
Durchblick 8+ - Paulas Geheimnis - Deutschland 2006 - 95 min.
Charakterisierung der Persönlichkeiten / Vergleiche mit eigenen Erfahrungen im Rahmen der Fächer Deutsch, Sozialkunde / Gemeinschaftskunde oder Religion / Ethik / Lebenskunde
Die unterschiedlichen Figuren des Filmes, ihre persönlichen Merkmale, Empfindungen und ihr Umgang mit sozialen Situationen lassen sich im Unterricht sehr gut herausarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler können am Beispiel der handelnden Personen charakterliche Eigenschaften und ihre Darstellung im Film erfassen und ihre unterschiedlichen persönlichen Facetten zu ihrer sozialen Situation ins Verhältnis setzen.
Der Film eignet sich in diesem Zusammenhang gut für eine Analyse der Sprache der verschiedenen Persönlichkeiten, dem Vergleich ihrer emotionalen Befindlichkeiten und ihres Umgangs mit der Realität.
Paula ist ein introvertiertes Mädchen, das die Zeit am liebsten mit Tagträumen verbringt. Sie wünscht sich, dass ihre Eltern ihr zuhören und möchte gern mehr Anerkennung erfahren. Dass ihr Vater sie immer noch „Püppchen“ nennt, stört sie. Sie fühlt sich dafür inzwischen zu alt. Das Verhältnis zu Elsa, der italienischen Haushälterin, ist herzlich, doch auch ihr vertraut sich Paula nur sparsam an. Freundinnen und Freunde hat Paula nicht, offenbar hat sie schlechte Erfahrungen gemacht. Aus anderen Menschen macht sie sich allerdings auch nicht viel. Sie ist in ihrer Fantasiewelt glücklich. Sie hofft auf den Prinzen, der sie aus allem herausholt und der sie mitnimmt in ein Leben voller Romantik und Abenteuer. Dass sie in der Schule gut ist, ist ihr nicht wichtig.
Wie alle Figuren wird auch Paula in weiten Teilen über ihre Sprache charakterisiert. Paulas Sprache ist ein wenig gestelzt. Sie kennt viele Fremdworte und ist auch firm in grammatischen Fragen und im Englischen. Ihr fällt das selbst nicht auf, denn sie spricht kaum mit anderen. Es ist für sie normal, sich sorgfältig auszudrücken und beim Sprechen keine Fehler zu machen. Genauso normal, wie mit dem Taxi zu fahren oder auf ein Konsulat zu gehen.
Tobi ist ein Junge, der weiß, was er will. Er hat einen großen Traum, um den er bangen muss, weil er zu seiner Realisierung das Abitur brauchen wird. Tobi ist in Paula verliebt, kann ihr jedoch nicht näher kommen, denn sie beachtet ihn überhaupt nicht. Im Gegensatz zu Paula steht Tobi mitten im wirklichen Leben, nervige Schwester und gedankenlose Eltern inbegriffen. Er entwickelt viele gute Ideen, wie er seine Vorstellungen umsetzen kann, und steckt voller Tatkraft und Energie. Seine Unsicherheit erstickt er mit ständigem Essen, ein deutliches Zeichen, dass auch bei ihm nicht alles so ist, wie er es gern hätte. Tobi ist zunächst der Motor der Handlung, Paula zieht erst nach und nach auf gleiche Höhe.
Tobis Sprache ist lange nicht so elaboriert, wie sie sein könnte. Er macht grammatische Fehler, lernt jedoch gern dazu. Tobi spricht eben, wie ihm „der Schnabel gewachsen ist“. Das führt öfter zu witzigen Situationen, wenn Tobi beispielsweise sagt: „Das ist das einzigste, was abstresst...“ und Paula ihn verbessert: „Das einzige. Das einzige, was … abstresst.“
Tobis Schwester Jenny ist ein fröhliches Mädchen, das sich auf die Ferienreise freut. Mit ihrem Bruder hat sie die üblichen Reibereien unter Geschwistern, aber sie steht auch hinter ihm, wenn es nötig ist. Jenny hat ein recht unbekümmertes Wesen und kann sich gar nicht vorstellen, dass andere sie nicht mögen. Als sie im Feriencamp ankommt, ist sie vom Luxus, den sie vorfindet, überwältigt. Mit der Häme und der Arroganz der übrigen Mädchen kann sie jedoch bald schon nicht mehr umgehen. Ausgelacht für jede Kleinigkeit sehnt sie sich nach Hause zurück. Glücklicherweise sorgen umsichtige Erzieherinnen dafür, dass sich Jenny im Feriencamp wohl fühlen kann.
