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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 12+ – Kurzfilm-Satiren gegen Rechtsradikalismus – 4 Filme, 48 min.

5. Kurzfilm: „Leroy räumt auf“

Deutschland 2005, 19 Min., Farbe

Regie Armin Völckers
Drehbuch Armin Völckers
Kamera Tony Mitchel
Szenenbild Christiane Rothe
Kostüm Julia Jokisch
Casting Nele Holbe und dee bee phunky
Schnitt Marty Schenk
Ton Peter Schmidt
Musik Sonnenstudio Berlin, The Firebrothers
Darsteller Alain Morel (Leroy), Mark Dimant (Dimitrios), Frauke Schönhals (Eva), Paul Maaß (Hanno), Julius Jellinek (Horst), Andreas Schulz (Siegfried), Raphael Wildt (Adolf), Hanna Steidle (Leroys Mutter), Errol Trotman-Harewood (Leroys Vater), Andreas Müller (Langzeitstudent), Eugene Masat (Türke), Mirco Dzienkansky (Oberskinhead), Eric Bouwer (Skin Zven), Tobias Retzlaff (Skin Erbse), Fabian Astor (Irrer) u. a.
Produktion Dreamer Joint Venture Filmproduktion GmbH, in Koproduktion mit Storm Film
Produzenten Oliver Stoltz, Marc Wilkins
FSK-Freigabe o. A.
FBW-Prädikat „wertvoll“

Inhalt

Als Kind eines Schwarzafrikaners und einer Deutschen ist der inzwischen 17-jährige Leroy in Berlin aufgewachsen, einer Stadt, die er ziemlich „groovy“ findet. Der nette Junge mit dem Afrolook ist eng mit Dimitrios befreundet, dessen einer Elternteil aus Griechenland stammt und den Leroy einfach nur „Dimi“ nennt. Leroy hat auch eine Freundin, die blonde Eva, deren vier Brüder Hanno, Horst, Siegfried und Adolf der rechtsradikalen Skinhead-Szene anhängen. Früher hat das einige Probleme gegeben, doch inzwischen haben sich die Brüder mit Leroy arrangiert und „zusammengerauft“. Leroy hat allerdings ein Problem: Er ist ein „schwarzer Deutscher“ und auch wenn er sich dadurch nicht unmittelbar diskriminiert fühlt, bereitet ihm das Deutschsein nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Holocaust und den Brüdern seiner Freundin zunehmend Probleme. Diese diskutiert er ausführlich mit Dimi, ohne allerdings zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Als Evas Brüder dann ohne weitere Erklärung von der Skinhead-Szene Abstand nehmen wollen, hat Leroy die zündende Idee: Da seiner Ansicht nach bisher jede jugendkulturelle Szene von der Kommerzialisierung geschluckt und neutralisiert worden ist, gründet er zusammen mit Evas Brüdern die erste Skinhead Boygroup der Welt „Skin Sync“.

Hintergrund

Der Kurzfilm von Armin Völkers aus dem Jahr 2005 ist nicht zuletzt deshalb entstanden, weil der Filmemacher, der keine Filmhochschule besucht hatte, potenziellen Geldgebern damit beweisen wollte (und bewiesen hat), dass er das Talent besitzt, einen Langspielfilm wie „Leroy“ zu drehen. Dieser ist zwei Jahre nach dem Kurzfilm entstanden und wurde 2008 mit dem Deutschen Filmpreis als bester Kinder- und Jugendfilm ausgezeichnet. „Leroy“ kann als DVD in der BJF-Clubfilmothek entliehen werden. Auch unabhängig von dieser ungewöhnlichen Produktionsgeschichte weist der Kurzfilm einen sehr persönli­chen biografischen Hintergrund auf, durch den Deutschland mit den Augen eines Fremden, eines Außenstehenden wahrgenommen wird. Denn Armin Völkers wurde 1963 in West-Berlin geboren, ist aber in Rio de Janeiro aufgewachsen und kam erst 1970 nach Deutsch­land zurück. Dort studierte er von 1983 bis 1988 Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin und stellte als Maler über 50 Mal in Deutschland, Europa und Amerika aus. Seit 1997 arbeitet er als freier Drehbuchautor und hat in dieser Funktion bis zu „Leroy“ zwölf Drehbücher geschrieben. Daneben arbeitete er als Produzent von Zeichentrickserien, als Script Editor, Creative Director und Regisseur. Was er in seinem Kurzfilm nur andeutet und als These und Zustandsbeschreibung formuliert, wird später in seinem Langspielfilm mit dem gleichen Hauptdarsteller Alain Morel ausgeführt und in einen dramaturgischen Spannungs­bogen gefasst, also zu einer richtigen Geschichte ausgearbeitet, in der sich die Figuren erst entwickeln müssen. Völkers hat die Motivation für seine beiden fast gleichnamigen Filme sehr gut selbst beschrieben:

„Ich kam 1970 im Alter von sieben Jahren aus Brasilien nach Deutschland und erlebte Deutschland als kalt, abweisend und düster, voller mir unbekannter Regeln und lebens­gefährlicher Verbote. Als ich zehn war, schaffte mein Vater einen Fernseher an und gab mir damit Gelegenheit zum Eskapismus. Die amerikanischen Filme aus der Zeit stellten beherzte schwarze Helden in ihren Mittelpunkt, garniert mit Soulmusik – beides erinnerte mich stark an Brasilien und stillte die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies meiner Kindheit. Jene sogenannten Blaxploitation-Filme haben diese Wirkung auf mich nie verloren. Natürlich bin ich äußerlich ein Deutscher und habe deutsche Eltern – ich fühle mich jedoch immer noch so fremd in diesem Land wie zur Zeit meiner Kindheit. Zu meiner Überraschung entdeckte ich im Laufe meines Lebens, dass alle Deutschen sich hier fremd fühlen, und ihre Identität gerne verschleiern, negieren oder sich dafür entschuldigen. Bekennen sie sich trotzdem dazu, rutscht ihnen gerne mal die Stimme aus. Der gesunde Mittelwert scheint zu fehlen. Meine Figur Leroy ist auf der Suche nach diesem Mittelwert, vielleicht weil er durch seine Hautfarbe täglich an seinen inneren Widerspruch als Afro-Deutscher erinnert wird. Ich würde mich freuen, wenn die ‘Leroy’ Filme ein bisschen zu einer Diskussion beitragen könnten, die in Deutschland langsam in Gang zu kommen scheint – wie wir Deutschen in Zukunft positiver über uns selbst und einander denken lernen, und wie wir das der Welt kommunizieren. Und wie wir das Leben in Deutschland für alle etwas angenehmer machen können, indem wir etwas weniger nüchtern, misstrauisch und besserwisserisch agieren, etwas weniger jammern, Angst haben und im Schnitt wieder ein bisschen gebildeter werden, indem wir unsere eigene Kultur nicht immer zugunsten von TV-Trash opfern. Und da nehm’ ich mich selber gar nicht aus.“ (Armin Völckers auf www.wendtland-shorts.de)

Alain Morel in der Rolle von Leroy trägt durch seine authentische Unmittelbarkeit beide Filme. Er wuchs in Berlin-Pankow auf. Seine Mutter stammt aus Berlin, sein Vater aus dem Kongo. Beim Casting für den Kurzfilm wurde Alain zufällig und in letzter Minute entdeckt. Er war zwar bereits als 15-Jähriger von einer Casting-Agentur auf der Straße angesprochen und in eine Datei aufgenommen worden, hatte zu dieser Agentur aber zwei Jahre lang keinen Kontakt mehr gesucht. Als der Regisseur dann 2005 einen geeigneten Hauptdar­steller suchte, flog ihm ein Foto des inzwischen 17-jährigen Jungen buchstäblich vor die Füße. Für den gleichnamigen Spielfilm zwei Jahre später nahm Alain Morel dann noch Schauspielunterricht bei der renommierten Berliner Schauspiellehrerin Sigrid Andersson. Auch in Zukunft hofft er als Schauspieler arbeiten zu können.

