
Durchblick 10+ – Blöde Mütze! – J. Schmid – D 2006 – 91 min.
Blöde Mütze! erzählt von dem gerade in den Ort gezogenen Martin, der hier in eine neue Klasse muss und noch niemanden kennt. Beim Einkaufen hat er eine ungeschickte und deshalb unerfreuliche Begegnung mit einem anderen Jungen, Oliver. Am nächsten Tag, seinem ersten Schultag in der neuen Umgebung, sieht er auf dem Pausenhof ein Mädchen, das ihm spontan gefällt und er versucht, mit ihr in Kontakt zu kommen. Da taucht der Junge vom Vortag auf, der immer noch wütend auf ihn ist. Alle drei besuchen nicht nur dieselbe Klasse, sondern der Junge und das Mädchen Silke sind zudem noch dicke Freunde. Trotzdem entwickelt sich schließlich eine Freundschaft zu dritt, die vorwiegend aus der Perspektive von Martin erzählt wird, für einige Momente aber auch die von Oliver übernimmt, meist in Parallelmontage mit Martins gleichzeitig ablaufenden Erlebnissen geschnitten. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Beziehung der drei untereinander im Kontext von ersten Verliebtheitsgefühlen, Sehnsucht nach kumpelhafter Nähe und familiären Problemen an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenwerden.
Die Erzählstruktur lässt sich im Unterricht über folgende Szenen aus dem ersten Drittel des Films erkennen (Filmkapitel 1 bis 4):
Martin wird von seiner Mutter den neuen Nachbarn vorgestellt.
Martin sieht, wie Oliver im Laden Zigaretten klauen will.
Martin, verloren auf dem Pausenhof, erblickt Silke.
Der Platz im Klassenzimmer neben Silke gehört Oliver.
Silke nimmt Martin mit ins Riverpool.
Oliver kommt hinzu, ist wütend darüber und gerät mit Martin in eine Rauferei.
Martins Eltern verpflastern ihren Sohn im Badezimmer.
Oliver verarztet sich selbst.
Martin liegt im Bett.
Oliver liegt im Bett.
Oliver steht nochmals auf, als er seine Mutter auf dem Gang leise telefonieren hört.
Je nach Alter der Schülerinnen und Schüler können hier detaillierte Fragen mit Beobachtungs- und Interpretationsaufgaben entwickelt werden.
Die Kamera begleitet die Figuren und nimmt in der Regel eine beobachtende Haltung ein auf Augenhöhe der Kinder. Manchmal wird sie subjektiv, etwa wenn wir aus Martins Perspektive das schlammige Wasser und die Pflanzen des „Riverpools“ sehen. Sie arbeitet in diesem eher ruhigen Film oft scheinbar traditionell, etwa als Martin vor der Turnhalle sich mit Silke zum ersten Mal intensiver unterhält, mit Aufnahmen aus unterschiedlicher Nähe, im Schnitt-Gegenschnitt-Verfahren, wobei aber beide immer im Bild zu sehen sind, mal Silkes, mal Martins Gesicht vollständig und das Gegenüber im Profil oder angeschrägt von hinten. Nahaufnahmen wie Martins fast unberührtes Müsli am ersten Schultag oder die ineinandergelegten Hände von Oliver und seinem Vater im Krankenhaus akzentuieren besondere Emotionen. Wie in den Filmkapitelbeschreibungen angesprochen, gibt es zwei Zeitlupenaufnahmen, die das Irreale an den beiden Diebstählen – also Oliver mit den Zigaretten und Martin später mit dem Sonnenöl – hervorheben, jeweils aus Martins Perspektive.
Die ebenfalls in den Filmkapitelbeschreibungen schon erwähnten Parallelmontagen betonen die unterschiedlichen familiären Situationen von Martin und Oliver. Silke wirkt wie ein Verbindungsglied. Rein aus ihrer Perspektive wird nie erzählt. Im Zusammenhang mit dem Schnitt gibt es ein schönes Beispiel, dass nicht alles extra gezeigt werden muss, sondern sich eben darüber erklärt: Nachdem Martin vor dem Lehrer behauptet hat, dass er die Zigarette im Schulklo geraucht hätte, sieht man Martin in der nächsten Szene seinen Eltern vergeblich erklären: „Aber ich war’s doch gar nicht.“ Damit weiß der Zuschauer, dass er jetzt den Verweis erhalten hat.
Die Dialoge enthalten oft Witz, meist wenn Silke und Martin sich unvermittelt gegenüberstehen oder auch an der Kinokasse, wie in den Filmkapitelbeschreibungen erzählt. Zwischen Martin und seinen Eltern bleiben die Dialoge auch hin und wieder im Missverständnis stehen, um zu signalisieren, dass der Junge jetzt seinen eigenen Weg geht. Sie sind wohl dosiert eingesetzt – denn oft erzählen die Mimik der Schauspieler beziehungsweise einfach die Bilder viel mehr. Zwischen Martin und dem weniger eloquenten Oliver verweisen sie in ihrer Reduktion auch auf eine Annäherung. Das findet einerseits über die Namen statt, mit denen Oliver den Freund belegt, von „Blöde Mütze“, über „Mütze“ hin zu „Martin“, aber auch in dem Ausbruch von Martin ihm gegenüber, wenn er schließlich ebenfalls das Wort „Scheiße“ quasi erklärend benutzt. Wirkliche Jugendsprache wird hier nicht eingesetzt, was neben vielen anderen Aspekten für die Zeitlosigkeit des Films mit dem ihm innewohnenden Klassikerpotenzial zählt.
Arbeitsblatt 5: Kamera-Einstellungen
Infoblatt: Kinder-Casting zum Film Blöde Mütze!
Arbeitsblatt 6: Kinder-Casting
Arbeitsblatt 7: Filmtechnik Parallelmontage