Jennys Sprache, wie Tobis „frei von der Leber weg“, ist eines der wichtigsten Kennzeichen für ihre „Andersartigkeit“ im Feriencamp. Sie erzählt gern Witze, zeigt lautstark ihre Empfindungen und kümmert sich dabei wenig um ihre Wortwahl. Das Vokabular der Mädchen „aus besserem Hause“ versteht sie teilweise nicht. Ihre angebliche Unwissenheit macht sie angreifbar und die anderen Mädchen benutzen sie, um Jenny „vorzuführen“.
Radu und Ioana wirken relativ hoffnungslos, was angesichts ihrer Lebensumstände nicht sehr verwundert. Ihre zunächst vermutete Abgebrühtheit verliert sich auf den zweiten Blick. Dass die beiden mutig sind, zeigt sich, als sie ihren Chefs das Tagebuch entwenden. Dieser Mut unterstützt die Glaubwürdigkeit ihres Fluchtversuchs.
Die Erwachsenen
Paulas Eltern sind freundlich und zugewandt, sie lieben ihre Tochter offenbar sehr. Allerdings schenken sie ihrer Arbeit und damit ihren Handys wesentlich mehr Aufmerksamkeit als ihr. Sie haben sehr klare Vorstellungen, wie ihr Leben aussehen soll, und setzen sie ohne Blicke nach rechts und links um. Von ihnen hat sich Paula nicht nur die Manieren und die Sprachgewandtheit abgeschaut, sondern auch die unbewusste Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber.
Tobis Eltern sind handfest und stehen mitten im Leben, das sich um einfache Freuden dreht. Auch sie lieben offenbar ihre Kinder, ohne deren Wünsche wahrzunehmen. Die Mutter hat zu ihrer Tochter ein sehr herzliches Verhältnis, der Vater kann mit seinem Sohn mehr anfangen. Er möchte, dass aus ihm mal „etwas Richtiges“ wird, dass er einmal mit seinen Händen arbeitet und nicht so ein „Studierter“ wird, der nicht weiß, wie man eine Sicherung austauscht.
Der „Denkzettel“, den Tobis Eltern ihren Kindern verpassen wollen, fällt allerdings auf sie zurück. Die Kinder fehlen ihnen auf der Ferienreise.
Der Englischlehrer ist ein sympathischer Mann, der Tobis Qualitäten erkennt und ihm gern helfen möchte.
Die Pädagoginnen im Feriencamp haben ebenfalls ein waches Auge für das Wohlbefinden ihrer Gäste. Das Mobben von Jenny unterbinden sie, sobald es für sie offensichtlich wird, und sie finden eine gute Lösung für Jennys Probleme mit den anderen Mädchen.
Elsa, die Haushälterin, spielt eine besondere Rolle. Sie kümmert sich liebevoll um Paula und merkt, dass ihr etwas fehlt. Sie ist die erste, der Paula den Verlust des Tagebuchs anvertraut und mit der sie über dessen Bedeutung spricht. Elsa sieht Paula und Tobi zufällig, als die beiden den Minibus verfolgen und macht sich Sorgen, dass etwas nicht stimmt. Aber auch Elsa findet bei Paulas Eltern kein Gehör.
Mr. Rutherford aus dem britischen Konsulat schenkt Paula das Gehör, das ihr zu Hause fehlt. Er hilft, wenn auch zögerlich, weil er Paula vertraut. Dass er ihren Eltern verschweigen muss, dass sie nicht auf Sylt ist, nimmt er dafür in Kauf.
Fragestellungen zu den Figuren des Films