zum Anfang des Inhalts
Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 10+ – Rot wie der Himmel – Cristiano Bortone – Italien 2006 – 96 min

Methodische Vorschläge für den Unterricht

Die Problemstellung des Filmes

„Rot wie der Himmel“ erzählt die Geschichte eines sehbehinderten Kindes im Italien der 1970er Jahre. Die Handlung basiert auf Kindheitserlebnissen des heute in Italien bekannten Tongestalters Mirco Mencacci und schildert die Entwicklung des kindlichen Helden auf drei Ebenen:

  1. muss Mirco nach einem Unfall verarbeiten, dass er einen wichtigen „Sinn“ – die Sehfähigkeit – verloren hat und die Qualität und Möglichkeiten der übrigen Sinne entdecken,
  2. wird Mirco als 10-jähriger aus seiner vertrauten Umgebung gerissen und muss sich unter Fremden ein neues soziales Umfeld aufbauen, und
  3. entdeckt er ein Talent und eine Leidenschaft, die von wichtigen Personen in der Umgebung nicht nur nicht toleriert, sondern zunächst sogar als indiskutables Fehlverhalten bestraft und verachtet werden. Er muss also auch lernen, zu sich selbst zu stehen und Hindernisse zu überwinden.

Alle drei Ebenen sind wichtige Bereiche für die Entwicklung des Kindes, denn sie stärken seine Ich-Identität und zeigen Wege aus unerträglich scheinenden Situationen. Diese Bedeutung überträgt sich auch auf den kindlichen Zuschauer. Am Beispiel von Mirco können als bedrohlich empfundene Lebenssituationen, Fremdheitsgefühle und Ängste erkannt, besprochen und bearbeitet werden. Im Bereich des sozialen Lernens können darüber hinaus solidarisches Verhalten und Empathie für Mitschülerinnen / Mitschüler erlebt werden, die sich vielleicht in einer so unbekannt neuen Situation befinden, wie sie der Film schildert.

Die Entwicklung von Mitgefühl und Bewunderung für die Kraft und das Durchhaltevermögen von Mirco und seinen Freunden stärkt auch das Selbstwertgefühl der Zuschauer und ermutigt sie möglicherweise, eigene Interessen / kreative Ideen zum Ausdruck zu bringen, darüber zu berichten und sie in einem neuen Kontext zu reflektieren. Der Film bietet in diesem Zusammenhang viele Anknüpfungspunkte zur Beschreibung persönlicher Gefühle – auch gegenüber dem Verhalten von Mirco, dessen Gefühlsausbrüche erst einmal verstanden werden müssen.

 

Methodisch ist auf dieser Ebene des Filmverständnisses und der Filmwirkung je nach Alter der Schülerinnen und Schüler eine Nacherzählung des Filmes aus einem besonderen Blickwinkel ebenso möglich wie eine fundierte Analyse der Ereignisse, der dargestellten Beziehungen oder der im Film ebenfalls thematisierten gesellschaftlichen Veränderungen Anfang der siebziger Jahren.

Für die Betrachtung und Erarbeitung der emotionalen Entwicklung des kindlichen Helden, seiner Konfliktlösungsstrategien und der gesellschaftlichen Bedingungen, denen er sich unterordnen muss, eignen sich natürlich nicht nur mündliche oder schriftliche Erzählungen und Erörterungen, sondern auch die kommunikative Ebene des kreativen Handelns, so wie sie der Film an Mircos Beispiel vorstellt.
Hier können beispielsweise folgende Vorschläge umgesetzt werden:

Sehbehinderung als Schwerpunkt-Thema

Der Film bietet sowohl anschaulich als auch auf der emotionalen Ebene vielfältige Anregungen zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Verlust der Sehfähigkeit“. In zwei Szenen ist deutlich zu sehen, wie Mircos Sehfähigkeit schwächer wird und welche Verzweiflung dies bei ihm auslöst:

  1. in der Szene, in der er vom Fenster aus seinen Eltern zum Abschied winken möchte, sie jedoch kaum noch erkennen kann und
  2. in der Szene nachts in der Toilette, als er Licht machen möchte und glaubt, es sei kaputt.

Beide Szenen sind auf der Video-Ebene extra abspielbar.

Um sich dem Thema „Sehbehinderung“ zu nähern können die Schülerinnen und Schüler nach dem Film den Ablauf aus der Erinnerung rekonstruieren – vom Unfall über die Diagnose zur Veränderung der Lebenssituation und Entwicklung von neuen Perspektiven.

Außerdem können sie herausarbeiten, wie sich die Erwachsenen Mirco (und den anderen Jungen) gegenüber verhalten, wie sie sie behandeln und was dies für Mirco bedeutet. Dabei sollte auch der blinde Ettore zur Sprache kommen, der Mirco deutlich macht, dass ihm die Zukunft trotz seiner Sehbehinderung viele Möglichkeiten bietet.

