
Durchblick 10+ – Rot wie der Himmel – Cristiano Bortone – Italien 2006 – 96 min
Italien 2006
Regie: Cristiano Bortone
Drehbuch: Cristiano Bortone, Paolo Sassanelli, Monica Zapelli
Kamera: Vladan Radovic
Schnitt: Carla Simoncelli
Musik: Ezio Bosso
Produktion: Cristiano Bortone, Ivan Fiorini, Daniele Mazzocca
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
BJF-Empfohlung: ab 10 Jahren
Länge: 96 Minuten
Luca Capriotti (Mirco), Simone Gullì (Felice), Francesca Maturanza (Francesca), Paolo Sassanelli (Don Giulio), Marco Cocci (Ettore), Simone Colombari (Vater), Francesco Campobasso (Davide), Alessandro Fiori (Mario), Andrea Gussoni (Valerio), Michele Iorio (Giacomo)
Der Film basiert auf der Lebensgeschichte von Mirco Mencacci, einem der besten Tongestalter des heutigen italienischen Films, der mit Regisseuren wie Ferzan Ozpetek („Le fate ignoranti“ und „La fenestra di fronte“), Michelangelo Antonioni, Nanni Moretti und Marco Tullio Giordano („La meglio gioventù“) zusammengearbeitet hat.
Italien in den siebziger Jahren. Der 10-jährige Mirco lebt mit seinen Eltern in einer kleinen toskanischen Stadt. Er spielt mit seinen Freunden gern Blinde-Kuh und liebt es, mit seinem Vater ins Kino zu gehen. Doch eines Tages hat ein Missgeschick schlimme Folgen für Mirco: er verletzt sich an den Augen und verliert seine Sehkraft. In den siebziger Jahren ist Integration noch ein Fremdwort und sehbehinderte Kinder dürfen keine Regelschule besuchen – deshalb wird Mirco in ein Internat nach Genua geschickt. Mirco wehrt sich trotzig gegen die neue Umgebung, die ihm feindlich und ungerecht erscheint. Doch dann entdeckt er die Welt der Töne und damit eine neue Leidenschaft. Gemeinsam mit seinem neuen Freund Felice und der Nachbarstochter Francesca entwickelt er ein Hörspiel, das immer mehr Kinder des Internates zum Mitmachen animiert. Allerdings stößt das begeisterte Treiben der Jungen beim Direktor auf erbitterten Widerstand. Dessen Devise lautet unerschütterlich: Blinde Kinder sollen gehorchen lernen, sonst kommen sie im Leben nicht zurecht. Sein Lehrer Don Giulio allerdings ist von dem kreativen Eifer seiner Schüler beeindruckt und angetan. Als der Direktor Mirco der Schule verweisen will, ergreift er deshalb dessen Partei. Gemeinsam mit den Kindern bringt er das Hörspiel auf die Bühne und läutet damit an der Schule eine neue pädagogische Ära ein.
„Mirco Mencacci arbeitet heute als anerkannter Sound Editor in der italienischen Filmbranche. Seiner Kindheit widmet sich Cristiano Bortone nun mit diesem leise emotionalen Plädoyer für das Recht Blinder auf ein normales Leben. Einflüsse sowohl aus ‚Cinema Paradiso‘ als auch ‚Club der toten Dichter‘ verleihen mediterranes sowie internationales humanistisches Flair.“
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„Ein sehr emotionaler Film mit tollen Darstellern und der klaren Botschaft: Verwirkliche deine Träume!“
„Uns hat begeistert, dass der Regisseur diese wahre Geschichte gefunden und einen Film daraus gemacht hat! Über blinde bzw. anderweitig benachteiligte Kinder gibt es unserer Meinung nach viel zu wenige Filme. Uns ist durch diesen Film bewusst geworden, wie sehr wir uns im Alltag auf unseren Seh-Sinn verlassen, obwohl wir vielleicht so wie Mirco noch ganz andere Fähigkeiten hätten, die wir einfach nur nicht gut genug nutzen. Wir haben es sehr genossen, uns in die Welt eines blinden Kindes hinein zu versetzen und haben teilweise sogar die Augen zugemacht, um Mircos Welt der Töne und Geräusche ganz sinnlich erleben zu können. Mircos Kreativität beim Erzeugen der Töne, aber auch die Fantasie aller anderen blinden Kinder haben wir sehr bewundert. Ganz deutlich herausgekommen ist auch, dass es in den 1970er Jahren noch nicht so üblich war, blinde Kinder gleichberechtigt zu behandeln und ihnen die gleichen Chancen einzuräumen wie ‚normalen‘ Kindern. Eigentlich setzt sich ja nur der junge Priester-Lehrer Don Giulio für Mirco ein, er riskiert sogar seinen Job, als er sich gegen den Direktor stellt, um eine neue Show durchzusetzen.
Die Szene, in der Mirco den Unfall mit dem Gewehr hat und blind wird, war für uns ein Schock, obwohl wir darauf vorbereitet waren. Kleine Details wie der wackelnde Sessel oder die Zeitlupe waren schon Andeutungen darauf, dass gleich etwas geschehen wird. Dennoch war diese Szene wirklich ganz schrecklich für uns.
Sehr gut gefallen hat uns, wie sich die Freundschaft zwischen Mirco und Francesca entwickelt. Eine der schönsten Szenen im Film ist jene, in der sie sich gegenseitig das Gesicht abtasten, um sich ‚mit den Händen zu sehen‘. Die Annäherung an seine Mitschüler erfolgt hingegen eher zögerlich. Felice ist der erste, der Mircos Freund wird. Auch diese beiden haben eine ganz wunderbare gemeinsame Szene: Im Baum sitzend erklärt Mirco, der vor seinem Unfall ja sehen konnte, dem seit seiner Geburt blinden Felice die verschiedenen Farben (daher auch der Titel des Films!). Ansonsten fanden wir alle Geräuschemacher-Szenen, die Tonbänder als beste Hausübung und den heimlichen Ausflug ins Kino besonders toll. Der Film hat mit dem ‚Blinde Kuh-Spiel‘ der Kinder in Mircos Heimatort auch eine wunderbare Klammer, die jeweils Beginn und Ende des Films markiert.
Die Kamera setzt Mircos zunehmende Blindheit sehr gut in Bilder um. Mehrmals sieht man die Welt quasi aus seinen Augen, z.B. als er ganz stark verschwommen gerade noch die Konturen seiner Eltern wahrnehmen kann, die ihm zuwinken. Seine Sehkraft wird noch einmal schlechter, und wieder übernimmt die Kamera das für die Bilder und alles wird noch undeutlicher. Die Musik hat ganz fantastisch zum Film gepasst, und das Geräuschemachen war für uns große Filmfans natürlich sehr interessant zu sehen. Toll, dass der wahre Mirco das zu seinem Beruf machen konnte!
Dieser gefühlvolle Film hat uns sehr bewegt und gerührt. Wir konnten uns sehr gut in Mircos Situation hinein versetzen und mit ihm ‚mit leben‘. Ein wunderschön trauriger Film mit einem ernsthaften Anliegen, der uns gleichzeitig aber auch die unglaubliche Lebensfreude einer Gruppe von blinden Kindern nahe gebracht hat!“