Musiklehrer die Band „Cover Boys“, in der sein Sohn erste Erfolge feiert. Dann kommt der Zusammenbruch für Pete, plötzlich, mitten auf dem Schulkonzert, und gerade, als er Kata kennen gelernt und er ein Angebot für eine Tournee bekommen hat.

Pete verkörpert von den drei Figuren auch die größten Gegensätze. Er ist der sympathische „Junge von nebenan“ und spielt melodischen Rock bei den „Cover-Boys“. Gleichzeitig ist er fasziniert von der Metal-Musik der Gruppe „No Future“ und ihrer Botschaft, die sich mit den Abgründen des Lebens auseinandersetzt. Doch als Pete dem Schock der tödlichen Diagnose ausgesetzt ist und sich isoliert im Krankenhaus wieder findet, ist es gerade diese Musik, die ihm einen Weg zurück ins Leben weist, zu einem Bereich des Lebens, den er bisher nicht kennen gelernt hat. Diese Erfahrung hat zu tun mit Einsamkeit, Schmerz, Verzweiflung und zuletzt mit dem Tod.

Von Jusa und Kata lernt er, was Freundschaft und Liebe bedeuten können. Zuerst steht er zwischen den beiden. Einerseits möchte er Jusa nicht allein lassen. Er verzichtet sogar auf seinen Traum, auf der Bühne zu stehen, um ihm nach einer Schlägerei zu helfen. Er riskiert den Einbruch in einer Tierarztpraxis, um die Schmerzen für Jusa zu lindern. Letztlich traut er sich aber nicht, dem Freund zu sagen, dass der Flug nach „Mombasa“ nur ein Traum für ihn bleiben wird. Doch er behält seinen Freund auch noch nach dessen Tod in Erinnerung und singt für ihn das Lied „Mombasa“ auf seinem ersten „richtigen“ Konzert. Andererseits möchte er mit Kata zusammen sein und sie näher kennen lernen. Doch auch ihr gegenüber bleibt er defensiv, als es schwierig wird. Er wünscht sich, mit ihr zu schlafen, doch traut sich nicht, ihr von seiner Krankheit zu erzählen. Als er dann selbst eifersüchtig wird, und dieses Gefühl überwindet, ist der Konflikt gelöst.

Jusa

Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!

Jusa ist der extrovertiertere von beiden jungen Männern. Auf den ersten Blick kann er wesentlich offensiver mit der Krankheit umgehen. Im Krankenhaus spielt er den Unverwundbaren. Er täuscht Pete bei der Aufnahme und mimt den Arzt. An seinem Geburtstag besorgt er sich Schnaps und übernimmt die Initiative beim Ausbruch. Sein Verhalten mutet oft rücksichtslos an, zuweilen auch aggressiv, gegenüber sich selbst und seiner Umwelt. Es kümmert ihn nicht, dass die Krankenschwester am Boden liegt. Oft ist er in eine Schlägerei verwickelt, am Strand oder beim Bandauftritt. Die Streitereien mit Pete hat er oft provoziert.

Sein Traum „Mombasa“, an dem er bis zuletzt festhält, verkörpert für ihn alles, warum es sich lohnt, weiter zu leben. Im Film realisiert sich „Mombasa“ fast wie eine kitschige Fernsehwerbung: Sonne, Meer und nackte Frauen. Am meisten wünscht sich Jusa, endlich mit einem Mädchen schlafen zu können. „Mombasa“ wird für ihn immer mehr zur Gegenwelt zu seiner für ihn immer bedrohlicher werdenden Situation. Er gibt es auf, gegen die Krankheit anzukämpfen, er ignoriert sie einfach.

Wie viel Sensibilität Jusa besitzt, und wie groß sein Bedürfnis nach Liebe ist, zeigt er in seiner Freundschaft zu Pete. Die beiden sind mehr als Leidensgenossen. Sie halten nicht nur zusammen, weil die Krankheit sie verbindet, sondern auch weil sie beide auf der Suche nach ihren Träumen sind. Wie zwei „Outlaws“ machen sie sich auf die Reise. Jusa ist der aktivere Part. Ihm kommt der Einfall zur Straßenmusik und dank seiner Performance haben sie auch Erfolg. Pete ist für ihn ein „Blutsbruder“. Den Beweis dafür fordert er immer wieder ein. Auf Kata ist er eifersüchtig. Doch im Grunde weiß er, dass nicht nur wegen Kata für Pete die Reise nach Mombasa nicht in Frage kommt. Er spürt, dass der Freund, im Gegensatz zu ihm, noch eine reale Chance auf Lebensträume hat. Als ihm das bewusst wird, zerreisst er das „One Way Ticket to Mombasa“.

Kata

Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!

„Hat man dich jemals schon als Objekt behandelt?“ schreit Kata ihren Exfreund an. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, nach ihren Wünschen als Frau und ihren Lebensvorstellungen. Deswegen zieht sie sich zu ihrem Onkel nach Lappland zurück. Pete, der ihr zufällig beim Streit mit ihrem Freund zu Hilfe kommt, gefällt ihr. Sie weiß auch, wie sie ihm das zeigen kann, ohne zu dick aufzutragen.

Kata redet wenig. Doch sie weiß von den dreien immer als erste, fast intuitiv, was zu tun ist. In der ersten Nacht mit Pete gibt sie ihm zu verstehen, dass sie es mit ihm langsam angehen möchte: „Wir haben noch alle Zeit der Welt“. Als sie dann zufällig das Gespräch der Jungen mithört, ist sie schockiert. Doch sie macht den Jungs keine Vorwürfe. Sie leiht sich das Auto ihres Onkels und bleibt bei ihnen. Gleichzeitig macht sie den beiden klar, dass sie nicht nach Mombasa mitfliegen möchte. Sie wehrt sich auch gegen das pubertäre Geplänkel, das sie verletzt. Dafür gelingt es ihr, dass alle drei letztlich doch in „Mombasa“ ankommen.

 

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument