
Durchblick 8+ - Paulas Geheimnis - Deutschland 2006 - 95 min.
Die folgende ausführliche Inhaltsangabe bezieht sich auf die Kapitel des Filmes, wie sie auf der Video-Ebene einzeln abgerufen werden können.
Zur Vertiefung bestimmter Aspekte von Handlung und Gestaltung des Films können diese Kapitel inhaltlich und dramaturgisch auch von den Schülerinnen und Schülern selbst analysiert werden. Dazu dienen die kurzen Texte und Bildbeispiele als Hilfsmittel.
Paula Steinhof ist elf Jahre, vier Monate und neun Tage alt. Sie ist schon ziemlich erwachsen, fühlt sich zu Hause aber unverstanden: Ihre beruflich schwer beschäftigten Eltern meinen es gut, doch die Aufmerksamkeitsspanne für ihre Tochter reicht immer nur bis zum nächsten Handy-Anruf.
Kein Wunder, dass Paula sich gern im Bad einschließt und sich ihrem einzigen Freund anvertraut: einem Märchenprinzen, dem Held ihrer Tagträume. Er würde sie nie so im Stich lassen wie ihre Eltern oder Schulfreundinnen. Deshalb schreibt sie ihm glühende Liebesbriefe in ihr Tagebuch.
Ihr Klassenkamerad Tobi Pröllinger hat viel konkretere Probleme, denn er droht zum zweiten Mal sitzen zu bleiben – dann müsste er das Gymnasium verlassen. Zum Glück zeigt Englischlehrer Blank Verständnis für den offenbar begabten Jungen und bietet ihm in den bevorstehenden Sommerferien eine Nachprüfung an, damit Tobi seine Zeugniszensur in Englisch verbessern kann. Voraussetzung ist, dass er in den Ferien für die Prüfung büffelt.
Tobi ist heimlich in Paula verliebt, deshalb versucht er so oft es geht nach der Schule mit der gleichen U-Bahn wie sie nach Hause zu fahren. Als zwei junge Taschendiebe Paula ablenken und dabei bestehlen, beobachtet er dies vom Nebenwagen aus.
Für Paula bricht eine Welt zusammen, als sie den Diebstahl bemerkt. Denn nicht nur ihr Ausweis und ihr Handy sind verschwunden, sondern auch ihr Tagebuch – Paula findet die Vorstellung unerträglich, dass jemand von ihren Geheimnissen erfährt.
Mit einem neuen Handy, das ihr Vater besorgt, lässt sich das Problem nicht lösen. Denn nicht einmal die Eltern wissen von Paulas Geheimnis. Stattdessen planen sie Paulas Ferien, die das Mädchen – wen wundert’s – allein verbringen soll, weil die Eltern keine Zeit für eine Urlaubsreise haben. Sie wollen Paula in ein hochkarätiges Feriencamp auf Sylt schicken.
Auch die Pröllingers planen ihre Ferienreise. Als Tobi ankündigt, dass er nicht mit nach Italien will, sondern lieber für seine Versetzung pauken möchte, findet er bei seinen Eltern kein Verständnis. Tobis Vater ist stolz auf seinen Hausmeister-Job: Von Gymnasium und Studium hält er nicht viel.
Während Tobi noch mit seinen Eltern streitet, sieht er zufällig die „Diebeskinder“ aus dem fahrenden Auto der Familie. Er springt heraus und folgt ihnen, kann sie aber nicht stellen, sondern gerät mit einem brutalen Mann aneinander, der die Kinder in einem Transporter abholt. Tobi hat nun eine heiße Spur – die Automarke und einen Aufkleber auf dem Wagen. Aber er hat auch Ärger mit seinen Eltern, die kurzerhand beschließen, allein nach Italien zu fahren und nicht nur Tobi, sondern auch seine „nervige“ Schwester Jenny zu Hause zu lassen.
Tobi überredet Paula zu einem Vieraugengespräch und berichtet von seiner Spur. Offenbar handelt es sich um eine osteuropäische Bande, die Kinder zu Profi-Dieben ausbildet und gezielt zum „Arbeiten“ in die Stadt schickt. Paula und Tobi sind sicher, dass „der Fall“ für die Polizei zu lächerlich ist. Und als Paula Tobi gesteht, wie kostbar aus ihrer Sicht der Schatz ist, der ihr gestohlen wurde, lässt Tobi sich seine Verachtung für diesen „Mädchenkram“ nicht anmerken, sondern gibt sich überzeugt, die Sache selbst in die Hand nehmen zu müssen. Er schlägt ihr deshalb einen Deal vor: Er hilft Paula bei der Suche, und dafür unterstützt sie ihn bei der Vorbereitung auf die Prüfung. Aber wie soll das funktionieren, wo Paula doch demnächst nach Sylt abreist?
Tobis Eltern beladen den Wagen für ihre Ferienreise. Während Tobi der Packerei gleichmütig zusieht, ist seine Schwester sichtlich enttäuscht. In ihren Augen ist Tobi daran schuld, dass sie nicht in die Ferien fährt.
Auch bei Steinhofs wird der Koffer gepackt. Paula versucht, mit ihren Eltern zu reden, dass sie nicht in das Feriencamp fahren will, doch die Eltern verstehen ihr Anliegen nicht – nicht einmal, als sie sich überwindet, von dem verschwundenen Tagebuch zu erzählen. Für sie ist die Lösung einfach: Paula wird einfach ein „richtig schönes“ neues Tagebuch bekommen.
Als Paula Tobi anruft, um ihm zu sagen, dass sie fahren muss, sitzt er gerade mit Jenny vor dem Fernseher. Jenny mault zum wiederholten Mal über die verlorenen Ferien – und das bringt Tobi auf eine geniale Idee.
Am Tag der Syltreise verabschiedet sich Paula von ihren Eltern, fährt mit dem Taxi aber nicht zum Bahnhof, sondern zu Tobis Wohnung, wo sie aussteigt und Minuten später durch Jenny (in Paulas Mantel und Hut) ersetzt wird. So bekommt Jenny ihre Ferien – auf Sylt, als Paulas Double. Und Paula zieht bei Tobi ein, damit die beiden ungestört auf Verbrecherjagd gehen können.
Zwar haben die beiden Kinder ein gemeinsames Ziel – Freunde sind sie deswegen jedoch noch lange nicht. Für Paula ist Tobis Leben gewöhnungsbedürftig, genau wie sein Verhalten: Ständig stopft er Essen in sich hinein und lümmelt sich am liebsten vor dem Fernseher. Die Wohnung entspricht so gar nicht dem Standard, den Paula gewohnt ist. Und da Jenny Paulas Koffer nach Sylt mitgenommen hat, muss Paula auch noch mit Jennys prolligen Outfits vorlieb nehmen.
Aber was zählt, ist die Jagd nach den Tagebuchdieben. Tobi erinnert sich an den Aufkleber auf dem Transporter und findet die Adresse der „Künstleragentur Ramona“ heraus.
Während er sich mit Paula auf dem Firmengelände umsieht, ruft Paulas Vater an, der wissen möchte, ob sie gut auf Sylt angekommen ist. Während Paulas Blick auf alte Autoreifen fällt, schwärmt sie ihrem Vater von dem wundervollen Feriencamp vor. Ganz wohl ist ihr bei der Lügerei nicht, aber sie hat keine andere Wahl.
Jenny stellt sich derweil der Feriengruppe als Paula Steinhof vor. Sofort wird deutlich, dass sie ganz anders spricht und aussieht, als die übrigen Mädchen. Das macht diese misstrauisch. Besonders ihre Zimmergenossin Annabelle findet „Paula“ äußerst seltsam.
Tobi und Paula brechen nachts in die „Künstleragentur“ ein und entdecken Flugblätter, mit denen für Konzerte eines rumänischen Kinderchors geworben wird. Ihnen ist sofort klar, dass die beiden Diebe zu diesen Kindern gehören müssen. Am nächsten Tag wollen sie sie aufspüren und herausfinden, wo sie wohnen.
Beschwingt von diesem ersten Erfolg genießen Paula und Tobi die Freiheit, ungehindert mit einem Einkaufswagen durch das nächtliche Hamburg zu rennen. Zum ersten Mal entsteht so etwas wie vorsichtige Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Kindern.
In der Nacht wacht Paula aus einem Albtraum auf und geht in Tobis Zimmer. Dort entdeckt sie ein Foto, das er von ihr besitzt. Offenbar kann Tobi sie mehr als leiden.
Am nächsten Morgen folgen Tobi und Paula der Bande nach deren musikalischen „Auftritt“ durch die Stadt. Dabei werden sie unbemerkt von Steinhofs Haushälterin Elsa gesichtet, die ihren Augen nicht zu trauen glaubt.
Doch Paulas Eltern glauben ihr kein Wort. Um sie zu beruhigen, rufen sie im Feriencamp an, erfahren jedoch nur, dass Paula gut angekommen ist und gerade draußen ist. Jenny sagt Paula sofort Bescheid und Paula meldet sich gleich bei den Eltern. Elsa muss sich geirrt haben.
Die Ferien von Tobis und Jennys Eltern verlaufen nicht so wunderbar, wie erwartet. Die Eltern streiten sich, wer die Schuld daran trägt, dass sie ohne Kinder verreist sind. Offensichtlicht fehlen ihnen ihre beiden mehr als sie gedacht haben.
Für Paula und Tobi beginnt der neue Tag damit, dass sie den rumänischen Kindern bis zu einem Schnellrestaurant folgen, wo sie sie zur Rede stellen. Radu und Ioana, beide in etwa dem gleichen Alter wie Paula und Tobi, gestehen den Diebstahl und erklären, dass sie von ihrem Chef zum Stehlen gezwungen werden. Sie berichten außerdem, dass der Chor eine Tarnung ist, mit der sie in Deutschland bleiben können. Ihr Chef hat sie von einem anderen Chef gekauft, weil sie keine Verwandten mehr in Rumänien haben. Sie vertrauen niemandem, außer einander. Paula und Tobi sind entsetzt, als ihnen Radu Brandnarben zeigt, die von Zigaretten stammen. Ioana und Radu versprechen den beiden, ihnen das Tagebuch am nächsten Tag wiederzubringen. Weder Paula noch Tobi machen sich eine Vorstellung davon, mit welcher Gefahr das für die beiden rumänischen Kinder verbunden ist.
In Tobis Wohnung bahnt sich stattdessen eine kleine Krise an. Tobi hatte sich nach dem Treffen mit den Dieben über Paulas Tagebuch lustig gemacht. Paula hat die Nase von Tobi voll, von seinem ewigen Essen und Fernsehgucken, von Jennys „unmöglicher“ Kleidung und der tristen Umgebung. Sie beschließt, nach Hause zu gehen, wo, wie sie weiß, gerade niemand ist.
Während Paula sich in ihrem Elternhaus mit frischer Wäsche versorgt, steht Jennys Tarnung auf wackligen Füßen. Erst blamiert sie sich beim Tennis, obwohl sie – also Paula – in diesem Sport ein As sein soll, dann mokieren sich die übrigen Kinder über ihre unbekümmerte Art, das Essen zu genießen. Als sie daraufhin verzweifelt bei Tobi anruft, dass sie nach Hause möchte, belauscht Annabelle das Gespräch und untersucht außerdem heimlich Paulas Koffer, um ihren Verdacht zu erhärten, dass mit ihrer Zimmergenossin etwas nicht stimmt. Mit den neu gewonnenen Erkenntnissen geht sie zur Leiterin des Camps. Doch zu Annabelles Überraschung findet diese ihr Verhalten unmöglich – und sorgt höchstpersönlich dafür, dass Jenny schönere Ferien hat.
Paula ist in fröhlicher Erwartung, dass das Abenteuer bald ein Ende findet, mit einem frischen T-Shirt, einer Schüssel von Elsas leckerem Tiramisu und dem stibitzten Notgroschen ihrer Mutter wieder bei Tobi angekommen.
Während sie auf den nächsten Tag wartet, schleicht sich Radu in das Diebesgut-Lager der Bande, um Paulas Tagebuch zu holen. Dabei wird er vom Bandenchef erwischt. Doch Ioana kann das Tagebuch herausschmuggeln und bringt es tatsächlich am nächsten Tag mit. Überglücklich nimmt Paula ihren Schatz in Empfang – jetzt will sie die Wohnung des „ekligen“ Tobi so schnell wie möglich verlassen. Doch der wirft ihr vor, die beiden rumänischen Kinder einfach ihrem Schicksal zu überlassen – er macht sich Sorgen um Radu, der bestraft worden ist. Zwischen ihm und Paula kommt es zu einem heftigen Streit.
Paula läuft zur U-Bahn, doch die Freude über das wiedergewonnene Tagebuch schmilzt dahin. Unter Tränen geht Paula in sich. Sie merkt, dass ihr Märchenprinz während ihrer Abenteuer an Bedeutung verloren hat. Der wahre Held ist eigentlich Tobi. Noch dazu einer aus Fleisch und Blut.
Sie kehrt zu Tobi zurück und entschuldigt sich für ihr Verhalten. Und sie ist bereit, für Radus und Ioanas Freiheit zu kämpfen. Tobi ist ebenfalls in sich gegangen und hat begonnen, Englisch zu lernen. Außerdem hat er eine Idee entwickelt, wie er Ioana und Radu helfen kann.
Paulas Mutter hat unterdessen das Verschwinden des Geldes bemerkt. Sie beschuldigt Elsa, die sowieso bereits fassungslos ist, denn offenbar ist auch das Tiramisu verschwunden, das sie zubereitet hat (was ihr Paulas Mutter nicht glaubt) und auch das fehlende T-Shirt bereitet Elsa Kopfzerbrechen.
Paula muss zum ersten Mal Farbe bekennen, denn Tobi schickt sie „in die Höhle des Löwen“. Sie soll dem Chef der Diebesbande eine Wochenzeitung als Werbung überreichen, auf die die beiden Tobis Telefonnummer geschrieben haben. Ioana erkennt Paula an der Haustür, der Chef bemerkt glücklicherweise nichts.