Selbsterfahrungen fördern das Verständnis für die Folgen des Verlustes der Sehfähigkeit. Wenn Schülerinnen und Schüler einen Mitschüler mit verbundenen Augen über den Pausenhof führen, sich mit Hilfe eines Stockes durch den bekannten Klassenraum tasten oder akustischen Signalen ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen folgen, werden sie begreifen, welche Hindernisse sehbehinderte Menschen überwinden müssen.

Welche Hilfsmittel Blinden und Sehbehinderten dabei zur Verfügung stehen, kann mit Hilfe zusätzlicher Filmausschnitte aus der „Sendung mit der Maus“ und aus dem Film „Die Blindgänger“ auf der Video-Ebene und /oder den Arbeitsblättern zu Hilfsmitteln und zur Blindenschrift von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden.

 

Arbeit mit der Video-Ebene – Pfuschversuch („Die Blindgänger“)

Eine Schülerin versucht, bei einer Klassenarbeit abzuschreiben, die an einer Braille-Maschine getippt wird. Sie kann die „richtige Lösung“ nur ertasten, ein eher mühseliges Unterfangen. Außerdem sehen weder sie noch ihre Freundin, dass die Lehrerin den Betrugsversuch bemerkt – und so müssen sie den Klassenraum verlassen und bekommen eine „6“.

 

Arbeit mit der Video-Ebene – Mülleimer im Weg („Die Blindgänger“)

Die beiden Hauptfiguren des Filmes gehen mit ihren Blindenstöcken eine Außentreppe hoch, als ein sehender Junge „Vorsicht! Mülleimer!“ ruft – in der Absicht, sie zu veralbern.
Als sie zurückkommen, haben die Jungen tatsächlich einen Mülleimer auf die Stufen gestellt. Ein anderer Junge pfeift allerdings warnend und sie bemerken und „entfernen“ das Hindernis.

 

Arbeit mit der Video-Ebene – Braille-Eier

Der Ausschnitt aus der „Sendung mit der Maus“ veranschaulicht am Beispiel eines Sechser-Packs Eier die Logik hinter der Blindenschrift und die Kombinationsmöglichkeiten, die in den Punkten stecken. Außerdem wird die Funktionsweise der Blinden-Schreibmaschine veranschaulicht.

 

Arbeit mit der Video-Ebene – Pfiffige Erfindungen

Wer nicht sehen kann, muss Informationen über andere Sinneskanäle erhalten. Durch Tasten, Erspüren und Hören beispielsweise. Auf Fotos werden bekannte und vielleicht den Schülerinnen und Schülern noch nicht bekannte Hilfsmittel für Sehbehinderte vorgestellt.

 

Der Film spielt Anfang der siebziger Jahre und thematisiert in einem Nebenstrang die gesellschaftliche Situation, die Mirco dazu zwingt, weit weg von zu Hause in das Internat zu gehen. Die Integration von Menschen mit Behinderungen ist heutzutage im Schulalltag normal – zu der Zeit, als die Eltern der Schülerinnen und Schüler Kinder waren, war dies jedoch noch nicht üblich. Am Beispiel von Mirco kann jeder Zuschauer gut erkennen, welche zusätzlichen emotionalen Schwierigkeiten solche gesellschaftlichen Einschränkungen bedeuten, die meist noch mit Vorurteilen gepaart sind.

Ältere Schülerinnen und Schüler können in diesem Zusammenhang recherchieren, wie sich die Situation im Lauf der Zeit verändert hat – und zwar mit Blick auf

Im Menüpunkt „Gesellschaftliche Veränderungen“ werden verschiedene Aspekte dieses Themenkomplexes noch einmal im Überblick zusammengefasst.

Sinneseindrücke und Selbstwahrnehmung

Ein zweiter wichtiger Aspekt des Filmes ist das Thema „Sehfähigkeit / Verlust der Sehfähigkeit“ in Verbindung mit den übrigen Sinnen. Die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit diesem Thema als Vertiefung des inhaltlichen Aspektes bietet sich folglich an. Ein idealer Ausgangspunkt ist dabei die Neugier, die Schülerinnen und Schüler sicherlich haben. Sie sollten ermuntert werden, Fragen zu diesem Thema zu stellen und ihre Vorstellungen (auch Vorurteile) zu äußern.

Im Film weicht Mircos Verzweiflung, als er bemerkt, dass ihm die Fähigkeiten seiner anderen Sinne neue Möglichkeiten der Wahrnehmung bieten. Rückschläge, von denen der Film ebenfalls erzählt, bringen Mirco dabei ebenso weiter wie die Unterstützung durch Erwachsene und gleichaltrige Freunde. Mircos Selbstständigkeit und seine Aktivitäten berühren ein weiteres wesentliches Thema – das „Mitgefühl“. Es ist wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler bewusst werden, dass die Möglichkeiten des eigenständigen Handelns durch den Verlust eines Sinnes nur partiell verloren gehen und durch Hilfsmittel, gezielte Übungen und gegebenenfalls abgeänderte Abläufe ersetzt werden können. Im Gespräch ist es wichtig, den Unterschied zwischen „Unterstützung“ und „Hinderung der Eigenständigkeit“ herauszuarbeiten und an persönlich nachvollziehbaren Beispielen deutlich zu machen (gerade Kinder kennen das Gefühl, dass ihnen etwas „abgenommen“ wird, das sie gern selbst machen möchten).

