
Durchblick 14+ – Nacht und Nebel – Alain Resnais – Frankreich 1955 – 30 min.
Die Konzentrationslager unterstanden der „Inspektion der Konzentrationslager“ (IKL), einer Abteilung der SS. Sie waren eines der zentralen Instrumente des NS-Terrorapparates und richteten sich gegen immer mehr Bevölkerungsgruppen: gegen politische Oppositionelle, gegen aus rassisch und sozialen Gründen Verfolgte, gegen Juden und gegen Widerstandsgruppen und die Zivilbevölkerung in den im Zweiten Weltkrieg überfallenen und besetzten Gebieten. Rechtliche Grundlage für die Einweisung in das Konzentrationslager (mit der Bezeichnung „Schutzhaftlager“) war die sogenannte „Schutzhaft“. Seit der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ die unmittelbar nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 erlassen wurde, war der politischen Polizei eine uneingeschränkte Macht übertragen worden. Die Rechtssicherheit war aufgehoben, das Prinzip der Willkür herrschte. Die Schutzhäftlinge wurden ohne strafrechtliche Grundlage auf unbestimmte Zeit in die Lager eingewiesen. Später erhielt auch die Kriminalpolizei die Befugnis, im Rahmen der „Vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ Einweisungen in die Konzentrationslager vorzunehmen.
Beim Ausbau und Aufbau des KZ-Systems werden analog zur Entwicklung des NS-Regimes vier Phasen unterschieden:
(1) 1933-34 Etablierung der NS-Diktatur/Etablierung der Konzentrationslager als Instrument der SS;
(2) 1935-39 Phase der Kriegsvorbereitung / Reorganisation des KZ-Systems und Ausweitung der Häftlingsgruppen;
(3) 1939-1942 Erste Kriegsjahre („Blitzkriegphase“) / Radikalisierung des KZ-Systems und Ausweitung auf ausländische Häftlingsgruppen;
(4) 1943-1945 Die letzten Kriegsjahre, Kriegsverluste / Aufbau des Systems der Außenlager für die Kriegsproduktion
Schätzungsweise 800.000 bis zu einer Million Menschen starben in diesen Stätten brutalster Willkür durch Arbeit, Hunger, Gewalt oder gezielte Tötungen, nur etwa 300.000 Häftlinge erlebten die Befreiung bei Kriegsende. Die Konzentrationslager bezogen sich nicht nur auf Deutschland, sondern überzogen auch die von Deutschland besetzten und überfallenen Gebiete. Die KZ in den Beneluxländern, Frankreich, Skandinavien und Osteuropa geben den jeweiligen Kriegsverlauf an.
Vor allem in der Kriegszeit entstanden noch andere NS-Lagertypen, die nach formalen Kriterien keine Konzentrationslager darstellten. Hierzu zählen etwa Kriegsgefangenlager, Haftlager für Jugendliche, Ghettos für die jüdische Bevölkerung und die zur Durchführung des Holocaust errichteten Vernichtungslager wie Treblinka und Sobibór. An die sechs Millionen Menschen starben insgesamt in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.
Das KZ Dachau war das einzige von allen Konzentrationslagern, das von 1933-1945 bestand. Die anderen wichtigsten KZ in Deutschland (unter der Inspektion der KZ), die vor dem Ausbruch des Krieges errichtet wurden, waren: KZ Sachsenhausen (früheres Oranienburg) 1936, KZ Buchenwald 1937; KZ Ravensbrück für Frauen (1939, vorher KZ Moringen und KZ Lichtenberg für Frauen), KZ Neuengamme (1938, eigentlich erst Außenlager von KZ Sachsenhauen, dann ab 1940 eigenständiges KZ), KZ Flossenbürg (1938). Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs wurde im Jahr 1938 das KZ Mauthausen in der Nähe von Linz errichtet.
Nach Besetzung der Beneluxländer und einem Teil von Frankreich entstanden weitere KZ Lager, wie das KZ Herzogenbusch (1943, Niederlande) und das KZ Natzweiler-Struthof (1941, Elsaß-Lothringen). Auch in den osteuropäischen besetzten und überfallenen Gebieten wurden Lager errichtet: wie das KZ und Ghetto Theresienstadt (1941, Tschechien), das KZ Stutthof (1941, Danzig, Polen) und das KZ Auschwitz (1940).
Die Bezeichnung „Vernichtungslager“ bedeutet, dass in diesen Lagern gezielter, fabrikmäßiger Massenmord an den Häftlingen in den Gaskammern verübt wurde. Dies geschah ab dem Jahr 1942 in den KZ Chelmno, KZ Belzec, KZ Sobibor und KZ Treblinka. Diese Lager unterstanden nicht der „Inspektion der Konzentrationslager“ sondern der „Aktion Reinhard“ die zur Organisation des Holocaust im Jahr 1941 die Vernichtungsmaschinerie in Gang setzte und betrieb. Die KZ-Lager Auschwitz-Birkenau und Majdanek übten beide Funktionen aus. Die meisten der „Vernichtungslager“ befanden sich auf polnischem Gebiet.
Konzentrationslager der Inspektion der Konzentrationslager im Deutschen Reich einschließlich Österreich
Dachau (1933-45)
Sachsenburg (1933-37)
Esterwegen (1933-36), ab 1937 „Strafgefangenenlager VII“ der Justiz
Bad Sulza (1933-37)
Columbia-Haus (1935-36, SS-KZ), vorher Gefängnis (politische Polizei)
Buchenwald (1937-45)
Flossenbürg (1938-45)
Lichtenburg (1933-37 für Männer; 1937-39 für Frauen)
Neuengamme (1938-40 AL KZ Sachsenhausen; 1940-45 KZ)
Mittelbau/Dora (1943-44 AL Buchenwald; 1944-45, KZ)
Ravensbrück (1939-45 / Frauen-KZ)
Sachsenhausen (1936-45) (vorh. 1933-35, frühes Lager Oranienburg)
KZ Niederhagen (zum Ausbau der Wewelsburg; 1939-45)
Arbeitsdorf (1942)
Bergen-Belsen (1943-45)
Groß Rosen (1941-45),(ab 1940 Außenlager von Neuengamme)
KZ Mauthausen (1938-45)
KZ Gusen (1938-40; 44)
Konzentrationslager, errichtet in den annektierten polnischen Gebieten: Reichsgau, Warthegau und Danzig/ Generalgouvernement
KZ Auschwitz (1939-45)
KZ Krakau Plaszow (1941-44 „Zwangsarbeitslager für Juden“; 1944-45 KZ)
KZ Lublin-Majdanek (1941-45)
KZ Stutthof (1942-45 KZ) (vorh. 1939-41, Zivilgefangenenlager, 1941-42 SS-Sonderlager)
KZ Warschau (ca. 1943-44, auf den Ruinen des Warschauer Ghettos)
Konzentrationslager, errichtet in den annektierten Baltischen Staaten:
KZ Kaunas (1942-44, entstand aus dem Ghetto Kaunas)
KZ Vaivara (1943-44)
KZ Riga-Kaiserwald (1943-44)
Konzentrationslager, errichtet in den besetzten westeuropäischen Gebieten
Natzweiler-Struthof (1941-45) (Frankreich, Elsaß-Lothringen)
Hertogenbosch (1943-44) (Niederlande)
Vernichtungslager des Holocaust (annektierte Gebiete in Polen; Weißrussland)
KZ Auschwitz-Birkenau (zeitweise als Vernichtungslager, 1941-45)
KZ Belzec (1942)
KZ Kulmhof/Chelmno (1941-43; 1944-45)
KZ Lublin-Majdanek (1941-44; zeitweise als Vernichtungslager, auch IKL)
KZ Maly Trostenez (1942-44)
KZ Sobibór (1942-43)
KZ Treblinka (1942-43)
Durchgangslager
Mechelen (Belgien; 1942-44)
Drancy und Gurs (Frankreich; 1941-45)
Nováky (Slowakei; 1941-45)
Sered (Slowakei; 1941-45)
Risiera di San Sabba (Triest/Italien, auch KZ; 1943-45)
Theresienstadt (Tschechien, 1940-45 Gestapo Gefängnis; 1941-45 Durchgangslager, Ghetto)
Westerbork (Niederlande, 1939-45)
Innsbruck-Reichenau (1941-45)
Justiz- ,Gestapolager, Lager der Kriminalpolizei – Deutsches Reich (Auswahl):
Breitenau (frühes KZ 1933-34; Gestapo-Lager 1940-45)
Emslandlager (zuerst frühes KZ, dann Straflager der Justiz und Kriegsgefangenlager)
Neue Bremm (Saarbrücken, Gestapo; 1940-45)
Lodz/Litzmannstadt (Warthegau; 1942, Jugendkonzentrationslager des Reichskriminalpolizeiamtes)
Moringen (1933-36 Frauen-KZ, 1940 – 45 „Jugendschutzlager“ für Jungen)
Uckermark (1942-45, „Jugendschutzlager“ für Mädchen, unterstand der weiblichen Kriminalpolizei)
Literatur:
Benz, Wolfgang u. Distel, Barbara (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Organisation des Terrors, Bd. 1, München 2005.