
Durchblick 4+ – Von Fabelwesen und anderen Tieren – Christina Schindler
Christina Schindler empfiehlt für das Zeichnen von Tieren als Trickfiguren: „Schaut euch zuerst ganz genau an, wie die Tiere in Wirklichkeit aussehen. Betrachtet Fotos, Filme oder geht in den Zoo. Auch im Internet kann man viele Tierfotos finden. Wichtig ist, sich auf die Grundform zu konzentrieren: Ist das Tier eher länglich oder eher hochbeinig? Hat es einen runden oder einen spitzen Kopf? Was sind seine besonderen Merkmale?“
Hier findet ihr einige Anregungen für die realen Vorbilder des Rabenkindes Abra, der Vögel, die im Zug nach Süden fahren oder für das „Anders-Artige“.
Die Raben stammen wie die Krähen aus der Familie der Rabenvögel. Ihre Gattung umfasst 42 verschiedene Arten. Die größeren Vertreter werden als „Raben“, die kleineren als „Krähen“ bezeichnet. In Europa kommen der Kolkrabe, die Aaskrähe, die Saatkrähe und die Dohle vor. Als das Krähen bezeichnet man weiter auch den typischen Vogellaut, den neben Rabenvögeln auch andere Vögel von sich geben.
Die Weisheit der Raben in Märchen und Fabeln kommt nicht von ungefähr: Raben und Krähen sind sehr intelligente Vögel. Im Bild seht ihr, wie sich eine Krähe aus Kleiderbügeln ein Nest gebaut hat. Das heißt, sie lernen, die Umweltbedingungen für sich zu nutzen, auch die, die von den Menschen geschaffen wurden. Forscher haben herausgefunden, dass sie in der Lage sind, ihre Handlungen im Voraus zu planen. Sie können sich sehr gut merken, wo sie ihr Futter versteckt haben und, dass es auch wichtig ist, beim Verstecken nicht beobachtet zu werden. Dies verrät auch die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen zu können. Die Vögel sind auch lernfähig. So kann man ihnen beibringen, wie man Nüsse knackt oder mit Werkzeug umgeht. Weiterhin wurden sie dabei gefilmt, wie sie auf stark befahrenen Straßen auf das Grünsignal der Ampel warteten, bevor sie dann die Nahrung von der Straße holten. Häufig wurden sie auch beobachtet, wie sie andere Tiere für sich „arbeiten“ lassen: so begleiten sie Wölfe oder anderen Raubtiere, um diesen die erlegte Beute abzujagen.
Vögel, die im Herbst nach Süden ziehen, nennt man Zugvögel. Sie sind Vögel unserer Heimat, die aber die kalte Jahreszeit in wärmeren Ländern verbringen. Die Gründe für den Aufbruch der Vögel sind die Kälte, zu wenig Nahrung und körperliche Signale. Zugvögel sind zum Beispiel Drosseln, Finken, Gartengrasmücken, Kraniche, Schwalben, Stare oder Störche. Weltweit sind 50 Milliarden Vögel saisonal auf Reisen. Das Zugverhalten orientiert sich an den Überlebensmöglichkeiten und kann sich verändern. Zugvögel müssen geschützt werden. Dies betrifft das Verbot der Vogeljagd wie auch die Pflege von Naturschutzgebieten.
Damit die Vögel auf Kurs bleiben, haben sie einen „eingebauten“ Kompass, der zwischen „Richtung Pol“ und „Richtung Äquator“ unterscheidet. Nachtschwärmer richten sich nach dem Polarstern, Tagesflieger nach dem Sonnenstand. Ihr ausgezeichnetes Gedächtnis hilft den Zugvögeln, sich an die einmal geflogene Route zu erinnern. Zugvögel reisen auf unterschiedliche Weise. Oft sehen wir einen Vogelschwarm in V-Formation am Himmel. Der Vogel an der Spitze teilt die Luft, die anderen fliegen im Windschatten. Die Vögel wechseln sich an der Spitze ab. Die Stare „reisen“ zu Tausenden in breiter Front. Sie überqueren so das offene Meer. Die Energie für bis zu 100 Flugstunden fressen sich Zugvögel vorher an. Eiweißvorräte werden im Magen und Darm gebunden. Zugvögel haben ihren eigenen Wassertank. Bei der Fettverbrennung wird während des Flugs Wasser freigesetzt.
Viele Zugvögel bekommen zur Flugzeit größere Brustmuskeln für mehr Ausdauer und Kraft.
Chamäleons interessieren die Regisseurin seit langem. Ihre faszinierenden Fähigkeiten zur Anpassung haben für die Tiere eine überlebenssichernde Funktion. Übertragen auf das Leben in der menschlichen Gemeinschaft werfen diese Fähigkeiten dagegen spannende Fragen auf. Für ihre Geschichte über Konformität und Anderssein erschienen Christina Schindler daher Chamäleons als prädestinierte Charaktere. Sie hat sich ausführlich mit den Tieren beschäftigt, um Anregungen für ihren Film zu gewinnen. Diesen Prozess nachzuvollziehen ist spannend.
Chamäleons gehören zu den Reptilien. Es gibt mehr als 100 verschiedene Arten. Die kleinsten von ihnen messen nur dreieinhalb Zentimeter. Die größten können bis zu einem Meter lang werden. Chamäleons können ihre großen, kugelförmigen Augen unabhängig voneinander bewegen. So sind sie in der Lage ihre Beute zu beobachten, ohne sich zu bewegen. Manche Arten können einen Kilometer weit scharf sehen.
Chamäleons können ihre Farbe wechseln. Dadurch tarnen sie sich. Mit den verschiedenen Farben drücken sie aber auch „Gefühle“ aus, ob sie beispielsweise angreifen wollen oder um ein Weibchen werben. Die Farbe ist also so etwas wie eine Sprache.Chamäleons haben noch andere Methoden, um sich zu tarnen. Sie sitzen meist gut versteckt in Bäumen und bewegen sich nur sehr langsam und vorsichtig. Beim Laufen schaukeln sie vor und zurück. Damit imitieren sie ein Blatt, das sich im Wind hin und her bewegt.
Chamäleons haben eine „Schleuderzunge“ für die Nahrungsbeschaffung. Unbeweglich lauern sie auf ihre Beute. Kommt ein Insekt nah genug heran, schleudern sie ihre Zunge heraus. Das geht so schnell, dass man es mit bloßem Auge kaum sehen kann. Die Zunge hat am Ende zwei Muskellappen, mit denen die Beute umfasst wird.
Chamäleons leben meistens auf Bäumen. Sie kommen vor allem in Afrika vor, aber auch in einigen Ländern in Südeuropa und in Indien.
Quelle: Materialien der DVD educativ „Zugvögel/Rinnsteinpiraten“, „Anders-Artig“. Bilder: Nest, Chamäleon 1, Chamäleon 2, Chamäleon 3, Chamäleon 4 (GNU/PD).