Themenschwerpunkte

Armin Völkers, der sich für seinen Film Woody Allen zum Vorbild genommen hat, nähert sich reichlich unkonventionell und „politisch unkorrekt“ den Problemen Neonazis und Rassismus. Er möchte über das Lachen und nicht zuletzt über die Musik einen bisher immer noch kaum geführten Dialog herstellen und auf diese Weise helfen, die Realität zu verändern. Denn ihm zufolge sind erst über das gemeinsame Lachen (und das trifft in besonderer Weise auf Klassenverbände zu, in denen einige Schüler/innen bereits der rechten Szene anhängen oder mit ihr sympathisieren) Grenzüberschreitungen möglich. Werden die Personen aus dem ultrarechten Umfeld dagegen dämonisiert und ausgegrenzt, sind sie nicht mehr erreichbar. Zugleich möchte Völkers unterhaltsam und ohne pädagogischen Zeigefinger zeigen, „dass auch Neonazis Menschen sind“ (Presseheft zu „Leroy“), niemand als solcher geboren wird und niemand so bleiben muss. Das soll nicht zu einer Verharmlosung der Gewaltakte von Nazi-Skins führen, sondern vielmehr auf rechte Gewalt und Rassismus erst aufmerksam machen, ohne Abwehrhaltungen beim Zuschauer zu erzeugen. Eine Erklärung dafür, wieso sich viele Jugendliche von neonazistischen Gruppierungen angesprochen fühlen und wie man sich diesen Einflüssen erwehren könnte, liefert der Film allerdings nicht. Für einen Kurzfilm, der auf ein Problem in künstlerisch verdichteter Weise aufmerksam machen möchte, wäre das auch viel verlangt. Stattdessen zeigt er auf eindrückliche und amüsante Weise, wie Vorurteile entstehen; er reflektiert über die Probleme des „Deutschseins“ und wartet mit einem zumindest interessanten „Lösungsansatz“ auf, wie sich die rechtsradikale Skinhead-Szene – und damit sind besonders die Jugendlichen unter ihnen gemeint – wieder in die Gesellschaft integrieren ließe.

Fremde Weltbilder können die eigene Sichtweise bereichern und verändern, aber auch die eigene Orientierung und Identität bedrohen. In letzterem Fall werden sie als Vorurteile bezeichnet. Vorurteile haben offenbar immer nur die anderen. Sie erschweren zugleich die Kommunikation, führen zu sozialen Konflikten und sind nur bis zu einem gewissen Grad tolerierbar. Dem Sozialpsychologen Bernd Schäfer zufolge sind Vorurteile und Stereotype als einfache Bilder über den anderen jedoch auch wesentliche Elemente der Orientierung in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Sie fordern unsere Kommunikationsfähigkeit heraus, „das heißt vor allem Beherrschung der Sprache auch der anderen Seite, Toleranz und Respekt vor anderen Menschen und anderen Sichtweisen“ (Kinofenster 8/98).

Neonazis fühlen sich in besonderer Weise als Deutsche, was – zumindest bis zum „Sommermärchen“ der Fußballweltmeisterschaft 2006 – neben den Problemen mit der jüngeren deutschen Geschichte sowie der allgemeinen Diskussion um die „Wesenszüge“ der Deutschen neue Probleme mit dem Deutschsein verursachte. Leroy räumt mit diesem Problem auf, denn als schwarzer Deutscher ist er allein durch seine Hautfarbe von rassistischen Vorurteilen bedroht.

Dimi: „Ich glaube, die Deutschen haben immer noch ein Problem mit dem ganzen Thema. Zum Beispiel das Wort Jude. Die Deutschen sprechen das nicht gerne aus, das hat für sie was Dunkles.“

Leroy: „Ja, aber das liegt nicht an den Juden, das ist einfach nur Scham. Die Deutschen schämen sich immer noch ... Die Deutschen hoffen immer, wenn man über etwas nicht redet, dann ist es weg.“

Dimi: „Jetzt hab ich dich erwischt. Du sagt ‘Die Deutschen’ so als ob du nicht dazu gehörst.“

Leroy: „Ja, das ist ja gerade das Deutsche an mir, das machen nämlich alle Deutschen. Manche versuchen Fremdsprachen ohne Akzent zu sprechen. Sie denken, wenn man sie nicht erkennt, dann kann man ihnen auch keine Schuld zuschieben.“

Dimi: „Aber die Deutschen entschuldigen sich doch dauernd.“

Der irre Passant: „Es tut mir leid, das mit dem Zweiten Weltkrieg und der Sklaverei und so, und dem positiven Rassismus – und weißt schon, dass du immer als erster ins Basketballteam gewählt wirst und alle denken, dass du einen großen Ballermann hast und gut tanzen kannst.“

Leroy: „Warum gibt es eigentlich keine geisteskranken Türken?“

Dimi: „Keine Ahnung, ich glaube, die leben eher in der Türkei.“

Leroy: „Ach so, die wirken immer so gesund, weißt du.“

Dimi: „Viele Gemüsehändler. Vitamine.“

Leroy: „Neulich bin ich mitten in der Nacht an einer völlig leeren Straße an einer Fußgängerampel stehen geblieben, nur weil sie rot war.“

Dimi: „Das ist echt deutsch. Warte mal, was machst du mitten in der Nacht auf der Straße, Nigger? (ironisch:) Ein Neger – im Dunkeln. Den kann ich ja gar nicht seh’n. Der gehört an der Ampel aufgehängt. Und zur Ermahnung des Volkes werde ich alle deutschen Ampeln auf die Farben Schwarz – Rot – Gold umstellen lassen.“

Leroy: „Ich hab’s. Alles was wir Deutschen machen, müssen wir gründlich machen. Zum Beispiel sind wir tolerant bis zu Vergasung. Oder wir sind militante Pazifisten.“

Dimi: „Oder wir sind einfach nur ganz liebe Menschen wie du und ich ... und Bruno Ganz. „Weißt du, im Alltag sind die Deutschen genauso schlampig wie alle anderen: Zum Beispiel wenn du hier im Krankenhaus operiert wirst ...“

Leroy: „Die Schlampen sind alles Ausländer“ ... (ironisch:) Die deutsche Krankenschwester kämpft für jeden einzelnen Patienten – fanatisch und rücksichtslos bis ins Grab hinein.“

Die Grundidee des Films, die rechtsextreme Jugendszene durch ihre Kommerzialisierung zu neutralisieren, ist übrigens gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Auch der Politikwissenschaftler Dieter Rink geht in seinem 2002 veröffentlichten Aufsatz „Beunruhigende Normalisierung. Zum Wandel von Jugendkulturen in der Bundes­republik Deutschland“ davon aus, dass bisher jede Jugendkultur auf der Suche nach eigenen Ausdrucksmöglichkeiten für ihr eigenes Lebensgefühl irgendwann vom Kommerz vereinnahmt wurde und im Mainstream versandete. Ihm zufolge haben die Jugendkulturen der Nachkriegszeit die Gesellschaft toleranter gemacht. Sie werden nicht mehr so stark ausgegrenzt, kriminalisiert und zerstört wie in früheren Zeiten, was er für ein Zeichen der Stabilität und Integrationskraft der Gesellschaft hält. Andererseits konstatiert er im Wandel der Jugendkulturen und im Ausbleiben neuer Jugendkulturen in Deutschland eine beunruhigende Normalisierung: „Die Wende zum neuen Jahrtausend ist ohne die Herausbildung einer neuen, spektakulären, gar politischen Jugendkultur erfolgt. Allenfalls die rechtsextreme Subkultur kann für sich zurzeit verbuchen, ob ihrer Gefährlichkeit und Dynamik die öffentliche Aufmerksamkeit zu absorbieren.“ (Aus Politik und Zeitgeschichte 5/2002, bpb)

Filmsprachliche Mittel

Der Kurzfilm liefert die augenblickliche Zustandsbeschreibung eines Jugendlichen und zeigt seinen (politischen) Handlungsakt, durch den Leroy als Hauptfigur mit fremden Vorurteilen sowie eigenen Bedenken und Unsicherheiten gründlich aufräumt. Leroy möchte Deutschland reformieren und dabei im Kleinen, also in seiner unmittelbaren Umgebung beginnen. Als Off-Erzähler stellt er am Anfang seine Familie und seine Freunde vor, wobei zugleich Impressionen der Großstadt Berlin zu sehen und zu hören sind. Ein Plakat der von rechten Skinheads vereinnahmten Band Böhse Onkelz sowie Wandschmierereien deuten auf der Bildebene an, dass es in der multikulturell geprägten Stadt auch ultrarechte Strömungen gibt. Alle weiteren Szenen nach dieser Exposition über gut zwei Minuten sind dann im O-Ton gedreht und von Dialogen getragen, hauptsächlich zwischen Leroy und Dimi, die in der Stadt zusammen Aldi-Prospekte verteilen. Das Gesagte wird häufig durch unaufdringliche Metaphern kommentiert, etwa wenn Leroy seinem Freund Dimi davon erzählt, dass Evas Brüder ihn gerne zum Skinhead machen würden und beide schließlich vor einem „Bräunungsstudio“ stehen. Im weiteren Verlauf sind mehrere Sketche in die Gespräche zwischen Leroy und Dimi eingewoben, von der satirischen Einlage mit dem Türken und dem Langzeitstudenten über das Intermezzo des Idioten bis zur Szene auf der Straße, in der zuerst Dimi und dann Leroy in die Rolle eines Demagogen schlüpfen und sich einen Hitler-Schnurbart mit Straßendreck machen. Und selbst die Konfrontation der beiden mit einer radikalen Skinhead-Gruppe, in der Eva völlig überraschend einen von ihnen auf den Boden schleudert und ihm links und rechts eine Ohrfeige gibt, sowie das Ende mit dem Auftritt der neu gegründeten Skin Sync-Band lassen sich als Sketch beziehungsweise als Showeinlage begreifen.

Beispielhaft an diesem Ende, aber auch anhand der Exposition zu Beginn des Films lässt sich der Unterschied zwischen dem Kurzfilm „Leroy räumt auf“ und dem Langspielfilm „Leroy“ sowohl in der Entwicklung der Themen als auch in der formalen Gestaltung aufzeigen (siehe Arbeitsblatt 5). Dieser Vergleich dient auch dazu, die unterschiedlichen Formate in ihren jeweiligen „Schwächen“ und Vorzügen zu erkennen und praktisch zu nutzen. Einige der wichtigsten Unterschiede werden im Folgenden genannt:

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Die Vielschichtigkeit und vor allem Prägnanz der angeschnittenen Themen rund um deutsche Identität, Schuldgefühle, Vorurteile und ihre Überwindung machen den Kurzfilm für den Einsatz in den Fächern Deutsch, Sozialkunde und Geschichte besonders interessant, aber auch für den Kunstunterricht und im Fach Musik. Neben seinem unverkennbaren Unterhaltungswert eignet sich dieser Kurzfilm auch deshalb so gut zur Diskussion und Auseinandersetzung, weil es eben nicht gleich auf den ersten Blick um das Thema Rechtsextremismus geht, mögliche Barrieren also gar nicht erst entstehen.

 

Methodische Anregungen

Im Folgenden werden einige methodische Vorschläge unterbreitet, die Schüler und Schülerinnen aktiv in die Aufarbeitung einbeziehen sollen:

Die amerikanische Debatte

Die „amerikanische Debatte“, bei der sich zwei Gruppen gegenübersitzen und jeweils wechselnd ein Vertreter einer Gruppe zu Wort kommt. Jeder Redner muss zunächst zu den Aussagen des Vorredners aus der anderen Gruppe Stellung nehmen, bevor er seine Gedanken äußert. Dann ist ein Vertreter der gegenübersitzenden Gruppe an der Reihe. Unterschiedliche Positionen und Kritik können so vorgetragen werden, ohne dass es zu individuellen Streitgesprächen kommt.

Rolleninterpretationen

„Wenn ich der/die Darsteller/in wäre“, dann würde ich... . Die Schülerinnen und Schüler versetzen sich in die Rolle der Schauspieler und müssen so eigene Vorstellungen zum Spiel und Thema formulieren.

Filmgespräch: das offene Ende

Es bietet sich an, den Film abzubrechen, bevor die rechtsradikalen Brüder von Leroys Freundin Eva die „Fronten“ wechseln. Wie wird sich das Verhältnis zwischen ihnen und Leroy entwickeln? – Im Anschluss an die Vorschläge für das Filmende wird der Schluss gezeigt.

Utopien formulieren

„Fortschreibung“ des dargestellten Inhalts/ Geschehens in die Zukunft – „Wie wird das denn im Jahre 2030 sein?“

Titelsuche

Der Film wird ohne Vorspann, d. h. ohne Nennung des Titels gezeigt. Die Klasse/Gruppe soll zunächst einen Titel finden. Die Titelfindung dient gleichzeitig dazu, den Schwerpunkt für die Behandlung bzw. die Interessenlage in der Klasse festzustellen. Mithilfe der Arbeitsblätter 5.1 Vorurteile und Stereotype bzw. 5.2 „Deutsch sein“ kann das Thema Gewalt bzw. Rassismus und die Frage von Vorurteilen herausgearbeitet werden und wie sie die Schüler/innen in ihrem Alltag erleben.

Friedemann Schuchardt

 

 

Zu einem erweiterten, die historische Dimension einbeziehenden Vergleich über das „Deutschsein“ und die besondere Gewichtung durch die Nationalsozialisten bietet sich auch der Nazi-Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ von Hans Steinhoff aus dem Jahr 1933 an. Es handelt sich hierbei allerdings um einen sogenannten Vorbehaltsfilm, der nicht öffentlich vorgeführt werden darf. Dieser Film wird von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (FWM) verwaltet und darf nur zu wissenschaftlichen oder Bildungszwecken und unter Begleitung eines fachkundigen Referenten gezeigt werden.

Auf einer von Gerd Albrecht zusammengestellten CD-ROM der FWM-Stiftung mit Arbeits­materialien zum nationalsozialistischen Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ finden sich jedoch u. a. der für einen solchen Vergleich besonders relevante Filmausschnitt und eine Analyse dieses Ausschnitts. Bezug: FWM, www.murnaustiftung.de (15 Euro).

Literaturhinweise und Links

Siehe Hauptabschnitt 7.

 

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