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Durchblick 4+  –  Von Fabelwesen und anderen Tieren  –  Christina Schindler

„Werkschau“ Christina Schindler – Über Nachtgestalten, Raben, Piraten, Zugvögel und Chamäleons

Aus-Flug

D 1988, 11 Min.
Regie/Design: Christina Schindler; Text: Gunter Reus; Sprecher: Heidi de Vries, Wolfgang Strohmayer; Schnitt: Tilmann Kohlhaase; Musik: Hamid Baroudi; Produktion: Christina Schindler.

Kapitel 1: Die Raben lassen das Fliegen sein (2:12)

Zum Vergrößern anklickenEin Rabenvolk beobachtet, dass einer von ihnen vom Himmel stürzt. Die Raben beschließen, dass Fliegen viel zu gefährlich ist und gehen von nun an zu Fuß.

Kapitel 2: Unterricht in Baumkunde (3:07)

Zum Vergrößern anklickenIn „Rabenkunde“ erzählt die Lehrerin Frau Krähenfuß den Rabenkindern die schaurige Geschichte von der ungehorsamen kleinen Arbra, die das Rabenvolk verließ und nach schrecklichen Abenteuern am Ende sogar sterben muss, weil sie ja nicht fliegen kann. Doch Aron glaubt die Geschichte nicht so recht und hängt seinen eigenen Träumen nach.

Kapitel 3: Arbra bei den Schweizer Raben (2:11)

Zum Vergrößern anklickenWährend Frau Krähenfuß die schlimmsten Bilder von den Abenteuern Arbras malt, zeigen die Bilder des Films eine umgekehrte Geschichte. Zuerst begegnet Arbra den Schweizer Raben. Sie sind sehr freundlich zu ihr und blasen riesige Alphörner.

Kapitel 4: Arbra bei den Indianer-Raben (2:00)

Zum Vergrößern anklickenAuch die Indianer-Raben sind sehr nett zu Arbra. Keiner ist böse zu ihr. Sie tanzt mit ihnen sogar um den Marterpfahl. Arbra verabschiedet sich sehr herzlich von ihnen.

Kapitel 5: Arbra entdeckt das Fliegen (2:00)

Zum Vergrößern anklicken Als Arbra am Ende tatsächlich in Gefahr gerät und von einer hohen Klippe fällt, breitet sie im Sturz die Flügel aus und entdeckt, dass sie fliegen kann. Während Frau Krähenfuß den Tod Arbras beschreibt, fliegt die wirkliche Arbra befreit über Berge und Schluchten. Oder sind diese Bilder nur die Fantasie des kleinen Aron, während er der Geschichte von Frau Krähenfuß lauscht?

 

Christina Schindler über Aus-Flug
(siehe Interview im Video-Teil der DVD)

Der Film Aus-Flug ist in meiner Studienzeit entstanden. Es war für mich der typische Lebensabschnitt, in dem ich an den ganz bestimmten Dingen, die einem im Erwachsenenalter erwarten, begann zu zweifeln. Ich wollte diese Dinge, gesellschaftlicher aber auch privater Natur, nicht einfach hinnehmen. Und aus diesem Zweifeln heraus entstand der Film. Im Film geht es um Vögel, die nicht mehr fliegen. Das ist einfach irrwitzig, und genauso habe ich ganz bestimmte Dinge empfunden, die als gegeben hingenommen werden sollten.

Der Film handelt von Raben, die nach einem Abschuss beschließen, nicht mehr zu fliegen, und die lieber zu Fuß gehen. Das ist natürlich absurd, dass Vögel einfach die Welt des Fliegens aufgeben und diese Absurdität, die fand ich unglaublich reizvoll. Sie arrangieren sich mit einem ganz anderen Lebensraum, der natürlich mit ihren Möglichkeiten nichts mehr zu tun hat und sie in weit größere Gefahren bringt. Und um das noch zu legitimieren wird ihnen erzählt, dass sie nur am Baum bleiben sollen. Ich wollte zeigen, dass sich eine Gesellschaft mit einer Lüge über Generationen hinweg ihren Raum einengt. Diejenigen, die an dieser Lüge zweifeln, sind die Kinder, die intuitiv das Gefühl haben, ihnen wird eine zweifelhafte Geschichte erzählt.

Die Form des Geschichtenerzählens wird im Film mit der Figur der Rabengroßmutter, die aus einem Buch vorliest, aufgegriffen. Bücher sind was Tolles, Geschichten sind auch etwas Tolles. Aber in diesem Fall dient die Geschichte dazu, die Kinder zu indoktrinieren. Doch im Film wird diese Indoktrination dadurch entlarvt, dass die erzählte Geschichte und die visuell erfahrene Geschichte jeweils genau das Gegenteil beinhalten. Das erfordert eine aktive Leistung von den Kindern und auch den Erwachsenen, die den Film sehen. Meiner Erfahrung nach gab es keine Kinder, die das nicht aufgedeckt haben. Aber es gab durchaus Erwachsene, denen der Widerspruch nicht aufgefallen ist. Die Rabenkinder, die der Geschichte zuhören, werden zunehmend eingeschüchtert, und mein kleiner Träumer, der in den Himmel guckt und nicht zuhört, der hat eine ganz andere Vision, nämlich die, die man da sieht. Mein Rabenkind Arbra kommt zu den Schweizern, ein Bergvolk, das ich ganz spannend und interessant finde. Der Ausflug von Arbra in die Welt der anderen Vögel ist ein durchaus positiver und sie entdeckt wirklich die Welt zu Fuß. Und am Schluss, wenn sie am Ende der Welt angekommen ist und tatsächlich mit dem Bösen konfrontiert wird, rettet sie das Fliegen, die Wiederentdeckung der eigenen Fähigkeiten, das ist eine großartige Sache, sie sichert einem das Überleben. Am Ende werden die Rabenkinder ins Bett geschickt, eingeschüchtert, aber der eine, der Träumer, der sieht den fliegenden Vogel, die fliegende Arbra, der sollte dann zumindest ausprobieren, ob seine Flügel etwas taugen. Da hört der Film einfach auf, und lässt das Ende, ob auch die anderen die Funktion ihrer Flügel entdecken werden offen.

Die Fantasie, die Vision, das ist ein Leitthema meiner Filme insgesamt. Es geht um diesen Widerspruch zwischen Realität und Fantasie oder Vision. Ich glaube Fantasie und Vision schützt einfach jeden Menschen vor ganz bestimmten, vernichtenden Dingen, sie sichert uns ein Überleben und eine Möglichkeit, mit Schwierigkeiten fertig zu werden. Und so ist das auch in meinem Studium gewesen, die Erfahrung, dass ich zeichnen kann und meine Ideen zu Papier bringen kann, und dass ich darauf vertrauen kann, und dass dies mein Medium ist, das hat mich beflügelt, genau wie das Rabenkind.

Den Text zu diesem Film hat Gunter Reus geschrieben. Die Figuren sind auf Aquarellpapier gezeichnet, einzeln ausgeschnitten und unter die Kamera gelegt worden, auf einen manuell betriebenen Tricktisch. Dementsprechend aufwendig war die Filmaufnahme. Ich habe monatelang dafür gebraucht. Bei diesem Film hatte ich keine Hilfe von anderen, das hat sich später geändert, da hatte ich dann ein ganzes Team zur Verfügung. Die Zeichnungen im Film sind alle von mir gestaltet. Die Zeichnungen der fliegenden Arbra wurden auf Folie gestaltet, alle anderen Teile im Legetrickverfahren hergestellt. Beabsichtigt war, dass der Teil mit den flüssigen Bewegungen passend zu der Welt des Fliegens eine stimmige Einheit bilden sollte. Wobei vorher das Laufen mit den Legetrickphasen eine abgehackte und raue Animation diese Unbeweglichkeit widerspiegeln sollte.

 

Nachts sind alle Katzen bunt

D 1990, 6 Min.
Regie/Design: Christina Schindler; Mitarbeit: Tilmann Kohlhaase, Renate Kempowski, Gert Stallmann; Limericks: Gunter Reus; Musik: Hamid Baroudi; Schnitt: Tilmann Kohlhaase; Produktion: Christina Schindler; Coproduktion: ZDF.

Kapitel 1: Nachts träumt ein Kind (0:40)
Durch eine offene Tür verschwindet eine Katze. Es ist Nacht. Die Spielsachen kann man im Dunkeln kaum ausmachen. Die Katze miaut. Ein Junge liegt im Bett und schläft. Er schnarcht, dreht sich um, zieht die Bettdecke hoch und kuschelt sich ins Kissen. Ein Käuzchen ruft.

Kapitel 2: Nachts träumt ein Rind es wär´ ein Kind (4:00)

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Das Bild verschwindet und ein neues mit einem gezeichneten Baum taucht auf. Dazu spricht eine Stimme im Off: „Nachts jagt der Wind den Traum, nachts sitzt ein Rind im Baum, reibt seine Haut an der Rinde ganz laut, sonst macht es das eigentlich kaum."

Ein Rind, das Kaugummi kaut sitzt im Baum. Die Reste seiner Kaugummiblase werden zu bunten Kuhflecken, die das Rind abzureiben versucht. Das Rind verschwindet, ein Schaf taucht auf, während die Stimme spricht: „Nachts blökt das schwarze Schaf, es findet keinen Schlaf. Da zählt es Wölfe, zehn, elfe, zwölfe. bei dreizehn schläft es ganz brav."

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Nach dem Schaf erscheint ein Hund und die Stimme spricht: „Nachts jault der Hund am Tor, ein Floh kratzt ihn am Ohr. Kannst du nicht singen statt 'rumzuspringen? Die Flöhe husten im Chor. Nachts flattert die Gardine, es ölt die Ölsardine sich tüchtig ein, es könnt ja sein, dass heut der Mond stark schiene. Nachts quietscht ein Fensterladen. Nachts fallen dicke Fladen aus Quatsch ins Kraut. Das knallt ziemlich laut. Ein Mann will sein Pferd wiederhaben. Nachts knarren alte Dielen und Sternenmädchen spielen nicht mit den Puppen, sondern lieber mit Schnuppen, weil die vom Himmel fielen."