Gut geeignet sind auch gezielte Übungen mit verbundenen Augen im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof, die nicht das „Nicht-Sehen“ in den Mittelpunkt stellen, sondern die Wahrnehmungsmöglichkeiten der übrigen Sinne.

Manchen Kindern fällt es schwer, sich ohne das Sehen zurechtzufinden. Ein „Hörprotokoll“ des Schulweges ist eine gute Möglichkeit, die Orientierung über das Gehör zu erproben ohne auf das Sehen ganz zu verzichten: Es fällt leicht, die optische Umgebung zu beschreiben, wie aber sieht es mit der akustischen aus?

Eine „Hausaufgabe“, die das Hören schult, ermöglicht den Schülerinnen und Schülern neue Erfahrungen. In der Umgebung der Schule oder auf ihrem Schulweg können sich jüngere Schülerinnen und Schüler außerdem nach akustischen Hilfsmitteln – beispielsweise an Ampelanlagen – umsehen, auf Wegmarkierungen und tastbare Bordsteinkanten achten und ihre Entdeckungen im Unterricht zusammentragen.

 

Arbeit mit der Video-Ebene – Klangbilder

Die „Klangbilder“ verdeutlichen durch Ausschnitte aus dem Film die „Vertonung“, die Mirco mit dem Bandgerät vornimmt. Jede Szene kann man „nur hören“ oder als Filmszene sehen. Auf diese Weise kann die akustische Wahrnehmungsfähigkeit der Schüler geschult werden.

 

Die hier vorgeschlagenen kreativen Methoden eignen sich nicht nur für Grundschüler, auch bei älteren Schülern oder in der pädagogischen Ausbildung können „spielerische Ausflüge“ in die Kindheit zu neuen Erkenntnissen führen. Zum Thema „Wahrnehmung und Sinne“ finden sich auf der Video-Ebene (s. Menüpunkt Einsatzmöglichkeiten) ausgewählte Filmausschnitte, die als Aufhänger für eine Auseinandersetzung genutzt werden können. Außerdem wird dieser Aspekt in einem eigenen Menüpunkt vertieft.

Beschreibung von Gefühlen

„Rot wie der Himmel“ ist ein emotionaler Film – er erzählt von Gefühlen und löst sie auch aus. Es bietet sich deshalb an, die oben aufgeführten Themen nicht zuletzt unter dem Aspekt der emotionalen Gestaltung zusammenzutragen und im Klassenraum eine Darstellungsform dafür zu finden. Möglich ist beispielsweise eine Ausstellung mit Filmfotos, zu denen die Schülerinnen und Schüler Kommentare schreiben, oder eine eigene Darstellung der Gefühle, die im Film zu entdecken sind in Form von Bildern oder Rollenspielen.

Die Schülerinnen und Schüler können beispielsweise Bilder zu Schlüsselszenen von Mircos emotionaler Entwicklung gestalten oder auf großen Plakaten die unterschiedlichen Persönlichkeiten des Filmes und ihre Gefühlslage in Beziehung setzen.

Bei der Erarbeitung des komplexen Themas können folgende Leitfragen zu Grunde gelegt werden:

In diesem Zusammenhang bietet sich ein Exkurs über die Darstellungsmöglichkeiten von Gefühlen im Film an. Woran erkennt der Zuschauer die Gefühle der Hauptfiguren? Welche Beispiele fallen den Kindern ein – wie werden in den Beispielen die Bildausschnitte gewählt, wie der Ton, wie die Musik?

Erwerb von Medienkompetenz über die Zusatzmaterialien zum Filmton

Auf der Video-Ebene der DVD befinden sich Filmausschnitte aus zwei Trickboxx-Sendungen des KiKa, die sehr gut veranschaulichen, wie sorgfältig der Ton zu Bildern erstellt und gemischt wird, um eine filmische Gesamtkomposition zu erhalten. Diese Ausschnitte haben zwar nicht unmittelbar mit dem vorliegenden Film zu tun, können jedoch genutzt werden, um die einzelnen Tonelemente eines Filmes zu erarbeiten und das dabei gewonnene Wissen anschließend auf Sequenzen von „Rot wie der Himmel“ anzuwenden.

Eine schriftliche Zusammenstellung der Tonelemente eines Filmes finden sich bei „Medienkompetenz – Der Ton im Film“. Sie können zusammen mit den dazugehörigen Arbeitsblättern zu einer Unterrichtseinheit im Bereich Medienkompetenz verbunden werden.

 

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument