
Durchblick 14+ – One Way Ticket to Mombasa – Hannu Tuomainen – FIN 2002
Petes Traum ist es, als Heavy Metal Musiker Karriere zu machen. Das Angebot der Band „No Future“ steht am Anfang des Films, doch erst am Ende wird sich der Traum für ihn erfüllen. In der Zwischenzeit begleitet die Musik die Hauptdarsteller Pete, Jusa und Kata auf ihrer Reise durch das Land und zu sich selbst. Jusa wird am Ende der Reise sterben – doch nicht zuletzt dank der Musik ist die Botschaft des Filmes klar: sein Tod bedeutet nicht das Ende. Die Freundschaft zu Jusa und die Erfahrung seines Todes bringen die beiden wieder in die Normalität zurück. Es bleibt das Versprechen, dass die Träume der Jugendlichen, die an der Schwelle des Erwachsenenlebens stehen, Wirklichkeit werden.
Der Film setzt nicht nur auf „Metal“, auch Rock- und melodische Folksongs bringen den Charakter des Landes und die Mentalität seiner Bewohner nahe. So ist der Song „Mombasa“ zugleich auch das inhaltliche Leitmotiv der Suche der Protagonisten nach ihrer Rolle im Leben. Das Lied wird zum Symbol und appelliert an die Kraft der Sehnsucht und der Phantasie, die sich aus der Vorstellung von einem paradiesischen Ort nährt.
In Finnland ist Musik populär, die Finnen gelten seit Jahrhunderten als ein musikalisches Volk, deren Werke in Europa nicht erst durch die internationalen Chart-Erfolge der Gruppen „Leningrad Cowboys“, „Rasmus“ oder „Nightwitch“ zu großer Anerkennung kamen. In der Klassik gelangten die Kompositionen von Jean Sibelius, Aulis Sallinen und Joonas Kokkonen zu Weltruhm. Sibelius’ musikalische Qualität schöpfte aus der finnischen Kultur. Er verarbeitete Themen aus der finnischen Sagenwelt und Mythologie. In seinen Motiven distanzierte er sich bewusst von der christlich-europäischen Tradition und setzte sich mit den Naturelementen Wind, Wasser und Feuer auseinander. Kaija Saariaho (geb. 1952) gilt als jüngstes Kompositionstalent, das internationale Aufmerksamkeit mit ihrer Oper „Adriana Mater“ (2006) errungen hat. Für die musikalische Kreativität zeugen Bands wie „Apocalyptic“ mit ihren gelungenen Versuchen zu „Klassik meets Heavy Metal“ oder „Lordi“, die mit dem Song „Hard Rock Hallelujah“ im Jahr 2005 den Eurovision Song Contest als erste finnische Band gewann. Die kleinste Bigband der Welt, die „Don Johnson Big-Band“, die aus nur vier Musikern besteht, kommt ebenfalls aus Finnland. Ihre Musik steht für einen Hip-Hop, der Blues- und House-Elemente integriert.
Quelle: Andreas Wendt: Finnland, ein Land der Musik,
in: http://moderne-weltmusik.suite101.de/... (vorgef. 20.1.2009)
Der folgende Artikel gibt einen Einblick in die Popularität der „Metal“ Musik:
Finnische HEAVY-METAL-Messen. Hardrock Hallelujah live in der Kirche
von Terhi Kinnunen, AFP
Anderswo ist Metal-Musik eher was für Finsterlinge, in Finnland längst Mainstream. Seit die klingonischen Schockrocker Lordi Europa eroberten, lassen es sogar finnische Kirchen lautstark krachen - Jugendliche kommen gleich klassenweise und finden's gut.
Mäntsälä – Pastor Haka Kekäläinen strahlt. Es ist ein Morgen mitten in der Woche, und seine Kirche ist bis in die letzte Bank gefüllt - und zwar mit lauter jungen Leuten, die sonst nur selten den Weg in einen Gottesdienst finden. Andächtige Stille klingt allerdings anders: Im kleinen Städtchen Mäntsälä rund 60 Kilometer nördlich von Helsinki ist an diesem Tag „Heavy-Metal-Messe".
Vor dem Altar lässt jetzt eine Band die Haare fliegen, Gitarren jaulen, Mikrofone quietschen. Auf den Kirchenbänken grölen die Schüler die Refrains mit – nach jedem Song Klatschen, Johlen, Pfeifen. „Das ist doch schön, dass es hier mal etwas andere Gottesdienste gibt als sonst so", sagt Teea Pallaskari, 15. Sie ist gleich mit der gesamten Schulklasse gekommen. „War echt super", sagt Akseli Inkinen, 17, ein Oberschüler mit ziemlich wildem Haar und sehr großen Kopfhörern. Heavy Metal in der Kirche – das kann es eigentlich nur in Finnland geben. Nirgendwo sonst ist die harte Musik mit ihren extremen Tonexperimenten derart gesellschaftsfähig wie in dem Land im äußersten Norden Europas. In Helsinki gibt es jede Menge Clubs und Bühnen, die auf Heavy Metal spezialisiert sind. Auch Karaoke-Bars halten für Fans das passende Repertoire bereit, und im Sommer pilgern die Anhänger überall zu Dutzenden von Heavy-Metal-Festivals.
„Heavy Metal passt zu den Finnen"; „Wenn man in Finnland das Radio anmacht, dann hört man Heavy Metal", sagt der Musiker Kimmo Kuusniemi, der die Musikrichtung schon Ende der siebziger Jahre im Land der tausend Seen populär machte. Damals habe Metal noch als „Teufelsmusik" gegolten. Doch inzwischen sei sie „echter Mainstream, die Menschen finden das gut hier". Vor zwei Jahren gewann Finnland sogar erstmals den Eurovision Song Contest - natürlich mit einer Heavy-Metal-Band: In Zombie- und Monsterkostümen, die an Klingonen erinnerten, ließ die Gruppe Lordi es mit ihrem Titel „Hard Rock Hallelujah" krachen. Es wurde ein Sensationserfolg. Manche glauben, die Begeisterung der Finnen für die dissonante Metal-Musik sei in ihrem Wesen begründet. „Finnen sind ja als zurückhaltend, ernst und sehr ehrlich bekannt", sagt Mikko Saari. „Irgendwie passt Heavy Metal als Musik dazu. Sie ist ehrlich, geradeheraus und ziemlich düster." Saari gehört zu den Mitbegründern der „Heavy-Metal-Messen", auf Finnisch: „Metallimessu". 2006 lief die erste auf einem Festival in Helsinki. Inzwischen tourt ein Metal-Messen-Bus durchs Land, damit überall die Fans im dünn besiedelten Finnland auf ihre Kosten kommen. Das ganze sei kein Plan der Kirche gewesen, erklärt Saari. Vielmehr wurden die Messen von fünf Metal-Fans initiiert, von denen drei bei der Kirche arbeiteten. Bei aller Liebe zum musikalischen Extrem rufen die Konzerte in der Kirche aber sogar in Finnland Kritiker auf den Plan: Manche Gläubige finden, dass laute Rockmusik im Gotteshaus nichts zu suchen habe. Und einige weniger gläubige Heavy-Metal-Fans argwöhnen, die Kirche nutze ihre Leib- und Magenmusik nur aus, um junge Leute in den Gottesdienst zu locken. Auch Metal-Star Kuusniemi, 50, sagt, er habe das Projekt am Anfang eher mit Skepsis betrachtet. „Für mich kam die Idee einer Metal-Messe etwas überraschend", sagt er. „Heavy Metal und die Kirche, das passte für mich nicht unter einen Hut." Inzwischen findet er das in Ordnung, schließlich seien die Veranstalter echte Metal-Fans.
Quelle: AFP