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Ein Feuerwerk wird abgebrannt. Nun erscheint eine Kirchturmuhr, deren Zeiger aus einer Schere bestehen. Um zwölf Uhr verwandelt sich das Uhrenpendel in eine Fledermaus und dann in Graf Dracula.

„Nachts kommt der Schlaf so schwer. Nachts kommt ein Graf daher und sagt: Ich beiße! Und dann sagt er: Scheiße! Wo kommt denn der Knoblauch her?"

Dracula geistert durch ein menschenleeres Haus. In der Küche öffnet er einen Kühlschrank, in dem sich Knoblauch befindet. Schockiert verwandelt er sich in eine Fledermaus und flüchtet. Zum Schluss erscheint wieder der Baum vom Anfang des Films. Auch das Rind kommt wieder. „Nachts jagt den Traum der Wind. Nachts sitzt im Baum ein Rind. Es frisst Spaghetti mit Schokokonfetti und träumt, es wär ein Kind."

Kapitel 3: Nachts dreht sich ein Kind im Schlaf (1:00)
Das Kinderzimmer kommt wieder ins Bild. Der Junge dreht sich in seinem Bett um.

 

Christina Schindler über Nachts sind alle Katzen bunt
(siehe Interview im Video-Teil der DVD)

Der Film Nachts sind alle Katzen bunt, sagt ja schon der Titel, kommt von „Nachts sind alle Katzen grau.“ Ich wollte einen Film machen, der in diesem nächtlichen Kinderzimmer beginnt. Wenn alle Gegenstände, mit denen man am Tag zusammen gewesen ist, plötzlich in diesem diffusen Licht anders aussehen, auch Angst machen. Mir ging’s jedenfalls früher so, dass ich vor ganz vertrauten Spielsachen nachts einen leichten Grusel hatte. Angeregt von den Spielzeugen oder Dingen, die man tagsüber erlebt hat, entspinnen sich dann kleine Nachtgeschichten. Das sind Limericks, die wieder Gunter Reus geschrieben hat, der auch bei dem Film „Aus-Flug“ der Texter war. Diese Limericks sollen absurd, witzig, vielleicht auch ein bisschen gruselig sein. Natürlich darf auch ein Vampir nicht fehlen. An dieser Stelle freuen sich besonders Kinder, weil sie einerseits Angst vor diesen Vampiren oder vor Dracula haben aber sich auch unglaublich dafür interessieren. Wenn der durch dieses nächtliche Haus läuft, habe ich versucht, ein bisschen den deutschen Expressionismus nachzuempfinden. So lasse ich den Vampir in ganz dunkle Räume eintreten mit ein wenig Licht, bis er dann schließlich vor dem Knoblauch weichen muss. Da lachen dann auch alle Kinder und freuen sich, dass diese Spannung aufgelöst ist. Er wird verjagt und damit vielleicht auch aus ihren Befürchtungen und Ängsten vertrieben.

Ja diese Kuh vom Anfang kommt wieder, sie frisst Spaghetti mit Schokokonfetti. Diese witzige Kombination freut die Kinder. Und wenn der Junge dann wieder in seinem Bett liegt und endlich einschlafen kann, dann sind Themen angesprochen worden, die Kinder auch beschäftigen. Nach dem Film entsteht meist ein ganz interessantes angeregtes Gespräch über Alpträume und lustige Träume. Die Dunkelheit ist sowieso ein Thema, das Kinder interessiert, vor der sie sich fürchten, aber zu der sie auch eine gewisse Anziehung empfinden.

Der Film ist auf Papier gezeichnet und mit schwarzem Filzstift sind die Figuren auf weißem Papier ausgefüllt worden. Diese Figuren mit schwarzem Strich auf weißem Papier sind auf s/w Strichmaterial aufgenommen worden. Ich habe dann das Negativ als Positiv benutzt. Das Filmmaterial kam aus dem Kopierwerk als schwarzer Film mit transparenten Linien. Und um daraus wieder einen Farbfilm zu machen, habe ich mit Diaphototfarbe diesen Film handcoloriert. Das heißt 24 winzige kleine Quader, so groß wie ein Diapositiv mit einem extrem dünnen Pinsel und mit einer unglaublichen Lupe wurde Bild für Bild dieses Films per Hand coloriert. Das war eine fixe Idee von mir. Ich habe nicht geahnt, was das für eine Arbeit ist, und nicht im Entferntesten ermessen, wie genau man da arbeiten muss. Wenn man so eine kleine Fläche wie diese Sonnenbrille der Sardine treffen möchte, dann muss man schon äußerst präzise mit diesem Pinsel umgehen können.

Ja, warum ich so einen Film machen wollte, ist einfach einer Begeisterung geschuldet, die ich für die non-Kamera Filme von Norman McLaren habe und ich einmal in meinem Leben solch einen Film mit dieser Technologie machen wollte.

 

Rinnsteinpiraten

D 1993, 10 Min.
Regie/Buch/Art Direction: Christina Schindler; Darsteller: Hannah Steinke, Claudius Weber, Piri, Animation: Herdis Albrecht, Christina Schindler; Chefcolor: Jutta König; Kamera: Tilmann Kohlhasse: Kamera Assistenz: Ulrich Schmidt; Musik: Rainald Hahn; Optical Effects: Stefan Finkenzeller; Redaktion: Irene Wellershoff; Produktion: Christina Schindler; Coproduktion: ZDF.

Kapitel 1: Ein Papierschiff für die Rinnsteinpiraten (1:37)

Zum Vergrößern anklickenAus einem Blatt Papier faltet ein Kind ein Boot, das es in einer Regenpfütze vor dem Haus in See stechen lässt. Doch kaum hat es seinem Papierschiffchen den Rücken gedreht, geschieht etwas Merkwürdiges: drei kleine verwegene Gestalten strecken neugierig ihre Nasen über die Reling, krabbeln an Bord und übernehmen umgehend das Kommando des kleinen Dampfers.

Kapitel 2: Rinnsteingefahren (5:23)

Zum Vergrößern anklickenEine abenteuerliche Fahrt durch den Rinnstein beginnt, auf der dem Schiff die vielen verschiedenen Dinge, die von den Menschen täglich als Abfall auf die Straße geworfen werden, wieder begegnen. Auch Gefahren und Hindernissen trotzen die Rinnsteinpiraten mit Geschick und Erfindungsgeist.

Kapitel 3: Die Kehrmaschine (1:30)

Zum Vergrößern anklickenAls das Schiff nach langen Strapazen und in einem Moment der Unachtsamkeit doch von einem Strudel erwischt wird und einen Abfluss hinunterstürzt, geht es mit den Rinnsteinpiraten scheinbar zu Ende.

Kapitel 4: Ein Papierflieger für die Rinnsteinpiraten (1: 28)

Zum Vergrößern anklickenDoch schon kommt ein kleiner Junge und bastelt aus dem aufgelösten Stück Papier einen Flieger...

 

Christina Schindler über Rinnsteinpiraten
(siehe Interview im Video-Teil der DVD)

Der Film Rinnsteinpiraten war für mich eine unglaubliche Herausforderung. Er entstand aus meinen Empfindungen die ich hatte, als ich nach Berlin zog, in diese riesige Stadt. Das Leben in einer Großstadt hatte ich mir nicht so vorgestellt, ich musste mich selbst erst damit arrangieren, dieser permanente Verkehr, dieser gesenkte Kopf, weil man Angst haben musste, bei jedem Schritt in Hundekacke zu treten, dieser Müll überall, das war für mich alles sehr gewöhnungsbedürftig, und es entstand die Idee, dass man die Gefahren oder die Bedrohung, aber auch eine gewisse Poesie, die die Stadt besitzt, in einem Film thematisiert aber aus einer ganz anderen Perspektive, einer Perspektive, die noch kleiner, noch winziger ist als die von Kindern, nämich die von drei Fantasiewesen, die auf einem Papierboot unterwegs sind. Da wird jeder Rinnstein zu einem Gebirge, jeder Bordstein zu einem Abgrund. Die drei kleinen Wesen müssen sich in ihrem Papierschiff diesen Gefahren der Großstadt einfach stellen.

Die Umsetzung dieses Films war für mich die größte technologische Herausforderung, die ich bisher bewältigt habe: zuerst musste ein Realfilm gedreht werden, immer aus der Perspektive dieses noch hinzuzufügenden Bootes mit den drei Piraten. Dafür wurden viele Drehtage in Berlin verwandt: Es mussten Straße abgesperrt werden, die Gullys versiegelt werden und mit C-Rohren und Feuerwehrschläuchen wurden die Rinnsteine geflutet, in denen wir gedreht haben.Ich hatte vorher eine Recherche gemacht, wo die schönsten Rinnsteine in Berlin sind, so kamen recht viele Drehorte zusammen.

Für die Aufnahme mit dem Auto, wo das Boot an einem Reifen stecken bleibt, wurde tatsächlich ein halbes Auto extra dafür gebaut, damit man auch drunter drehen konnte.

Der Realfilm musste natürlich immer die Aktion der Protagonisten respektieren, die ja noch fehlten, denn der Animationsfilm wurde ja nachträglich erst dort eingefügt. Das hieß einfach eine wahnsinnig exakte Planung der Abläufe von einem Geschehen, das rein fiktiv war.

Es war auch ganz interessant mit Piri zu arbeiten, diesem Bullterrier, der dann auf der Straße ein Häufchen machen sollte. Diesen Gefallen hat uns der Hund aber nicht getan. Das Ganze ist gekochtes Hundefutter, das durch ein Rohr hinter Piri auf dem Bürgersteig rausgepresst wurde und so aussehen sollte wie ein Hundehäufchen.

