
Durchblick 10+ – Rot wie der Himmel – Cristiano Bortone – Italien 2006 – 96 min
Die folgenden Anhaltspunkte nehmen den Film als Ausgangspunkt für sehr unterschiedliche Recherchen zum Thema „Sehbehinderung und Blindheit“. Insbesondere ältere Schülerinnen und Schüler können in Einzel- und Gruppenarbeit die diversen Aspekte des Themenkomplexes erarbeiten und im Klassenplenum später zusammentragen.
Mircos Geschichte hat nicht nur eine persönliche Dimension, sondern auch eine gesellschaftliche und eine geschichtliche. Anfang der 1970er Jahre, so rahmt der Film Mircos Erlebnisse ein, war es in Italien gesetzlich verboten, sehbehinderte Kinder in einer Regelschule gemeinsam mit sehenden Kindern zu unterrichten. Sie durften ausschließlich Sonderschulen für Sehbehinderte und Blinde besuchen – aus diesem Grund muss Mirco seine Eltern verlassen und in ein Internat gehen. Am Ende des Films informiert ein kurzer Text darüber, dass das Gesetz 1975 abgeschafft wurde, so dass endlich sehbehinderte und blinde Kinder gemeinsam mit sehenden zur Schule gehen konnten.
Die Diskriminierung bestand jedoch nicht nur in der Trennung der Schüler, sie bestand vor allem in den beruflichen Perspektiven, in den Möglichkeiten, die Sehbehinderten eingeräumt wurden. Im Film steht der Direktor des Internats symbolisch für diese gesellschaftliche Behinderung von Sehbehinderten – die Zukunft seiner Schüler sieht der Direktor ausschließlich in handwerklichen Tätigkeiten wie Weben oder Korbflechten, andere Fähigkeiten duldet er nicht, geschweige denn, dass er sie fördert.
Sucht man heute im deutschen Teil des Internets nach dem Begriff „Blindenschule“, stellt man fest, dass es viele Schulen für Sehbehinderte und Blinde gibt, an denen sie getrennt von Sehenden unterrichtet werden. Darüber hinaus gibt es jedoch auch gemeinschaftlichen Unterricht in Integrationsklassen an Regelschulen.
Der Vorteil einer Blindenschule liegt heute vor allem in der Ausstattung mit technischen Hilfsmitteln – denn der Unterrichtsstoff ist mittlerweile der gleiche wie an allen anderen Schulen auch. Speziell ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen, Blindenschrift-Maschinen und –Bibliotheken, Computer mit Sprachsystemen und Braille-Zeile und andere für Blinde wichtige Voraussetzungen für eine gute Ausbildung nützen der beruflichen Qualifikation und Zukunft.
Das Thema „Lernen mit einer Sehbehinderung“ kann im Unterricht auch schon von jüngeren Schülerinnen und Schülern selbstständig recherchiert und erarbeitet werden. Dadurch werden das Bewusstsein, dass bei Sehenden ein großer Teil der Wissensvermittlung über die Augen erfolgt, geweckt und die vielgestaltigen Möglichkeiten kennen gelernt, wie Wissen auch vollkommen anders erworben werden kann.
Mirco Mencacci, das Vorbild des Filmes, ist ein italienischer Sound Designer. Der Film zeigt, wie sich seine Leidenschaft für Kino und Hörspiele in der Kindheit entwickelt - ein eindringliches Plädoyer für die Umsetzung persönlicher Interessen.
Evgen Bavkar ist ein blinder Fotograf. Auch er entwickelte seine Leidenschaft weiter, nachdem er durch einen Unfall in der Kindheit die Sehfähigkeit verlor.
Louis Braille, der letztendliche Erfinder der Blindenschrift, dessen 200. Geburtstag man 2009 feiert, erblindete ebenfalls als Kind. Seine Leidenschaft galt fortan der Entwicklung von Möglichkeiten, trotz des Verlustes der Sehkraft zu Lesen und Wissen zu erwerben.
Ray Charles, einer der bekanntesten blinden Musiker, verlor seine Sehkraft mit sieben Jahren und wurde 160 Meilen von seiner Heimatstadt entfernt auf eine Schule für Blinde geschickt, auf der nicht nur Blinde und Sehende getrennt wurden, sondern auch Schwarze und Weiße.
Esref Armagan ist Maler – und von Geburt an blind. Obwohl er noch nie etwas sah, zeigen seine Bilder die Realität um ihn herum. Er erfühlt sie mit den Fingern und erhält dabei eine so klare Vorstellung von seiner Umgebung, dass er sie malen kann.
Blinde Menschen werden manchmal ohne Sehfähigkeit geboren, manchmal verlieren sie ihre Sehfähigkeit jedoch, nachdem sie Seh-Erfahrungen gemacht haben. Ursachen dafür sind Unfälle oder Augenerkrankungen, die den Sehnerv so sehr schädigen, dass die Erblindung nicht aufgehalten werden kann.
Die Erinnerung an Farben, Gegenstände, Landschaften und ähnliches wirkt bei denen nach, die sie vor der Erblindung sehen konnten. Diese Erinnerungen haben Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Klängen, Geräuschen oder Gerüchen. Der Duft eines Sommerwaldes weckt die inneren Bilder von Bäumen, Moos und Sonnenlicht zwischen den Zweigen, der Duft von Salzwasser die von Meer und Strand.
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