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Durchblick 14+ – One Way Ticket to Mombasa – Hannu Tuomainen – FIN 2002

Arbeitsblatt 1 – Was passiert, wenn jemand, den ich mag, an Krebs erkrankt?

Pete lässt zu Beginn seiner Krankheit nur Jusa an sich heran. Gegenüber seinen Eltern geht er eher auf Distanz. Auch Kata erzählt er nichts davon. Er muss für sich einen Weg finden, mit seinen Ängsten umzugehen und die Krankheit zu akzeptieren.

Wie ist es bei Euch? Wart ihr schon einmal in der Situation, dass ein Familienmitglied oder jemand aus dem Freundeskreis so ernsthaft krank geworden ist? Wie seid ihr damit umgegangen?

Hier findet ihr drei Erfahrungsberichte von Jugendlichen, die an Krebs erkrankt sind. Sie beschreiben darin, wie es ihnen ergangen ist, wie sie auf die Nachricht reagiert haben, und was ihnen geholfen hat.

Diskutiert über die Aussagen und stellt Abschnitte aus den Erzählungen zusammen, die euch besonders wichtig erscheinen. Überlegt Euch eine Situation, in der jemand aus der Klasse an Krebs erkrankt ist. Besprecht gemeinsam, wie ihr dann am besten helfen könntet.

Erfahrungsbericht 1

Das Beste ist, mit jemandem zu reden

Na ja, es hat mir wirklich zu schaffen gemacht, die Sache mit der Krankheit, wissen Sie. Ich hab’ es gerade erst letzte Woche erfahren. Ich bin zuversichtlich, ich habe Vertrauen ins Krankenhaus. Eigentlich mach ich mir keine Sorgen, wissen Sie. (…) Also, bevor ich hierher kam, hab’ ich nichts davon gewusst. Ich habe mich zwei Wochen lang krank gefühlt, aber für was Ernstes hab’ ich das nicht gehalten. Noch an dem Abend, an dem ich ins Krankenhaus gekommen bin, hab’ ich fest damit gerechnet, gleich wieder gehen zu können. Und dann erfahre ich, dass ich so lange Zeit hier bleiben muss! (…) Krebs war für mich irgendwas Schlimmes, aber viel mehr hab’ ich darüber nicht gewusst. Dann hat man mir gesagt, dass meine Art von Krebs heilbar ist und so. Ich habe die Hodgkin-Krankheit, da sind, glaub’ ich die Lymphknoten vergrößert, überall im Körper. Aber das kann mit Medikamenten geheilt werden. Es war ein ziemlicher Schock für mich, aber nachdem ich erfahren habe, dass es heilbar ist, ging es mir gleich viel besser. (…)

Man hat mir gesagt, es ist einfach Pech, dass es mich erwischt hat. Das heißt vermutlich, dass so was eben vorkommt, manche Leute trifft es einfach – Pech. Manche Sachen passieren einfach im falschen Moment, nehm’ ich an. Vielleicht hab’ ich damals etwas gemacht, was ich nicht hätte machen sollen, und das hat die Krankheit dann ausgelöst. Aber angeblich hätte ich überhaupt nichts tun können, um der Krankheit zu entgehen. (…)

Als meine Mutter erfahren hat, was mit mir ist, war sie fix und fertig. Aber als man ihr gesagt hat, dass es heilbar ist, hat sie sich einigermaßen wieder beruhigt. Mein Vater ist nämlich auch seit letzter Woche im Krankenhaus. Jetzt sind wir beide gleichzeitig da, und er liegt im Koma. Irgendwie ist es unglaublich. Aber für meine Mutter ist es jetzt viel leichter – seit sie weiß, dass es heilbar ist.

Ich hab es meinem Bruder gesagt – aber er ist noch jung, er denkt nicht so darüber nach, wie Ältere das tun, er versteht es noch nicht so. Er ist erst elf, also weiß er nicht, wie er damit umgehen soll. Wenn er älter wäre, würde es ihm vielleicht viel mehr zu schaffen machen. (…)

Einer von meinen Freunden hat mich hier besucht. Er hat schon vorher über meine Krankheit Bescheid gewusst, auch, dass sie heilbar ist. Seine Mutter hat es ihm gesagt – unsere Mütter kennen sich nämlich. Bei seinem Besuch wusste er also, dass alles in Ordnung ist und so. Er hat mir eine Menge Fragen gestellt, wie es mir jetzt geht und ob ich mich anders fühle als vorher und all das. Nein, ich fühle mich wie immer. Nur, dass ich jetzt besser Luft kriege. (…)

Ich bete viel, wissen Sie, abends und überhaupt. Manchmal find ich das sehr hilfreich. Also, jetzt im Krankenhaus ist es mir ein großer Trost. (…)

Man muss eine positive Einstellung haben, wissen Sie, zu dem, was passiert. Mit einer negativen Einstellung bekommt man Angst oder so. Aber wenn man positiv eingestellt ist, hat man ein gutes Gefühl bei allem, was man durchmacht. (…) Am besten ist es, wenn man mit jemandem reden kann. Mit jemandem, der einem ein positives Gefühl gibt, wissen Sie, der sich auskennt und dir alles erklärt, wenn dir eine bestimmte Sache bevorsteht; denn wenn man Bescheid weiß, fühlt man sich gleich besser.

Aus: David, J. Bearison, Keiner spricht darüber. Krebskranke Kinder erzählen von ihren Erfahrungen, München 1993, S. 142-147.

Erfahrungsbericht 2

Knochenmarktransplantation
von Johannes

Anfang Dezember 99 wurde ich krank. Ich bekam eine Erkältung mit Fieber und Nasenbluten. Auch durch Veröden der Nase konnte es nicht gestillt werden. Bei einer Blutuntersuchung stellte man fest, dass meine Werte ganz schlecht waren.

Ich wurde ins Krankenhaus nach Bad Hersfeld und dann nach Gießen auf die Station Peiper, eine hämatologisch-onkologische Station, verlegt. Mir wurde Blut und Knochenmark entnommen und in sechs verschiedene Kliniken in Deutschland geschickt. Weihnachten verbrachte ich in Gießen. Meinen Eltern und meiner Schwester wurde auch Blut entnommen, um festzustellen ob jemand aus meiner Familie als Knochenmarkspender zur Verfügung steht. Über Silvester durfte ich zwei Nächte nach Hause, musste dann aber wieder in die Klinik, weil sich meine Blutwerte immer wieder verschlechterten und ich in regelmäßigen Abständen Thrombozythen und Erytrozythenkonzentrat benötigte.

Anfang Januar kam dann endlich das Ergebnis der Blutuntersuchung. Ich hatte eine plastische Anämie. Diese Krankheit kann man nur durch eine Knochenmarktransplantation heilen. Meine Schwester hatte das gleiche Knochenmark wie ich und kam als Spenderin in Frage.

Die Kinderpoliklinik der Ludwig Maximilian Universität in München erklärte sich bereit, mich zu übernehmen und so hatten wir Ende Januar einen Termin zum Vorstellen. Diese Station war sehr klein und ich konnte mir die Zimmer und »Zelte«, so heißt der Raum in dem eine Transplantation durchgeführt wird, ansehen. Bis zur Aufnahme am 15. Februar 2000 war ich in der Klinik in Gießen. Hier wurde mir ein Hickmankatheter gelegt. Diesen Katheter benötigt man um einen direkten Zugang zum Herzen zu haben. Hierüber wurde mir jetzt immer Blut entnommen und Medikamente zugeführt.

Am ersten Tag in München wurden einige Untersuchungen und Tests durchgeführt. Danach konnte ich mit meiner Mutter in die Elternwohnung gehen und dort übernachten.

Am 16. Februar bekam ich morgens ein Medikament gespritzt und am Nachmittag wurde ich eingeschleust. Hierfür musste ich ein Desinfektionsbad machen und bin dann mit einem Schutzkittel und extra Schuhen ins Zelt gegangen. Hier lagen schon alle meine Sachen, wie Kleidung, mitgebrachte Spiele, Kassetten und Schreibzeug frisch desinfiziert bereit. Sofort wurde ich an eine Infusion angeschlossen. Jetzt verbrachte ich die erste Nacht im Zelt. Ich musste mich erst an das Rauschen des Gebläses gewönnen. Jeder, der jetzt zu mir ins Zelt kam, musste Schutzkittel, Mundschutz und extra desinfizierte Schuhe tragen.

Am 17., 18., 19. und 20. Februar bekam ich vormittags ein Pferdeserum ATG und am Nachmittag Endoxan, um mein restliches Knochenmark zu zerstören. Anfangs hatte ich Schüttelfrost, hohes Fieber und Kopfschmerzen. Ab dem zweiten Tag hatte ich leichtes Fieber, Durchfall und Übelkeit.

Am 21. Februar 2000 war eine Pause. Ich hatte noch leichten Ausschlag und mein ganzer Kopf war leicht gerötet. Das Essen schmeckte fürchterlich und so wurde ich über meinen Katheter ernährt.

Am 22. 2. 2000 war meine Knochenmarktransplantation. Ich hatte noch Bauchschmerzen, aber kein Fieber mehr. Ab 14:45 Uhr bekam ich das Knochenmark meiner Schwester über den Katheter. Es waren 652 ml und lief bis um 4:15 Uhr am nächsten Morgen ein. Der 22. Februar 2000 war mein Tag NULL. Von diesem Tag an wurde jeder Tag gezählt. In regelmäßigen Abständen benötigte ich Thrombozytenkonzentrat und Erythrozytenkonzentrat.

Ab dem 11. Tag konnte man an den Leukozyten eine Veränderung erkennen, Bis dahin hatte ich Übelkeit und leichte Knochenschmerzen. Meine Bauchschmerzen waren mit warmen Umschlägen zu ertragen. Jetzt ging es mir aber besser und mit jedem Tag stiegen die Leukos ein bisschen an. Das war ein Zeichen, dass das neue Knochenmark anwächst. Die Ärzte und Schwestern freuten sich mit mir!

Am 22. März habe ich das letzte Mal Erythrozyten bekommen und von da an hat mein neues Knochenmark ausreichend gearbeitet. Jetzt durfte ich den geschlossenen Raum (Zelt) verlassen. Anfangs bin ich abends, wenn alle Kinder in ihren Zimmern waren, auf den Flur und in den Aufenthaltsraum sowie in die Küche gegangen. Dann durfte ich mit meiner Mutter Spaziergänge in München unternehmen. Ich musste Menschenmengen umgehen, um mich nicht anzustecken und mir eine Krankheit einzufangen, denn mein Immunsystem war noch sehr geschwächt.

Am 29. März bin ich mit in die Elternwohnung gezogen und an jedem 2. Tag in die Klinik spaziert um dort mein Blut untersuchen zu lassen, der Katheter wurde gespült und ich hatte Unterricht. Während der ganzen Zeit in der Klinik hatte ich Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch.

Am 43. Tag nach der Transplantation waren die Blutwerte und der Medikamentenspiegel gut, so dass ich nach Hause entlassen werden konnte. Wöchentlich musste ich jetzt einmal in die Klinik nach Gießen, um mein Blut untersuchen zu lassen, außerdem musste mein Katheter gespült und frisch verbunden werden. Da ich noch nicht in die Schule gehen durfte, bekam ich Hausunterricht.

Am Tag 100 musste ich wieder zu einer größeren Kontrolluntersuchung nach München.

von der Website www.krebs-bei-kindern.de

 

Der onko-rap

„mannschaftsprojekt von Sebastian eisi und ritter sigi, Schriftführer winkler, Station 24d“

onko onko

wecken waschen
blutabnehmen
tabletten schlucken
glatze kämmen

wiegen messen
viel zu dünn
noch mehr essen
geht nix rinn

ärzte kommen
ernstes g'sicht
reden g'scheit
versteht man nicht

im nebenbett
der nachbar bricht

neue chemo infusion
ständig klingelt's telefon
nabic, bilanz, colistin

radio hören
femseh schaun
teletubbies
nachts albtraum

mittagessen
kinder spucken
frau stritzl läuft
kann gar nicht kucken

oma, opa,
onkel, tante
mama, papa
viel verwandte

kommen streicheln
lieben dich

dich nervt's langsam
gehen nicht

abends dunkel
ganz allein

mag nicht dableiben
ich will heim

 

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