Die ganzen kleinen Gegenstände, die die Rinnsteinpiraten angeln, sind mit Fäden bewegt worden. Dafür hab ich Wolframfäden von einem Glühbirnenhersteller besorgt. Es sind sehr, sehr feine metallische Fäden, die auch ein gewisses Gewicht halten können.

Die Zeichentrickphasen sind auf Folie entstanden und wir hatten den Anspruch auch das Fell oder das Boot entsprechend mehrfarbig zu gestalten, das heißt, es ist in einer Art Nass-in Nass-Technik gearbeitet worden. Das ist ganz ungewöhnlich für einen Folienfilm, oder einen Film, der mit Acrylfarben hergestellt wurde, denn der Prozess bedeutet, dass man sehr schnell arbeiten muss und die Farben ineinander lasierend, vermischt. Aber ich hab mir dabei einfach so eine Lebendigkeit der Figuren erhofft und erwünscht, und ich denke, vielleicht unterbewusst sieht man das auch, dass es sich tatsächlich um ein lebendiges Fell handelt.

Den Film, die Animationszeichnung haben Herdis Albrecht und ich fertig gestellt. Aber wir hatten ein riesiges Team für die Kolorierung dieser Bilder. Die Trickaufnahmen gehen auf mein Konto. Die Realfilmaufnahmen hat Tilmann Kohlhaase realisiert, der Kameramann bei vielen meiner Filme. Die Szene, in der die Rinnsteinpiraten ihr Papierboot über die Straße tragen, war schwierig, weil wir ein Auto direkt auf die Kamera zufahren haben lassen, und dabei haben wir fast unsere Technik eingebüßt, so knapp war das. Es wurde mit einer teuren 35mm Mitchell gedreht, einer bildstandgenauen Filmkamera. Durch eine Lupenverlängerung des Objektivs, diesem so genannten „Snorkel“, konnte man knapp über der Straße drehen. Diese Art von Periskop ragte ein Stück auf die Straße hinaus. Der Kameramann konrollierte gelassen das weitwinklige Bild, während uns klar wurde, dass das herannahende Auto ihn fast überfuhr. Auch die Kehrmaschine musste engagiert und für den Tag von uns gebucht werden. Viele fragen, ob das Fahrzeug dort zufällig vorbei kam, nein, das wurde alles organisiert und die Straße wurde entsprechend abgesperrt.

Die Bedrohung für die Rinnsteinpiraten sollte wirklich so groß werden und die Zerstörung ihres Bootes, dass man schon ahnt, dass die Geschichte kein positives Ende haben kann. Dieses kleine Boot kann einfach nicht diesen Bedingungen Stand halten. Und dann sollte auch dieses traurige Gefühl entstehen, sie sind tot, sie sind verschwunden, und es gibt sie nicht mehr. Aber aus einem einfachen Blatt kann man nicht nur ein Boot sondern auch ein Flugzeug bauen. Und mir ist es ganz wichtig gewesen, dass ich sie nicht sterben lasse, sondern, dass sie eine neue Chance bekommen, ein neues Abenteuer zu bestehen, in der Luft, auf einem Papierflugzeug. An der Stelle sind auch immer Kinder total begeistert und zufrieden. Sie könnten es nicht akzeptieren, dass die kleinen Helden im Gully verschwinden.

Eine Zahnbürste im Rinnstein zum Beispiel ist nicht meine Idee, sondern die hab ich tatsächlich bei meinen Recherchen im Rinnstein gefunden. Und meine Piraten verwenden diese Dinge in einer neuen Funktion. Dadurch haben sie einen neuen Inhalt. Darin sehe ich eine gewisse Poesie dieser Gegenstände, die man einfach nicht beachtet oder die man als Müll bezeichnet. Ich wurde oft angesprochen auf diesen Umweltaspekt. Es ist nicht vordergründig ein Umweltfilm, sondern es ist mehr ein spielerischer Umgang mit Dingen, die wir sonst als Müll oder Abfall oder als wertlos betrachten. Für die kleinen Rinnsteinpiraten haben diese Dinge alle einen enormen Wert und sie sichern auch in einer gewissen Art und Weise ihr Überleben. Der Film ist für mich ein Hoffnungsträger, obwohl man von Anfang an ahnt, dass diese kleinen Tiere keine Chance haben, in ihrem wackligen und zarten Boot zu überleben. Es ist ein Versuch, durch die Großstadt zu kommen und letztlich ein anderes Transportmittel zu finden. Man kann das Ende weiterspinnen. Es werden neue Möglichkeiten gefunden werden für dieses Überleben. Diese kleinen Fantasietiere sind für mich auch wieder ein Symbol für die Fantasie: Wenn das Kind das Boot ins Wasser setzt, dann entstehen diese Tiere, einfach so, wie wenn Kinder behaupten, irgendwo in einem Spielzeug befindet sich einfach jemand. Vielleicht ein Wesen, ein Helfer, ein Held? Ich kann mich noch gut dran erinnern, dass ich auch immer behauptet habe, in den Dingen, mit denen ich spiele, befinden sich irgendwelche kleinen Wesen. Das wollte mir keiner glauben, aber mit dem Film habe ich es einfach bewiesen.

 

Zugvögel

D 1997, 7 Min.
Regie/Buch/Design: Christina Schindler; Darsteller: Ulrich Simontowitz, Friedrich Wengler; Musik: Rainald Hahn; Kamera: Tilmann Kohlhasse; Kamera Assistenz: Michael Krauter; Animation: Ulf Grenzer, Ulrich Nitzsche, Herdis Albrecht, Bert Gottschalk, Matthias Thieme, Gisa Brandes; Color: Jutta König, Mariola Majkowski, Lorenza Lazzarini, Christiane Wegner, Krista Falk, Elisabeth Brinkmeier, Marcus Schmidt, Anke Däumichen; Produktionsleitung: Dirk Bernhardt; Redaktion: Irene Wellershoff; Produktion: Christina Schindler; Coproduktion: ZDF, Matthias-Film gGmbH.

Kapitel 1: Wo sind die Blumen und Tiere im Winter? (0:57)

Zum Vergrößern anklickenIm Garten steht ein Schneemann, die Holzbank und die Tannen sind weiß. Draußen fallen Schneeflocken und drinnen im Wohnzimmer sitzen arbeitend der Vater und gedankenverloren der Sohn: „Du Papa, wo sind die ganzen Vögel, die sonst im Garten sind?“ „Die sind unterwegs, das sind doch Zugvögel. Die sind wie jedes Jahr auf dem Weg in die Sonne“, bekommt er von seinem Vater als Antwort.

Kapitel 2: Zugvögel sind Vögel, die Zug fahren (1:38)

Zum Vergrößern anklickenIn der Fantasie des Jungen rattert aus einem verschneiten Winterwald ein Eisenbahnzug, in dem eine bunte Vogelschar hockt: Vogelkinder bohren in der Nase, Vogelmänner schlafen und Vogelfrauen erziehen ihre Brut. Vögel, die zu spät kommen, springen kurzerhand von der Brücke auf den fahrenden Zug. Und Vögel, die keine Fahrkarte haben, verstecken sich im Klo.

Kapitel 3: Urlaub im „Süden“ (1:16)

Zum Vergrößern anklickenWohin die Reise der Familie Zugvögel – Vater rot, Mutter gelb, Sohn lila gefiedert – geht? Na, in den Süden, genau dahin, wo man ideal wohnt: am Stamm einer Palme, direkt am Meer. Kaum aber ist das komfortable Domizil bezogen, beginnen typische Urlaubsfreuden: Oben in den Palmen frönt eine Band dem Dolce Vita. Unten macht sich eine Gruppe blauer Pfadfindervögel breit.

Kapitel 4: Vogelvater surft (0:16)

Zum Vergrößern anklickenDer Vogelvater hat ein sehr lebendiges Surfbrett.

Kapitel 5: Ausflüge (1:26)

Zum Vergrößern anklickenUrlaub heißt faulenzen. Spektakuläres wird mit Video festgehalten, anderes im Foto, zuweilen auch leicht schief. Ist man schon mal im Ausland, darf auch bei geflügelten Familien die Begegnung mit dem Fremden nicht fehlen: die Sphinx und die arabisch anmutenden Vogelscheichs. Am Ende fährt Familie Vogel schließlich, mit einem neuen grasgrünen Vogelbaby im Gepäck, nach Hause zurück...

Kapitel 6: Alles nur ein Missverständnis? (1:28)

Zum Vergrößern anklicken„Und wer holt die vom Bahnhof ab?“ will der Junge von seinem Vater wissen. Der aber versteht nur Bahnhof und blickt verstört drein. „Wieso? Vögel fahren doch nicht mit dem Zug“, erklärt der Vater ungehalten. „Oder kannst du Dir vorstellen, dass Hansi mit dem Zug in Urlaub fährt?“ Doch er übersieht das winzige Reisegepäck im Vogelkäfig und die kleine Eisenbahn im Schnee…

 

Christina Schindler über Zugvögel
(siehe Interview im Video-Teil der DVD)

Mit dem Film hab ich mir einige Schwierigkeiten eingehandelt. Es sollte in einem tief verschneiten Haus beginnen, wo ein Kind in den Garten sieht und sich fragt, wo die Vögel sind. Und wir sind bei Regenwetter im Harz aufgebrochen, und ich hatte eigentlich keine Hoffnung, dass man diese Aufnahmen bekommt. Und über Nacht geschah das Wunder, es schneite und schneite, ohne aufzuhören, so sehr, dass wir später von diesem Drehort nicht mehr wegfahren konnten. Dieses wunderschöne Haus im Harz, in St. Andreasberg hat uns ein Arzt zur Verfügung gestellt. Er hat auch ganz viele Kinder, und wir konnten ihn überzeugen, dass es unglaublich wichtig für meinen Film ist, genau aus diesem Fenster zu schauen in diesen tief verschneiten Garten.

