
Durchblick 8+ - Paulas Geheimnis - Deutschland 2006 - 95 min.
Erarbeitung der Inhalte im Rahmen der Fächer Deutsch, Sozialkunde / Gemeinschaftskunde oder Religion / Ethik / Lebenskunde
Gernot Krää verbindet in „Paulas Geheimnis“ soziale Realität und die Entwicklung von Persönlichkeiten mit einer spannenden Krimihandlung. Er erzählt die Geschichte von fünf Kindern aus unterschiedlichen sozialen Milieus, die versuchen, ihre Wünsche und Träume wahr werden zu lassen.
Paula kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, hat sich jedoch mit ihrem Tagebuch eine Traumwelt geschaffen, die die fehlende Aufmerksamkeit ihrer Umgebung ersetzt. Tobi lebt in einfachen Verhältnissen und träumt von einer Zukunft als Astronaut. Seine Schwester Jenny liebt Pferde und würde gern reiten. Radu und Ioana wiederum werden ausgebeutet und leben in einer menschenfeindlichen Situation. Der Film konzentriert sich von Anfang an auf die Vernetzung dieser unterschiedlichen „Kinderleben“. Krää benutzt dazu die Krimihandlung als Motor, um Kinder mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu konfrontieren. Er vermeidet dabei außergewöhnliche Zufälle und bleibt stets dicht an der Realität.
Im Unterricht kann der Film inhaltlich unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten (einzeln oder nacheinander) eingesetzt werden:
Im Abschnitt „Anregungen zur Verwendung der Zusatzmaterialien auf der Videoebene“ finden sich Anregungen für eine Arbeit mit Filmausschnitten, die auch als „Nur Ton“ und „Nur Bild“ abgespielt werden können.
Unter dem Aspekt Detektivgeschichten können generelle Merkmale des Genres herausgearbeitet und dargestellt werden. Zum Beispiel können die Schülerinnen und Schüler typische Situationen des Filmes und ähnliche Situationen aus anderen Kriminalgeschichten einander gegenüberstellen (in Bildern oder Texten) und die Ähnlichkeiten bestimmter Situationen und ihrer Darstellung erkennen.
Zur Nacherzählung der Handlung können außerdem die Arbeitsblätter 1 – 5 verwendet werden. Arbeitsblatt 1 (Paula und ihre Gedanken) befasst sich mit der Traumwelt von Paula und ihrer Situation, Arbeitsblatt 2 (Tobis Steinschleuder) fragt nach der Bedeutung der Steinschleuder für die Handlung, Arbeitsblatt 3 (Jenny im Feriencamp) beschäftigt sich mit der ausgekoppelten Geschichte von Tobis Schwester und ihrer Rolle, Arbeitsblatt 4 (Die Erwachsenen im Film) ermöglicht eine Betrachtung der Erwachsenenrollen, und Arbeitsblatt 5 (Das Telefonat) befasst sich mit einer der Schlüsselsequenzen des Films.
Obwohl „Paulas Geheimnis“ nicht auf einer literarischen Vorlage basiert, können Beispiele aus der Detektivliteratur für Kinder hinzugezogen und zum Vergleich mitbetrachtet werden.
Bei der Erarbeitung können die Schülerinnen und Schüler die Figuren (und ihre Wohnung oder besondere Attribute, die zu ihnen gehören, wie zum Beispiel Jennys Zauberpferd) malen bzw. als Collagen zusammenstellen, und – je nach Jahrgangsstufe mündlich oder schriftlich – anschließend im gemeinsamen Gespräch beschreiben.
Wird der Film im Rahmen eines größeren Projektes behandelt, können diese Bilder im Klassenzimmer ausgehängt und für die weitere Bearbeitung mitgenutzt werden.
„Typisch Mädchen“, „typisch Junge“ ist ein weiterer Aspekt, der mit Hilfe dieses Films sehr gut thematisiert werden kann. Alle Figuren des Filmes handeln eigenständig und mutig. Sie haben geheime Wünsche und Träume und müssen diese gegenüber anderen „verteidigen“. Paulas „kitschige“ Liebessehnsucht, Tobis Wunsch, Astronaut zu werden und Jennys Traum von einem Pferd werden von den Erwachsenen belächelt. Dieses „nicht-ernst-genommen-werden“ kennt jede Schülerin und jeder Schüler. Im Unterricht lässt sich dieses Thema in Verbindung mit den Geschlechterrollen so thematisieren, dass eigene Erfahrungen eingebracht werden können. Hierzu gehört auch das Arbeitsblatt 9 (Rollenbilder Mädchen und Jungen).
Ein weiteres wichtiges Thema, das der Film ins Blickfeld rückt, ist das Thema „Diebstahl“. Möglicherweise haben Schülerinnen und Schüler Erfahrungen damit, wie es ist, „beklaut“ zu werden. In einer Analyse von Paulas Situation können solche Erfahrungen mit eingebracht werden.
Die Darstellung der Kinderbande aus Rumänien und ihrer Lebensbedingungen sollte in diesem Zusammenhang im Unterricht ebenfalls thematisiert werden. Dass (Waisen)kinder von Kriminellen ausgenutzt werden, ist eine weltweite Tatsache, die das soziale Empfinden der Schülerinnen und Schüler berühren wird. (Ein berühmtes literarisches Beispiel ist hierzu Charles Dickens’ „Oliver Twist“). Es ist wichtig, die Schülerinnen und Schüler darauf hinzuweisen, dass diese Art von Kindesmisshandlung kein osteuropäisches Phänomen ist – hier wird es bei den Schülerinnen und Schülern möglicherweise auch viele Vorurteile geben. Sie sollten diese ohne Beschönigung vortragen und anhand des Filmes überdenken. Der Film zeigt den Druck und die Gewalt, denen die Kinder der Bande ausgesetzt sind, und stellt dar, wie Paula und Tobi ihre Vorstellungen revidieren. Damit bietet der Film eine gute Gelegenheit, auch die Vorurteile der Schülerinnen und Schüler in Frage zu stellen. Anhand des Filmausschnittes „Paula bekommt ihr Tagebuch zurück“ können sie das Problem noch einmal aufgreifen und – zum Beispiel auf großen Blättern, die im Klassenzimmer aufgehängt werden – ihre Vorurteile und ihre Gedanken zu diesem Thema aufschreiben. Die Verantwortung unserer eigenen Gesellschaft sollte dabei ebenfalls zur Sprache kommen. Besonders in den Fächern Sozialkunde und Ethik/Relgion bietet sich darüber hinaus eine Bearbeitung des Themas „Schuld“ an.
Die Figuren des Films „Paulas Geheimnis“ haben eine eigene, spezifische Art zu sprechen. Es bietet sich an, im Unterricht das Thema „Sprache und Elternhaus“ und das Thema „Kommunikationsprobleme“ näher zu betrachten (siehe auch „Die Figuren und ihre Charakterisierung“).
Deshalb werden die Filmausschnitte „Tobis Familie“, „Tobi bietet Paula Hilfe an“, „Paula versucht, mit ihren Eltern zu sprechen“ und „Jenny im Feriencamp“ im Menü der Videoebene in den drei Varianten „Nur Bild“, „Nur Ton“ und „Bild und Ton“ angeboten.
Mit Hilfe der reinen Audio-Variante kann die Sprache der Figuren vertiefend herausgearbeitet werden. Wie wird eine Figur durch ihre Sprache charakterisiert? Dazu können die Schülerinnen und Schüler Beispiele für bestimmte Worte, grammatikalische Eigenheiten und Gegensätze im Vokabular der handelnden Figuren heraussuchen und notieren.
Mit Hilfe der reinen Bild-Variante können die Schülerinnen und Schüler den Figuren selbst ihre Stimme „leihen“. Außerdem lassen sich ohne Ton Aspekte der Körpersprache und bildlichen Charakterisierung der Figuren gut herausarbeiten.
Die Filmausschnitte „Paula wird beklaut“ und „Paula bekommt ihr Tagebuch zurück“ befassen sich mit der Situation des Diebstahls und der Diebe. Sie lösen beim Zuschauer sehr unterschiedliche Emotionen aus: im ersten Ausschnitt konzentriert sich der Film auf Paula und ihren Verlust, im zweiten Abschnitt öffnet er den Blick für die schwierige Situation von Ioana und Radu und führt zu einem erbitterten Streit zwischen Paula und Tobi. Die Konzentration auf diese kurzen Abschnitte der Handlung ermöglicht eine vertiefende Reflexion der Motive und der Entwicklung der Personen. Die Schülerinnen und Schüler können sie in Einzel- oder Gruppenarbeit behandeln und ihre eigenen Empfindungen beim Sehen der Ausschnitte mit einbeziehen (wo liegen Sympathien, wie denken sie über die Personen, wem geben sie Recht).
Die aus dem Film entnommenen Fotos der Bildergalerie können für die Schülerinnen und Schüler hilfreich sein, um sich an bestimmte Szenen zu erinnern und die damit verbundenen Aspekte noch einmal vertiefend zu reflektieren. Die Bildergalerie auf der Videoebene kann dabei so eingesetzt werden, dass die Fotos einzeln mit dem Beamer auf die Wand projiziert werden und die Schülerinnen und Schüler dazu die Geschichte erzählen, die zu diesem Bild gehört.