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Durchblick 4+  –  Von Fabelwesen und anderen Tieren  –  Christina Schindler

Trickfilmwerkstatt mit Christina Schindler

Zum Vergrößern anklickenSieht man einen kurzen Animationsfilm, kann man sich kaum vorstellen, wie viele Hunderte von Metern gezeichneter Bilder dazu notwendig sind. Christa Schindler hat es ihrer Freundin Renate einmal für Ihren Film „Nachts sind alle Katzen bunt“ vorgerechtet: „Erst zwölf gut gezeichnete Bilder ergeben eine Sekunde Trickfilm, und oft tummeln sich mehr auf dem Bild als nur ein Protagonist. Zwölf mal 60 Sekunden ergibt eine Minute 720 gezeichnete Bilder, bei sechs Minuten sind es 4.320.“ Der Trickfilm, der Dinge lebendig macht, die nur in der Fantasie existieren, arbeitet mit den Mechanismen der Filmsprache, die – trickreich – einzelne Bilder durch Aneinanderreihung in bewegte Bilder „verwandeln“. Der Trick besteht in der Täuschung der Wahrnehmung. 24 bzw. 25 Bilder in der Sekunde nehmen Auge und Gehirn als Bewegung wahr. Der besondere Zauber von Christina Schindlers Animationen besteht darin, dass die Fantasiewelt Teil der Realität wird. Die meisten Filme von ihr bestechen durch die Verbindung von Real- und Trickfilmtechnik.

Welche Schritte von der Idee bis zum fertigen Film notwendig sind, können auf der Video-Ebene mit der „Trickfilmwerkstatt“ in acht Stationen nachvollzogen werden. Das „Bonusmaterial“ bezieht sich vor allem auf die Produktionen „Aus-Flug“, „Rinnsteinpiraten“, „Zugvögel“ und „Anders-Artig“.

Station 1: „Zeiträume“ – die Entstehung von „Aus-Flug“ im Zeitraffer

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Tilmann Kohlhaase, der bei vielen Filmen von Christina Schindler die Kamera führte, filmte die Arbeit der Trickfilmregisseurin bei „Aus-Flug“ im Zeitraffer. Ein Trickfilm ist dann gelungen, wenn in den „Zwischenräumen“ der gezeichneten Bilder der „Film im Kopf“ entstehen kann. Dazu bedarf es einer perfekten Animationstechnik. Christina Schindler zeigt den Unterschied zwischen Legetechnik – das Rabenkind hüpft, die Bewegung erscheint abgehackt – und der Folientechnik – die Bewegung ist fließend und das Rabenkind wirkt frei.

Station 2: Was ist echt und was ist gezeichnet?

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Die Filme „Rinnsteinpiraten“ und „Zugvögel“ bestehen aus Real- und Trickfilmaufnahmen. In beiden Filmen ist es ein Kind, das die Verbindung zwischen beiden Welten schafft:

Die Realfilmaufnahmen zeigen die Handlungen der lebenden Schauspieler und Tiere vor einem realen Hintergrund. Die Trickfilmaufnahmen zeigen uns Figuren und Geschichten, die in der Fantasie der Kinder zum Leben erweckt werden: das Spielzeug nachts im Kinderzimmer, die Rinnsteinpiraten, die aus einem Papierboot entsteigen, und die Vögel, die im Süden Urlaub machen. Realfilm und Animation werden getrennt voneinander gedreht. Beim Drehen der realen Aufnahmen werden – wie auf dem Bild (oben links) des Films „Rinnsteinpiraten“ – Platzhalter für die Trickfiguren eingesetzt. Man nennt diese „Dummies“. Dann werden die Fantasiebilder gezeichnet und mit der Kamera aufgenommen. Der Hintergrund bei der Trickfilmaufnahme wird blau gehalten, um die spätere Montage mit dem Realfilm zu ermöglichen. Am Ende werden die Trickaufnahmen in den Realfilm einkopiert (Bild oben rechts).

In der Trickfilmwerkstatt könnt ihr die getrennten Aufnahmen von „Realfilm“ und „Trickfilm“ bei Rinnsteinpiraten und Zugvögel jeweils am Beispiel einer Szene sehen. Der einzige Gegenstand, der bei dem Beispiel „Rinnsteinpiraten“ auf den Müll im Rinnstein hin deutet, ist die Zahnbürste:

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Station 3: Storyboard

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Das Storyboard heißt übersetzt „Geschichten-Tafel“. Das Storyboard ist wie ein Comic: es zeigt die Geschichte des Films vor dem Drehen in Bildern. So weiß dann jeder aus dem Filmteam, was er tun muss. Das Storyboard „Zugvögel“ besteht aus einzelnen Bildern mit dem dazu gehörenden Text. Jedes einzelne Bild steht für eine bestimmte Einstellung der Kamera. Aus der Abfolge der einzelnen Einstellungen entsteht der Film. In der Trickfilmwerkstatt könnt ihr vergleichen, wie das ursprüngliche Storyboard – die erste Drehbuch-Skizze der Regisseurin – im Film umgesetzt wurde: Was ist gleich und was hat sich verändert?

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Station 4: Phasenbilder

Zum Vergrößern anklickenAlles, was in einem Zeichentrickfilm zu sehen ist, wird vorher gezeichnet. Bei „Rinnsteinpiraten“ und „Zugvögel“ wurden die Bilder per Hand gezeichnet, bei „Anders-Artig“ wurden Teile vom Computer animiert. Eine Sekunde Film besteht aus 24 Bildern. Für einen Zeichentrickfilm muss man nur 12 Bilder zeichnen, denn jedes wird zweimal von der Kamera fotografiert. Die einzelnen gezeichneten Bilder nennt man „Phasenbilder“, da sie eine bestimmte Phase in der Bewegung darstellen. Jedes Phasenbild besteht aus einer Folie und einem Hintergrund. Die Figuren und der Hintergrund werden extra gezeichnet. Die Figuren bei „Zugvögel“, „Rinnsteinpiraten“ und „Anders-Artig“ entstanden mit der Folientechnik. Sie unterscheiden sich von Bild zu Bild um eine Kleinigkeit.

So entsteht die Bewegung der Arme, Beine, Hände oder Köpfe.

Der Hintergrund verändert sich nicht so oft. So hat der Filmzeichner etwas weniger Arbeit. Vorlage für das Hintergrundbild ist die Layoutskizze. Das Hintergrundbild wird vor dem Zeichnen genau ausgemessen. Die Relationen und Perspektiven müssen realistisch sein. Dann wird der Hintergrund ausgemalt. Die Zugvögel, gezeichnet auf einer durchsichtigen Folie, werden darüber gelegt. Das Phasenbild ist fertig:

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„Anders-Artig“ ist dagegen mit Hilfe des Computers entstanden: Die einzelnen Elemente wurden gezeichnet, dann eingescannt und im Computer übereinandergelegt. Man spart also das Zeichnen auf Folien sowie das Abfilmen der Folien mit der Kamera. Für den Computer wurden nur die Umrisse der Figuren gezeichnet und diese dann mit einem Computerprogramm koloriert.

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Hier seht ihr zwei Phasenbilder aus „Anders-Artig“. In der Trickfilmwerkstatt wird gezeigt, dass ein Phasenbild aus 17 Lagen besteht! Herausfinden sollt ihr den kleinen Unterschied bei den Figuren: Die rechte Hand des roten Chamäleons und der Kopf des vordersten grünen sind auf jedem Bild anders, weil sie sich bewegen. Nur die Dinge, die sich bewegen, werden für jedes Bild neu gezeichnet.

Station 5: Trickfiguren

Die folgenden drei Skizzen entstanden als Vorlage für die Zeichnungen der Figuren der Rinnsteinpiraten: Rott, Robby und Rosalie. Die Skizzen sind zur Festlegung der Körperproportionen und der Farb-Bestimmung notwendig.

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Christina Schindler empfiehlt für das Zeichnen von Tieren als Trickfiguren: Schaut euch zuerst ganz genau an, wie die Tiere in Wirklichkeit aussehen. Betrachtet Fotos, Filme oder geht in den Zoo. Auch im Internet kann man viele Tierfotos finden. Wichtig ist, sich auf die Grundform zu konzentrieren: Ist das Tier eher länglich oder eher hochbeinig? Hat es einen runden oder einen spitzen Kopf? Was sind seine besonderen Merkmale?

Nun kann man Ideen für den Charakter der Figur entwickeln. Bei „Anders-Artig“ überlegte sich Christina Schindler, welche Eigenschaften das anders-artige Chamäleon haben könnte. Das Anderssein sollte auch im Aussehen deutlich werden. Zeichentrickfiguren muss man ihre Gefühle ansehen. Dafür brauchen sie menschliche Gesichtszüge, die Freude, Angst oder Trauer ausdrücken. Wichtig dabei sind vor allem ausdrucksvolle Augen. In der Trickfilmwerkstatt seht ihr einige Entwürfe der Regisseurin für „Anders-Artig“: Welche Elemente sind davon in das andersartige Chamäleon im Film eingeflossen? Die letzte Bild zeigt, wo die Gelenke sind. Das ist wichtig, damit man weiß, wie sich das Chamäleon bewegt.

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Farben unterstützen die Geschichte. Sie erzeugen auch Stimmungen und Gefühle in uns. Warum sind auf dem folgenden Bild wohl die „normalen“ Chamäleons grün und das Anders-Artige rot? Wie verändert sich das Bild bei einem andersfarbigen Hintergrund? Wie verändert sich das Bild, wenn die Farbe des roten Chamäleons wechselt?

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Station 6: Das Auge der Kamera

Im Zeichentrickfilm ist der Zeichner nicht nur Figurenzauberer. Er muss auch mit den Augen der Kamera zeichnen. Die gezeichneten Bilder müssen so „echt“ aussehen wie ein in diesem Moment gemachtes Foto. Alles muss stimmen. Die Größe der Figuren muss genau zum Hintergrund passen. Die Kameraeinstellung hat Einfluss auf die Größe und die Sichtweise auf das Bild. Zur Veranschaulichung wird ein Teil des Bildes von „Zugvögel“ in der Größe verändert – wie das auch mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen möglich ist. Schon hat das Bild eine andere Aussage.

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So müssen die vielen Figuren genau in das Klo passen. Wenn sie zu groß wären, dann sähe das so aus und niemand würde die Geschichte glauben. Hier kommt die Schaffnerin gerade auf die Klotür zu. Wenn sie größer wäre, dann wäre sie schon zu nahe, keine Zeit mehr, die Klotür zu schließen. Wenn sie aber viel kleiner wäre, dann wäre sie viel zu weit weg.

Station 7: Der Ton - Filmmusik und Geräusche

Die Filmmusik erzählt uns Geschichten. Mit Musik sehen wir mehr als ohne Musik – probiert es mit der Trickfilmwerkstatt aus! Die Musik lässt uns die Geschichten fühlen.

Zum Anwählen gibt es drei Hörbilder aus „Zugvögel“, die aus dem Originalmaterial von Christina Schindler zusammengestellt wurden, um den Effekt der Musik zu hören, zu spüren und zu sehen!

Im ersten Hörbild geht es um die zwei zentralen Elemente der Musik, das eine für den „Zug“ und das andere für die „Vögel“. Die Flöten ahmen die Stimmen und den Flug der Vögel nach. Erkennt Ihr den stampfenden Rhythmus des Zuges? Die Musik stimmt uns fröhlich. Die Musik macht Lust auf's Reisen!

Das zweite Hörbild heißt „Winter“. Wir hören die Schneeflocken fallen und das Krächzen der Raben. Die Musik ist getragen und ein bisschen traurig. Könnt ihr die Kälte spüren?

Das dritte Hörbild ist das der „Sphinx“: Die Musik versetzt uns in ein fremdes Land. Die Sphinx steht in Ägypten, weit weg in Nordafrika. Deswegen klingt die Musik orientalisch.

Wie wichtig Geräusche sind, könnt ihr bei einem weiteren Hörbild ausprobieren, bei dem man den Ton aus- und anstellen kann: Die Zugvögel Familie macht von jedem Ausflug Bilder für das Familienalbum. Ihr könnt im Album blättern und den Ton dazu an oder ausmachen. Was seht Ihr mit und was seht Ihr ohne Geräusche? Wir hören, wie das Zugvogelkind isst und trinkt. und...

Station 8: Welche Trickfilme gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten von Trickfilmen: Beim Zeichentrickfilm werden Zeichnungen animiert. Dafür werden sie nacheinander auf einen Tricktisch gelegt. Die Kamera ist waagerecht darüber angebracht und in der Höhe verstellbar. Sie nimmt jede Zeichnung einzeln auf.

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Beim Puppentrickfilm werden die Puppen oder Knetfiguren für jede Bewegungsphase neu eingestellt und Bild für Bild aufgenommen. Bei der Computeranimation werden dreidimensionale Objekte am Computer erzeugt, die dann animiert und als Bilder ausgegeben werden.

Station 9: Making of in Bildern

Das Making Of in Bildern gibt Einblicke in den Produktionsprozess der Filme und zeigt uns vor allem die Menschen, die mitgearbeitet haben und die Orte an denen gedreht wurde. Wichtig ist, es gibt zwei Kameras, die Filmkamera, mit der die Realszenen gedreht wurden, und die Kamera des Tricktisches für den Zeichentrickfilm. Und natürlich werden auch die Kinder gezeigt, die bei der Filmpremiere anwesend waren.

Hier seht ihr das Filmteam von „Zugvögel“ im Schnee. Die Kamera ist durch eine Decke vor der Nässe geschützt. Der Schneemann steht im Garten eines Hauses im Harz. Ganz schön schwierig war es, die Eisenbahn der „Zugvögel“ im Schnee zum fahren zu bringen. Der Kameramann Tilmann Kohlhase und sein Assistent Michael Kraut im Wohnzimmer beim Dreh. Eine Familie hat ihr Wohnzimmer für zwei Tage dem Filmteam zur Verfügung gestellt.

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Die folgenden Schnappschüsse sind direkt vom „Set“ der „Rinnsteinpiraten“: wir sehen den Hund Arno und natürlich Hannah Steike. Sie spielt das Mädchen, das im Regen das Papierschiff für die Rinnsteinpiraten faltet. Der Rauch von den Zigaretten wurde mit einem Röhrchen erzeugt.

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Auch bei „Anders-Artig“ entstand der Film mit Teamarbeit. Ulf Grenzer, Animator, hat ebenfalls Bewegungsphasen gezeichnet. Im Urlaub traf er dann ein echtes Chamäleon. Irene Wellershoff, die verantwortliche ZDF-Redakteurin, hat für das Geld gesorgt, und dafür, dass der Film auch ins Fernsehen kam. Und so sieht eine glückliche Regisseurin bei der Premiere ihres Filmes aus!

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