Zugvögel beruht einfach auf einem Missverständnis. Zugvögel sind nicht Vögel, die mit einem Zug fahren, das weiß jeder, aber ich hab mir das so vorgestellt. Sie fahren halt in den Süden und machen Urlaub, oder überwintern im Süden, wenn es hier so kalt ist. Die Zugvögel sind mit einer alten romantischen Dampflok unterwegs. Während die einen im Abteil die Fahrt genießen sitzen sehr viele auf den Zügen als Schwarzfahrer. Unsere Familie kommt dann tatsächlich im Süden an. Sie sind bestimmt froh, dass sie nicht in einer Hotelvogelanlage absteigen müssen, sondern in einem ganz netten Vogelhäuschen. Aber wie das manchmal so ist im Urlaub, man merkt, dass man sich auch mit schrägen Vögeln arrangieren muss.

Während das Kind sich immer weiter in der Fantasie verstrickt, dass die Vögel mit dem Zug fahren und Urlaub machen, bekommt der Vater überhaupt nicht mit, was in dem Kind vorgeht. Er antwortet lapidar und ist mit seiner Steuererklärung beschäftigt und hat überhaupt keine Lust, sich mit dem Kind zu beschäftigen. Dass die Vögel im Süden ein Ei legen und sich dort vermehren, das gefiel vielen Leuten nicht. Sie sagten, das ist doch gar nicht wahr, alles andere schienen sie akzeptieren zu können, aber das wollten sie mir nicht abnehmen. Wenn dann raus kommt, dass der Sohn eine ganz lebhafte Fantasie hatte und der Vater endlich versteht, was in dem Jungen die ganze Zeit vor sich ging, da wollte ich doch noch mal zeigen, dass der Hansi tatsächlich schon auf gepackten Koffern sitzt und seine Reise in den Süden selbstverständlich schon plant.

Darüber freuen sich Kinder ganz besonders, wenn klar wird, dass der Junge ja doch Recht hatte. Das ist ein Appell an die Fantasie, dass die Vorstellung die Realität befruchtet, und, dass die Fantasie etwas ist, was Kinder hervor zaubern können und was Erwachsenen verschlossen bleiben muss.

Der Film ist in einer Kombination aus Aquarell und Folienanimation realisiert worden. Hier wollte ich auch, dass das Federkleid lebendig aussieht. So wurden alle Folien mit einem speziellen Stift bearbeitet, damit auch die Figuren räumlich wirken sollten. Das war ein Arbeitsschritt mehr und relativ aufwendig in der Umsetzung, aber diesen Anspruch wollte ich an diese Ästhetik von dem Film stellen und es sollte mir auch gefallen. Diese kleine Eisenbahn, die ich dafür extra gekauft hatte, und die im Garten fahren sollte, fuhr natürlich nicht, weil es permanent geschneit hat. Wir hatten ganz große Mühe, die Gleise immer frei zu legen und in einem schneefreien Abschnitt genau diese Schlusseinstellung zu drehen.

 

Anders-Artig

D 2002, 6:35 Min.
Regie/Buch: Christina Schindler; Musik: Rainald Hahn; Animation: Herdis Albrecht, Ulf Grenzer; Clean-Up: Nadja Sasse, Gisa Brandes; Textur: Marcus Schmidt; Ink, Paint, Composing: Thomas Schmidl, Jon Bon Goesel (Trickstudio Lutterbeck, Köln), Redaktion: Irene Wellershoff; Produktion: Christina Schindler Trickfilmproduktion; Coproduktion: ZDF, Matthias-Film gGmbH.

Kapitel 1: Die Geburt der Chamäleons (0:52)

Zum Vergrößern anklickenFünf Chamäleons schlüpfen aus ihren Eiern. Vier gleichen sich völlig. Nur eines ist „anders-artig“. Sein Ei ist abweichend geformt und es kann seine Farbe nicht verändern. Die Vier wenden sich von dem Anders-Artigen ab. Der Schrei eines Adlers versetzt die Chamäleons in Alarm.

Kapitel 2: Tarnung vor dem Feind (0:34)

Zum Vergrößern anklickenSie tarnen sich zwischen Löwenzahn, dessen Farbe sie annehmen. Das rote Chamäleon, das sich farblich nicht anpassen kann, zieht eine Löwenzahnblüte über sich, um unentdeckt zu bleiben.

Kapitel 3: Ein Chamäleon als Vegetarier (1:07)

Zum Vergrößern anklickenDie Chamäleons sind auf Nahrungssuche. Mit ihren langen Zungen fangen die vier „Normalen“ leckere Insekten. Das rote entpuppt sich dagegen als Vegetarier und es zeigt sich, dass es nur eine ganz kurze Zunge hat.

Kapitel 4: Der Adler macht Beute (0:44)

Zum Vergrößern anklickenWährend sich die „normalen“ Chamäleons farblich getarnt auf Steinen sonnen, badet das Rote im See. Als der Adler am Himmel auftaucht, ist es daher gut sichtbar und scheint seine sichere Beute zu sein. Die „normalen“ Chamäleons grinsen voller Schadenfreude. Doch da packt sich der Adler eines von ihnen.

