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Durchblick 10+ – Rot wie der Himmel – Cristiano Bortone – Italien 2006 – 96 min

Wahrnehmung und Sinne

Der Film bietet eine Fülle an Momenten, die zeigen, wie Sehbehinderte und Blinde wahrnehmen können. Gleichzeitig zeigt er in vielen Szenen, wie sich der Hauptheld zunächst gegen seine Erblindung wehrt, dann mehr und mehr begreift, wie groß der Reichtum der Wahrnehmung durch die übrigen vier Sinne ist und schließlich eine neue Leidenschaft für das Hören entwickelt.

Diese Szenen, von denen einige hier beispielhaft aufgeführt sind, können von den Schülerinnen und Schülern im Unterricht in Einzel- oder Gruppenarbeit aufgegriffen, teilweise nachgestellt und durch eigene Überlegungen und Schlussfolgerungen ergänzt werden.

Was macht Mirco im Unterricht so wütend? Was muss er unbedingt lernen, um weiterzukommen?

Mirco, der Held des Filmes, kann nicht akzeptieren, dass er erblinden wird. So lange er noch schemenhaft sehen kann, zählt er im Internat zu den „Sehenden“. So erzählt er es Francesca und so schätzt er es auch ein. Jemand wie er muss die Blinden-Schrift nicht lernen, denn er ist nicht blind. Mirco macht es gleich am ersten Tag in der Schule wütend, dass er „Braille“ lernen soll. Auch das Abtasten der Herbstfrüchte und Blätter findet er eine Zumutung. „Du hast fünf Sinne, Mirco“, sagt Don Giulio daraufhin. „Warum willst du nur einen davon gebrauchen?“

Mirco muss lernen, dass Sehen nur eine von mehreren Wahrnehmungs­möglichkeiten ist. Um zu begreifen, welche Chancen ihm die übrigen Sinne bieten, braucht er allerdings Zeit: Zeit, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen, Zeit, zu akzeptieren, dass seine abnehmende Sehkraft ihn dazu zwingt, die Eltern zu verlassen und in einer fremden Umgebung zu leben.

Wie gelingt es Francesca, Mirco „aufzutauen“? Was erlebt er im Keller? Welcher Sinn hilft ihm dort?

Die sehende Francesca ist das erste Kind, auf das Mirco zugehen kann – möglicherweise eine logische Konsequenz auf seine Frustrationen. Sie ist mit der Problematik der blinden Jungen vertraut, weshalb sie sich Mirco gegenüber „normal“ verhält. Ihre natürliche Neugier – die Frage, ob er noch etwas sehen kann – weckt Mircos Vertrauen. Die Aussicht, in den Keller gehen zu können, weil ihm Francesca etwas „zeigen“ möchte, motiviert ihn zusätzlich.

Bei Francesca merkt Mirco zum ersten Mal, dass ihn der Tastsinn verlässlich leiten kann – er repariert die Fahrradkette ohne größere Schwierigkeiten und bekommt Lust, seine Möglichkeiten auszutesten. Die Radfahrt ist gewiss riskant, offenbar gelingt es Mirco jedoch immer noch, mit dem schemenhaften Sehen den Weg zu erkennen.

Wie lernt Mirco den Schlafsaal kennen? Warum fasziniert ihn das Tonbandgerät? Was macht er, als er es entdeckt?

Der zweite Sinn, den Mirco für sich neu entdeckt, ist das Gehör. Er klopft an Schränke und Metallbetten und erfährt dabei nicht nur, wie sie sich anfühlen, sondern auch, welche Töne er ihnen entlocken kann. Sein Erkundungsgang durch den Schlafsaal eröffnet ihm eine neue Dimension der Wahrnehmung, die sein verloren gegangenes Selbstbewusstsein wieder stärkt.

Wie beschreibt Mirco Felice die Farben? Was fällt Schülerinnen und Schülern dazu ein?

Seine erste Erfahrung, wie sein Sehsinn und die Erinnerungen an Bilder sich mit den übrigen Sinnen in Verbindung bringen lässt, hat er bereits zuvor, auf dem Baum mit Felice, gemacht. Um Felice zu erklären, wie Farben sind, suchte er passende Vergleiche aus der Welt des Spürens: Blau wie der Wind im Gesicht und das Meer, rot wie Feuer und der Himmel bei Sonnenuntergang, braun wie die Rinde des Baumes, auf dem sie sitzen. Dass Felice nicht alle Vergleiche nachvollziehen kann, die Mirco aus seiner Erinnerung holt, ist verständlich. Mirco muss erst lernen, passende Vergleiche zu finden, die mit den übrigen Sinnen verbunden werden können.

Wie reagiert Mirco, als Felice sein Gesicht abtastet? Wie reagiert er später bei Francesca? Was spielt für beide Reaktionen sicherlich auch eine wichtige Rolle?

Das Abtasten des Gesichts durch Felice findet Mirco befremdlich. Er ist es nicht gewohnt, dass ihn ein anderes Kind so ausführlich berührt. Später tastet er Francesca ebenso ab und merkt, dass man Menschen auf diese Weise sehr intensiv nahe kommen kann. Ungewohnt nahe für einen Sehenden. Doch angenehm nahe, um das Gesicht eines anderen näher kennen zu lernen. „Wenn man ein Gesicht mit den Händen erfühlt“, sagt Francesca, „kann man sagen, ob eine Person schön oder hässlich ist.“

Was denken die Schülerinnen und Schüler über den Kinobesuch im Film? Worin unterscheiden sich die beiden Darstellungen? Was, glauben sie, fasziniert Mirco in diesem Zusammenhang so, dass er daraus später einen Beruf machen wird?

Eine sehr schöne Erfahrung ist für Mirco der Kinobesuch mit den anderen Kindern. Auch wenn sie die Bilder nicht sehen können, amüsieren sie sich prächtig. Der Filmton, die ungewohnte Atmosphäre, die Reaktionen der Zuschauer um sie herum – aus all den Eindrücken entsteht ein eigener Film im Kopf, der ohne das Gemeinschaftserlebnis Kino so nicht möglich wäre.

Als Mirco zu Beginn des Filmes mit seinem Vater ins Kino geht, ist es vor allem das Gemeinschaftserlebnis, das den Filmgenuss unterstreicht.

Wie entsteht das Hörstück? Warum müssen sich die Eltern bei der Vorführung die Augen verbinden?

Der Film erzählt die Geschichte von Mirco Mencacci, der später im italienischen Film ein bedeutender Tongestalter wurde. Entsprechend zeigt der Film viele Experimente und Ideen, unterschiedliche Geräusche herzustellen. Bereits Mircos kleines Hörstück für Francesca über den Regen, der dem Sonnenschein weicht, braucht viele unterschiedliche Töne, um seine Geschichte zu erzählen.

Das Märchenstück ist schon sehr viel komplexer. Wie es den Kindern gelingt, die Geschichte zu erzählen, und welche Aufnahmen sie dafür machen, wird in „Rot wie der Himmel“ sehr anschaulich dargestellt.

Bei der Aufführung vor den Eltern erhalten diese Augenbinden, damit sie die Besonderheit der Erzählung richtig wahrnehmen und genießen können und nicht durch die Betrachtung der Herstellung der Geräusche abgelenkt werden.

 

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