Paula und Tobi sind sehr stolz auf sich und begegnen sich erstmals auf Augenhöhe. Tobi nimmt Paula mit auf das Dach seines Hauses und erzählt ihr von seiner Begeisterung für den Weltraum, von seinen Träumen, Astronaut zu werden und davon, dass ihn alle deswegen auslachen. Paula lacht nicht und zwischen den beiden vertieft sich die Freundschaft, die schon länger keimt.
Am nächsten Morgen ruft Ioana bei Tobi an und verabredet sich mit den beiden Kindern. Sie bemerkt nicht, dass sie dabei von einem der anderen Kinder beobachtet wird.
Radu und sie treffen Tobi und Paula und die vier beratschlagen, wie die Flucht gelingen kann. Als Ioana erzählt, dass sie eine Schwester in England hat, allerdings weder Adresse noch Telefonnummer kennt, kommt Paula eine gute Idee: Sie kennt jemanden vom britischen Konsulat, der mit ihren Eltern befreundet ist. Tobi ist sehr beeindruckt, dass Paula sich traut, einfach ins Konsulat zu gehen, um Mr. Rutherford um Hilfe zu bitten. Mr. Rutherford, der Paula vertraut, verspricht ihr zu helfen und sie nicht zu verraten.
Tatsächlich bekommt Paula bald darauf die Telefonnummer und Anschrift von Ioanas Schwester. Sie soll mit Radu sofort nach England kommen.
Der Chef der Bande hat inzwischen herausgefunden, wen Ioana angerufen hat.
Während die vier Kinder den glücklichen Ausgang des Abenteuers feiern, entdeckt Tobi den Lieferwagen der rumänischen Bande vor dem Haus. Trotz der großen Gefahr schmieden sie weiterhin Pläne, wie Radu und Ioana nach England kommen können. Am nächsten Morgen fährt die Fähre und die vier werfen ihr Geld zusammen, damit die beiden Rumänen die Überfahrt bezahlen können.
In der Frühe schleichen sich die Kinder so heimlich wie möglich aus dem Haus.
Doch die Bandenchefs möchten „ihre“ Kinder natürlich nicht einfach gehen lassen. Sie entdecken die vier bei dem Versuch, das Wohnhaus unbemerkt zu verlassen und so beginnt eine wilde Verfolgungsjagd zum Hamburger Hafen.
Unterwegs im Taxi tauschen die Kinder ihre Kleidung. Während Ioana und Radu die Fähre besteigen, führen Tobi und Paula die Verfolger in die Irre. Doch dann wird Paula entdeckt und der Chef folgt den rumänischen Kindern auf die Fähre. Doch Ioana und Radu sind auch nicht auf den Kopf gefallen und wehren sich mit einem Feuerlöscher. Der Chef nimmt ein unfreiwilliges Bad.
In der Zwischenzeit versucht der zweite Kopf der Bande, Paula in den Lieferwagen zu zerren. Tobi kann ihn mit Hilfe seiner Steinschleuder daran hindern und die Polizei nimmt sich des Menschenhändlers an.
Aus den Augenwinkeln beobachten Paula und Tobi den obersten Chef, der sich heimlich in ein Taxi schleicht.
Die Zeit der Abenteuer ist vorbei. Während Paula mit Hilfe von Sonnencremes für Sylter Ferienbräune sorgt, sitzt Tobi bei seiner Nachprüfung – die er glücklich besteht.
Paula kommt im strömenden Regen mit dem Taxi vor ihrem Elternhaus an. Ihre Eltern finden sie etwas verändert – offenbar hat ihr die Zeit auf Sylt gut getan.
Die Pröllingers sind ebenfalls wieder im Lande und staunen nicht schlecht, als Tobi ihnen eröffnet, dass er auf dem Gymnasium bleiben kann. Sein Vater begreift zum ersten Mal, wie ernst es seinem Sohn mit seinen Träumen ist. Auch Jenny ist deutlich „größer“ geworden, sie hat Reiten gelernt und eigene Träume verwirklich. Für beide Kinder waren es wichtige, tolle Ferien.
Paula bekommt das versprochene neue Tagebuch. Doch das ist für sie eher nebensächlich. Als sie hört, dass Elsa entlassen wurde, weil sie Geld veruntreut und wirre Geschichten über T-Shirts, Tiramisu und Paula auf dem Rad erzählt hat, weiß sie, dass sie ihr Feriengeheimnis lüften muss.
Die Eltern glauben ihr zunächst kein Wort, aber Paula hat gelernt, sich Gehör zu verschaffen. Endlich kann sie ihren Eltern die Geschichte erzählen, die ihr Leben in so kurzer Zeit verändert hat. Bald darauf kann sie auch Elsa wieder in die Arme schließen, mit der sie als Einziger immer hatte reden können.