Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 14+ – One Way Ticket to Mombasa – Hannu Tuomainen – FIN 2002

Diagnose Krebs bei Kindern und Jugendlichen

 

Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!

Bei Pete geschieht der Einbruch der Krankheit wie ein Unglück aus heiterem Himmel: er verliert bei seinem Konzert das Bewusstsein und wacht im Krankenhaus wieder auf. Nach der Untersuchung wird ein Tumor festgestellt, der operativ entfernt wird und die Diagnose Krebs bestätigt: Pete hatte einen bösartigen Tumor.

Doch was bedeutet Krebs und was versteht man unter der Diagnose „bösartiger Tumor"?

Krebs ist die allgemeine Bezeichnung für alle bösartigen Erkrankungen, die durch eine unkontrollierte Vermehrung von veränderten Zellen gekennzeichnet sind. Diese Zellen nennt man auch Geschwulst oder Tumor. Sie sind deswegen gefährlich, da sie das umliegende Gewebe zerstören und Tochtergeschwülste ausbilden. Diese Tochtergeschwülste nennt man Metastasen. In den meisten Fällen stammt der Krebs von einer einzigen entarteten Zelle mit bösartigen Eigenschaften ab. Die Ursachen der Krebserkrankung sind vielfältig und noch nicht vollkommen geklärt. Häufig begünstigen jedoch eine erbliche Disposition sowie Ernährungs- und Umweltfaktoren die Entstehung von Krebs.

Ein bösartiger (maligner) Tumor setzt sich aus vielen veränderten Zellen zusammen, von denen sich die meisten unkontrolliert teilen. Krebstumoren brechen in benachbartes Gewebe ein und infiltrieren andere Körperregionen, in dem sie sich über den Blutkreislauf oder das lymphatische System ausbreiten. Krebszellen haben verschiedene Formen und Größen und weichen meist stark von den Zellen ab, aus denen sie sich entwickelt haben. Diagnosen basieren häufig auf dem Nachweis der charakteristischen ungleichmäßigen Krebszellen.

Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen

Besonders häufig treten bei Kindern Leukämien, Gehirn- und Rückenmarktumoren auf. Die Ursachen sind relativ unbekannt. Das Neuroblastom, das vorwiegend im Gewebe der Nebenniere und des Nervensystems vorkommt, tritt häufig bei Kleinkindern auf. Andere Krebserkrankungen wie der Knochenkrebs, treten häufiger bei älteren Kindern auf. Es gibt seltene vererbte Gendefekte sowie vererbte und angeborene Mutationen, die mit einem erhöhten Risiko einhergehen, bereits im frühen Kindesalter an einem Tumor bzw. an Krebs zu erkranken (vererbbare Krebssyndrome). In manchen Fällen werden Krebserkrankungen durch ein oder mehrere veränderte Gene verursacht, wie bei der Mehrzahl der bösartigen Netzhaut- und bestimmten Nierentumoren. Kinder mit bestimmten genetischen Erkrankungen, wie etwa Kinder mit Down-Syndrom, haben ein 10 bis 20mal höheres Risiko an Leukämie zu erkranken.

Aber der Krebs selbst ist keine Erbkrankheit. Äußere Einflüsse wie UV oder Röntgenstrahlen, bestimmte chemische Substanzen, Gifte oder Infektionen können die spontane Entstehung von Mutationen begünstigen. Sie spielen allerdings für die Krebsentstehung bei Kindern und Jugendlichen eine untergeordnete, möglicherweise jedoch in der Schwangerschaft eine maßgeblichere Rolle.

Allgemein muss zwischen Krebs bei Kindern und Krebs bei Erwachsenen unterschieden werden.  Im Kindes- und Jugendalter kommt Krebs sehr selten vor. Von etwa 1.000.000 Neugeborenen erkranken etwa 1.500 später an Krebs. Die Heilungschancen bei Kindern sind sehr hoch, denn inzwischen können 75% aller Kinder-Patienten mit bösartigen Tumoren oder Leukämien geheilt werden. Die Krebsarten, an denen Kinder und Jugendliche vor allem leiden sind mit 33,2 % verschiedene Formen der Leukämie. Zu weiteren häufigen Diagnosegruppen zählen Hirntumoren (21,1 %) und Lymphome (12,4 %).

In den ersten fünf Lebensjahren ist das Risiko, an Krebs zu erkranken etwa doppelt so groß wie im späteren Kindesalter. Dies weist unter anderem darauf hin, dass ein großer Teil von Tumoren im Kindesalter vorgeburtlich angelegt wird. Diese Tumoren bezeichnet man als embryonale Tumoren (zum Beispiel Neuroblastom, Nephroblastom, Medulloblastom, Retinoblastom, Rhabdomyosarkom, Keimzelltumoren, Hepatoblastom). Bei Jugendlichen treten dagegen eher Knochentumoren und Hodgkin-Lymphome auf.

Lymphdrüsenkrebs

Bei Pete wird Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Diese Krebsart kommt häufiger bei Männern als bei Frauen vor. Die Diagnose meint verschiedene Krebsformen, die im lymphatischen System entstehen. Man bezeichnet sie auch als Lymphome. Darunter versteht man eine Gruppe von Krankheiten, bei denen Immunzellen entarten und sich in einem Lymphknoten unkontrolliert vermehren. Anfangs kann nur ein Knoten betroffen sein, aber das Lymphom kann sich auf andere Knoten und Gewebearten, wie das Knochenmark ausbreiten.

Um Lymphome zu erkennen sollte man auf folgende Symptome achten: eine oder mehrere anhaltende, meist schmerzlose Schwellungen durch Lymphknoten am Hals, in den Achseln oder im Lendenbereich; Fieber und nächtliches Schwitzen; Gewichtsverlust; Leibschwellung, Unwohlsein aufgrund vergrößerter Lymphknoten oder einer vergrößerter Milz; manchmal auch Anämie (Müdigkeit, Blässe, Atemnot).

Bei Pete konnte die Krankheit vorübergehend gestoppt und geheilt werden, obwohl er die Therapie unterbrochen hatte. Die weitere Behandlung, die durch Strahlen- und/oder Chemotherapie erfolgt, war nicht mehr im Film zu sehen. Wenn nach der Therapie die Lymphome nicht mehr nachweisbar sind, spricht man noch nicht von einer Heilung, sondern von einer Remission. Diese Remission hält fünf Jahre an. Werden keine weiteren Lymphome festgestellt, ist man geheilt.

Psychosoziale Probleme der Erkrankten

Pete und Jusa fühlen sich im Krankenhaus nicht richtig ernst genommen. Niemand geht so recht auf ihre Ängste ein. Sie erfahren die Ängste ihrer Familie, die klinisch-medizinische Beachtung der Ärzte oder die rigide Aufsicht der Krankenschwester. Deshalb brechen sie aus.

Zum Vergrößern bitte anklicken!Zum Vergrößern bitte anklicken!

Schwierig ist für die Familie und das soziale Umfeld, auf die Reaktionen der an Krebs erkrankten Jugendlichen einzugehen. Diese befinden sich meist in der Pubertät, in der Phase der Abnabelung von familiären Bindungen, und beginnen, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen. Viele reagieren zuerst verstört, ratlos und ängstlich auf die Diagnose, die sie dazu zwingt, ihr Leben zu ändern und ihnen das Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins vermittelt. Häufig reagieren sie dann auf Hilfen mit Abwehr und Protest. Sie brauchen besonders viel Geduld, Zuwendung, Nähe und Offenheit, aber auch Toleranz gegenüber ihrem Lebensstil. Jugendliche sind in diesem Stadium stark gefährdet, depressiv zu werden und sich zu isolieren.

Um die psychischen Belastungen der jugendlichen Patienten zu verstehen, sollte man sich auf die spezifischen Erfordernisse je nach den einzelnen Phasen der Erkrankung und der darauf abgestimmten Therapie bewusst werden:

Auftreten der ersten Krankheitssymptome und Diagnosefindung

Kinder und Jugendliche spüren eine erste Verunsicherung und können starke Ängste entwickeln. Ihr Erlebnishorizont wird durch Schmerzen und die Erfahrung, dass der Körper nicht mehr „funktioniert“ stark eingeengt.

