
Durchblick 12+ – Kurzfilm-Satiren gegen Rechtsradikalismus – 4 Filme, 48 min.
Chancen, die Filme für das Lernen – insbesondere bei diesem Thema auch das emotionale – bieten, erschließen sich nur, wenn sie kompetent in die organisierten Lehr- und Lernprozessen der Schule integriert werden. Bezogen auf die dabei zumeist durchgeführten Medien(Film)gespräche und auf die Auswertung von medial vermittelten Informationen heißt das, Phantasie walten zu lassen bei der Aufarbeitung von Filmen.
Das kann schon vor der Filmvorführung beginnen, indem Aktivitäten gefördert und gefordert werden, z. B.: Vorwissen durch Assoziationen oder „Quizfragen“ aktivieren; Vermutungen äußern und sammeln lassen; die Lernenden in die Rolle von Regisseuren versetzen, die Ziele für „ihren“ Film formulieren, Schauspieler auswählen oder Mini-Drehbücher erstellen sollen.
Vor diesem Problem stehen die meisten Pädagoginnen und Pädagogen häufig bei der Filmbesprechung, unabhängig von der Qualität des gerade Gesehenen. Bei Filmen mit Spielhandlung werden häufig Verlegenheitsfragen wie „Ich habe den Film gut/schlecht gefunden, was meint Ihr dazu?“ gestellt. Nicht nur, dass solches Vorgehen die Adressaten selten erreicht, auch mögliche Impulse aus der Lerngruppe werden so unterbunden, weil entweder zu „zielgenau“ oder zu unverbindlich gefragt und vor allem den Lernenden kein Raum zur selbständigen Aufarbeitung gegeben wird. Eine gut durchdachte Methodenwahl ist deshalb notwendig. Sicher ist die Methodenwahl für das Filmgespräch und die Filmauswertung von der Klasse, der Art des Mediums und dem Verwendungszweck abhängig, aber es ist doch möglich, einige Hinweise zu geben, die generell gelten.
Grundsätzlich wichtig ist: „Jede(r) sieht seinen eigenen Film“. Filmerlebnis ist ein Akt subjektiver Wahrnehmung (1) – und entsprechend unterschiedlich ist auch das „Ergebnis“. Dementsprechend muss jede Aufarbeitung fehl gehen, die davon ausgeht, dass alle das wahrgenommen haben, was ich (Lehrer/in) wahrgenommen habe – unabhängig davon, dass es natürlich auch unterschiedliche Interpretationen und Bewertungen des Gesehenen und Gehörten gibt / geben muss.
Die Methoden der Filmaufarbeitung müssen also dieser Wahrnehmungs- und Verarbeitungsrealität gerecht werden, müssen auf ihnen aufbauen und die darin liegenden kommunikativen Chancen aufnehmen und lernwirksam nutzen. D. h. vor allem: Die Lehrerinnen und Lehrer müssen Methoden anwenden, durch die möglichst viele der Lernenden Gelegenheit haben, sich zu äußern und ihre Gedanken auszutauschen, und sie müssen alle Äußerungen gleich wichtig nehmen (können).
Mit Blick auf die methodische Bearbeitung der auf der DVD vorhandenen vier Kurzspielfilme zum Thema Rechtsradikalismus/ Rassismus/ Vorurteile ist zu bedenken, dass sie auf bereits manifeste Vorurteile und Haltungen von Schülerinnen und Schülern stoßen können. Diese Haltungen sind häufig durch das familiale Umfeld bzw. die Peer-Group geprägt. Will man diese Haltungen mittels der hier vorhandenen Filme „aufweichen“ bzw. bei Schülerinnen und Schülern, die indifferent sind, problematisieren, ist es wichtig, dass diese nicht zu einer „Verurteilung“ von rechtsradikal denkenden Schülerinnen und Schülern führen, sondern diese die Chance bekommen im Diskurs mit anderen, ihre Haltungen zu überprüfen. Deshalb sind die bei den jeweiligen Filmen vorgeschlagenen Methoden bewusst „offen gehalten“ und nicht direktiv.
Von allen Kurzfilmen gibt es auf der DVD Video-Ebene wie auf der ROM Ebene jeweils ca. 20 ausgewählte Szenenfotos, die für die Vorbereitung wie für die Nachbereitung nützlich sein können. Sie lassen sich ausdrucken und können so z.B. für Kleingruppenarbeit zur Verfügung stehen. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Thema in einer weiteren Stunde schnell wieder ins Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler heben.
Das Arbeitsblatt 3.3 Einstellungsgrößen und Perspektiven macht für Schülerinnen und Schüler deutlich, wie sich filmische Gestaltungsmittel für die Akzentuierung von Stimmungen handelnder Personen und die Dramaturgie des Geschehens nutzen lassen. Alle vier Kurzfilme dieser DVD haben diese Gestaltungsmittel in besonderer Weise genutzt. Auf diese wird in den jeweiligen Abschnitten „Filmsprachliche Mittel“ Bezug genommen.
Friedemann Schuchardt