Kapitel 5: Jagd auf das Anders-Artige (2:12)

Zum Vergrößern anklickenDie „normalen“ Chamäleons geben dem roten die Schuld an dem Unglück und beginnen es zu jagen. In panischer Angst läuft es auf seiner Flucht mitten in den Adlerhorst, wo der Adler seine Beute gerade an seine Jungen verfüttern will. Erschreckt über den roten Eindringling fliegen die Jungen aus dem Nest, der Adler hinterher.

Kapitel 6: Freundschaft mit dem Anders-Artigen (0:36)

Zum Vergrößern anklickenDas gerettete Chamäleon kehrt zurück und versöhnt sich mit dem Roten. Gemeinsam hüpfen sie den Felsen hinab und spielen miteinander Verstecken.

 

Christina Schindler über Anders-Artig
(siehe Interview im Video-Teil der DVD)

Die Idee zu Anders-Artig ist mir gekommen, nachdem ich merkte, wie schwierig das Thema Toleranz und Akzeptanz von Anders-Artigen für unsere Gesellschaft ist. Ich glaube, dass die Ausgrenzung von Personen, die nicht so offensichtlich einer Gruppe angehören, wohl für diese Gruppe sehr schwer sein muss. Diese Ablehnung kann bis zu Hass, bis zu Gewalttätigkeit gehen. Das finde ich furchtbar. Dieses rote Chamäleon, das sich einfach farblich nicht verändern kann, wird sofort von den anderen als solches erkannt und missachtet.

Der herannahende Raubvogel kreist über diesen Tieren, die anderen, die sich anpassen können bleiben in einer Unsichtbarkeit, aber der Rote ist extrem gefährdet. Der Zuschauer soll das gleich erkennen. Er versucht immer wieder zu dieser Gruppe Anschluss zu finden und fühlt sich seinen Artgenossen zugehörig, aber spätestens, wenn die alle nach Insekten schnappen, wie so echte Chamäleons, dann outet er sich als Vegetarier, das finden die anderen natürlich mehr als ungewöhnlich. Wenn er sich dann auch noch die Zähne putzt, dann fassen sie sich an die Köpfe. Ich wollte aber auch zeigen, dass sie sich selbst bei dem Versuch einen Schmetterling zu fangen, selbst verheddern. Sie wollen dem Roten vormachen, wie man das als Chamäleon macht. Wenn dann die Chamäleons mit ihren Zungen zusammenhängen, dann freuen sich die Kinder. Der Rote geht baden, was ungewöhnlich ist für ein Landtier. Wenn dann in dem Augenblick der Raubvogel auftaucht, ist er für ihn eine leichte Beute. Was sich dann abspielt, ist Häme und die Sicherheit der anderen, dass der Rote seine gerechte Strafe für seine Anders-Artig bekommt. Und aus der Häme wird Hass, wenn dann ein angepasstes Chamäleon entführt wird und der Rote überlebt hat.

Das ist ein Punkt, den die Kinder sehr, sehr ungerecht finden und mich immer darauf ansprechen. Dieses Empfinden, dass dort ein Unschuldiger von dieser Gruppe verfolgt und lebensgefährlich bedroht wird, das ist für diesen Film unheimlich wichtig. Man soll spüren, dass, wenn der Rote zwischen ihre Finger kommt, er ausgespielt hat, er sterben muss. Der Rote flüchtet, rennt um sein Leben, und kommt in diese Bergwelt. Er versucht, sich nach oben zu retten, immer noch von der Gruppe verfolgt. Und was er nicht ahnt ist, dass da oben das Nest des Adlers ist. Er läuft in die Gefahr hinein. Dort wird gerade sein Kumpel verfüttert. Doch als der Rote in das Nest kommt, flüchten die Adler und das Opfer überlebt.

Auch die Artgenossen freuen sich und nehmen den Kumpel in ihre Mitte und keiner erinnert sich mehr an den Roten. Diese Rückkehr des Letzten soll auch so ein gewisses Hoffnungsmoment sein, er wird auch für eine kurze Zeit Rot, als er ihn am Schwanz zieht, einfach ein Zeichen, dass er bereit ist, sich dem Roten anzupassen, ein Hoffnungsschimmer, dass man nicht ganz allein ist, und zu zweit diese Anders-Artigkeit überleben kann und, das erzählt auch der Film in seinem Nachsatz, Spaß damit haben kann. Jeder bringt mit seiner Art ein Kolorit ein und bereichert die anderen.

Der Film ist von Herdis Albrecht und Ulf Grenzer animiert, das sind zwei, die zu meinem festen Stamm von meinen Mitarbeitern gehören, deren Fähigkeiten ich sehr schätze. Auch hier hat Rainald Hahn die Musik gemacht, der bei meinen ganzen letzten Filmen die Kompositionen geschrieben hat und auch die Umsetzung gemacht hat. Und die Musik vom Film bleibt einem in Erinnerung.

 

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