Diagnosestellung

Auf diese reagieren gerade Jugendliche mit einer weitaus größeren Erschütterung. Die Kranken spüren zudem auch die Ängste und Trauer der Eltern, der Familie und der Freunde. Als sehr ungewohnte Ausnahmesituation erfahren sie oft gerade die elterliche Zuwendung.

Operation und Chemotherapie bzw. Strahlentherapie sowie andere notwendige Therapieformen

Die Patienten erleben Beschwerden und Schmerzen, die ihren Alltag und ihr Erleben stark beeinträchtigen und sie weiter isolieren. Die Unsicherheit der Heilungschancen erhöht den seelischen Druck, denn sie schwanken zwischen Hoffnung und Resignation.

Remissionserhaltung/Nachsorge

Hier muss die Rückkehr ins gewohnte Leben begleitet werden. Die Kinder und Jugendlichen sind oft noch von körperlichen Beschwerden und psychischen Nachwirkungen beeinträchtigt. Zudem gestaltet sich die Integration oft schwieriger als erwartet.

Rückfall

Für die Kranken wie auch ihr soziales Umfeld bedeutet ein Rückfall eine große Enttäuschung, die starke emotionale Belastung und widerstrebende Gefühle auslöst wie Schmerz, Angst, Resignation, Trauer aber auch Wut und Protest.

Tod und Sterben

Der Patient bedarf neben der medizinischen Schmerztherapie vor allem der psychischen Unterstützung, das Endstadium zu realisieren und sich auf das Sterben einzustellen. Aber auch die Eltern bedürfen dieser Hilfe. Oft reagieren sie mit Vorwürfen, Enttäuschung und Verzweiflung. Die Familie bedarf vor allem nach dem Tod des Angehörigen psychosozialer Betreuung.

 

Wie können Familie, Freunde und Bekannte helfen?

Es gibt heutzutage fast niemanden, der nicht mindestens einmal im Leben im Familien- oder Bekanntenkreis mit dem Thema Krebs konfrontiert wird. Doch darauf wird selten vorbereitet. Angst und Ablehnung sind die natürlichen Reaktionen von Kindern. Hier sollten Eltern, Lehrer oder der Bekanntenkreis helfen.

Die Hauptlast der psychischen und sozialen Betreuung krebskranker Kinder und Jugendlicher tragen die Familienangehörigen. Gleichzeitig sind Familien sowohl in der Pflege als auch in der Betreuung bis an ihre Grenzen belastet. Diese Einsatzbereitschaft betroffener Familien führt jedoch zunehmend zu Überforderungen und Erschöpfung. Veränderte Familienstrukturen- und Rollenerwartungen einer modernen Kleinfamilie, die Zunahme allein erziehender Eltern, Berufstätigkeit der Frau, hohe Scheidungsraten, Arbeitslosigkeit usw. stellen Familien oft vor unlösbare Situationen und bringen neue schwerwiegende Probleme mit sich. So hängt die Art der Krankheitsbewältigung wesentlich von der Familiengröße und dem familiären Zusammenhalt ab; insbesondere unvollständige Familien haben die größten Schwierigkeiten, sich auf die Bedürfnisse kranker Familienmitglieder einzustellen.

Wichtig ist, dass die Betroffenen nicht allein gelassen werden. Auch wenn Freunde und Bekannte anfangs unsicher sind und Angst haben etwas falsch zu machen, ist es wichtig, immer wieder den Kontakt zu suchen und Unterstützung anzubieten. Befreundete Kinder und Jugendliche sollten von ihren Eltern über die Krankheit aufgeklärt werden. Beratungsstellen, Informationen im Internet oder örtliche Veranstaltungen bieten ein wichtiges Forum für grundlegende Informationen und Tipps, wie man sich hilfreich verhalten kann.

 

Quellen:

Goldmann, David R. (Hrsg.), Praxishandbuch. Medizin und Gesundheit. Wissen, Ratschläge, Selbsthilfe, London/New York/München u.a., Auflage 2007.

Gutjahr, Peter, Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Klinik und Praxis der Pädiatrischen Onkologie, 4. überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1999.

http://www.kinderkrebsinfo.de/... (Dr. med. Gesche Tallen, Redakteur: Prof. Dr. med. Dr. h.c. G. Henze, Stand 20.01.09)

http://www.onkokids.de/... (Stand 20.01.09)

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument